Heimgang eines Missionars

Im Alter von 88 Jahren ist am 3. Februar der Klausener Dominikanerpater Adalbert Sprinkmeier verstorben. In seinem langen Leben war er unter anderem 26 Jahre in Bolivien und drei Jahre in Kuba als Missionar tätig.
Seit Ende 1999 war er Mitglied der Dominikanerkommunität im Wallfahrtsort Klausen. Schon in den 1950er Jahren war Pater Adalbert zur Aushilfe in Klausen und dachte sich schon damals, dass hier ein guter Ort für den Ruhestand wäre.
Der Dominikaner hat das geistliche Leben im Wallfahrtsort und in den umliegenden Pfarrgemeinden fast 20 Jahre mit gestaltet und war als Seelsorger und Priester ein gesuchter Gesprächspartner. Nach dem plötzlichen Tod des Pfarrers P. Heinz-Josef Babiel übernahm er für fast ein dreiviertel Jahr die Pfarrverwaltung in der Kirchengemeinde Maria Heimsuchung in Klausen.

Am Abend des 3. Februar verstarb er im Cusanus-Stift in Kues. Am Freitag, dem 9. Februar um 14:30 Uhr wird (inzwischen wurde) für ihn in der Wallfahrtskirche Klausen das Sterbeamt gehalten. Seine letzte Ruhe wird er auf dem Priesterfriedhof des Wallfahrtsortes finden. Möge der Herr ihm seine treuen Dienste mit dem Ewigen Lohn lohnen!

Pater Adalbert Sprinkmeier OP wurde am 22. Juli 1929 in Oberhausen geboren. Er stammt aus einer religiösen Familie und nannte Priester schon seit seiner frühen Kindheit als Berufswunsch. „Wenn der Priester bei uns in der Kirche mit seinem goldfarbenen Gewand zelebrierte, dachte ich, da ist der liebe Gott persönlich“, erinnert er sich. In Walberberg (zwischen Köln und Bonn) hat er Theologie studiert und kam nach seiner Priesterweihe am 25. Juli 1956 nach Celle. 1958 brach er auf nach Bolivien. Dorthin ist er 26 Tage mit dem Schiff unterwegs gewesen und blieb 26 Jahre. In dem Andenland wirkte er als Pfarrer, Lehrer, Regionalvikar, Exzerzitienmeister oder ganz praktisch als Entwicklungshelfer, Sanitäter und als Ersatzbürgermeister.
Anschließend war er zunächst wieder in Walberberg Ansprechpartner für die Studenten des Ordens. Danach wurde er Seelsorger der Dominikanerinnen von Arenberg bei Koblenz. Es folgten drei Jahre nochmals als Missionar in Kuba. Beiden Ländern Südamerikas, in denen er so segensreich tätig war, blieb er zeitlebens durch persönliche Kontakte und Reisen eng verbunden.
Wegen gesundheitlicher Probleme kam er schließlich nach Deutschland zurück und erhielt 1999 einen Anruf aus Klausen, von Pater Heinz-Josef Babiel, der ihn gerne im Wallfahrtsort haben wollte. Am 22. Dezember des Jahres traf er dort ein. Kurze Zeit später starb Pater Babiel, aber Pater Adalbert blieb als, wie er sagt, „Gehilfe“ der jeweiligen Pfarrer und Wallfahrtsrektoren von Klausen. Die Pilger und die Gottesdienstbesucher der Wallfahrtskirche schätzten seine Ansprachen und seinen Charme mit denen er den Menschen begegnete. Unermüdlich blieb er als Prediger und Seelsorger seinem dominikanischem Charisma verbunden. Ein letzter großer Höhepunkt war für ihn und für alle, die ihm verbunden waren die Feier des diamantenen Priesterjubiläums, das er im Sommer 2016 feiern konnte.
Vielen Schwestern innerhalb und außerhalb des Predigerordens hielt Pater Adalbert bis weit ins hohe Alter Exzerzitien und religiöse Wochen. Gerne vertrauten die Menschen sich ihm als Beichtvater an. Noch in seinen letzten Monaten in Bernkastel-Kues hörte er zahlreiche Beichten.

Text und  Bild von der Facebookseite der Teutonia, wo noch viele andere Bilder aus dem Leben von P. Adalbert zu finden sind.

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Aschermittwoch 1218

Von einem Aschermittwochswunder vor 800 Jahren hat heute die deutsche Ausgabe der Catholic News Agency berichetet:

Der Heilige Dominikus, Gründer des Ordens der Prediger (1170-1221)
Foto: CNA via Claudio Coello/Wikimedia (Gemeinfrei)

Wir wünschen allen unseren Lesern eine gesegnete Fastenzeit

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Jahresgedächtnis der verstorbenen Eltern

Die Catholic News Agengy (CNA) berichtet in einem Beitrag vom 11. Februar  von der Tradition der Dominikaner am 7. Februar für ihre verstorbenen Eltern zu beten.

CNA berichtet, dass Dominikaner generell das Gebet für die Toten pflegen. Sie beten  täglich für die an diesem Datum verstorbenen Mitbrüder, und ihre sind Priester gehalten , in der Messe der Mitbrüder  zu gedenken, die kürzlich verstorben sind.

P.  Thomas Petri, der akademische Dekan des Dominikanischen Studienhauses in Washington DC vermutet, dass die Gepflogenheit für die verstorbenen Eltern zu beten, darin begründet ist, dass der Dominikanerorden  anders als anderen Orden, die Vorstellung abgelehnt hat, dass die Brüder die Verbindungen zu ihren Familien abbrechen, „wie Menschen die tot sind und im Dienst an der Kirche auferstehen“.

Trotz ihrer völligen Hingabe an die Mission des Ordens respektieren die Dominikaner die Tatsache, dass sie ohne ihre Eltern nicht geboren worden und keine Predigerbrüder geworden wären.

Im Proprium des Ordens ist der 7. Februar dem „Jahresgedächtnis der verstorbenen Väter und Mütter“ gewidmet.  Es wird im Rahmen einer hl. Messe begangen. Jede Gemeinschaft kann jedoch unter Wahrung der allgemeinen Normen in einer geeigneten Form im Stundengebet das Jahrgedächtnis berücksichtigen. Der Text dazu lautet: In dieser gemeinsamen Eucharistiefeier begehen wir das Gedächtnis  unserer verstorbenen Eltern, die uns vorausgegangen sind, bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens, und die nun ruhen in Frieden. So kommt unsere dominikanische Familie der Verpflichtung gegenüber den Eltern nach. Ihnen sind wir im Leben wie im Tod verbunden, die uns das Leben geschenkt und uns so oft zur Nachfolge Christi angeleitet und aufgefordert haben.

Oration: Herr, unser Gott, du hast uns geboten, Vater und Mutter zu ehren und ihnen dankbar zu sein. Sei unseren Eltern gnädig. Schenke ihnen dein Erbarmen, vergilt ihnen alles Gute, das sie uns getan haben, und gib, dass wir sie einst in der ewigen Heimat wiedersehen. Darum bitten wir durch Jesus Christus , unseren Herrn.

Bild: aus dem CNA-Betrag. Pope Francis celebrates Mass for Dominicans at the Basilica of St. John Lateran. Credit: Daniel Ibanez

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Sr. Maria Columba Schonath -von der Kranken zur Mystikerin

Die Bamberger dominikanische Laiengemeinschaft vom Heiligen Grab lädt für den 3. März 2018 zu ihrem Studientag ein, der sich mit der Mystikerin und Dominikanerin Sr. Columba Schonath beschäftigt. Sr Columba lebte von 1753 bis zu ihrem Tod 1787 im  Heilig-Grab-Kloster in Bamberg und gehörte als Laienschwester (Terziarin) dem 3. Orden der Dominikaner ( damals III. Orden von der Buße des Heiligen
Dominkus) an. Für sie läuft ein Seligsprechungsverfahren.

Anmeldungen zum Studientag können bis zum 22. Februar entweder per email unter studientag@dominikaner-ba.de oder telefonisch unter 09544/982614 erfolgen.

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„Das fließende Licht der Gottheit“ – Inspiration für die dominikanische Familie

„Das fließende Licht der Gottheit“ ist eine Schrift Mechthilds von Magdeburg. Sie wirkte im 13. Jahrhundert als Laie ohne lateinisch-theologische Bildung in Gebet und Dienst am Nächsten und trat erst im hohen Alter in ein Kloster ein. Ihr Werk spiegelt ihre Verehrung für Dominikus und seine Brüder wieder. Nach ihrem Tod wurde es von Dominikanern ins Lateinische übersetzt, in deren Bibliotheken aufbewahrt und verbreitet. Welchen Impuls kann eine dem Predigerorden nahe stehende Frau der dominikanischen Familie geben, die vor 750 Jahren ihre geistlichen Erfahrungen niederschrieb? Es ist ihre Art, sich aufgrund ihrer Erfahrungen als Frau in der Kirche zu Wort zu melden.

„Ein schnödes Weib“

Zunächst bezeichnet sie sich selbst – entsprechend der damaligen gesellschaftichen Stellung und kirchlichen Lehre der Frau – als „schnödes Weib“ mit einem „ungelehrten Mund“. Sie berichtet von schmerzvollen geistlichen Erfahungen wie der Entfremdung von Gott und deutet sie als Weg in die Nachfolge des leidenden Jesus. Auf dem Hintergrund dieses spirituellen Leidens sieht sie in dieser unfreiwilligen, untergeordneten Rolle eine Parallele zum Abstieg Gottes zur Menschheit aus dessen freien Stücken: Wenn sie Erniedrigung in eigenen Leben erfahre, vollziehe sie die heilsame Zuwendung Gottes zum Menschen nach. Diese erlebte Demut ermögliche ihr nicht nur in besonderer Weise, Gottes Wort für ihre Zeit zu empfangen, sondern rechtfertige, diese weiterzugeben. So schreibt sie im „Fließenden Licht“: Es ist mir vor manchem „weisen Meister der Schrift … eine große Ehr‘ und stärkt die heilige Christenheit gar sehr, dass der ungelehrte Mund die gelehrte Zunge aus meinem Heiligen Geist belehrt“. Es sei ihre geistliche Niedrigkeit – nicht ihre gesellschaftliche und kirchliche Randexistenz -, die sie qualifiziere, den Geistlichen und Gelehrten zu verkündigen, um die Kirche aufzubauen.

Mechthild von Magdeburg weiß um den verkommenen Lebenswandel und Machtmissbrauch des eigenen Domkapitels unter anderem von einem Domdekan, der sein Amt kürzlich angenommen hat und von den Missständen angewidert ist. Ratsuchend, ob er sein Amt nieder legen soll, wendet er sich beachtenswerter Weise an Mechthild. Diese benennt das Problem im Bild der mit dem Gestank der Unkeuschheit behafteten Domherren, die sie als „Böcke“ tituliert und deren Haut, d.h. ihr Besitz und ihre Macht, mit dem Tod verfalle. Sie enthielten durch ihren Amtsmissbrauch der Herde die göttliche Liebe und die christliche Lehre in verantwortungsloser Weise vor. Aus ihrem Gebet heraus empfiehlt sie dem Domdekan, im Amt zu bleiben, damit er durch ein demütiges und frommes Leben ein geistliches Vorbild sei. Der persönliche Lebenswandel sei Grundlage geistlicher Macht, die sie grundsätzlich befürwortet. So bittet sie ihre Beichtväter um eine kritische Beurteilung ihrer außergewöhnlichen Erfahrungen.

Vorbild Dominikus

In dieser Hinsicht sei der heilige Dominikus als Ordensoberer vorbildlich, der in den eigenen Bedürfnissen Maß gehalten habe, ohne gleichzeitig von seinen Brüdern zu fordern, was er sich selbst abverlangt. Darin zeige sich seine Liebe zu Gott, die seinen Egoismus überwinde. Diese uneigennützige Liebe sei Maßstab für die Amtsausübung eines Priors. Konsequent werden Obere aufgefordert, den Versuchungen zu widerstehen, die mit den Führungsaufgaben einhergehen können, vor allem das Streben nach Ehre und Macht. Als Korrektiv werden die Oberen ermahnt, auf die Brüder und Schwestern sowie auf den geistlichen Rat des Seelenführers zu hören. Sie warnt ausdrücklich davor, unter Berufung auf die eigene Autorität ohne Beratung willkürliche Entscheidungen zu treffen.

Sie bezieht ihre Mahnung nicht nur auf die persönliche Anfechtung, sondern auch auf strukturelle Defizite in der Kirche: so seien auch Fehlentwicklungen in Konventen entgegenzuwirken. Zudem setzt sie kritikwürdigen Tendenzen einen Endzeitorden als Gegenentwurf zu den kirchlichen Verhältnissen entgegen. Wenn dessen Brüder ungehindert predigen, lehren und Sakramente spenden dürfen, entspricht dies dem Wunsch ihrer zeitgenössischen Dominikaner.

Eine kritische Stimme in der Kirche

Mechthild deutet ihre eigenen leidvollen Erfahrungen im geistlichen Leben wie in der gesellschaftlich-kirchlich bestimmten Öffentlichkeit als Befugnis, in Rücksprache mit ihren spirituellen Begleitern Fehlentwickungen in der Kirche zu benennen, zu kritisieren und selbst geistliche Weisungen zu erteilen. So kann sie uns ein Vorbild sein, mit negativen bis hin zu erniedrigenden Erlebnissen auch in der Kirche umgehen zu lernen: die eigene Demütigung kann – ohne sie zu rechtfertigen oder geistlich zu überhöhen – befähigen, das Leid anderer wahrzunehmen und darin ein „Zeichen der Zeit“ zu sehen. Dazu bedarf es der Gabe, im Glauben an die Führung durch den Heiligen Geist „in den Ereignissen, Bedürfnissen und Wünschen … zu unterscheiden, was darin wahre Zeichen der Gegenwart oder Absicht Gottes sind“ (Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanums „Kirche und Welt“, Artikel 11). Dies ermöglicht es, selbst die Perspektive der zeitweise oder dauerhaft Unterdrückten und Ausgegrenzten einzunehmen. Parteiisch für sie gilt es, reflektiert Handlungsmöglichkeiten auszuloten und sie im Sinne des Apostolates der Tat umzusetzen.

von Norbert Schmeiser (DLG Freiburg)

Aus: kontakt. Freundesgabe der Dominikaner in Deutschland und Österrreich Nr. 45 (2017) 66-67

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Hl. Zdislava von Lemberk

Als Ehefrau und Mutter von vier Kindern wurde Zdislava, geboren um 1220 in Mähren, im Alter von 21 Jahren „den Brüdern gleich“ in den Orden der Predigerbrüder aufgenommen, nicht als Ordensschwester, sondern als Laie. Was bedeutete es, als verheitete Mutter Mitglied der Dominikaner zu sein?

Neben der Sorge für ihre Familie und der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verpflichtungen führte sie ein regelmäßiges Gebetsleben und widmete sich dem Dienst an Armen, Leprakranken sowie Kriegsflüchtlingen. Darum wird sie mit einem Brotkorb dargestellt. Für den Dominikanerorden nutzte Zdislava ihre Möglichkeiten als Gattin des Burgherrn von Schloss Lemberk, einem Berater von König Wenzel I.: Sie förderte die Verbreitung des Predigerordens in Böhmen und Mähren, indem sie ihn motivierte, die Kosten für die Gründung von zwei Klöstern zu übernehmen. Vor 765 Jahren starb sie 32-jährig. Sie wurde in der Gruft der Kirche der Dominikanerinnen in Jablonné bzw. Gabel (nördlich von Prag) bestattet; heute erhebt sich über ihrem Grab eine Barockkirche mit Gemälden, die Wundertaten darstellen, die ihr zu ihren Lebzeiten zugeschrieben wurden. Deshalb wurde schon bald ihr Beistand erbeten.

Zdislavas Mitgliedschaft im Predigerorden ist im Rahmen einer Bewegung von Laien einzuordnen, die sich von Beginn an in den Dienst des Dominikus sowie seiner Brüder und Schwestern stellten. In ihrer Position unterstützten sie deren Anliegen nach ihren Möglichkeiten.

Diese Bewegung hat die Kirche gewürdigt, indem Papst Johannes Paul II. Zdislava von Lemberk anläßlich seines Besuches in Olmütz 1995 heilig gesprochen hat, nachdem bereits Pius X. 1907 ihre Verehrung gestattete. Die Kirche gedenkt ihrer am 1. Januar*.

Norbert Schmeiser

(zuerst veröffentlicht in der Januarausgabe 2018 des Konradsblatts)

* Im Dominikanerorden ist der Gedenktag der hl. Zdislava der 4. Januar

Bild von hier

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Nachtrag: Einkehrtag in Landsberg

Zwischen dem Hochfest Maria Immaculata Conceptio und dem 2. Advent fand ein Einkehrtag der Gruppe Landsberg-München im Kloster der Dominikanerinnen in Landsberg statt. Insgesamt 30 Teilnehmer kamen zusammen, um sich am Vortag des 2. Advent mit dem Thema „Herr, schenke mir ein hörendes Herz“ unter der Leitung von Pater Thomas Augustinus Schuster OP zu beschäftigen. Abgerundet wurde der Einkehrtag noch mit einer Zeit der eucharistischen Anbetung, der Feier der Hl. Messe und gemütlichem Beisammensein.

Am Vormittag stand zunächst eine geistliche Betrachtung des zentralen Themas des Einkehrtags aus „Salomos Bitte um Weisheit“ (1 Kön 3,2-15) im Mittelpunkt. „In Gibeon erschien der Herr dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll. Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. So hast du jetzt, Herr, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht, wie ich mich als König verhalten soll. Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht. Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben: Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den Königen dir gleicht. Wenn du auf meinen Wegen gehst, meine Gesetze und Gebote befolgst wie dein Vater David, dann schenke ich dir ein langes Leben.“

In einem zweiten Teil wurde noch ein Blick zurück auf das Hochfest des Vortages Maria Immaculata Conceptio (Lk 1, 26-38) geworfen: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.“

Zum Schluss wurde noch ein Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest geworfen. Mit einer Betrachtung von Jesaja 9,1ff „Die Verheißung der Geburt des göttlichen Kindes“ schloss der adventliche Einkehrtag in Landsberg: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. […] Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.“

Ralph Berger

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Lobpreis auf die Menschwerdung Gottes

Kind, älter als der Himmel! O dreimal gesegneter Sohn, der auf seinen Schultern seine Herrschaft trägt und nicht nach Würde aus fremder Hand zu trachten braucht. Denn von Natur ist dem göttlichen WORT als dem Sohn Gottes die Herrschaft über das All eigen; nichts ist ihm gegeben worden, wie es einem Geschöpf zukommt. Es heißt: »Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter« (Jes 9,5). O allmächtige Gewalt! »Wunderbarer Ratgeber und Friedensfürst ist er« (Jes 9,5). Wie sollen wir das heutige Fest ruhmvoll feiern? Wie sollen wir die gegenwärtige mystische Feier herrlich begehen? Wer kann den unvergänglichen Reichtum dieses Tages ausschöpfen? Mit welchen klangvollen und machtvollen Worten sollen wir das hochgepriesene und siegreiche Mysterium der Unvergänglichkeit verkünden? O Tag, unzähliger Gesänge wert, an dem für uns der Stern aus Jakob aufging und der himmlische Mensch aus Israel erstrahlte und der gewaltige Gott unter uns Wohnung nahm! »Die Sonne der Gerechtigkeit« (Mal 3,20) vertrieb die Dunkelheit; der Schatz göttlicher Tugenden wurde aufgeschlossen; der Baum des ewigen Lebens hat für uns zu sprossen begonnen und die aufgehende Sonne leuchtete aus der Höhe. Der Herr des Himmels und der Erde kam aus jungfräulichem Schoß in die vergängliche Welt, um sie zu erlösen. Denn »heute wurde uns der Retter geboren, der Messias, der Herr« (Lk 2,11), »das Licht für die Heiden« (Lk 2,32) und die Rettung des Hauses Israel. O Wunder! Als Kind in der Krippe liegt der, den die Himmel nicht fassen können, und in den Armen einer Frau ruht der, der durch kurzen Befehl das All erschaffen hat. Von den makellosen Brüsten der heiligen Jungfrau wird genährt, der allen himmlischen Mächten das Dasein geschenkt hat. … Durch eine Jungfrau wird die Welt befreit, die einst durch eine Jungfrau der Sünde unterlegen war. Durch die Geburt aus der Jungfrau sind die unsichtbaren Dämonen jeder Zahl und jeder Art in die Unterwelt gebannt worden. Der Herr nahm die Gestalt der Knechte an, damit die Knechte Gottes Gestalt erlangen können. … O Bethlehem, geheiligte Stadt, aller Menschen gemeinsames Erbe! O Krippe, Gefährtin der Cherubim, gleicher Ehren wert wie die Seraphim! Denn der auf jenen in göttlicher Ewigkeit thront, ist nun dem Leib nach in dir eingeschlossen. O Maria, o Maria, die du den Schöpfer des Alls als deinen Erstgeborenen geboren hast. O Menschennatur, dem WORT Gottes schenkst du leibliches Sein. Mehr Ehre verdienst du deshalb in dieser Hinsicht als die himmlischen und geistigen Kräfte. Denn nicht die Gestalt der Erzengel wollte Christus annehmen, noch der Herrschaften, Mächte und Gewalten unwandelbare Erscheinungen, sondern die deine hat er angenommen, die dem Untergang unterworfen und unvernünftigen Wesen gleichgestaltet ist. Doch bedürfen nicht die Gesunden des Arztes (vgl. Mt 9,12); deshalb hat die von großer Krankheit befallene Menschheit einen solchen Arzt erhalten, damit sie, von der Krankheit geheilt, das Glück der größeren Gesundung genieße. … Brüder, seliger himmlischer Berufung teilhaftig, zu Söhnen und Brüdern Gottes seid ihr berufen! Darum ist es unsere Pflicht, dankbar Den zu preisen, der uns berufen hat.

Quelle: Amphilochios von Ikonium, Predigt zur Geburt Christi, 3-5; PG 39, 40A-41B in: Lothar Heiser, Jesus Christus, Das Licht aus der Höhe, S. 90 ff.

Allen unseren Freunden und unseren Lesern wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und den Segen der Heiligen Nacht.

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O Immanuel

23.12. Gott mit uns / Immanuel

O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott.

O Emmanuel, Rex et legifer noster, expectatio gentium, et salvator earum: veni ad salvandum nos, Domine, Deus noster.

Der Name Immanuel geht zurück auf eine Verheißung des Propheten Jesaja. Dort heißt es, dass Gott dem zweifelnden Volk folgendes Zeichen geben wird:

Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel geben. (Jes 7,14)

Der Evangelist Matthäus sieht diese Verheißung in der Geburt Jesu Christi erfüllt:

Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. (Mt 1,22-23)

Aber, so wird immer wieder gefragt, warum heißt Gottes Sohn dann Jesus und nicht Immanuel? Weil der Name, den Jesaja verheißt, nicht als Eigenname zu verstehen ist, sondern vielmehr die tiefste Eigenschaft des Gottessohnes beschreibt. Gott wird durch dieses besondere Kind seine Gegenwart unter den Menschen auf unüberbietbare Weise offenbaren.
Matthäus und die anderen Evangelisten zeigen uns, wie Jesus sich als der Gott-mit-uns erweist. Jesus nimmt sich der Menschen an, er sieht ihre Nöte und schenkt Heil und Heilung, Vergebung der Sünden und Heilung der Krankheiten. Er lehrt den Weg zum Leben, nimmt die Sünden der Menschen auf sich und trägt sie an das Holz des Kreuzes. Seine Auferstehung schenkt den Vielen das Leben. Als der Auferstandene ist Jesus der wahre Immanuel, der nun durch alle Zeiten und an allen Orten bei den Menschen ist, wie Jesus selbst in den letzten Worten des Matthäusevangeliums sagt:

Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

Für uns mag die Geburt Jesu als Sohn Gottes eine Selbstverständlichkeit geworden sein, zu selbstverständlich. Die Konzentration auf das Wesentliche des Weihnachtsfestes geht unter im allgemeinen Geschenke-Kauf-Marathon und anderen Vorbereitungen für dieses Fest. Doch weil das Wesentliche verlorengeht, erzeugen wir mit all unserer Geschäftigkeit nichts als Leere und wir wundern uns, warum das Fest dann nicht so schön wird, wie es uns all die Werbespots und Reklamebilder versprochen haben.
Halten wir heute noch einmal kurz inne, lassen wir uns die Worte des Propheten zu Herzen gehen. Mit der letzten O-Antiphon sind wir einen Tag vor Heiligabend schon ganz nahe an das Weihnachtsgeschehen herangerückt. Wir stehen kurz davor, dass sich der Kreis zwischen der prophetischen Verheißung und ihrer Erfüllung schließt. Wir haben unseren Blick auf das Wesentliche des Weihnachtsfestes gerichtet: Gott will mitten unter uns gegenwärtig sein. Gott ist mit uns. Diese Verheißung kann im Leben jedes einzelnen Menschen ihre Erfüllung finden. Gott steht an der Tür und wartet darauf, dass auch du ihn in dein Leben lässt.

Mit dem sehnsuchtsvollen Ruf, der diese Antiphon abschließt, bitten wir eindringlich darum, dass die Gegenwart Gottes unter den Menschen auch heute erfahrbar werde, in einer Welt, die von so vielen Konflikten und Ungerechtigkeiten erschüttert wird, im Leben der Menschen, die entwurzelt sind und keine Heimat haben, aber auch im Leben derer, die sorglos in ihrer Wohlstandswelt dahinleben.

Komm Herr, zeige deine Gegenwart, rüttle uns wach, öffne unsere Augen, Geist und Sinn, dass wir erkennen, was um uns herum geschieht, dass wir aufstehen, und für Gerechtigkeit eintreten. Lass uns deine Gegenwart erfahren und mach uns zu Zeugen dafür, dass du der Immanuel bist, der Gott-mit-uns.

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O König der Völker

22.12. König der Völker / Rex Gentium

O König der Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der den Bau zusammenhält: o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!

O Rex Gentium, et desideratus earum, lapisque angularis, qui facis utraque unum: veni, et salva hominem, quem de limo formasti.

Die O-Antiphon am 22. Dezember hebt an mit dem Ruf nach dem rettenden König, den schon die Propheten verheißen haben. Jesaja 7,14 und 11,1 und Micha 5,1 kündigen die Geburt eines Herrschers aus dem Spross Isais (Jes 11,1) an – Isai war der Vater des Königs David – der aus Betlehem (Mi 5,1) – der Geburtsstadt Davids – kommen wird. Diese Verheißungen greift der Evangelist Matthäus auf und sieht sie in Jesus Christus erfüllt. In seinem Stammbaum zeigt er, dass Jesus ein Nachkomme Isais und Davids ist, in Jesu Geburt erfüllt sich die Weissagung von der Jungfrauengeburt aus Jes 7,14 und als die Sterndeuter vor Herodes stehen, weisen die Schriftgelehrten ihnen anhand von Mi 5,1 den Weg nach Betlehem, wo sie dann tatsächlich den neugeborenen König der Juden finden.
Der Glaube sieht in Jesus Christus die sehnsüchtige Erwartung des Volkes Israel nach dem Messias erfüllt. Doch er ist nicht wie David allein der König von Israel. Seine Herrschaft reicht über die Grenzen des Volkes hinweg über die ganze Erde. Paulus greift im Epheserbrief diesen Gedanken auf, indem er zeigt, dass Jesus Juden und Heiden – also alle Menschen – in dem einen gemeinsamen Glauben vereint und somit auch die mit dem Messias verbundene Friedensverheißung der Propheten erfüllt.

Er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. … Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. … Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. (Eph 2,14.17.19-21)

In seiner Enzyklika „Quas primas“ zur Einführung des Christkönigsfestes schreibt Papst Pius XI.: „Die Herrschaft unseres Erlösers umfasst alle Menschen“ – also nicht nur Christen – „sondern sie umfasst auch alle, die man zu den außerhalb des christlichen Glaubens Stehenden rechnet, so dass ganz wahrhaftig das gesamte Menschengeschlecht unter der Vollmacht Jesu Christi steht.“
Wir fragen uns, ob heute in Zeiten der Religionsfreiheit eine solche Aussage noch tragbar ist. Und doch kennt das Reich Gottes keine Grenzen. Es ist nicht wie mit irdischen Reichen, deren Macht und Einfluss begrenzt ist. Überall auf der Erde ist es möglich, Christ zu sein, und in diesem Sinn können wir sagen, dass sich kein Reich oder kein Ort auf der Erde dem Einfluss Jesu Christi entziehen können. Aber ob einer bereit ist, in das Reich Gottes einzutreten und sich unter Christi Vollmacht zu stellen, das bleibt die freie Entscheidung jedes Menschen.
Als sich das Christentum in den ersten Jahrhunderten ausbreitete, war es die Antwort auf eine Sehnsucht der Menschen, die in den alten Kulten keine Heimat mehr fanden. Das Evangelium traf in die Herzen der Menschen. Heute sehen viele in der Kirche eine erstarrte Institution, von der nichts zu erwarten ist, was die Sehnsucht der Menschen stillt. Viele suchen anderswo ihre Erfüllung.
Als Christen müssten wir Menschen sein, die mit ihrer Freude an Jesus Christus andere anstecken, die zeigen, was Jesus Christus für sie bedeutet, dass er wirklich der ist, der die Sehnsucht unseres Herzens erfüllen kann.

Komm, Herr, entzünde in unseren lauen Herzen das Feuer der Sehnsucht, das uns nach dir brennen lässt!
Du Heiland, den die Völker ersehnen, komm und rette unsere heillose Welt!

Die diesjährigen Texte zu den O-Antiphonen sind der Seite praedica.de entnommen.
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