Die älteste Dominikanerin


Sr. Marie-Bernadette aus Dax in der Region Nouvelle-Aquitaine in Frankreich hat im Januar ihren 110. Geburtstag gefeiert und erwartete im April ihr 90. Professjubiläum als Nonne im Dominikanerorden. Nun ist sie am Fest des hl. Jordan von Sachsen heimgegangen zum Herrn. Laut ihrer Priorin war sie bis zuletzt ein Geschenk für ihr Kloster und ihren Orden, ein Zeugnis der Treue zum monastischen Leben und eine Inspiration für ihre Kommunität. Sie hörte nie auf, für den Orden und die Welt zu beten, ein Dienst, den wir jetzt gerne aufnehmen und erwidern. Der Herr belohne ihre Treue, schenke ihr die ewige  Ruhe und das ewige Licht leuchte ihr.

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Chain of preachers of hope: Susanne Witte

Die Berliner Fraternität Lacordaire berichtet im Rahmen der Aktion „Chain of Preachers of Hope“ über Susanne Witte, eine ganz besondere und mutige Frau.

Wenn sich unsere Berliner Fraternität Lacordaire zu ihren Gruppentreffen versammelt, grüßt uns Susanne Witte freundlich und selbstbewußt und schenkt uns immer wieder ein Stück Hoffnung. Diese Hoffnungsgeschichte möchten wir gern mit euch teilen:

Der Raum, in dem wir uns in St. Paulus, der Dominikaner­kirche in Berlin-Moabit treffen, ist derselbe Raum, in dem sich noch heute auch die Senioren treffen. Susanne Witte führte dort „ihre“ Altentagesstätte fast bis zum Ende ihres Lebens 2005. An zwei Tagen in der Woche gab es ein vielfältiges Programm und nebenbei noch eine ganze Reihe andere Aktivitäten, Ausflüge, ein jährlicher Kurlaub an der Rhön. Mit Frau Spiekermeier (Spieki) an ihrer Seite (meistens am Klavier) schuf sie dort Ankerpunkt, Schutz und Zuflucht für viele. Schutz und Zuflucht gewähren prägte ihr ganzes Leben.

1905 wurde Susanne Witte in Berlin geboren, Kindheit, Schulzeit und Jugend verbrachte sie in Berlin-Moabit. In St. Paulus ging sie zur Erstkommunion und schon als junge Frau engagierte sie sich in der Jugendarbeit der Dominikanergemeinde. Fürsorgerin wählte sie als Beruf. Das war ein damals neues Berufsbild für autonome, selbständige Frauen. „Fürsorgerin“ sein war ihre Berufung.

St. Paulus hatte in den 20er Jahren 22.000 Gemeindemitglieder (heute sind es auf der gleichen Fläche ca. 5.500) und war einer der ärmsten Seelsorgebezirke der Stadt, geprägt von Arbeitslo­sigkeit, Kinderreichtum und desolaten Wohnverhältnissen. Die Gemeinde wurde von P. Ulrich Kaiser OP geleitet. „Er weiß, dass Seelsorgerworte allein in dieser schweren Zeit nicht ausreichen. So gründet er verschiedene Hilfsvereine, die sich um Wärmestuben, Volksküchen und Erholungs­heime für Kinder kümmern. Auch beschreitet er neue Wege der Großstadtseelsorge.“[1]. Susanne Witte ist eine wichtige Mitarbeiterin in seinem Team. Anfang der 30er Jahre kann er ein Grundstück in Friedrichshagen, am südöstlichen Stadtrand Berlins erwerben. Dort wird (als Arbeitsbeschaf­fungs­maßnahme für die vielen Arbeitslosen und mit ehrenamtlicher Arbeit von Gemeindemitglie­dern) eine Kapelle und ein bescheidenes Wirtschaftsgebäude errichtet. Fortan fährt sie mit 60-80 Kindern per S-Bahn und Straßenbahn hinaus nach Friedrichshagen: Licht, Luft und Sonne für die Kinder der Moabiter Mietskasernen. Auch Jugendtreffen und „Bekenntnis-Tage“ auf Bistumsebene finden unter ihrer Mitwirkung dort statt.

Bis 1937 kann Susanne Witte als Seelsorgehelferin für die Jugendarbeit in St. Paulus arbeiten. Dann verbieten die Nationalsozialisten, die 1933 die Macht ergriffen hatten, jegliche katholische Jugendsozialarbeit. Susanne Witte muss entlassen werden. Sie findet eine Anstellung im kommu­nalen Gesundheitswesen des Bezirks Reinickendorf. Dort kümmert sie sich vor allem um junge Mütter und alleinstehende berufstätige Frauen. Ihr Engagement in St. Paulus setzt sie auf ehren­amtlicher Basis ungebrochen fort. Sie ist Laiendominikanerin im damaligen III. Orden und leitet die Marianische Kongregation. Zeitlebens liebte sie die schlesischen Marienlieder ganz besonders.

An den von Susanne Witte in St. Paulus veran­stalteten Gruppenaktivitäten nimmt auch ihre jüdische Berufskollegin Ruth Casper teil und kon­vertiert schließlich dort 1926 zum katholischen Glauben. „Wir waren immer sehr verbunden durch unser gemeinschaftliches Leben in der Pfarrei“ er­zählte Susanne Witte. [2] Hier ist ein Hinweis auf die Situation der Juden in Nazi-Deutschland ange­bracht. Schon kurz nach der sogenannten „Macht­ergreifung“ 1933 beginnen mit dem Aufruf, jüdische Geschäfte zu boykottieren, die ersten judenfeind­lichen Maßnahmen. Sie finden vor dem 2. Welt­krieg ihre Fortsetzung vor allem durch die „Nürn­berger Rassegesetze“ von 1935. In ihnen wird festgelegt, wer Jude ist, wer Halbjude etc., verbun­den mit diskriminierenden Regelungen bezüglich Bürgerrechten, Heiratsverboten, Berufschancen. Ein schrecklicher Höhepunkt ist der Brand der Synagogen in ganz Deutschland, die „Reichspogromnacht“ am 9. November 1938. Viele Juden verlassen Deutschland. Seit jener Nacht betete der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg jeden Sonntag öffentlich für die Verfolgten. Er wurde später denunziert und starb 1943 auf dem Weg in ein Konzentrationslager. 1996 wurde er durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Noch einmal dramatisch verschlimmerte sich die Lage der Juden nach dem Anfang des Krieges 1939. Mit den Jahren 1941/1942 beginnt die schlimmste Phase des Holocaust. Die Juden werden aus dem ganzen besetzten Europa in Sammellager und Ghettos im Osten deportiert, in Vernich­tungslager wie Auschwitz und andere gebracht und dort zu Millionen ermordet.

Im Jahr 1942 wird auch Ruth Casper deportiert. Es gelingt ihr noch, Susanne Witte eine Nachricht zukommen zu lassen und die Bitte: „Sorge du für meine Mutter“. Die Mutter, Regina Kirschbaum, eine tiefreligiöse Jüdin, ist in einem „Judenhaus“, einer Art Sammellager am Bayerischen Platz in Berlin, untergebracht. Susanne Witte sucht sie dort auf. „Ich ging also in dieses Haus hin, tat es mit zitternden Knien, aber konnte also noch rein in das Haus, war einige Male da und brachte der Mutter notwendige Dinge, die hatten ja kaum etwas da, zu essen und Kleinigkeiten…“ [3].

Auch die Bewohner dieses Hauses wurden von der Gestapo abgeholt, doch Regina Kirschbaum konnte sich im Keller verstecken und der Deportation entgehen. „Am Abend desselben Tages stand sie vor meiner Tür, diese Frau Kirschbaum, mit einer Handtasche. Und sagte: Kann ich bei Ihnen bleiben? Ich sagte: Selbstverständlich. Sie kam rein, völlig verstört, ich auch völlig verstört, und von da an blieb sie bei mir. Das war insofern ganz einfach und ganz selbstverständlich; ich war allein in der Wohnung, ich hatte keine Angehörigen, ich konnte also niemand gefährden, und sie war die Mutter dieser Freundin, die mir sehr am Herzen lag – und wir wußten beide noch nicht, was aus dieser Tochter geworden war, wir ahnten es nur. Ja, und von da an blieb sie bei mir.“ [4]

Bis zum Kriegsende 1945 bleibt Regina Kirschbaum bei Susanne Witte.

Die beiden Frauen können diese Zeit gemeinsam überstehen auch durch Unterstützung aus dem nahen Umfeld: „Man wußte nur, was man in seinem eigenen kleinen Bezirk oder Raum tat, denn man sprach ja selbst nicht ‚darüber‘, abgesehen von der Pfarrgemeinde, in der ich im Freundes­kreis natürlich Hilfe hatte – wenns vier oder fünf waren, und einer der Geistlichen, die mir dann auch Hilfestellung leisteten, gelegentlich sogar zu mir raufkamen, ein junger Priester, der das wußte und sagte: Hören Sie, es ist Gefahr im Verzuge ich bringe Ihre Jüdin schnell hier gegenüber zu jemanden, die ist nicht verdächtig:“[5]

Oft führen sie zusammen auch religiöse Gespräche, die Susanne -Witte als sehr intensiv und beeindruckend in Erinnerung behalten hat: „Wissen Sie, und diese Jüdin hatte einen Glauben!, das habe ich manchmal schon gesagt, die hat mich beschämt mit ihrem großen, festen Gottes­glauben. Das war unglaublich, die sagte mir manchmal vorwurfsvoll: Sie sind doch Christin, wie können Sie denn solche Angst haben, wenn Sie an Gott und Christus glauben? Wir haben uns häufig über Bibel und solche Sachen unterhalten, also Grundbegriffe der christlichen Religion, weil sie nicht verstand, dass ihre Tochter – sie war die jüngste von dreien – dass die zur katholischen Kirche übergetreten war [6]. Auch den Sabbat konnte Regina Kirschbaum bei Susanne Witte feiern.

Als „selbstverständlich“ bezeichnete Susanne Witte selbst mehrfach ihren Einsatz, obwohl sie um die Gefahr wußte . „Nun ja, dass ich verhaftet würde, das war ganz klar … Wissen Sie, vielleicht habe ich ein kindliches Gottvertrauen gehabt, ich weiß es nicht. Ich habe nie zu Ende gedacht, was da wird. Dass es gefährlich wird, das sagten mir meine allernächsten Freundinnen, die das wußten, die sagten: Bist du wahnsinnig, das geht doch nicht, du kannst doch nicht, und ich sagte: Ja würdet ihr denn die Mutter einer – eines lieben Menschen jetzt auf die Straße lassen und die dem sicheren Tod aussetzen? Würdet ihr …“ [7]

Sie blieb bis zu ihrer Pensionierung als Sozialfürsorgerin im Bezirksamt Reinickendorf. Nach ihrer Berufstätigkeit leite­te sie ehrenamtlich das West-Berliner Müttergenesungsheim „Maria Rast“ und war in vielen Bereichen karitativ tätig. St. Paulus ist weiter ihr eigener spirituel­ler Mittelpunkt und Wirkungsort. Als letz­tes ihrer vielen Projekte gründet sie die Altentagesstätte.

Es war beeindruckend zu sehen, wie integrativ, sensibel und doch bestimmt sie auf Menschen (jung wie alt) zugehen konnte, immer im Blick hatte, wer am Rand stand, Zuspruch oder Ermunte­rung brauchte.

Im Jahre 1999 wird Susanne Witte von der Gedächtnisstätte Yad Vashem in Jerusalem in die Reihe der „Gerechten der Völker“ aufgenommen. Sie starb 2005, nur wenige Wochen vor ihrem 100. Geburtstag.

Wenn wir uns in St. Paulus treffen, grüßt uns ihr Bild und schenkt uns Hoffnung und Zuversicht. Sie hätte gesagt „ganz selbstverständlich“.

Margret Burkart und Hans Gasper

[1]    Burkard Runne OP: In memoriam Susanne Witte. In Kontakt Nr. 33 2005 S. 22-23

[2]    Tonband-Interview mit Susanne Witte am 30.7.1987 geführt von Brigitte Oleschinski. Zitat nach Brigitte Oleschinski: „… dass das Menschen waren, nicht Steine“ Hilfsnetze katholischer Frauen für verfolgte Juden im Dritten Reich. In: Zeitgeschichte 17.1990, S. 395-416

[3]    Ebda.

[4]    Ebda.

[5]    Ebda.

[6]    Ebda.

[7]    Ebda.

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Bericht aus Rom

Unsere Präsidentin Melanie Delpech hat vom 17.-21. Januar am Kongress für die Mission des Ordens zum Abschluss des Jubiläumsjahres teilgenommen und den folgenden Bericht gesandt:

Als Repräsentanten der DLGs in Süddeutschland und Österreich durften Melanie (Deutschland) und Gabriele (Österreich) letzte Woche am Kongress „ Sent to preach the Gospel“ in Rom teilnehmen. Wir erlebten einen sehr gut organisierten Kongress mit anregendem Inhalt. Wir haben an sehr interessanten Workshops teilgenommen. Für mich persönlich war der Workshop zum Thema „ Evangelisierung“ mit P. David Caron (USA) ein großer Gewinn.

 

Aus den Laienfraternitäten Europas kamen viele Mitglieder zusammen und so hatten wir auch die seltene Gelegenheit des Zusammenseins und Austauschs. Die Begegnungen haben uns gut getan. Die gesamte Dominikanische Familie über einige Tage mitzuerleben war ein Geschenk. So kamen unzählige Gespräche mit Brüdern und Schwestern aus der ganzen Welt zustande.

 

Dominikanische Laien aus der Teutonia und der süddeutsch-österreichischen Provinz, aus Norwegen, Frankreich, Slowakei, Bulgarien, Tchechien, Litauen …

Wir Europäer verließen den Kongress mit einem Gefühl der Demut angesichts der manchmal schier unlösbar scheinenden Probleme in vielen Teilen der Welt und angesichts der Courage vieler unserer dominikanischen Brüder und Schwestern, die tagtäglich in Situationen großer Gefahr an der Sendung unseres Ordens mitwirken. Wir beten für sie und sind dankbar für ihre Zeugnisse.

In Santa Sabina

Für uns Europäer war eins klar: wir müssen aus unseren Komfortzonen heraus: „ If we are sent – we have to move“!

Ein weiterer ausführlicher Bericht ist auf den Seiten unserer europäischen Vertretung zu finden.

 

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Kongress für die Mission des Ordens

Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs findet derzeit (17.-21. Januar)  in Rom ein Kongress für und über die Mission des Dominikanerordens statt.

„Während des Jubiläumsjahrs strebt der Orden danach, sich durch einen dynamischen Prozess zu erneuern, der darin gipfelt, die Brüder aufs Neue auszusenden, gerade so wie Dominikus die ersten Brüder aussandte. Und während wir uns darauf vorbereiten, aufs Neue ausgesandt zu werden, fragen wir uns: Von wem werden wir gesandt? Zu wem sind wir gesandt? Was bringen wir mit uns durch unser Gesandtsein? (Aus den Akten des Generalkapitels Trogir, 51)

Das Jubiläumsjahr endet mit einem Kongress, der Dominikaner und Dominikanerinnen aus unterschiedlichen Regionen der Welt und aus unterschiedlichen kulturellen und kirchlichen Zusammenhängen um Erfahrungen rund um die heutige Predigtmission des Ordens zu reflektieren und zu teilen. Der Kongress beleuchtet die Sendung des Ordens durch die theologische und pastorale Reflexion von Themen, die heute im Mittelpunkt seiner Predigt stehen.

(Aus der Vorankündigung auf op.org)

Die Veranstaltung und das Jubiläumsjahr enden am Samstag mit einer Pontifikalmesse in der Lateranbasilika

Die zentralen Veranstaltungen und die Messe können per Livestream verfolgt werden. Einen vorläufigen Bericht gibt es hier.

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Ein Film über die Wiener Familia dominicana

Nur noch wenige Tage ist ein interessanter Film über die Wiener dominikanische Familie verfügbar, zu dem auch Mitglieder unserer dortigen Fraternität beigetragen haben .

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Gnade über Gnade

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AUS DEM HL. EVANGELIUM NACH LUKAS 2,1-20

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steu- erlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinus*) Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bet- lehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort ankamen, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“

Als die Engel die Hirten verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: „Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ!“ So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in einer Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Bild: Der Bladelin-Altar oder auch Middelburger Altar, geschaffen um 1450 vom flandrischen Maler Rogier van der Weyden. Die drei Szenen sind eine Darstellung der Geburt des Herrn und zweier sie begleitender Ereignisse, wie sie in der von dem Dominikaner Jacobus de Voragine geschaffenen Legenda aurea beschrieben sind.  Im Zentrum steht die Geburt Christi. Der rechte Seitenflügel zeigt eine Vision der drei Magier, die einen Stern in Gestalt eines Kindes sehen, das zu ihnen spricht: „Macht euch auf nach Judaea, da findet ihr das Kindlein geboren“. Der linke Seitenflügel zeigt eine Legende , ebenfalls aus der Legenda aurea, nach der die Sibylle von Tibur dem Kaiser Augustus die Geburt eines Königs weissagt, der größer ist als er, woraufhin er das Ansinnen zurückweist, sich als Gott verehren zu lassen.

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Komm!

Im Hohen Advent, den letzten sieben Tagen vor der Heiligen Nacht werden die Rufe nach dem Herrn, ausgedrückt durch die O-Antiphonen des Magnificat in der Vesper, immer drängender und flehender. Rückwärts gelesen enthalten die Anfangsbuchstaben  der sieben Anreden ein Anagram – ERO CRAS – morgen werde ich kommen – das wie eine Antwort auf die Anrufungen klingt. Doch zusammen genommen bilden die O-Antiphonen, die stets mit einer dem Alten Testament entnommen bildhaften Anrede des erwarteten Messias beginnen, auch eine Kurzform der Heilsgeschichte in Christus.

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O Sapientia –  bezieht sich auf Christus, das ewige Wort und sein Wirken in der Schöpfung das  der hl. Paulus  (1 Kor. 1,24)“die Weisheit Gottes“ nennt . Die Antiphon spricht von der Weisheit, die aus dem Mund des Allerhöchsten kommt und alles ordnet, mit Bildern, die  Jesaja (Js 11, 2-3) und den Büchern der Sprichwörter (1,20), Sirach (24,3) und der Weisheit (8,1) entnommen sind.

O Adonai – spricht von Christus als demjenigen, der Mose im brennenden Dornbusch erschien und ihm auf dem Berg Sinai das göttliche Gesetz verkündete. Die Bitte „komm und erlöse uns mit starkem Arm“ bezieht sich auf Gottes eigene Worte als er zu Mose sagt: Ich führe euch aus dem Frondienst der Ägypter heraus und rette euch aus der Sklaverei. Ich erlöse euch mit hoch erhobenem Arm und durch ein gewaltiges Strafgericht (Exodus 6,6).

O Radix Jesse – zitiert zwei Kapitel aus Jesaja (11,10 und 52,13 u. 15), die auch von Paulus im Römerbrief (15,12) paraphrasiert werden. Wie die vorige bezeugt diese Antiphon die Erwartung Christi durch das Gesetz und die Propheten, so wie umgekehrt auch die Gegenwart von Mose und Eliah bei der Verklärung Christi die Verschränkung des Alten und des Neuen Bundes aufzeigen.

Die O-Antiphonen  sprechen weder explizit von der Inkarnation, der der Advent ja eigentlich gewidmet ist, noch von der Erwartung von Christi Geburt. Das Leiden und Sterben Christi auf direkte Weise zu thematisieren würde der freudigen Stimmung der Adventszeit widersprechen; indirekt werden sie in der 4. und 5. Antiphon dennoch aufgegriffen.

O Clavis David – o Schlüssel Davids und das darauf folgende „und Zepter des Hauses Israel“ beziehen sich auf die Verkündigung des Engels an Maria, ihr Sohn werde den Thron Davids erhalten und über das Haus Jakobs, der mit anderem Namen Israel heißt,  herrschen in Ewigkeit. Die übrigen Verse greifen die Selbstbeschreibung des „Heiligen“, (einer Umschreibung Jesu)  aus der Offenbarung auf (Offb 3, 7), der wiederum einen Vers des Propheten Jesaja zitiert: So spricht der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, so dass niemand mehr schließen kann, der schließt, so dass niemand mehr öffnen kann (Jes 22,22). Der Abschluss der Antiphon „Komm und führe den Gefesselten aus der Enge des Kerkers, wo er in Finsternis und Todesschatten sitzt“ zitiert sowohl den Lobgesang des Zaccharias (Lk 1, 68ff) als auch Jes 42, 6-7 und kann traditionell als die Befreiung Adams aus dem Kerker durch Tod und Auferstehung Christi gedeutet werden.

O Oriens – die Anrufungen dieser Antiphon „O Morgenstern, Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit“ können alle auf den Auferstandenen und die Erwartung seiner Wiederkunft bezogen werden, während der zweite Teil „Komm und erleuchte jene, die in Finsternis und Todesschatten sitzen“, die vorige Antiphon erneut aufgreift, jetzt jedoch im Plural (erleuchte jene…), womit die ganze Menschheit gemeint ist. Diese Antiphon wird in kosmischer Symbolik am 21. Dezember gesungen, dem Tag, an dem die Sonne „wiederkommt“ und kann auf Mt 24, 27 bezogen werden: „Denn wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein“, ebenso wie auf die Selbstbezeichnung Jesu in der Offenbarung als den „strahlenden Morgenstern“  (Offb 22, 16).

O Rex Gentium – die Antiphon des 22. Dezember spricht vom König und Ersehnten der Völker (Hag 2, 8; Jes 33, 22) und dem Eckstein (Ps 118,22; Mt 21,42; Jes 28,16), der aus zweien eine Einheit schafft, dem König also nicht nur Israels, sondern aller Völker. Er ist der Eckstein, der aus Juden und Heiden eine Einheit schafft (Eph, 2,14) und über den die Ungläubigen stolpern. Er wird angefleht, seine Schöpfung, die aus Staub geformt ist (Gen 2,7) und sich nach ihm sehnt, zu erlösen.

O Emmanuel – mit dieser letzten Antiphon redet die Kirche Christus mit dem Namen des Kindes an,  dessen Kommen der Prophet Jesaja ankündigte:  Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben (Jes 7, 14). Während er in der vorletzten Antiphon noch der Ersehnte der Völker war, ist er jetzt der Gesetzgeber und der Erwartete. Der Ersehnte ist schon gekommen und jetzt erwartet sein Volk seine Wiederkunft und das endgültige Heil, ein Thema das während des ganzen Advents immer wieder auftauchte: das erste Kommen des Herrn in der Fülle der Zeit und das zweite am Ende aller Zeiten.

(Anregungen für diesen Beitrag hier und hier)

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Versprechensfeier und Aufnahme in Freiburg

Am 17. Dezember, dem Beginn des Hohen Advent, konnte die Dominikanische Familie von Freiburg einen schönen Abschluß des Jubiläumsjahres begehen.

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Im Rahme einer Eucharistiefeier legte ein Mitglied der Freiburger Fraternität Jordan von Sachsen sein erstes zeitliches Versprechen ab und ein weiteres Mitglied verlängerte sein zeitliches Versprechen um 3 Jahre.

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dscn0356Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit dem Freiburger Konvent wurde in der Non unser nun jüngstes DLG-Mitglied nicht nur der Freiburger Fraternität sondern der ganzen  Provinz ins Noviziat aufgenommen.

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Erste Wahl eines Gruppenrats in Wien

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Am Vorabend des Christkönigfestes hat die Dominikanische Laiengemeinschaft Wien in einer konstitutierenden Sitzung ihren ersten Gruppenrat gewählt. Dazu wünschen wir reichen Segen für den weiteren gemeinsamen Weg – v.a. der neuen Gruppenleiterin, Gabriele Panec, und den Mitgliedern des Gruppenrates für ihr Wirken in der Gemeinschaft und darüber hinaus.

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Studientag der dominikanischen Laien und festliche Begehung des Ordensjubiläums in Augsburg

Vom 11.-13. November traf sich die dominikanische Familie in Augsburg zu einem intensiven Wochenende mit mehreren Schwerpunkten.

Am Abend des 11. November lud der Augsburger Dominikanerkonvent nach der gemeinsamen Vesper und einer Führung durch die renovierte Kirche Hl. Kreuz die bereits angereisten dominikanischen Laien und die beiden Postulanten unserer Provinz zur Rekreation ein. Die Schwestern von St. Ursula waren durch ihre Priorin, Sr. Benedikta Hintersberger vertreten. Am 12. November fand dann der diesjährige Provinzstudientag der Dominikanischen Laiengemeinschaften in der süddeutsch-österreichischen Provinz des hl. Albert statt. Das Thema lautete: „Schuld und Erlösung – zur Aktualität des christlichen Angebots einer göttlichen Erlösung für die Menschen“.  Für den Studientag konnte Prof. DDr. Markus Enders von der Universität Freiburg als Referent gewonnen werden.  In vier Einheiten wurde das Thema in Impulsreferaten von Prof. Enders eingeführt und im Lauf des Tages nach den Referaten jeweils folgenden Diskussionen in Gruppen und anschließenden Rückfragen an den Referenten immer stärker intensiviert.

Dabei ging es zunächst um den immer stärkeren Rückgang des Bewusstseins persönlicher Schuld in den säkularisierten westlichen Gesellschaften, die auf einer fehlenden Gewissensbildung beruht. Noch bestehende Schuldgefühle werden oft als therapiebedürftig angesehen. Während weniger skrupulöses Schuldbewusstsein positiv sein kann, führt die vollständige Ablehnung persönlicher Schuld jedoch zur Selbsttäuschung und zu Entschuldungs- und Verdrängungsmechanismen. Denn in der Stimme des Gewissens bleibt ein „Sollensanspruch“ eben doch bestehen, der uns spüren lässt, dass wir mit schlechten Handlungen gegen eine unverbrüchliche Ordnung verstoßen und uns vom objektiv Guten entfernen. Das Gewissen drängt daher zur Wiedergutmachung. Doch für die Tilgung unserer je eigenen, persönlichen sittlichen Schuld halten wir rechtliche, ökonomische und soziale Kompensationsmechanismen und Entschuldigungsrituale in der Regel für ausreichend. Die bedeutsame Unterscheidung zwischen Verzeihen und Vergebung nahm im Laufe des Tages einen breiten Raum ein. Zunächst ging es darum zu verstehen, dass sittliche Verfehlungen immer mittelbar oder unmittelbar Personen schädigen und fatale Folgen nicht nur für den Geschädigten, sondern auch für den Schädigenden selbst haben. Sittliche Verfehlungen sind außerdem auch immer Schuld gegen Gott, der das vollkommen Gute ist. Die Schuld gegen eine Person ist jedoch von einer anderen Qualität als die Schuld gegen eine Instanz (z.B. den Staat) und ist deshalb durch eine Strafe nicht vollständig kompensierbar. Eine Versöhnung ist auf der menschlichen Ebene auf wechselseitige Entschuldung angewiesen, aber ein Akt des Verzeihens durch das Opfer kann die Schuld des Täters nicht aufheben. Die Folgen der Schuld bleiben bestehen. Die böse Tat bzw das Fehlverhalten beeinträchtigt die Gemeinschaft insgesamt – ein Phänomen, das durchaus auch auf säkularer Ebene nachvollziehbar ist. Aus christlicher Sicht bewirkt die böse Tat eine Beeinträchtigung der Seinsordnung selbst und eine Entzweiung von Gott  und von allem was ist, einschließlich des eigenen Selbst.  Diese objektive Schuld ist eine Zurückweisung des vollkommen Guten, also des Schöpfers selbst und kann nicht durch Verzeihen, sondern nur durch Vergeben getilgt werden. Vergeben kann also nur Gott. Gott ist barmherzig und zum Vergeben bereit, jedoch ist er nicht nur barmherzig sondern auch gerecht – diese beiden Eigenschaften Gottes sind untrennbar.

Im großen Offenbarungszusammenhang können wir von unserer objektiven Schuld, deren Konsequenz das Nicht-Sein des Todes ist, nur durch das stellvertretende Sühneleiden Jesu Christi erlöst werden. Das heilsstiftende Wirken Gottes kann nur erlösungswirksam werden, wenn der Heilsträger selbst ohne Sünde ist.  Der schuldig gewordene Mensch muss die Schuld durch die er unfrei geworden ist, durch Umkehr abgelten.

Aber nur Gott kann vergeben und erlösen, auch ein sündenfrei gebliebener Mensch kann das nicht. Deshalb musste Gott selbst Mensch werden. Als Mensch musste Jesus , also Gott selbst, die Tatstrafe der Sündenfolge, also die Gottverlassenheit erleben, ohne selbst gesündigt zu haben. Das Kreuz ist somit die größtmögliche Erprobung der Gottergebenheit des Gottessohnes und bewirkt dadurch die Erlösung aller Menschen. Dieses Angebot muss jedoch von jedem Einzelnen angenommen werden. Nehmen wir es nicht an, bewirkt das die ewige Entzweiung. Das jüngste Gericht ist lediglich der objektive Vollzug unseres Richterspruchs über uns selbst. Mit dem Tod wird unsere Entscheidung endgültig und kann nicht mehr korrigiert werden. Deshalb wäre die Hölle ja auch so schrecklich: Das Grundwollen des Menschen, das auf Gott abzielt, haben alle Menschen zumindest unbewusst, ist aber nach einer endgültigen bewussten Entscheidung gegen Gott nach dem Tod nicht mehr erfüllbar.

Nach dieser schweren Kost und der Vesper in der Hauskapelle trafen sich alle wieder zur Rekreation, bei der noch intensiv über das Thema des Tages weiter diskutiert wurde.

 

 

Am Sonntag dann fand ein großes Fest statt. Die Augsburger Dominikaner wollten sich nicht damit abfinden, dass beide deutschsprachigen Provinzen das Ordensjubiläum im fernen Köln und bereits im Juni gefeiert hatten, sondern wollten den Augsburgern auch etwas bieten. Und das ist nach allen Regeln der Kunst gelungen. Am Morgen versammelten sich alle Zweige der dominikanischen Familie mit zahlreichen illustren Gästen, darunter drei Äbte, Vertreter des Hauses Wittelsbach, der Stadt Augsburg, der Parteien und des Zirkus Krone und dem treuen Kirchenvolk aus Augsburg und Umgebung zum Festgottesdienst in der Hl- Kreuzkirche. 15036322_1502556293091970_3285186176909955113_n 15134625_1502554596425473_8886632567583002109_nHauptzelebrant und Prediger war Weihbischof Anton Losinger. Zu den Konzelebranten gehörten u.a. Weihbischof Josef Grünwald, Pater Provinzial Thomas Gabriel Brogl,  die Augsburger Dominikanerpatres, besagte Äbte u.v.m. Die Messe wurde begleitet von der „Musica Suevica“ unter Franz Wallisch, die die Missa solemnis für Soli, Chor und Orchester des Beethoven-Freundes Franz Xaver Kleinheinz sang. Viele schöne Bilder gibt es hier.

Danach folgte ein Empfang in den Räumlichkeiten des Klosters und anschließend ein Festakt wiederum in der Kirche mit Grußworten und Vorträgen.

P. Dr. Wolfram Hoyer OP sprach zur Ordensgeschichte, fr. Florian Moscher OP über die Bedeutung des Rosenkranzes im Predigerorden und die Präsidentin der dominikanischen Laiengemeinschaften in der süddeutsch-österreichischen Provinz Frau Melanie Delpech OP über den Auftrag der Laien im Dominikanerorden. Ihre Ansprache ist am Ende des Beitrags vollständig wiedergegeben.

15036597_1504218096259123_176593209658554004_nDie Feier endete mit einem gemeinsamen Mittagessen in den Räumen des Klosters. Unser Dank für das schöne Fest gilt den Brüdern des Dominikanerkonvents von Augsburg und insbesondere P. Prior Paul Schäfersküpper, zugleich der Promoter der dominikanischen Laien unserer Provinz.

 

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Der Auftrag der Laien im Dominikanerorden

Frau Melanie Delpech OP

Als ich über die Frage nachdachte, welchen Auftrag die Laien im Dominikaner Orden haben, stellte sich mir die noch weitergehende Frage: Braucht der Orden überhaupt einen Laienzweig? – Ich mache ein Gedankenexperiment und stelle diese Frage in den Kontext der aktuellen Frage nach den Migranten in unsrer Gesellschaft: Braucht Deutschland Migranten?

Vielleicht ist dies doch nicht so abwegig wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. – Erinnern wir uns kurz:

Vor gut einem Jahr hat unsere Bundeskanzlerin Merkel die Grenzen zu Deutschland geöffnet mit der Parole: „Das schaffen wir!“. Daraufhin kamen Hunderttausende Flüchtlinge ins Land. Die Reaktion der deutschen Bevölkerung war sehr gemischt und pendelte zwischen „Herzlich willkommen“ und: „Mach die Grenzen wieder zu, es zieht!“. – Ein zweiter Gedanke:

Vor Einberufung des Zeiten Vatikanischen Konzils sagte der damalige Papst Johannes XXIII: „Macht die Fenster auf! Lasst frische Luft in die Kirche hinein!“. In der Folge des Konzils wurden die sogenannten „Laien“ in der Kirche gewissermaßen wieder entdeckt und es kam zu einer Renaissance des gemeinsamen Priestertums und einer neuen Wertschätzung der Laien und des Ehrenamtes. – Die Reaktion mancher Kreise innerhalb unsrer Kirche pendelte damals auch zwischen einem „Herzlich willkommen!“ und einem „Macht die Fenster zu, es zieht!“

Das 2. Vatikanische Konzil war eine echte „ Kulturrevolution“ für die Laien insgesamt und für den Laienzweig des Dominikanerordens im Speziellen. Bis dahin waren wir „Laien-Dominikaner“ im Großen und Ganzen nur so etwas wie eine fromme Vereinigung! – Es waren vor allem die Arbeiten von Yves Congar OP, die den Weg für eine neue Wahrnehmung der Funktion der Laien in der Kirche öffneten.

1987 schrieb der damaligen Ordensmeister Damian Byrne: „Die Laien sind nicht mehr nur Empfänger unserer Sendung. Da müssen wir Dominikaner uns ein paar Fragen stellen: Wie fühlen wir uns und wie reagieren wir angesichts des Erwachens der Laien? Nehmen wir dieses Faktum gerne an? Ignorieren wir es in unserer Selbstgenügsamkeit? Verwerfen wir es aufgrund unberechtigter Ängste? Was sind unsere Einstellungen und unsere Taten im Verhältnis zu den Laien? Welchen Platz nehmen sie in unserem apostolischen Dienst, in der Entwicklung und Durchführung unserer apostolischen Projekte ein?“

In den letzen 20 Jahren ist in dieser Provinz und auch weltweit im Orden vieles getan worden, um die Teilnahme der Laien an der gemeinsamen Sendung des Ordens zu ermöglichen und zu fördern.

Unsere „ Integration“ in den Orden macht Fortschritte, sie ist noch nicht vollendet. (z.B.: Mit dem Namens-Zusatz „OP“ hapert es noch. Dieses „OP“ nach dem Namen ist so etwas wie die doppelte Staatsbürgerschaft! Wir könnten also nicht mehr abgeschoben werden! )

Dass es so eine lange Zeit gedauert hat, bis die Laien im Dominikanerorden wirklich in die Strukturen und den Auftrag des Ordens eingebunden wurden, liegt aber nicht nur an Vorbehalten des Ordens gegenüber seinem Laienzweig, sondern paradoxerweise auch am unzureichenden Verständnis der Ergebnisse des II. Vatikanum. Wie viele von Ihnen miterlebt haben, entstand unmittelbar nach dem Konzil ein Gefühl unter Katholiken, dass die Verkündigung des Evangeliums an Nicht-Christen nicht mehr notwendig wäre. Es schien, als ob die Dokumente dafür plädierten, dass Erlösung auch in anderen Religionen zu finden wäre und dass weder Jesus Christus noch die Katholische Kirche eine unverzichtbare Rolle in Gottes Plan für das Heil der Menschen und der Welt spielen. Es keimte unter Katholiken ein grundlegender Zweifel, ob die Sakramente, der Glaube an Jesus Christus und die Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche wirklich unverzichtbar wären. Glaubenswahrheiten schienen in der Nachkonzilszeit wie Dominosteine einer nach dem anderen zu fallen. Wozu noch verkündigen? Diese Unsicherheit spüren wir bis heute.

Dazu kommt eine gewisse Unklarheit innerhalb der Kirche über die Bedeutung von „Zeugnis geben“. Die Betonung ist oft auf das Zeugnis des Lebens gelegt worden, die Verkündigung durch das Wort hingegen eher in den Hintergrund gerückt.

Themen wie die Zusammenarbeit mit Nicht-Christen, die Mitarbeit in den Bereichen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung traten in den Vordergrund – alle zweifelslos wichtig und notwendig – aber mit der Folge, dass die Verkündigung des Wortes etwas vernachlässigt wurde oder eher den theologischen Fachleuten oder Amtsträgern überlassen wurde. Dies führte dazu, dass die Laiendominikaner sich darauf konzentrierten, durch ihr Lebenszeugnis „ Sauerteig für die Welt und Salz der Erde“ zu sein, und dabei das Glaubenszeugnis durch die Verkündigung des Wortes nicht unbedingt als ihren Auftrag betrachtet haben. Aber christliche und vor allem dominikanische Berufung muss beides implizieren: Das Zeugnis des Lebens und des Wortes.

Gerhard Stookey OP warnt alle Dominikaner davor sich „ Dominikaner“ zu nennen statt Prediger. Wenn wir uns einfach Dominikaner nennen, meint er, liefen wir Gefahr einfach nur die kulturelle Schönheit – Christ oder Dominikaner zu sein- vor Augen zu haben. Das Wort Dominikaner verleite uns dazu, untätig und neutral zu sein. Es erlaube uns die Sicht auf uns, dass wir jemand sind. Das Wort „ Prediger“ dagegen sei äußerst aktiv; es kann nicht als schlichte Identitätsbezeichnung gebraucht werden, sondern zeigt an, dass wir anderen predigen müssen. Ganz wie Jesus und Dominikus müssen wir Grenzen überschreiten.

Als Laiendominikaner, “ Prediger“ zu sein verlangt von uns eine dreifache Selbstentgrenzung:

1) Ein Laiendominikaner muss zuerst ein von Gott getroffener Mensch sein. Dies bedeutet, dass wir den Mut aufbringen müssen, in Beziehung zu Jesus Christus zu treten, und uns Ihm aussetzen. Dies verlangt von uns, die Grenzen unseres Selbst fallen zu lassen und Christus in unser Innerstes, in unser Herz, in unser Leben eintreten zu lassen. Das Evangelium will unter die Haut gehen. Es will uns verwunden, verwandeln und heilen. Nur dann sind wir glaubwürdig, und Glaubwürdigkeit ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Verkündigung den Hörer erreicht. Sonst sind wir wie ein Mensch, der eine Heirat vermitteln will. Er ist aber dem Bräutigam persönlich nie begegnet; er hat nur ein Bild von ihm und ein paar überlieferte Anekdoten. Ob er damit die Braut überzeugen kann?

2) Zugleich muss der Laiendominikaner ein von den Menschen Getroffener sein. Vor 2 Jahren erschien ein Roman auf Englisch (er wurde später auf Deutsch übersetzt), er heißt „The Book Thief – Der Bücher Dieb“. Er wurde aus der Sicht des Todes geschrieben. Am Schluss des Romans sagt der Tod, „ I am haunted by mankind“, was so viel bedeutet wie: ich bin von den Menschen ergriffen und sie lassen mich nicht los. Sie verfolgen mich: Ihr Schicksal, ihr Leid und ihre Freude, ihr Leben und ihr Tod, ihr Lachen und ihre Tränen – sie lassen mich nicht los.

Wir werden, wenn wir von den Menschen wirklich ergriffen sind, die Grenzen der Selbstbezogenheit überschreiten. Timothy Radcliffe, ehemaliger Ordensmeister sagte, “ Niemand kann verkündigen, ohne verwundet zu werden. Das Wort wurde Fleisch und wurde verwundet und getötet. Wenn wir Verkünder eben dieses Wortes sind dann werden auch wir verwundet werden.“

3) Und „ last but not least“ müssen wir Prediger die Grenzen unserer eigenen Kirche verlassen, um an die Peripherien zu gehen. Wir müssen die Kirche als „Schutzzone“, Heimat und manchmal Ghetto oder Parallelwelt verlassen, um auf die Suche nach den Suchenden zu gehen. Wir können nicht mehr erwarten, dass die Menschen zu uns kommen. Wir müssen bereit sein, in ihre Welten einzutreten. Sehr oft haben wir Angst uns lächerlich zu machen oder mit Aggression konfrontiert zu werden. Aber wir dürfen nicht „ unter uns“ bleiben wollen, im warmen Nest, innerhalb geschützter Grenzen.

In einem 2001 geschriebenen Artikel fragte Frau Zaida Rocha Ferraira OP: „Was ist die spezifische Art, in der Laiendominikaner die Wahrheit des Evangeliums verkünden sollen?“

Meine Antwort wäre, es gibt keine spezifische Art. Wir alle, die wir uns an diesen Orden gebunden haben, nehmen teil an seiner gemeinsamen Berufung und partizipieren an seiner gemeinsamen Sendung zur Verkündigung.

Mit der Kurzlesung aus den Laudes am Fest des hl. Vaters Dominikus möchte ich diese Rede beenden:( Eph 3,8-9) .

„ Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, wurde diese Gnade geschenkt: Ich soll den Heiden als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen und enthüllen, wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer das Alls, verborgen war.“

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