Der zweite Feiertag zu Ehren des hl. Vaters Dominikus im Predigerorden

Der Dominikanerorden ehrt seinen Gründer mit zwei Festtagen: dem Hochfest des hl Vaters Dominikus am 8. August und dem Gedenken der Übertragung seiner Gebeine am 24. Mai.

Dominikus wollte in Bologna in der Kirche des hl Nikolaus „unter den Füßen seiner Brüder“ begraben werden. Als er am 6. August 1221 in Bologna starb, bestatteten ihn die Brüder in einem einfachen Grab. Es wird überliefert, dass viele Kranke an seinem Grab Heilung und Gesundheit erhalten haben. Seine Brüder aber weigerten sich, diese Wunder anzuerkennen und erfüllten nicht das gegebene Versprechen.

Durch einen Umbau des Klosters kam die Grabstätte is Freie und war so den Einflüssen der Witterung ausgesetzt. Jordan von Sachsen (Ordensgeneral und direkter Nachfolger des hl. Dominikus) war deshalb bestrebt, eine Übertragung des Leichnams an eine würdigere Stätte durchzusetzen.

Unter Papst Gregor IX wurde in Anwesenheit des Erzbischofs Theodoricus von Ravenna in einer offiziellen kirchlichen Feier die Übertragung vorgenommen. Es war am Pfingstdienstag 1233, zur Zeit, als das Generalkapitel des Ordens in Bologna versammelt war. Die Gebeine des Dominikus wurden in einen kostbaren Marmorsarkophag gelegt. Es wird berichtet, dass beim Öffnen des Grabes ein wunderbarer Duft entströmte, „der allem klar zeigte, welch guter Wohlgeruch Christi dieser sei. Der Erzbischof zelebrierte das feierliche Hochamt. Und da es gerade der dritte Pfingsttag war, der strahlend aufging, stimmte der Chor den Eröffnungsvers an: Nehmt in Besitz die Wonne eurer Herrlichkeit“.

Im selben Jahr begann der kanonische Heiligsprechungsprozess der am 3. Juli 1234 zur Heiligsprechung des Dominikus durch Papst Gregor IX führet.

De selige Johannes von Vercelli, der 6. Ordensmeister, ließ ein prächtiges Grabmal errichten und am 5. Juli 1267 die Gebeine des hl. Dominikus dort beisetzen.

Aus dem Proprium des Predigerordens

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Sigrid Undset – Eine Romanautorin auf den Pfaden des Dominikus

Sigrid Undset an ihrem ersten Arbeitstag in Bjerkebæk. Hier beendete sie die Trilogie Kristin Lavransdatter in den Jahren 1920 bis 1922

Quizfrage: Kennen Sie ein Mitglied des Predigerordens, das einen Nobelpreis erhalten hat? Sigrid Undset (20. Mai 1882-10. Juni 1949), eine norwegische Dominikanerterziarin und Schriftstellerin, erhielt ihn 1928 für ihre Mittelalterromane „Kristin Lavranstochter“ und „Olav Audunssohn“. Ihre „kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter“ beeindruckten das Nobelpreiskommittee. 

Ihre Familie

Als älteste Tochter eines Archäologen 1882 geboren weckte ihr Vater in ihr eine große Faszination für die mittelalterliche Geschichte Norwegens, mit der sie auch die altnordische Sprache und das missionarische Wirken des Predigerordens im Mittelalter kennen lernte. Als Sigrid elf Jahre alt war, starb ihr Vater. Nach der Mittleren Reife fühlte sie sich verpflichtet, für den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sorgen und arbeitete seit 1899 als Sekretärin in einem Industrieunternehmen. Weil sie das nicht erfüllte, verfasste sie in ihrer Freizeit Romane, deren Erfolge ihr seit 1904 ein auskömmliches Leben ermöglichten. Ein Auslandsstipendium führte sie nach Rom, wo sie ihren Mann, den norwegischen Maler Anders C. Svarstad 1912 heiratete. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Mit ihnen lebte sie nach der Scheidung 1924 in Lillehammer zusammen. 

Die Konversion und ihr Weg in den dritten Orden 

Die gebürtige Protestantin reagierte auf ihre Scheidung, indem sie sich gründlich mit ihrem Glauben befasste und – zum Entsetzen der evangelischen Mehrheit Norwegens – sich zwei Jahre danach der katholischen Kirche, ihren Vorstellungen von Moral und ihrem Frauenbild zuwandte. Anfang der Zwanziger Jahre kehrten die Predigerbrüder nach Norwegen zurück und gründeten in Oslo einen Konvent. Undset war von deren intellektuellem Profil angetan und trat noch 1924 als Terziarin in den Orden ein. 1928 kamen auch Schwestern aus Frankreich nach Oslo und diese hat sie finanziell unterstützt. 

Schriftstellerisches Apostolat 

Literarisch weitete Undset seit ihrer Konversion in ihren Romanen die Liebesthematik auf die übernatürliche Liebe aus, nachdem sie zu Beginn ihres literarischen Schaffens die zwischenmenschliche Liebe in all ihren Gefühlsschattierungen dargestellt hatte und – für ihre Zeit skandalös – in ihrem Roman „Marta Oulie“ (1907) ihre Titelheldin ihren Mann betrügen ließ. Ihre Konversion verarbeitete sie in Gymnadenia (1929), Der brennende Busch (1930), im Essayband „Begegnungen und Trennungen“ (1931) sowie ihrem vierbändigen Mittelalterroman „Olav Audunssohn“ (1925-27), der von einem Mann handelt, der im Verlauf seines Lebens eine starke Bindung zu Dominikanern entwickelt. In weiteren Novellen wie „Harriet Waage“ (1907), „Frau Hjelde“ (1917),“Kristin Lavranstochter“ (1920-1922) und „Ida Elisabeth“ (1932) zeichnete sie das Bild von Müttern, die sich aufopferungsvoll um ihre Kinder sorgen. In ihrem letztem Roman über die dominikanische Mantellantin, Katarina von Siena, ordnete sie die zwischenmenschliche Liebe in die umfassendere Liebe Gottes ein: Katharina habe das „Einswerden mit Gott …, Sein Reich auf Erden …, die Wiedergeburt der Kirche Christi zu der Schönheit ersehnt, die sie besitzt, wenn der Strahlenglanz befreiter Seelen ihre äußere Form durchleuchtet … All das Gute, das von den aufrichtigen und treuen Kindern getan wird, ist wie ein Schmuck, der diesen mystischen Leib ziert“.

Bibliogr. Hinweis:

Norbert Schmeiser, „Sigrid Undset. Eine Schriftstellerin auf den
Pfaden des Dominikus“, in: kontakt 46 (2018) S. 134-135.

Bild von hier

Einen weiteren interessanten Artikel über Sigrid Undset gibt es auf der internationalen Internetseite der Dominikanischen Laiengemeinschaften

und hier ebenfalls in Englisch eine ganze Reihe über sie (jeweils den Links am Ende der Artikel folgen).

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Studientag in Bamberg

Zum diesjährigen Studientag der Dominikanischen Laien unserer Provinz am 27.Juli in Bamberg zum Thema „Die Heilige Eucharistie bei Thomas von Aquin und Caterina von Siena“ lädt die Dominikanische Laienge-meinschaft vom Hl. Grab herzlich ein. Referenten sind Prof.Marianne Schlosser und Prof. Richard Schenk OP. Anmeldungen bitte bis zum bis 10. Juli 2019 an studientag@dominikaner-ba.de 

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Ewige Profess und Aufnahme ins Noviziat in Wettenhausen

Am Sonntag, 7. April 2019 legte Lucia Johanna Waibel OP ihre ewige Profess in der Dominikanischen Laiengemeinschaft im Dominikanerinnenkloster Wettenhausen ab. Während einer feierlichen Hl. Messe, die Pfr. Bernhard Hesse zelebrierte, wurde außerdem Regina Sigg in das Noviziat aufgenommen. Als Ordensnamen wählte sie den der hl. Edith Stein. Der  gesamte Konvent der Dominikanerinnen freute sich sehr über die Feierlichkeiten, ebenso Freunde des Klosters und Interessierte an der Lebensform der Dominikanischen Laien. Im Anschluss bot sich beim gemütlichen Kaffeetrinken die Gelegenheit, das Ereignis zu feiern und miteinander ins Gespräch zu kommen. Den Abschluss bildete die feierlich gesungene Vesper zusammen mit den Schwestern.

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Katharina von Siena

Am 29. April feiert der Predigerorden das Fest der Kirchenlehrerin und Patronin von Europa, Italien, Rom und Siena Katharina von Siena (* 25. März 1347 in Siena , † 29. April 1380 in Rom)

Aus einer Katechese von Benedikt XVI:

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute möchte ich über eine Frau sprechen, die eine herausragende Rolle in der Kirchengeschichte hatte. Es handelt sich um die hl. Katharina von Siena. Das Jahrhundert, in dem sie lebte – das 14. Jahrhundert –, war eine schwierige Zeit für das Leben der Kirche und der ganzen Gesellschaftsstruktur in Italien und in Europa. Doch der Herr läßt auch in Augenblicken großer Schwierigkeiten nicht ab, sein Volk zu segnen, indem er heilige Männer und Frauen erweckt, die den Verstand und das Herz aufrütteln und Bekehrung und Erneuerung bewirken. Katharina ist eine von ihnen, und auch heute noch spricht sie zu uns und spornt uns an, mutig den Weg zur Heiligkeit zu beschreiten, um in immer vollkommenerer Weise Jünger des Herrn zu sein.

Sie wurde 1347 in Siena in einer sehr kinderreichen Familie geboren und starb 1380 in Rom. Im Alter von 16 Jahren trat sie, von einer Vision des hl. Dominikus veranlaßt, in den weiblichen Zweig des Dritten Ordens der Dominikaner, den sogenannten »Mantellaten« ein. Sie blieb in der Familie, bekräftigte das Gelübde der Jungfräulichkeit, das sie bereits als Heranwachsende in privater Form abgelegt hatte, und widmete sich dem Gebet, der Buße und den Werken der Nächstenliebe, vor allem zum Wohl der Kranken. Als der Ruf ihrer Heiligkeit sich verbreitete, führte dies zu einer intensiven Tätigkeit geistlicher Beratung für Menschen aller Stände: Adlige und Staatsmänner, Künstler und Menschen aus dem Volk, geweihte Personen, Kleriker, einschließlich Papst Gregors XI., der zu jener Zeit seinen Sitz in Avignon hatte und den Katharina nachdrücklich ermahnte, nach Rom zurückzukehren.

Sie reiste viel, um die innere Reform der Kirche anzuregen und den Frieden zwischen den Staaten zu fördern: Auch aus diesem Grund erklärte der ehrwürdige Diener Gottes Johannes Paul II. sie zur Mitpatronin Europas. Der alte Kontinent sollte niemals die christlichen Wurzeln vergessen, die seinem Weg zugrunde liegen, und auch weiterhin aus dem Evangelium die Grundwerte schöpfen, die Gerechtigkeit und Eintracht gewährleisten.

Katharina hatte viel zu erleiden, wie viele Heilige. Einige mißtrauten ihr so sehr, daß das Generalkapitel der Dominikaner sie 1374, sechs Jahre vor ihrem Tod, sogar nach Florenz beorderte, um sie zu prüfen. Ihr wurde ein gelehrter und demütiger Ordensmann zur Seite gestellt, Raimund von Capua, später Generalmagister des Ordens. Er wurde ihr Beichtvater und auch ihr »geistlicher Sohn« und schrieb eine erste vollständige Biographie der Heiligen. Sie wurde 1461 heiliggesprochen.

Die Lehre Katharinas, die nur mit Mühe lesen lernte und erst als Erwachsene schreiben konnte, ist im Dialog der göttlichen Vorsehung oder Buch der göttlichen Lehre, einem Meisterwerk der geistlichen Literatur, in ihren Briefen und in der Sammlung ihrer Gebete enthalten. Ihre Lehre ist mit einem solchen Reichtum ausgestattet, daß der Diener Gottes Paul VI. sie 1970 zur Kirchenlehrerin erklärte. Diesen Titel erhielt sie zusätzlich zu dem der Mitpatronin der Stadt Rom, der dem Wunsch des sel. Pius IX. entsprach, und dem der Patronin Italiens, den der ehrwürdige Diener Gottes Pius XII. ihr zuerkannte.

In einer Vision, die aus Katharinas Herz und Verstand nie mehr ausgelöscht wurde, brachte die Gottesmutter sie zu Jesus, der ihr einen wunderschönen Ring schenkte und zu ihr sagte: »Ich, dein Schöpfer und Erlöser, vermähle dich mit mir im Glauben, den du stets rein bewahren sollst bis du im Himmel mit mir deine ewige Hochzeit feierst « (vgl. Raimund von Capua, S. Caterina da Siena, Legenda maior, Nr. 115). Jener Ring blieb nur für sie selbst sichtbar. In diesem außergewöhnlichen Ereignis wird der lebendige Mittelpunkt von Katharinas Religiosität und jeder echten Spiritualität deutlich: die Christozentrik. Christus ist für sie gleichsam der Bräutigam, zu dem eine Beziehung der Innerlichkeit, der Gemeinschaft und der Treue besteht; er ist das über alles geliebte Gut.

Diese tiefe Vereinigung mit dem Herrn wird durch ein anderes Ereignis aus dem Leben dieser bedeutenden Mystikerin erläutert: den Herzenstausch. Raimund von Capua zufolge, der das darlegt, was Katharina ihm anvertraut hat, erschien ihr der Herr mit einem leuchtend roten menschlichen Herzen in der Hand, öffnete ihre Brust, legte es dort hinein und sagte: »Liebste Tochter, so wie ich jüngst das Herz genommen habe, das du mir schenken wolltest, so schenke ich dir jetzt das Meinige; von jetzt an wird es den Platz einnehmen, an dem das Deinige war« (ebd.). Katharina hat wirklich die Wortes des hl. Paulus gelebt: »nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20).

Wie die Heilige aus Siena verspürt jeder Gläubige das Bedürfnis, sich die Empfindungen des Herzens Christi zu eigen zu machen, um Gott und den Nächsten so zu lieben, wie Christus liebt. Und wir alle können unser Herz verwandeln lassen und lernen, wie Christus zu lieben, in Vertrautheit mit ihm, die genährt wird vom Gebet, von der Betrachtung des Wortes Gottes und von den Sakramenten, vor allem durch den häufigen und ehrfürchtigen Empfang der heiligen Kommunion. Auch Katharina gehört zu jener Schar eucharistischer Heiliger, die ich am Ende meines Apostolischen Schreibens Sacramentum caritatis (vgl. Nr. 94) erwähnt habe.

Liebe Brüder und Schwestern, die Eucharistie ist eine außerordentliche Liebesgabe, die Gott uns immer wieder schenkt, um unserem Glaubensweg Nahrung zu geben, unsere Hoffnung zu stärken, unsere Liebe zu entflammen, um uns ihm immer ähnlicher zu machen. Um eine so starke und authentische Persönlichkeit bildete sich eine echte geistliche Familie: Menschen, die von der sittlichen Autorität dieser jungen Frau mit sehr hohem Lebensniveau angezogen waren. Manchmal waren sie auch beeindruckt von den mystischen Phänomenen, denen sie beiwohnten, wie den häufigen Ekstasen. Viele stellten sich in ihren Dienst und betrachteten es vor allem als Privileg, von Katharina geistlich geleitet zu werden. Sie nannten sie »Mama«, denn als geistliche Kinder erhielten sie von ihr die Nahrung des Geistes.

Auch heute zieht die Kirche großen Nutzen aus der geistlichen Mutterschaft vieler Frauen, die – geweiht oder im Laienstand – in den Seelen den Gedanken an Gott nähren, den Glauben der Menschen stärken und das christliche Leben auf immer größere Höhen ausrichten. An einen ihrer geistlichen Söhne, den Kartäuser Giovanni Sabatini, schreibt Katharina: »Ich bezeichne Euch als Sohn, da ich Euch durch ständiges Gebet und Verlangen im Angesicht Gottes gebäre, so wie eine Mutter ihr Kind gebiert« (Brief Nr. 141: An Giovanni Sabbatini). Den Dominikaner Bartolomeo de Dominici redete sie gewöhnlich mit folgenden Worten an: »Liebster Bruder und Sohn in Christus, dem liebreichsten Jesus«.

Ein weiterer Zug von Katharinas Spiritualität ist mit der Gabe der Tränen verbunden. Sie sind Ausdruck einer feinfühligen und tiefen Sensibilität, einer Fähigkeit zur inneren Ergriffenheit und zur liebevollen Zuneigung. Nicht wenige Heilige hatten die Gabe der Tränen und äußerten damit erneut die innere Bewegtheit Jesu, der vor dem Grab des Freundes Lazarus und dem Schmerz Marias und Martas sowie beim Anblick von Jerusalem in seinen letzten irdischen Tagen seine Tränen nicht zurückgehalten und versteckt hat. Katharina zufolge vermischen sich die Tränen der Heiligen mit dem Blut Christi, von dem sie in leidenschaftlichem Ton und mit sehr ausdrucksstarken symbolischen Bildern gesprochen hat: »Denkt an den gekreuzigten Christus, Gott und Mensch (…) Setzt euch den gekreuzigten Christus zum Ziel, verbergt euch in den Wunden des gekreuzigten Christus, versenkt euch in das Blut des gekreuzigten Christus« (Brief Nr. 21: An einen, dessen Name nicht genannt wird).

Hier können wir verstehen, warum Katharina, obgleich sie sich der menschlichen Unzulänglichkeiten der Priester bewußt war, stets sehr große Hochachtung vor ihnen hatte: Sie spenden durch die Sakramente und das Wort die erlösende Kraft des Blutes Christi. Die Heilige aus Siena hat die geistlichen Amtsträger, auch den Papst, den sie den »sanftmütigen Christus auf Erden « nannte, stets aufgefordert, ihrer Verantwortung treu zu sein, wozu sie stets allein durch ihre tiefe und beständige Liebe zur Kirche bewegt wurde. Bevor sie starb, sagte sie: »Wenn ich aus dem Leib scheide, habe ich wahrhaftig das Leben in der heiligen Kirche und für die heilige Kirche vollendet und hingegeben, was für mich eine einzigartige Gnade ist« (vgl. Raimund von Capua, S. Caterina da Siena, Legenda maior, Nr. 363).

Von der hl. Katharina lernen wir also die höchste Wissenschaft: Jesus Christus und seine Kirche zu kennen und zu lieben. Im Dialog der göttlichen Vorsehung beschreibt sie mit einem einzigartigen Bild Christus als Brücke, die zwischen Himmel und Erde gespannt ist. Sie besteht aus drei Stufen: den Füßen, der Seite und dem Mund Jesu. Indem sie diese Stufen emporsteigt, durchschreitet die Seele die drei Abschnitte eines jeden Weges der Heiligung: die Loslösung von der Sünde, die Übung der Tugend und der Liebe, die süße und liebevolle Vereinigung mit Gott.

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen von der hl. Katharina lernen, mit Mut Christus und die Kirche zutiefst und aufrichtig zu lieben. Machen wir uns daher die Worte der hl. Katharina zu eigen, die wir im Dialog der göttlichen Vorsehung am Ende des Kapitels lesen, in dem von Christus als Brücke die Rede ist: »Aus Barmherzigkeit hast du uns im Blut gewaschen, aus Barmherzigkeit wolltest du Umgang haben mit den Geschöpfen. Du bist außer dir vor Liebe! Es genügte dir nicht, Mensch zu werden, sondern du wolltest auch sterben! (…) O Barmherzigkeit! Mein Herz versinkt im Gedanken an dich: Wohin ich meine Gedanken auch wende, finde ich nichts als Barmherzigkeit « (vgl. Kap. 30). Danke.

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Christus, der Gärtner

Maria Magdalena begegnet dem auferstandenen Christus; Chorschrankenrelief Notre Dame de Paris

Die Lerche stieg am Ostermorgen
empor ins klarste Luftgebiet
und schmettert‘ hoch im Blau verborgen
ein freudig Auferstehungslied.
Und wie sie schmetterte, da klangen
es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal,
ihr Bronnen,
und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
ihr grünen Halm‘ und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
die ihr im Winterschlafe säumt,
in dumpfen Lüften, dumpfen Schmerzen
ein gottentfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
wie Jugendhauch, o laßt sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande,
und wie die Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
gebrochen an den Gräbern steht,
ihr trüben Augen, die vor Tränen
ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
ihr Grübler, die ihr fern verloren
traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
hier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen,
im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
jung wird das Alte fern und nah.
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte –
wacht auf! Der Ostertag ist da.

Emanuel Geibel

(1815 – 1884), deutscher Lyriker und Dramatiker

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Der Abstieg des Herrn in die Welt des Todes

Grablegung Christi; Pfarrkirche Notre Dame in Poissy

Aus einer Homilie am großen und heiligen Sabbat

Epiphanius (+535) zugeschrieben

Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht. „Furcht packt die Erde, und sie verstummt“ (Ps 76,9), weil Gott – als Mensch – in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen. Gott ist – als Mensch – gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken und hat die in der Welt des Todes auferweckt (vgl. Mt 27,52). 
Er geht auf der Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf (vgl. Luk 15,3ff). Besuchen will er, „die völlig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (Lk 1,79). Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erlösen, er, zugleich Gott und der Eva Sohn (vgl. Gen 3,15). 
Er fasst Adam bei der Hand, hebt ihn auf und spricht: „Wach auf, Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!“ (Eph 5,14) Ich habe dich nicht geschaffen, damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst. „Steh auf von den Toten!“ Ich bin das Leben der Toten. Steh auf, mein Geschöpf, steh auf, meine Gestalt, nach meinem Abbild geschaffen! Erhebe dich, lass uns weggehen von hier! Du bist in mir und ich in dir (vgl. Joh 17, 21.23), wir sind eine unteilbare Person. Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott. Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an. Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde, ich, der über den Himmeln thront. Für dich, den Menschen, bin ich ein Mensch geworden „ohne Hilfe, frei unter den Toten“ (Ps 88, 5.6 (LXX)). Du wurdest vom Garten ausgestoßen, ich wurde vom Garten aus den Juden überliefert und in einem Garten begraben. 
Sieh den Speichel in meinem Gesicht! Deinetwegen ließ ich es geschehen, um dir den Anhauch des Ursprungs wiederzugeben (Gen 2,7). Sieh die Backenstreiche, die ich empfing, um deine verderbte Gestalt nach meinem Bild wiederherzustellen. 
Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ, um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten. Sieh meine Hände, die so glückverheißend mit Nägeln an das Kreuz geheftet sind, deinetwegen: denn du strecktest (einst) zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz. Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite, für dich, denn im Paradies fielst du in Schlaf und brachtest aus deiner Seite Eva hervor. Meine Seite heilte die Wunden deiner Seite. Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen.

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Kreuze ohne das Kreuz

Foto : Die Mutter Christi hält ihren toten Sohn in den Armen. Kreuz und Pietà in der vom Feuer verwüsteten Kathedrale Notre Dame de Paris

Das Kreuz Christi lässt sich in seiner Wirkkraft mit dem eizenkorn vergleichen, das in die Erde gesenkt wurde und seine hundert- und tausendfältige Frucht bringt. Darum ist nicht ein Buch oder ein Manifest das Zeichen des Christentums, sondern eben das Kreuz; man versteht nur zu gut, wenn dieses Zeichen den einen eine Torheit, den anderen ein Ärgernis bedeutet; den Jüngern des Herrn aber gilt es als Zeichen des Heils. Im Kreuz Christi – und allein in ihm liegt – auch der Sinn all der anderen Kreuze, aller menschlichen Leiden beschlossen.

Reinhold Schneider, der wie kaum ein anderer von den Widersprüchen und dem Unheimlichen in der Geschichte getroffen war, berichtet von einer Begebenheit in Flandern im Jahr 1566: „Mit einem Hass, der im tiefsten Grunde rätselhaft bleibt, wandten sich die aufgewühlten Volksmassen gegen die herrlichen alten Kirchen des Landes“. Es geschah in einer Kirche, dass sich die Anführer an einer mächtigen alten Kreuzigungsgruppe vergriffen und das mittlere Kreuz umstürzten, während sie die Kreuze der Schächer stehen ließen. „So entstand dieses Sinnbild, das der Menschengeist vielleicht nicht hätte ersinnen können: die Schächer ohne den Herrn. Eine furchtbare Lücke klaffte zwischen den beiden Kreuzen … die Kreuze standen in einer grundlosen Nacht, im reinen Nichts“. Was für ein Zeichen! Wo immer das Kreuz Christi beseitigt wird, da bleiben die Kreuze der Schächer übrig, da werden die Kreuze der Räuber zum neuen Zeichen – und es gibt keine Hoffnung mehr, weil es keine Verheißung mehr gibt, wie sie Christus am Kreuz ausgesprochen hat: „Amen ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“ (Lk 23, 43).

Aus: Georg Moser ( 1975-1988 Bischof von Rottenburg-Stuttgart): Täglich Grund zur Hoffnung, Herder 1993.

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Das Wort vom Weizenkorn

Letztes Abendmahl und Todesangst Christi im Garten Gethsemane, Chorrelief Notre Dame de Paris

Das Wort Jesu vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, wenn es aber stirbt, reiche Frucht bringt – dieses Wort erhält seine eigentliche Bildkraft von Ostern her: Jesus selbst ist das Weizenkorn, er gibt sein Leben für die Vielen. Aus dieser Hingabe bricht neues Leben auf, reift junges Korn, wird Brot in den Händen von vielen, Brot für das Leben der Welt.

Das Wort vom Weizenkorn ist auch zum geheimnisvollen Gesetz des wahren Lebens der Kirche geworden. Sie weiß sich einbezogen in das Leiden und Sterben ihres Herrn und Meisters . Nachfolge Jesu heißt Nachfolge in der Übernahme des Kreuzes. Auch erkennt sich heute die Kirche wieder als eine Kirche der Märtyrer. Wir dürfen darum nicht – auf den weichen Polstern, auf denen wir sitzen – die vielen vergessen, die um ihres Glaubens willen in den Gefängnissen leiden, die vor ihren Herodes, ihren Kajaphas, ihren Pilatus geschleppt werden oder auf andere Weise in ihren Menschenrechten behindert sind. Die Kirche nennt sie ihre edelsten Glieder, sie, für die das Kreuz kein bloßer Schmuck im Wohnzimmer oder am Hals bedeutet, vielmehr raue, schmerzhafte Wirklichkeit.

Aus dem Kreuz Christi ist die Kirche hervorgegangen, unter dem Kreuz ist sie gewachsen, im Kreuz liegt auch heute ihre Hoffnung. Die einzige Hoffnung, die in dieser Welt von Blut und Tränen überhaupt noch Bestand hat, beruht darauf, dass Gottes Liebe stärker ist als die Bosheit der Menschen und als das Leid das sie erdulden.

Aus: Georg Moser ( 1975-1988 Bischof von Rottenburg-Stuttgart): Täglich Grund zur Hoffnung, Herder 1993.

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Verkündigung des Herrn

Henry Ossawa Tanne (1859-1937): The Annunciation

Katharina von Siena:

Aus den Gebeten.

Gott klopft an die Tür des Willens Mariae

Du, o Maria, bist zum Buch geworden, in dem heute unsere Lebensregel aufgeschrieben worden ist. Heute ist in dir die Weisheit des ewigen Vaters eingetragen worden, heute offenbart sich in dir die Würde, Stärke und Freiheit des Menschen.

Wenn ich deinen großen Ratschluss erwäge, ewige Dreieinigkeit, sehe ich, das du in deinem Licht die Würde und den Adel des Menschengeschlechtes erblickt hast. Dieselbe Liebe, die dich zwang, den Menschen aus dir hervorzuziehen, drängte dich darum auch, dich zu erlösen, als er verloren war. Dass du den Menschen bereits liebtest, noch ehe er war, hast du trefflich dargetan, als du ihn allein der Liebe wegen aus dir hervorziehen wolltest. Noch größere Liebe hast du ihm erwiesen, als du dich selbst ihm schenktest, indem du am heutigen Tag dich in das armselige Gewand seines Menschseins eingeschlossen hast. Was konntest du ihm Größeres geben als dich selbst? Deshalb konntest du mit Recht zu ihm sprechen: „Was hätte ich dir tun sollen oder können, und habe es nicht getan?“ (Jes 5, 4)

Ich sehe dies: Deine Weisheit schaute im großen und ewigen Ratschluss, was zum Heil es Menschen geschehen sollte, deine Huld willigte ein, und deine Macht hat es heute verwirklicht.

Welche Weise hast du, ewige Dreieinigkeit, gefunden, um deine Wahrheit zu vollenden, am Menschen Erbarmen zu üben und deiner Gerechtigkeit genugzutun? Welches Heilmittel hast du uns gegeben? Hier, die heilkräftige Arznei: Du hast beschlossen, uns das Wort, deinen eingeborenen Sohn, zu geben. Er sollte den Stoff unseres Fleisches, das dich beleidigt hatte, annehmen, um durch sein Leiden in unserem Menschsein deiner Gerechtigkeit genugzutun, nicht kraft des Menschseins, sondern kraft der mit ihr vereinten Gottheit. So wurde deine Wahrheit verwirklicht und erfüllt und beide, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, gestillt.

O Maria, ich sehe, wie dieses Wort, das dir gegeben wurde, um in dir zu sein, dennoch nicht vom Vater getrennt ist. Es verhält sich wie mit dem Wort der Sprache, das der Mensch in seinem Innern trägt: auch wenn es geäußert und anderen mitgeteilt wird, trennt es sich nicht vom Herzen und bleibt mit ihm verbunden. Darin zeigt sich ie Würde des Menschen, für den Gott so viele und so große Dinge getan hat.

An dir Maria, tritt heute auch die Stärke und die Freiheit des Menschen hervor. Denn nachdem der große und erhabene Ratschluss feststand, wurde der Engel zu dir gesandt, um dir das Geheimnis dieses göttlichen Ratschlusses zu verkünden und deinen Willen zu erkunden. Ehe du nicht eingewilligt hattest, stieg der Sohn Gottes nicht in deinen Schoß herab. Er wartete an der Pforte deines Willens, dass du ihm öffnetest, da er zu dir kommen wollte. Er wäre dort nie eingetreten, hättest du ihm nicht geöffnet mit den Worten: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du es gesagt hast (Luk 1, 38). An deine Pforte, o Maria, pochte die ewige Gottheit. Hättest du aber die Tür deines Willensnicht aufgetan, wäre Gott in dir nicht Mensch geworden. Schäme dich, meine Seele, wenn du siehst, wie Gott heute in Maria mit dir Blutsverwandtschaft eingegangen ist! Heute ist dir kund getan worden, dass du, wenngleich ohne dich erschaffen, nicht ohne dich gerettet wirst.

O Maria, meine süße Liebe, in dir findet sich das Wort geschrieben, von dem wir die Lehre des Lebens haben. Du bist die Tafel, die uns jene Lehre darbietet.

Aus dem Proprium des Dominikanerordens.

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