Intermedium des Provinzrats

Am kommenden Wochenende trifft sich unser Provinzrat in Augsburg. Die Dominikanischen Laiengemeinschaften wählen alle vier Jahre Delegierte, die den Provinzrat bilden. Der Provinzrat wählt in seiner konstituierenden Sitzung das Präsidium das sein Amt für vier Jahre ausübt. Das Präsidium tritt mindestens einmal im Jahr zusammen, der Provinzrat alle zwei Jahre. Da zuletzt vor zwei Jahren gewählt wurde, ist jetzt Halbzeit. Grund genug, die Situation der DLG in unserer Provinz und die Arbeit der letzten beiden Jahre einer kritischen Analyse zu unterziehen und die der kommenden beiden Jahre zu planen.

Dabei werden wir unterstützt vom Promotor der Dominikanischen Laien unserer Provinz, P. Dr. Paul Schäfersküpper OP, der dem Rat als geborenes Mitglied angehört, von P. Provinzial Thomas Gabriel Brogl OP, und von Herrn Klaus Bornewasser OP. Klaus Bornewasser war lange Zeit Präsident der DLG unserer Nachbarprovinz Teutonia und ist derzeit sowohl der Stellvertreter der Präsidentin und das europäische Mitglied des Internationalen Rats der Dominikanischen Laiengemeinschaften (ICLDF). Wir sind sehr froh, dass er uns seine umfassende Erfahrung zur Verfügung stellt.

Gastgeber unserer Sitzung und der meisten Teilnehmer ist einmal mehr  der Augsburger Dominikanerkonvent, wofür wir uns sehr herzlich bedanken. Wi bitten um das Gebet unserer Mitglieder und Leser für dieses Ereignis.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

P. Adalbert M. von Papius

Am 2. Juni starb in Friesach P. Adalbert M. von Papius OP

 

Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Geistbraus – der Hl. Geist ist nicht niedlich

Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal.
Finsternis über Urwirbels Antlitz.
Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.
Gott sprach: Licht werde! Licht ward.Gott sah das Licht: daß es gut ist.
Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis.
Gott rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht!
Abend ward und Morgen ward: Ein Tag. (Gen 1,1 nach der Übersetzung von Buber & Rosenzweig)

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,
von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden (Apostelgeschichte 2,1-11)

Die Kraft des Heiligen Geistes beschränkt sich nicht darauf, uns zu erleuchten und zu trösten. Sie richtet uns auch auf die Zukunft aus, auf das Kommen des Gottesreiches. Was für eine wunderbare Vision einer erlösten und erneuerten Menschheit sehen wir in der neuen Zeit, die uns vom heutigen Evangelium verheissen wird! Der Hl. Lukas sagt uns, dass Jesus Christus die Erfüllung aller Verheissungen Gottes ist, der Messias, der den heiligen Geist in Fülle besitzt, um ihn mit der ganzen Menschheit zu teilen. Die Ausgiessung des Geistes Christi auf die Menschheit ist ein Unterpfand der Hoffnung und der Erlösung von allem, was uns verarmen lässt. Sie schenkt den Blinden neues Augenlicht, sie befreit die Zerschlagenen und schafft Einheit in und durch Verschiedenheit (vgl. Lk 4,18-19; Jes 61,1-2). Diese Kraft kann eine neue Welt schaffen: sie kann „das Antlitz der Erde erneuern“ (vgl. Ps 104,30)! Eucharistiefeier zum Abschluss des XXIII. Weltjugendtags in Sydney, 20. Juli 2008

Wir wünschen allen unseren Lesern, den Geistbraus, der das Antlitz der Erde erneuert, nicht nach den Visionen der Menschen, sondern nach dem Willen Gottes.

 

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

Im Geist des Dominikus: Else Budnowski

Von Norbert Schmeiser

Nur von wenigen Menschen lässt sich sagen, ein Jahrhundert ganz erlebt zu haben. Bei Else Budnowski (1900-2002) ist dies der Fall. Beeindruckend ist, wie sie ihr Leben in dieser Zeit verstand. Sie wollte „stets mitten in der Welt, voller Hingabe an den Menschen im Geist des heiligen Dominikus … leben“, schreibt sie in ihren Lebenserinnerungen.

Schreiben – das war ihr Faible, wie sich schon in ihrer Jugend zeigte: mit 13 schrieb sie ihre erste Geschichte, sie war 17, als ihr erstes Gedicht veröffentlicht wurde. Ihr Leben war von schriftstellerischer Tätigkeit geprägt: Else Budnowski veröffentlichte Literatur über Laien, die sich den Dominikanern angeschlossen hatten, etwa Martin Porres, Rose Hawthorne und Bartolo Longo, auch Romane sowie religiöse, im Briefstil gehaltene Schriften für junge Frauen, die zum Teil ins Englische und Niederländische übersetzt wurden.

Nicht nur wegen ihrer publizistischen Fähigkeiten fühlte Else Budnowski sich von der dominikanischen Spiritualität angesprochen, sondern auch aufgrund ihrer pädagogischen Begabung. Sie unterrichtete zunächst in der Eifel; nach 1945 fand sie in Berlin eine Anstellung als Lehrerin für Englisch und Deutsch, was ihr zuvor wegen ihres katholischen Bekenntnisses verwehrt wurde. Deshalb kümmerte sie sich nach ihrem Studium zunächst als Leiterin der „Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen“ um Fabrikarbeiterinnen und Jugendliche, die bei bürgerlichen Familien angestellt waren.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte Budnowski – unterstützt von amerikanischen Mitgliedern der dominikanischen Laiengemeinschaft – Lebensmittel- und Kleiderhilfe für das isolierte Berlin. Danach engagierte sie sich politisch, caritativ und in der St. Paulus-Gemeinde in Moabit, deren dominikanische Laiengruppe ihr ein Leben lang Rückhalt bot.*

Else Budnowski als Rednerin bei einer Festveranstaltung katholischer Verbände in Berlin 1933. „Am Tage des katholischen Festes Christi Himmelfahrt am Donnerstag, den 25. Mai 1933, fand ein festlicher Umzug verschiedenster religiöser Gruppierungen hin zur Wilmersdorfer Tennishalle, einer 1930 in der Brandenburgischen Straßen erbauten Mehrzweckhalle, die rund 2000 Besucher fasste. Hier fand eine Kundgebung und Festveranstaltung der Marianischen Jugend statt, selbige Teil der Marianischen Kongregation, einer bereits im 16. Jahrhundert gegründeten – zunächst nur für Männer, seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch für Frauen geöffneten – kirchlichen Vereinigung mit dem Ziel der Einheit von Leben und Glauben. Zusammengekommen waren einige Vertreter (Priester, Pfarrer) und zahlreiche Vertreterinnen – Mädchen und junge Frauen – aus Berliner Gemeinden, darunter der Gemeinden St. Clemens und St. Josef (vermutlich Berlin-Weißensee), Liebfrauen St. Marien (Berlin-Kreuzberg), der Katholische Kirchengemeinde Heilige Familie (Berlin-Pankow), der Gemeinden St. Ludgerus, St. Bonifacius und St. Elisabeth (Berlin-Mitte), der Congregation St. Johannis und der Congregation Lichtenberg (Berlin-Marienfelde), dem Heliandbund bzw. Heliand-Mädchenkreis, Gruppen aus Oberschöneweide, Henningsdorf oder Lichterfelde. Zu unterscheiden sind die Gruppen anhand der Fahnen und Flaggen sowie der je gruppenspezifischen Kleidung (meist langer Rock und Bluse in einheitlichen Farben). Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen versammelten sich nach dem Zug durch die Stadt in den Tennishallen. An einem feierlich geschmückten Altar bzw. Pult mit Kerzen und einer Marienstatue, seitlich gesäumt von Fahnenträgerinnen, sprachen verschiedene Personen, unter ihnen Else Budnowski (u.a. Mitte der 1920er Jahre Leiterin der Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen, später Lehrerin). Rechts und links auf der Bühne wurde sie umringt von Mädchen der katholischen Singschar bzw. eines Sprechchors. Der Blick ins Publikum zeigt zugleich die zahlreich erschienenen Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Saal, auf den Tribünen und Rängen der Tennishalle sowie die im vorderen Bereich platzierten Ehrengäste der Veranstaltung“.**

*Dieser Text von Norbert Schmeiser von der Freiburger Fraternität erschein zuerst am 14. Mai 2017 im Konradsblatt, der Bistumszeitung der Erzdiözese Freiburg in der Rubrik „Person der Woche“.

** Originale Bildunterschrift in einem zeitgenössischen Bericht

Posted in Uncategorized | Tagged , , | 1 Comment

Dialog der Konfessionen

Diesem Thema widmet sich dieses Jahr der Studientag der Dominikanischen Laiengemeinschaften der Provinz des Hl. Albert. Ungewöhnlich sind dabei sowohl Zeit als auch Ort. Während traditionell der jährliche Studientag im November in der Nähe des Festes des hl. Albert an einem Dominikaner- oder Dominikanerinnenkloster innerhalb der Provinz durchgeführt wird, ist er dieses Jahr sowohl zeitlich als auch räumlich ausgewandert – in den September und nach Zeitz in Sachsen-Anhalt.

Das liegt daran, dass dort in der Diaspora Felix Hoffmann, Mitglied der Freiburger Fraternität als Gemeindereferent schon seit Jahren segensreich wirkt und dieses ungewöhnliche Ereignis für uns organisiert. Anlässlich des Reformationsgedenkens findet in Zeitz eine Ausstellung über Julius von Pflug (1499-1564), den letzten katholischen Bischof von Naumburg statt, der schon zur Zeit der Reformation versuchte, zwischen den Konfessionen zu vermitteln.

Dieser Studientag richtet sich besonders (aber nicht nur) an die Dominikanischen Laien aus unser Provinz und der Provinz Teutonia, in der der Veranstaltungsort liegt. Als Referenten konnten P. Dr. Frank Ewerszumrode OP, Spezialist für ökumenische Theologie und Carsten und Annette Schulze gewonnen werden. Carsten und Annette gehören der Dominikusgruppe, einer assoziierten Laiengemeinschaft in Speyer an und sind sozusagen „gelebte Ökumene“. Carsten ist evangelischer Pfarrer und Annette katholische Pastoralreferentin.

Zwischen den thematischen Einheiten gibt es Gelegenheit zu einer Führung durch die Ausstellung im Dom St. Peter und Paul in Zeitz. Der Studientag endet mit einer von der Familia dominicana gestalteten Hl. Messe im Dom.

Anmeldungen für diesen hochinteresanten Studientag sollten bis zum 30. Juni erfolgen. Alle Informationen zum Inhalt und Ablauf des Studientags sowie zur Anmeldung können den Bildern entnommen werden und sind auch hier zu finden.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

Die Seele

In diesem Semester bespricht Prof. em. William Hoye, den wir von unserem Studientag im November 2015 zum Thema Gotteserfahrung kennen,  an der Universität Münster den traditionellen christlichen Seelenbegriff basierend auf der Lehre des Dominikaners Thomas von Aquin. Die Vorlesungen können im Internet mitverfolgt werden.

Kommentar aus dem Vorlesungsverzeichnis:

Die Lehre, daß der Mensch nur eine einzige Seele hat, ist eine in der bedeutsamsten Auseinandersetzung mit islamischen Denkern und zunächst gegen den Widerstand des kirchlichen Lehramtes schwer erkämpfte Einsicht. Besonders Thomas von Aquin ist es gelungen, Aristoteles und die Hl. Schrift zusammenzuführen. Fragen wie die folgenden sollen behandelt werden: Warum ist die Seele ohne Leib keine Person und kein Mensch? – Wie ist die klassische und von der römisch-katholischen Kirche zugrundegelegte Definition der Seele zu verstehen? – Warum mußten Christen das Seelenverständnis des Aristoteles vertiefen? – Warum haben Gott und Engel keine Seele? – Ist die menschliche Seele eine Wirklichkeit? – Warum hat ein Mensch nur eine einzige Seele, und nicht drei? – Wie können Geist und Leib zu einer einzigen Wirklichkeit werden? – Was ist die Unsterblichkeit der Seele? – Wie kann die Seele eine eigenständige Wirklichkeit und zugleich mit dem Körper verbunden wiederum eine eigenständige Wirklichkeit sein? – Warum erzwingt die Glaubensoffenbarung die Entdeckung der menschlichen Seele? – Warum erzwingt die Glaubensoffenbarung eine Seinsmetaphysik? – Warum hat das kirchliche Lehramt die Lehre des hl. Thomas von Aquin, daß der Mensch eine Einheit darstelle, verurteilt und dann schließlich zu einer Grundüberzeugung verholfen? – Warum ist die Seele nicht in dem Leib, sondern umgekehrt? – Was bedeutet die Lehre, daß die menschliche Seele unmittelbar von Gott erschaffen wird? – Wann entsteht die menschliche Seele? – Gibt es eine Weltseele? – Warum kann nur Gott eine Menschenseele machen? – Welche Rolle spielt das Gehirn für die geistige Seele? Mit Äußerungen über die Seele haben Neurowissenschaftler in letzter Zeit die Theologie herausgefordert und zugleich Kritik von ihr veranlasst.

Posted in Uncategorized | Tagged , , | Leave a comment

Blühende Wüste

BLÜHENDE WÜSTE – ZWEI ALTE OSTERBILDER
#Ostern in uns. Eine afrikanische Geschichte erzählt Folgendes: Ein Missionar beobachtete das seltsame Verhalten eines Beduinen. Immer wieder legte sich dieser der Länge nach auf den Boden und drückte sein Ohr in den Wüstensand …

Von P. Provinzial Thomas G. Brogl OP
Posted in Uncategorized | Leave a comment

Er ist auferstanden, wie er gesagt hat!

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.

Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen. (Mt. 28, 1-10)

Posted in Uncategorized | Tagged , , | Leave a comment

Gott ist tot

 

Das Wort vom Tod Gottes geistert immer lauter durch unsere Zeit. Zuerst, bei Jean Paul, ist es nur wie ein Alptraum – der tote Jesus verkündet vom Dach der Welt aus den Toten, daß er bei seiner Fahrt ins Jenseits nichts gefunden – keinen Himmel, keinen vergeltenden Gott, sondern nur das endlose Nichts, das Schweigen der gähnenden Leere. Noch ist es nur ein Schrecktraum, den man ächzend im Erwachen als Traum beiseite schiebt, wenngleich die einmal erlittene Angst, die immer schon dumpf auf dem Grund der Seele lauerte, nie mehr gänzlich weichen will. Hundert Jahre später, bei Nietzsche, ist es tödlicher Ernst, der in einem gellenden Schrei des Entsetzens sich äußert: «Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!» Inzwischen, wieder fünfzig Jahre später, spricht man schon fast mit akademischer Gelassenheit darüber und fängt an, sich auf eine «Theologie nach dem Tode Gottes» einzurichten, sieht sich um, wie es weitergehen mag und ermutigt den Menschen, sich darauf vorzubereiten, als Stellvertreter Gottes einzuspringen. Das erschreckende Geheimnis des Karsamstags, sein Abgrund an Schweigen, hat damit eine bedrängende Wirklichkeit in unserer Gegenwart erhalten. Denn dies ist Karsamstag: Tag der Verborgenheit Gottes, Tag jener ungeheuren Paradoxie, die wir im Glaubensbekenntnis aussprechen mit den Worten «abgestiegen zu der Hölle», abgestiegen ins Mysterium des Todes hinein. Am Karfreitag konnten wir noch auf den Durchbohrten hinblicken – der Karsamstag ist leer, der schwere Stein des frischen Grabes deckt den Verstorbenen, alles ist vorüber, der Glaube scheint definitiv als Schwärmerei enthüllt. Kein Gott hat diesen Jesus gerettet, der sich Sohn Gottes nannte. Man kann beruhigt sein – die Nüchternen, die vorher im geheimen doch ein wenig geschwankt hatten, ob vielleicht etwas anderes sei, sie haben recht behalten.
Karsamstag, Tag des Begräbnisses Gottes – ist das nicht auf eine unheimliche Weise unser Tag? Fängt unser Jahrhundert nicht an, zu einem großen Karsamstag zu werden, einem Tag der Abwesenheit Gottes, an dem auch den Jüngern eine eisige Leere ins Herz steigt, so daß sie beschämt und verängstigt sich zum Heimweg rüsten und auf ihrem Emmaus-Gang dumpf und verstört sich in ihre Hoffnungslosigkeit hineinbohren, gar nicht bemerkend, daß der Totgeglaubte in ihrer Mitte ist? Gott ist tot, und wir haben ihn getötet: Haben wir eigentlich bemerkt, daß dieser Satz fast wörtlich der Sprache der christlichen Überlieferung entnommen ist, daß wir oft genug in unseren Kreuzweggebeten schon Ähnliches gelallt haben, ohne den erschreckenden Ernst, die unheimliche Wirklichkeit des Gesagten zu gewahren? Wir haben ihn getötet, indem wir ihn ins Gehäuse veralteter Denkgewohnheiten einschlossen, indem wir ihn in eine Frömmigkeit verbannten, die wirklichkeitslos war und immer mehr zur devotionellen Phrase oder zur archäologischen Kostbarkeit wurde; wir haben ihn getötet durch die Zweideutigkeit unseres Lebens, die ihn selbst verdunkelte, denn was könnte Gott fragwürdiger machen in dieser Welt als die Fragwürdigkeit des Glaubens und der Liebe seiner Gläubigen?
Die Gottesfinsternis dieses Tages, dieses Jahrhunderts, das mehr und und mehr zum Karsamstag wird, redet uns ins Gewissen. Sie hat auch mit uns zu tun. Aber sie hat trotz allem etwas Tröstendes an sich. Denn Gottes Sterben in Jesus Christus ist zugleich Ausdruck seiner radikalen Solidarität mit uns. Das dunkelste Geheimnis des Glaubens ist zugleich das hellste Zeichen einer Hoffnung, die ohne Grenzen ist. Und noch eins: Erst durch das Scheitern des Karfreitags, erst durch die Todesstille des Karsamstags hindurch konnten die Jünger zum Begreifen dessen geführt werden, wer Jesus wirklich war, was seine Botschaft in Wahrheit meinte. Gott mußte sterben für sie, damit er wahrhaft leben konnte in ihnen. Ihr Bild, das sie von Gott geformt hatten, in das sie ihn einzuzwängen versuchten, mußte zerstört werden, damit sie über den Trümmern des zerstörten Hauses den Himmel sehen konnten, ihn selbst, der immer der unendlich Größere bleibt.
Wir brauchen die Gottesfinsternis, wir brauchen das Schweigen Gottes, um wieder den Abgrund seiner Größe zu erfahren, den Abgrund unserer Nichtigkeit, der sich auftun würde, wenn er nicht wäre.
Es gibt im Evangelium eine Szene, die auf erregende Art das Schweigen des Karsamstags vorwegnimmt und so zugleich noch einmal wie ein Portrait unserer geschichtlichen Stunde erscheint. Christus schläft in einem Boot, das vom Sturm gepeitscht am Versinken ist. Der Prophet Elias hatte einst die Baalspriester, die vergebens lautstark zu ihrem Gott um Feuer für das Opfer schrien, verhöhnt, ihr Gott schlafe wohl, und man müsse vielleicht noch lauter rufen, um ihn aufzuwecken. Aber schläft Gott nicht wirklich? Trifft der Hohn des Propheten nicht zuletzt die Gläubigen des Gottes Israels, die mit ihm in einem versinkenden Boot fahren? Gott schläft, während seine Sache am Versinken ist – ist das nicht die Erfahrung unseres eigenen Lebens? Scheint die Kirche, scheint der Glaube nicht wie ein versinkendes kleines Schiff, das vergebens gegen Wind und Wellen kämpft, während Gott abwesend ist? Die Jünger rütteln und schreien in äußerster Verzweiflung den Herrn wach – er aber scheint erstaunt und schilt sie kleingläubig. Nun, geht es uns anders? Wenn der Sturm vorüber sein wird, werden wir erkennen, wie töricht unser Kleinglaube war. Und dennoch, Herr, wir können nicht anders, als dich, den schweigenden, schlafenden Gott rütteln, zu dir schreien: Wach auf – siehst du denn nicht, daß wir versinken? Wach auf, laß die Dunkelheit des Karsamstags nicht endlos sein, laß einen Strahl von Ostern auch in unsere Tage fallen, geh mit uns, wenn wir hoffnungslos nach Emmaus wandern, daß unser Herz uns brennend werde von deiner Nähe. Der du Israels Wege verborgen geleitet hast, um endlich Mensch mit uns Menschen zu sein: Laß uns nicht im Dunkel, laß dein Wort in der Geschwätzigkeit dieser Tage nicht untergehen, Herr, hilf uns, denn ohne dich müßten wir zugrunde gehen. Amen.

Josef Kardinal Ratzinger. Meditation zum Karsamstag

Bild: Hans Holbein d. J.  Der Leichnam Christi im Grabe. 1521

Posted in Uncategorized | Tagged , | Leave a comment

Gott am Kreuz

Gott ist dem Menschen nachgegangen, wie es im Gleichnis vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Drachme geschrieben steht (Lk 15), in das Reich des Verlorenseins, in das böse Nichts, das unter der Tat des Menschen aufgeklafft war. Gott hat nicht nur liebend hinabgeschaut, den Menschen gerufen und gezogen, sondern ist selbst hineingegangen, wie es Johannes im ersten Kapitel seines Evangeliums so gewaltig ausspricht. Nun stand in der Menschengeschichte Einer da, der Gott war und Mensch. Rein wie Gott; verantwortungsbeladen wie der Mensch.

Dieser hat das Schuldigsein durch- und zu Ende gelebt. Der bloße Mensch kann das nicht. Er ist kleiner als die Schuld, die er begeht, denn sie richtet sich gegen Gott. Er kann sie begehen; was sie aber bedeutet, kann er sich nicht mit einer ihrer furchtbaren Bedeutung ebenbürtigen Wachheit gegenwärtig bringen. Er kann sie nicht ermessen. Er kann sie nicht ausleiden. Er kann sie, die er doch begangen hat, nicht in sein Dasein hereinnehmen und lebend erschöpfen. Er verwirrt sich an ihr, verstört, verzweifelt, bleibt aber ihr gegenüber ohnmächtig. Der Sünde ist nur Gott gewachsen. Er allein vermag sie zu durchblicken, zu ermessen, zu beurteilen. Ihr geschähe damit ihr Recht; der Mensch aber, der sie begangen, würde zerbrechen. „Gnade“ bedeutet, dass Gott hat Gerechtigkeit schaffen, aber den Menschen retten, dass er hat lieben wollen. Er ist Mensch geworden, und so ist ein Wesen erstanden, das Gottes Ebenbürtigkeit der Sünde gegenüber in einem menschlichen dasein verwirklichte. In einem Menschengeiste und Herzen und Leibe vollzog sich de Abrechnung Gottes mit der Sünde. Das war das Dasein Jesu.

Jenen Sturz des Menschen in das Nichts, der sich in der Empörung gegen Gott vollzog, und worin das Geschöpf nur zerbrechen und verzweifeln konnte, hat Er in der Liebe, wissenden Geistes, freien Willens, fühlenden Herzens durchgelebt. Um so größer die Vernichtung, je größer Dr ist, den sie trifft. Niemand ist s o gestorben, wie Christus starb, weil er das Leben selbst war. Niemand ist für die Sünde gestraft worden, weil er der Reine war. Niemand hat den Absturz in das böse Nichts so erfahren wie er – bis zu jener furchtbaren Wirklichkeit, die hinter dem Worte steht „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – weil er der Sohn Gottes war. (Mt. 27, 46) Er ist wirklich „vernichtigt“ worden. Er musste sterben, da er doch noch jung war. Sein Werk wurde ihm erstickt, als es hätte aufblühen können. Seine Freunde wurden ihm genommen, seine Ehre zerstört. Nichts hatte er mehr und nichts war er mehr: „Ein Wurm und nicht ein Mensch“. So ist er in einem unausdenklichen Sinne „hinabgestiegen in die Hölle“, welche das Reich ist, wo das böse Nichts regiert. Nicht nur als Zerbrecher der Fesseln – das auch; aber erst, nachdem er es in einer andern, furchtbaren, nur zu ahnenden Weise getan.

Da hat er, der unendlich geliebte Sohn des ewigen Vaters, die absolute Tiefe, den Grund des Bösen erreicht. Er ist bis zu jenem Nichts vorgedrungen, aus dem die Neue Schöpfung geschehen sollte: die re-creatio, wie die Alten sagen, die Wieder-Schöpfung des bereits seienden, aber zum Nichts abstürzenden Geschaffenen in neues Sein: in den Neuen Menschen, den Neuen Himmel und die Neue Erde.

Als Christus am Kreuz hing – niemand wird ausdenken, wie das war. Im Maße er Christ wird und den Herrn lieben lernt, beginnt er etwas zu ahnen. Wie da alles Tun aufhörte, alles Arbeiten, alles Kämpfen. Wie da kein Ausweichen war, kein Vorbehalt, sondern alles, Leib und Herz und Geist, hineingegeben in eine Flamme unendlichen, alles ausfüllenden Leidens; in ein Gericht über die zu eigen genommene Schuld, das ohne Lösung fortging, bis zum Tode. Da erreichte er jene Tiefe, aus welcher die Allmacht der Liebe die Neue Schöpfung heraufruft.

Aus: Romano Guardini: Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi. Werkbund-Verlag, 1938

Bild: Lovis Corinth. Das große Martyrium

 

Posted in Uncategorized | Tagged | Leave a comment