Leiblichkeit im Gebet – Was uns die Gebetsweisen des Heiligen Dominiks lehren können

Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

„Theologie zwischen Leibfeindlichkeit und Körperboom“[1], so lautet der Titel eines Aufsatzes und trifft damit die Dynamik und Entwicklung, der das Thema der Leiblichkeit innerhalb der Kirche ausgesetzt war und ist. Dass der Kern des Christentums der Glaube an einen Gott ist, der in Jesus Christus die konkrete Gestalt eines leibhaftigen Menschen annahm mit allen Grenzen und Bedürfnissen eines menschlichen Lebens und Leibes, erhebt die Leiblichkeit des Menschen endgültig auf eine Stufe, in der Körperverachtung und -misshandlung im Allgemeinen als auch in einem Streben nach einer körperlosen, rein vergeistigten Gebetserfahrung keinen Platz mehr haben. Dem Leib kommt eine eigene, besondere Würde zu. Mensch zu sein heißt nach Romano Guardini „verkörperter Geist“ und „durchseelter Leib“ zu sein.[2]In diesem Sinne trägt der ganze Mensch die christliche Frömmigkeit. „Nicht nur die Seele, sondern der ganze Mensch soll beten.“[3]Schließlich ist alles was der Mensch tut, auch das Beten, schon immer leiblich, weil der Mensch selbst Leib und nicht von ihm zu trennen ist. Daher spielt die leibliche Dimension eine wichtige Rolle im christlichen Gebet.Die Liturgie, aber vor allem die sakramentalen Handlungen, binden den menschlichen Körper als Bezugs- und Ausgangspunkt sowie als Medium der Gottesbegegnung bewusst ein.

Im heiligen Dominikus ist uns in der Bilderhandschrift „Modi Orandi Sancti Dominici“ („Die Gebetsweisen des heiligen Dominikus“) des Dominikaners Aldobrandinus von Tuscanella, der sie im 13. Jhd. in Bologna verfasst hat in dieser Ausführlichkeit ein seltenes Beispiel leiblichen Betens überliefert. Was Romano Guardini viele Jahrhunderte später ausdrückt, hatte Dominikus stark verinnerlicht, dass nämlich jede körperliche Stellung auf die Seele einwirke.[4]Weil Haltungen und Gebärden ausdrücken, was im Inneren lebt, ist es nicht gleichgültig, in welcher Stellung man betet.[5]Die Gebetsgebärde, so zeigt das Beispiel des Dominikus, ist die „Verleiblichung von dem, was in der Seele des Menschen geistig geschieht“[6]. Alles, was in der Seele passiert, greift auf den Körper über. Besonders in der Mystik tritt daher das Innere in Gebärden aus, wenn die Worte zum Ausdruck des Inneren nicht mehr genügen.[7]Bei Dominikus – so Peter Dyckhoff – „geschah nichts ausschließlich im seelisch-geistigen Bereich, sein Körper war immer beteiligt. Und nichts geschah rein körperlich, ohne dass Geist und Seele mitschwangen.“[8]

Die Person des Dominikus personifiziert in ihrem Verhalten das Wechselverhältnis von Liturgie und Spiritualität, von gefeiertem und gelebtem Glauben. Denn zunächst muss festgestellt werden, dass Dominikus die verschiedenen Gebetsformen im privaten Rahmen pflegte. So heißt es explizit zu Beginn: „Neben den allgemein üblichen und demutsvollen Formen des Betens bei der Feier der Heiligen Messe und beim Psalmengebet pflegte Dominikus die folgenden Gebetsweisen.“[9]Viele der dargestellten Gebetsformen werden heute überwiegend im liturgischen Rahmen vollzogen (z.B. Orantenhaltung, Prostratio, Knien oder Verneigung), doch Dominikus scheint diese in sein persönliches Gebet zu integrieren. So wie etwa in der achten Gebetsweise beschrieben wird, dass er dem Buch seine Verehrung erwies, „indem er es küsste – besonders, wenn es ein Evangelienbuch war […]“[10]oder in der fünften Gebetsweise, wenn er seine Hände in Schulterhöhe hielt „wie es der Priester bei der Feier der Messe zu tun pflegt.“[11]Damit lebte Dominikus das Wechselverhältnis von Liturgie und persönlicher Spiritualität aus. Es ist somit auch nicht weiter verwunderlich, dass er – bis auf das neunte Bild – immer alleine dargestellt wird. In diesem Sinne kann er ein Beispiel sein, solche Formen auch im privaten Gebet und ohne (Gottesdienst-)Gemeinschaft zu vollziehen.

Von den „modi orandi“ lässt sich durchaus auf das „lex credendi“ schließen, denn die Gebetshaltungen drücken immer auch eine tiefere theologische Wahrheit aus. So sind Gebetsgebärden immer auch Verkündigung der Glaubensbotschaft in der Sprache des Leibes.  

Dominikus – eine Ermutigung Gott so zu begegnen wie er uns begegnet – als Mensch mit Leib und Seele. 

Frau Clara Born OP


[1]Elisabeth Naurath, Theologie zwischen Leibfeindlichkeit und Körperboom. Aspekte christlicher Anthropologie, in: Hildegard Macha/Claudia Fahrenwald (Hg.), Körperbilder zwischen Natur und Kultur. Interdisziplinäre Beiträge zur Genderforschung, Opladen 2003, 69-82.

[2]Vgl. Guardini, Liturgie und liturgische Bildung, Passau 1966, 35.

[3]Romano Guardini, Vorschule des Betens, Ostfildern/Paderborn62014, 39.

[4]Vgl. Guardini, Briefe über Selbstbildung, bearb. Von Ingeborg Klimmer, Mainz 141986, 80.

[5]Vgl. ders., Vorschule des Betens, Ostfildern/Paderborn 62014, 39.

[6]Ohm, Gebetsgebärden, 9.

[7]Vgl. Ohm, Die Gebetsgebärden der Völker und das Christentum, Leiden 1948, 87.

[8]Peter Dyckhoff, Mit Leib und Seele beten. Die neun Gebetsweisen des hl. Dominikus, Freiburg 2003, 16.

[9]Dyckhoff, Mit Leib und Seele, 23.

[10]Ebd., 104.

[11]Ebd.

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Der Ordensmeister lädt die Dominikanische Familie zum „Triduum der Buße“ vom 4. bis 6. Oktober 2020 ein. 

Am 7. Oktober 2020, dem Fest des Heiligen Rosenkranzes, wird die dominikanische Familie aufgerufen, um 20.00 Uhr in ihrer Ortszeit den Rosenkranz zu beten. 

„Wir bieten Gott diese Tage die Buße und das Gebet an: im Gedenken für diejenigen, die während der Pandemie gestorben sind, für ihre Hinterbliebenen, für diejenigen, die weiterhin unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, und für diejenigen, die arbeiten um ihr Leiden zu lindern. „

fr. Gerard Timoner OP Ordensmeister
Ordo Praedicatorum

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„Iustitia et Pax“

Bild: www.pixabay.com

„Iustitia et Pax“ war der Name eines Päpstlichen Rates, der sich seit 1967 auf internationaler Ebene für die Förderung von Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechten einsetzte. 2017 wurden seine Aufgaben vom neu errichteten „Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen“ übernommen. Gerechtigkeit und Frieden gehören zu den Herausforderungen, die die Menschheit seit jeher begleiten. Trotz aller technologischer Fortschritte hat sich daran nichts geändert.

Unverändert ist auch, dass wenig Einigkeit darüber besteht, was genau unter Gerechtigkeit und Frieden überhaupt zu verstehen ist. Als Konfliktforscher an der Universität Heidelberg bin ich alltäglich mit dieser Frage konfrontiert. Die moderne empirische Konfliktforschung versteht unter „Frieden“ zumeist die Abwesenheit von Krieg. Doch auch was Krieg ist, ist wissenschaftlich umstritten. Viele betrachten dabei lediglich die Zahl der Todesopfer und ziehen eine willkürliche Grenze bei 1000 Todesopfern pro Jahr, um Krieg von Nicht-Krieg zu unterscheiden. Können wir jedoch wirklich von „Frieden“ sprechen, wenn in einer Gesellschaft bspw. 500 Menschen in einem Jahr durch Kampfhandlungen gestorben sind? Und selbst wenn der zwischen- oder innerstaatliche Krieg, der die Menschen heimgesucht hat, beendet ist, herrscht in vielen Ländern im Anschluss kein Frieden.

Der „positive“ Friedensbegriff zielt anders als die „negative“ Variante nicht einfach auf die Abwesenheit von Krieg, sondern stellt eine „gerechte“ Gesellschaftsordnung in den Mittelpunkt. Frieden IST demnach ein Zustand der Gerechtigkeit. Eine ungerechte Gesellschaft befindet sich automatisch im Unfrieden. Aus diesem gesellschaftlichen Unfrieden können aufgrund kleinster, in sich oft unbedeutender und kaum vorhersehbarer Vorkommnisse gewaltsame Dynamiken erwachsen, die sich bis hin zum Krieg steigern können.

Der Begriff der Gerechtigkeit ist mindestens so umstritten wie Krieg und Frieden. Hier ist nicht der Raum, unterschiedliche Positionen zu diskutieren. Zentral sowohl für die Soziallehre der katholischen Kirche als auch für den politischen Liberalismus ist die Verteilungsgerechtigkeit. Hier steht die faire Verteilung von Ressourcen im Mittelpunkt. Dies bedeutet nicht zwingend Gleichverteilung. Fairness wird historisch ererbte oder durch eigene Leistung erworbene Ansprüche berücksichtigen. Die empirische Konfliktforschung hat nachgewiesen, dass insbesondere „horizontale Ungleichheiten“ zwischen kulturell definierten Gruppen in einer Gesellschaft, wie z.B. Ethnien oder Religionsgemeinschaften, maßgeblich für das Ausbrechen innerstaatlicher Gewaltkonflikte sind. Nur eine faire Verteilung von Rohstoffen, ökonomischen Chancen und politischer Macht ermöglicht „positiven“ wie „negativen“ Frieden.

Gerechtigkeit und Frieden gehören zu den großen Verheißungen des Christentums. Letztlich haben sie eine eschatologische Qualität. Vollumfänglich sind Gerechtigkeit und Frieden in dieser Welt nicht möglich. Sie sind Teil der Jenseitshoffnung. Eine rein diesseitige Hoffnung auf Verwirklichung führt unweigerlich zu Utopien, die schnell in repressive Politik abgleiten. Den Menschen Gerechtigkeit und Frieden gewissermaßen von außen aufzuzwingen, ist wohl zum Scheitern verurteilt. Sie müssen gleichsam von innen her wachsen. Nicht umsonst zählt der Frieden nach Paulus zu den „Früchten des Heiligen Geistes“.

Das bedeutet freilich nicht, dass wir passiv oder resigniert abwarten sollen. Aktive Bemühungen sind notwendig, wie wir am Beispiel des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax“ sehen. Hier sind jedoch viel Detailarbeit und viel Geduld gefragt, wie die Entwicklungspolitik der letzten Jahrzehnte zeigt. Dennoch sollte die praktische oder akademische Arbeit „on the ground“ nicht dazu führen, dass der Blick gewissermaßen nur nach außen in die Welt und nach unten auf den Boden gerichtet bleibt. Wie der Hl. Augustinus ausgeführt hat, steht der politische und gesellschaftliche Frieden in einem viel größeren Kontext, bestehend aus dem inneren Frieden des einzelnen Menschen und dem Frieden der Menschen mit Gott.

Anders als die politische Moderne, die mit Thomas Hobbes‘ Vorstellung ihren Anfang nahm, dass der Naturzustand des Menschen ein „Krieg aller gegen aller“ sei, geht der Katholizismus mit Augustinus davon aus, dass der Naturzustand ein Zustand des Friedens ist, da die von Gott in die Existenz gesetzte Welt grundsätzlich gut ist. Trotz aller politischer und gesellschaftlicher Rückschritte, die wir zur Zeit augenscheinlich erleben, ist das ein erfreulich optimistischer Gedanke.

Dr. Christoph Trinn

Mitglied der Dominikanischen Laiengemeinschaft „Jordan von Sachsen“ zu Freiburg

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Fusion unserer beiden Provinzen

Margret Burkarts Ausblick auf eine gemeinsame Provinz

Quelle: www.pixabay.com

Nach meiner „Vision“ bezüglich der Fusion unserer beiden Provinzen bin ich gefragt worden. Ja habe ich denn eine „Vision“?

Wenn von Firmenfusionen die Rede ist, schwingt manchmal – besonders bei der Arbeitnehmerschaft dieser Firmen – ein banger Unterton mit, Verlustängste kommen auf, und oft wird etwas davon dann auch Realität. In diese Richtung gingen meine Gedanken bei der bei uns anstehenden Fusion überhaupt nicht.

Schon eher verspüre ich ein wenig so etwas wie Wehmut beim Vergleich von damals und heute. Damals, nach seiner Gründung breitete sich unser Orden so schnell aus, dass die Expansion, eine immer neue (Zell-)Teilung von schon wieder zu groß gewordenen Provinzen auf der Tagesordnung stand oder die Neugründung von Provinzen. Heute nun stehen die Zeichen auf Konzentration und Fusion. Nicht nur zwischen der süddeutsch-österreichischen Provinz St. Albert und der Teutonia, sondern an vielen Stellen in unserer familia dominicana geht es um eine Bündelung der Kräfte. Alles hat seine Zeit.

Von Anfang an hat die Idee der Fusion vor allem ein Gefühl der Freude, Vorfreude bei mir ausgelöst. Am deutlichsten vor Augen habe ich da das Bild einer Heirat. Heirat ist ja auch immer die Sache von zwei Familien, die sich erst vorsichtig beschnuppern, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Bereicherungen wie auch Belastungen feststellen. Sicher Fusion – wie Heirat – ist keine Problemlösung, aber gemeinsam gelingt es vielleicht, auf einer breiteren Basis einige Probleme zu entschärfen. In unserer gemeinsamen Provinz sind zwar größere Entfernungen zu überwinden, aber es gibt mehr Raum, mehr Potential, neue Konstellationen. Einige Formalia werden zu regeln sein, das kann mühsam werden, aber wichtiger scheint mir, dass die „Chemie“ zwischen uns stimmt.

Wie in allen Familien gibt es in unseren Provinzen bunte Hunde, komische Vögel und schwarze Schafe. Auch die kommen alle mit in unsere neue gemeinsame Provinz. Aber vor allem kommen da so viele verschiedene Begabungen, Talente, Berufungen, so viele tolle Menschen zusammen. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf meine neu gewonnenen Familienmitglieder! „Wir können noch viel zusammen machen“ heißt ein Bilderbuch von Friedrich Karl Waechter – Lektüre empfohlen.

Und schließlich wir sind ja längst eins: uns eint schon – trotz aller regionalen Unterschiede – unsere gemeinsame dominikanische Spiritualität. Uns eint das Gebet, uns eint unsere Sendung, gemeinsam haben wir den Auftrag zur Predigt, gemeinsam unseren Vater Dominikus, in dessen Spuren wir gehen.

(Margret Burkart, Berlin August 2020)

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Das Wort des Herrn predigen

Blick auf Freiburg – Bild: www.pixabay.com

Das Wort Gottes zu verkünden ist ein zentrales Anliegen der Dominikanischen Laiengemeinschaft. Was es bedeuten kann, den Glauben im eigenen familiären und beruflichen Leben sowie in der Freizeit zu predigen, beschäftigt die Freiburger Fraternität „Jordan von Sachsen“ in ihren Treffen. Dies umfasst jegliche Verkündigung in gelebter Nächstenliebe in zwischenmenschlichen Beziehungen wie in Einsatz für eine gerechte Gesellschaft und auch durch das Wort – etwa in einem Vortrag, im Bibelgesprächskreis, beim Besuch Kranker, Pflegebedürftiger, von Senioren und Armen am Rande der Gesellschaft. Denn Freude und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten, in denen wir Jesus begegnen, sind auch Freude und Angst der Jünger Christi (II. Vatikanum, Über die Kirche, 8; Kirche in der Welt von heute, 1, 21). So sind wir etwa durch Zeitgenossen herausgefordert, die Christentum und moderne Gesellschaft als Gegensätze einander gegenüber stellen; ihnen gegenüber gilt es, die volle Anerkennung der legitimen Autonomie der irdischen Wirklichkeiten mit ihren eigenen Gesetzen und Werten zu vertreten (II. Vatikanum, Kirche in der Welt von heute, 36). 

Gruppenmitglieder berichten von Kollegen, die den Glauben an Gott aufgrund ihres (natur)wissenschaftlich geprägten Weltbildes ablehnen. Dann sprechen wir darüber, wie wir in dieser Auseinandersetzung respektvoll verdeutlichen können, dass es keinen grundsätzlichen Gegensatz zwischen Glauben und Naturwissenschaft gibt; das kann geschehen, wenn manden zeitgeschichtlichen Kontext biblischer Schöpfungstexte, ihre Eigenarten und Absicht erklärt sowie andere Zugänge zu diesen Texten eröffnet. 

In unseren Versammlungen zeigt sich, wie wichtig es ist, im Austausch die Zeichen der Zeit zu erforschen, sie im Licht des Evangeliums zu beurteilen und Konsequenzen für das eigene wie das soziale Handeln zu erarbeiten (II. Vatikanum, Kirche in der Welt von heute, 4); das kann sich auf Fragen des Klimawandels bzw. der nachhaltigen Entwicklung ebenso beziehen wie auf die geänderte Rolle der Frau in der Gesellschaft und deren Konsequenzen für ihre Entwicklungsmöglichkeiten in Beruf (Stichworte: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Geschlechtergerechtigkeit) und in der Kirche – Hanna Renate Laurien (1928-2010, zuletzt in der Dominikanischen Familie der Berliner St. Paulus-Gemeinde) hatte daran mitgewirkt, auf den Gedenktag der dominikanischen Mantellantin Katharina von Siena (29. April) den „Tag der Diakonin“ zu legen, der der Zulassung von Frauen zum diakonischen Dienst gewidmet ist. Innerhalb von Pfarrgemeinden engagieren wir uns dafür, die bewusste und tätige Teilnahme der Gläubigen an liturgischen Feiern umzusetzen (II. Vatikanum, Über die Liturgie, 14, 27).

Herr Norbert Chabakuk Schmeiser OP

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Versprechen für 3 Jahre in Regensburg

Versprechen von Frau Elke Völcker am 2. Juli in Regensburg, Bild: Sr. Benedikta OP, ordensassistentin der Gruppe „Unsere Liebe Fraum vom Rosenkranz“ in Regensburg

Das Fest Mariä Heimsuchung, dem 2. Juli, feierten wir in der dominikanischen Laiengemeinschaft Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in Regensburg auf ganz besondere Weise. Elke Maria Laetitia Völcker OP legte das Versprechen für drei Jahre ab. Wegen Corona musste alles im kleinen Rahmen stattfinden, aber umso herzlicher war die Atmosphäre. Wir konzentrierten uns umso tiefer auf das Wesentliche, die Hingabe an Gott durch das Versprechen. Es war das erste Zusammentreffen der Gruppe seit dem Ausbruch der Pandemie. Gespräche waren vorerst nur im Klosterhof möglich, mit entsprechendem Abstand. Der gemütliche Teil wird nachgeholt werden.

Bild: Sr. Benedikta OP

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P. Wolfram Hoyer verstorben

Heute starb bei einem Unfall auf dem Heimweg von einer Krankensalbung P. Wolfram Hoyer, Prior unseres Konvents in Augsburg und Ordenshistoriker im Alter von 51 Jahren. Herr, lass ihn ruhen in Frieden, und das ewige Licht leuchte ihm.

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Gemeinde, Gemeinschaft und Verkündigung in Zeiten begrenzten Kontakts

Geschlossene Kirchen, entfallene Gottesdienste und „verschwundene“ pastorale Mitarbeiter. Von all diesen Sachen konnte man in den letzten Wochen und Monaten lesen. Gläubige aller Konfessionen beklagen sich über den Rückzug der Kirche, sowohl pastoral, als auch in der theologischen Deutung der Geschehnisse um uns. Wenn ich ehrlich bin, kann ich sie gut verstehen und das obwohl (oder vlt. grade weil) ich selbst als Seelsorger für Menschen in einer ostdeutschen Diözese arbeite.

Einige Erwartungen von Klagenden sind eventuell überzogen gewesen, einige Vorwürfe wurzeln wohl in anderen Frustrationen, Wahrheit steckt aber trotzdem in ihnen. Wo war Kirche? Wo sollte Kirche auch künftig sein um besser „bei den Menschen“ zu sein?

Diese Fragen haben sich (wenn auch nicht so explizit ausgesprochen) mein Pfarrer und ich gestellt als die Versammlungsverbote anfingen. Beide mit einer ganz eigenen Perspektive: Mein Pfarrer als Nicht-Digitaler und ich als Online-Affiner. Dementsprechend sahen auch unsere Ansätze aus mit Menschen in Kontakt zu treten und zu bleiben. Er hat zuerst die Senioren unserer Pfarrei angerufen. Was in einer Großpfarrei im Westen nur geht, wenn sich viele Hinsetzen, geht bei uns ganz gut in ein oder zwei Wochen. Dabei fragte er nach Befinden, bot Hilfe an und schuf einen – wenn auch nur telefonischen – Kontakt. Es folgten Besuche mit Abstand und andere Formen der Beziehungspflege.
Ich selbst kümmerte mich um die Medien: allen voran Gemeindewebsite und Social Media. Es wurden drei Impuls-Clips pro Woche gedreht, für jeden Sonntag Vorschläge für Gottesdienste zu Hause erstellt und Inhalte für Instagram und darüber hinaus intensiviert. Mit Jugendlichen habe ich zwei mal pro Woche eine Videokonferenz gemacht, in der wir Bibelteilen gemacht haben und miteinander redeten.

Was sich zeigt: Es gab und gibt Wege in Kontakt zu sein und zu bleiben, sowohl für Technik-Affine als auch für eher Analog-Orientierte.
Auch über die heiße Phase der Krise hinaus sehe ich hier Chancen, besonders mit Blick auf die Chancen digitaler Kommunikation.
Aber:
1. Sie ist kein Ersatz für echte Begegnung. Sie kann bestehende Beziehungen (zwischen Menschen, sowie zu Gott) nur unterstützen. Aber darin bietet sie Kontaktpotential, dass nicht zu unterschätzen ist.
2. Sie ist kurzfristig. Meint, dass Medien in einem gewissen Maß Moden und Trends unterliegen und so herausfordernd in Zeitaufwand und Engagement sind.
3. Sie verlangen Echtheit. Einen „Social Media“-Beauftragten einsetzen klingt ja nett, aber Plattformen neuer als FaceBook verlangen nach persönlichen Beziehungen, Menschen, die sich selbst als (in dem Fall) Glaubende kommunizieren und präsent sind. Es geht nicht im Kern um Inhalte, sondern um Menschlichkeit.

Es finden und fänden sich mehr Punkte. Diese sollen nur einen kleinen Anhaltspunkt bieten.

Ich bin froh, dass mittlerweile wieder Kontakt zu meinen Gemeindemitgliedern möglich ist, dass ich mit Kindern grade eine Freizeit gestalten konnte und wir Gottesdienste feiern. Ich hoffe, dass wir klug genug sind mit Vorsicht unsere Urlaubszeit zu gestalten und nach den Ferien unseren Alltag anzugehen.
Ich hoffe aber auch, dass besonders wir als Orden der Predigerbrüder in beiden Welten – digital, wie analog – kreativ und offen sind Lösungen zu finden, die helfen das Evangelium und die Liebe Gottes den anderen nahe zu bringen. Es gibt nicht nur eine richtige Lösung. Es braucht eine Vielfalt von Ansätzen, die alle Lebensbereiche der Menschen berücksichtigen und in sie hinein sprechen.

Herausfordernd: Ja.
Denkmuster sprengend: bitte.
Unmöglich: Nein.

Auch in dem „Neuland“ der digitalen Welt oder den Herausforderungen der Krisen unserer Tage ist Gott der, der immer schon da ist, wo wir noch hinkommen.

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Die Dominikanische Laiengemeinschaft im Corona-Lock-down Freiburg

Vor St. Martin am Rathauslatz – der Ordnerdienst ruht sich aus Bild: Melanie Delpech

Unserer Fraternität hat sich zum letzten Mal am 22. Februar hier in Freiburg getroffen. Da war Corona nur eine ferne Bedrohung. Eigentlich hätten wir am 28. März eine General-Versammlung mit Neuwahlen abhalten sollen. Aber innerhalb von vier Wochen änderte sich das Leben für uns alle so radikal, dass an eine General-Versammlung  nicht mehr zu denken war, zumal auch nicht erlaubt!  Gemeinschaftsleben zu erliegen gekommen? Sowieso sind wir eine über ein weites Gebiet verstreute  Gemeinschaft; von Leipzig im Norden bis Waldshut an der Grenze der Schweiz. Gemeinsam Treffen ist schon immer eine logistische Herausforderung gewesen.

Schöne Erfahrungen waren für uns in dieser Zeit die wöchentlichen Berichte der Geschwister per E-Mail. So hörten wir voneinander und manchmal konnten wir sogar eine helfende Hand in der Not erfahren. So z.B. als ich überraschend per Post 5 Packungen Trockenhefe von einem Mitglied bekam, nachdem ich geklagt hatte, dass Hefe im Laden nicht mehr zu bekommen sei. Zum Glück musste er nicht Klopapier per Post liefern (Hefe zu bekommen, scheint immer noch problematisch zu sein!) Von einander regelmäßig zu lesen, trug uns ein stückweit über den Lockdown hindurch. Ob unser Versuch zur gleichen Zeit das Stundengebet zu beten von Erfolg gekrönt wurde, lässt sich allerdings bezweifeln!

Nun hat sich unser Situation etwas verbessert. Diejenigen, die in und um Freiburg leben, können auf dem Rathausplatz bei St. Martin vor, nach und zwischen Ordnerdiensten beim Kaffee trinken gesichtet werden (ich kann allmählich keine Kirchenbank mehr sehen und meine Hände waren noch nie so sauber wie nun jetzt). Selbstverständlich tragen wir alle unseren Mundschutz (siehe Bild). Niemand will Ursache eines möglichen kirchlichen Corona-Hotspots werden! Ich finde es persönlich eine riesige Herausforderung, eine Verbeugung vorm Altar mit Würde hinzukriegen, wenn ich in Besitz eines Putzeimers bin! 

Dazu hat der Noviziatsunterricht wieder begonnen und kleine lokale Treffen sind auch wieder möglich– Zimmer gut gelüftet und: Achtung wegen Abstand! Wir hoffen, dass wir weiterhin in kleinen Schritten wieder zu mehr Gemeinschaftsleben zurück kommen können. Die General-Versammlung wird nun Ende September stattfinden – so es denn die Corona-Lage ermöglicht. Sonst wird womöglich gezoomt! Hoffentlich nicht! 

Frau Melanie Delpech OP

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Das Reich Gottes im Blick haben

Bild: www.pixabay.com

In Johannes dem Täufer begegnet uns eine sperrige Figur. In der Wüste hat er gelebt, Kamelhaare soll er getragen und wilden Honig gegessen haben. Allem voraus gehen ungewöhnliche Ereignisse um seine  Geburt. Wer ist dieser Mensch, dessen Geburt die Kirche am 24. Juni gedenkt? 

Johannes ist mit Maria, der Mutter Jesu, der einzige Heilige, dessen leibliche Geburt in der Liturgie gefeiert wird. Seit dem 5. Jahrhundert wird dies getan und genau sechs Monate vor der Geburt Jesu. Wie oft in der Bibel wird die Geburt einer besonderen Person von ungewöhnlichen Ereignissen umgeben. Johannes Geburt wird seinem Vater Zacharias im Jerusalemer Tempel durch einen Engel angekündigt. Er und seine Frau Elisabet waren kinderlos und eigentlich schon zu alt, um noch Kinder bekommen zu können. Ihr Wunsch wird erfüllt und der Engel erzählt ihm, dass sein Sohn sogar eine besondere Aufgabe von Gott erhalten wird: Johannes werde vom Heiligen Geist erfüllt werden und solle das Volk Israel auf das Kommen Gottes vorbereiten (Lk 1,17). Johannes soll er heißen, teilt ihm der Engel auch noch mit. Dann ist das Ereignis vorbei und Zacharias verliert seine Stimme. 

Nach der Geburt geben Zacharias und Elisabet gegen die damalige Tradition und nach der Verheißung des Engels ihrem Kind den Namen Johannes. Normalerweise hätte er den Namen seines Vaters erhalten. Und dann geschieht ein Wunder: Zacharias kann wieder sprechen. Die Anwesenden staunten und bereits damals fragte man sich im Bergland von Judäa, was dieses Wunder zu bedeuten habe und was aus diesem Johannes einmal wohl werden würde. 

Johannes wird später der Beiname „der Täufer“ gegeben. In der Wüste tauft er diejenigen, die ihr Leben neu auf Gott ausrichten wollen. Sie hat er mit seinen Predigten über Gott und seine Herrschaft begeistert und damit zur „Umkehr“ gerufen. Aber er wird auch nicht müde, zu betonen, dass er nur den Weg von Jemanden bereitet, der noch kommen wird: der Messias, Jesus Christus. 

Deshalb wird er auch der wieder gekommene Elia genannt. Dieser war nach Erzählungen aus dem Alten Testament leiblich, also ohne zu Sterben, in den Himmel entrückt worden. Er würde eines Tages wieder auf die Erde zurückkommen, um dann die Ankunft Gottes vorzubereiten (Mal 3,23f). Jesus lässt sich auch von Johannes taufen und bei diesem Ereignis wird den Anwesenden auch mitgeteilt, dass Jesus besagter Messias ist. 

Doch was war an Johannes neben all diesen Erzählungen besonders? Können wir etwas von ihm für die heutigen Herausforderungen in unserer Zeit lernen? Jesus bringt dies im Lukasevangelium sehr gut auf den Punkt: Diejenigen, die zum Reich Gottes gehören, brauchen nicht nur auf ihre eigenen Fähigkeiten zu bauen, denn sie werden auch von Gott für ihren Auftrag befähigt. 

Herr T. Zimmermann OP 

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