Im Geist des Dominikus: Else Budnowski

Von Norbert Schmeiser

Nur von wenigen Menschen lässt sich sagen, ein Jahrhundert ganz erlebt zu haben. Bei Else Budnowski (1900-2002) ist dies der Fall. Beeindruckend ist, wie sie ihr Leben in dieser Zeit verstand. Sie wollte „stets mitten in der Welt, voller Hingabe an den Menschen im Geist des heiligen Dominikus … leben“, schreibt sie in ihren Lebenserinnerungen.

Schreiben – das war ihr Faible, wie sich schon in ihrer Jugend zeigte: mit 13 schrieb sie ihre erste Geschichte, sie war 17, als ihr erstes Gedicht veröffentlicht wurde. Ihr Leben war von schriftstellerischer Tätigkeit geprägt: Else Budnowski veröffentlichte Literatur über Laien, die sich den Dominikanern angeschlossen hatten, etwa Martin Porres, Rose Hawthorne und Bartolo Longo, auch Romane sowie religiöse, im Briefstil gehaltene Schriften für junge Frauen, die zum Teil ins Englische und Niederländische übersetzt wurden.

Nicht nur wegen ihrer publizistischen Fähigkeiten fühlte Else Budnowski sich von der dominikanischen Spiritualität angesprochen, sondern auch aufgrund ihrer pädagogischen Begabung. Sie unterrichtete zunächst in der Eifel; nach 1945 fand sie in Berlin eine Anstellung als Lehrerin für Englisch und Deutsch, was ihr zuvor wegen ihres katholischen Bekenntnisses verwehrt wurde. Deshalb kümmerte sie sich nach ihrem Studium zunächst als Leiterin der „Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen“ um Fabrikarbeiterinnen und Jugendliche, die bei bürgerlichen Familien angestellt waren.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte Budnowski – unterstützt von amerikanischen Mitgliedern der dominikanischen Laiengemeinschaft – Lebensmittel- und Kleiderhilfe für das isolierte Berlin. Danach engagierte sie sich politisch, caritativ und in der St. Paulus-Gemeinde in Moabit, deren dominikanische Laiengruppe ihr ein Leben lang Rückhalt bot.*

Else Budnowski als Rednerin bei einer Festveranstaltung katholischer Verbände in Berlin 1933. „Am Tage des katholischen Festes Christi Himmelfahrt am Donnerstag, den 25. Mai 1933, fand ein festlicher Umzug verschiedenster religiöser Gruppierungen hin zur Wilmersdorfer Tennishalle, einer 1930 in der Brandenburgischen Straßen erbauten Mehrzweckhalle, die rund 2000 Besucher fasste. Hier fand eine Kundgebung und Festveranstaltung der Marianischen Jugend statt, selbige Teil der Marianischen Kongregation, einer bereits im 16. Jahrhundert gegründeten – zunächst nur für Männer, seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch für Frauen geöffneten – kirchlichen Vereinigung mit dem Ziel der Einheit von Leben und Glauben. Zusammengekommen waren einige Vertreter (Priester, Pfarrer) und zahlreiche Vertreterinnen – Mädchen und junge Frauen – aus Berliner Gemeinden, darunter der Gemeinden St. Clemens und St. Josef (vermutlich Berlin-Weißensee), Liebfrauen St. Marien (Berlin-Kreuzberg), der Katholische Kirchengemeinde Heilige Familie (Berlin-Pankow), der Gemeinden St. Ludgerus, St. Bonifacius und St. Elisabeth (Berlin-Mitte), der Congregation St. Johannis und der Congregation Lichtenberg (Berlin-Marienfelde), dem Heliandbund bzw. Heliand-Mädchenkreis, Gruppen aus Oberschöneweide, Henningsdorf oder Lichterfelde. Zu unterscheiden sind die Gruppen anhand der Fahnen und Flaggen sowie der je gruppenspezifischen Kleidung (meist langer Rock und Bluse in einheitlichen Farben). Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen versammelten sich nach dem Zug durch die Stadt in den Tennishallen. An einem feierlich geschmückten Altar bzw. Pult mit Kerzen und einer Marienstatue, seitlich gesäumt von Fahnenträgerinnen, sprachen verschiedene Personen, unter ihnen Else Budnowski (u.a. Mitte der 1920er Jahre Leiterin der Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen, später Lehrerin). Rechts und links auf der Bühne wurde sie umringt von Mädchen der katholischen Singschar bzw. eines Sprechchors. Der Blick ins Publikum zeigt zugleich die zahlreich erschienenen Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Saal, auf den Tribünen und Rängen der Tennishalle sowie die im vorderen Bereich platzierten Ehrengäste der Veranstaltung“.**

*Dieser Text von Norbert Schmeiser von der Freiburger Fraternität erschein zuerst am 14. Mai 2017 im Konradsblatt, der Bistumszeitung der Erzdiözese Freiburg in der Rubrik „Person der Woche“.

** Originale Bildunterschrift in einem zeitgenössischen Bericht

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Dialog der Konfessionen

Diesem Thema widmet sich dieses Jahr der Studientag der Dominikanischen Laiengemeinschaften der Provinz des Hl. Albert. Ungewöhnlich sind dabei sowohl Zeit als auch Ort. Während traditionell der jährliche Studientag im November in der Nähe des Festes des hl. Albert an einem Dominikaner- oder Dominikanerinnenkloster innerhalb der Provinz durchgeführt wird, ist er dieses Jahr sowohl zeitlich als auch räumlich ausgewandert – in den September und nach Zeitz in Sachsen-Anhalt.

Das liegt daran, dass dort in der Diaspora Felix Hoffmann, Mitglied der Freiburger Fraternität als Gemeindereferent schon seit Jahren segensreich wirkt und dieses ungewöhnliche Ereignis für uns organisiert. Anlässlich des Reformationsgedenkens findet in Zeitz eine Ausstellung über Julius von Pflug (1499-1564), den letzten katholischen Bischof von Naumburg statt, der schon zur Zeit der Reformation versuchte, zwischen den Konfessionen zu vermitteln.

Dieser Studientag richtet sich besonders (aber nicht nur) an die Dominikanischen Laien aus unser Provinz und der Provinz Teutonia, in der der Veranstaltungsort liegt. Als Referenten konnten P. Dr. Frank Ewerszumrode OP, Spezialist für ökumenische Theologie und Carsten und Annette Schulze gewonnen werden. Carsten und Annette gehören der Dominikusgruppe, einer assoziierten Laiengemeinschaft in Speyer an und sind sozusagen „gelebte Ökumene“. Carsten ist evangelischer Pfarrer und Annette katholische Pastoralreferentin.

Zwischen den thematischen Einheiten gibt es Gelegenheit zu einer Führung durch die Ausstellung im Dom St. Peter und Paul in Zeitz. Der Studientag endet mit einer von der Familia dominicana gestalteten Hl. Messe im Dom.

Anmeldungen für diesen hochinteresanten Studientag sollten bis zum 30. Juni erfolgen. Alle Informationen zum Inhalt und Ablauf des Studientags sowie zur Anmeldung können den Bildern entnommen werden und sind auch hier zu finden.

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Die Seele

In diesem Semester bespricht Prof. em. William Hoye, den wir von unserem Studientag im November 2015 zum Thema Gotteserfahrung kennen,  an der Universität Münster den traditionellen christlichen Seelenbegriff basierend auf der Lehre des Dominikaners Thomas von Aquin. Die Vorlesungen können im Internet mitverfolgt werden.

Kommentar aus dem Vorlesungsverzeichnis:

Die Lehre, daß der Mensch nur eine einzige Seele hat, ist eine in der bedeutsamsten Auseinandersetzung mit islamischen Denkern und zunächst gegen den Widerstand des kirchlichen Lehramtes schwer erkämpfte Einsicht. Besonders Thomas von Aquin ist es gelungen, Aristoteles und die Hl. Schrift zusammenzuführen. Fragen wie die folgenden sollen behandelt werden: Warum ist die Seele ohne Leib keine Person und kein Mensch? – Wie ist die klassische und von der römisch-katholischen Kirche zugrundegelegte Definition der Seele zu verstehen? – Warum mußten Christen das Seelenverständnis des Aristoteles vertiefen? – Warum haben Gott und Engel keine Seele? – Ist die menschliche Seele eine Wirklichkeit? – Warum hat ein Mensch nur eine einzige Seele, und nicht drei? – Wie können Geist und Leib zu einer einzigen Wirklichkeit werden? – Was ist die Unsterblichkeit der Seele? – Wie kann die Seele eine eigenständige Wirklichkeit und zugleich mit dem Körper verbunden wiederum eine eigenständige Wirklichkeit sein? – Warum erzwingt die Glaubensoffenbarung die Entdeckung der menschlichen Seele? – Warum erzwingt die Glaubensoffenbarung eine Seinsmetaphysik? – Warum hat das kirchliche Lehramt die Lehre des hl. Thomas von Aquin, daß der Mensch eine Einheit darstelle, verurteilt und dann schließlich zu einer Grundüberzeugung verholfen? – Warum ist die Seele nicht in dem Leib, sondern umgekehrt? – Was bedeutet die Lehre, daß die menschliche Seele unmittelbar von Gott erschaffen wird? – Wann entsteht die menschliche Seele? – Gibt es eine Weltseele? – Warum kann nur Gott eine Menschenseele machen? – Welche Rolle spielt das Gehirn für die geistige Seele? Mit Äußerungen über die Seele haben Neurowissenschaftler in letzter Zeit die Theologie herausgefordert und zugleich Kritik von ihr veranlasst.

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Blühende Wüste

BLÜHENDE WÜSTE – ZWEI ALTE OSTERBILDER
#Ostern in uns. Eine afrikanische Geschichte erzählt Folgendes: Ein Missionar beobachtete das seltsame Verhalten eines Beduinen. Immer wieder legte sich dieser der Länge nach auf den Boden und drückte sein Ohr in den Wüstensand …

Von P. Provinzial Thomas G. Brogl OP
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Er ist auferstanden, wie er gesagt hat!

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.

Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen. (Mt. 28, 1-10)

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Gott ist tot

 

Das Wort vom Tod Gottes geistert immer lauter durch unsere Zeit. Zuerst, bei Jean Paul, ist es nur wie ein Alptraum – der tote Jesus verkündet vom Dach der Welt aus den Toten, daß er bei seiner Fahrt ins Jenseits nichts gefunden – keinen Himmel, keinen vergeltenden Gott, sondern nur das endlose Nichts, das Schweigen der gähnenden Leere. Noch ist es nur ein Schrecktraum, den man ächzend im Erwachen als Traum beiseite schiebt, wenngleich die einmal erlittene Angst, die immer schon dumpf auf dem Grund der Seele lauerte, nie mehr gänzlich weichen will. Hundert Jahre später, bei Nietzsche, ist es tödlicher Ernst, der in einem gellenden Schrei des Entsetzens sich äußert: «Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!» Inzwischen, wieder fünfzig Jahre später, spricht man schon fast mit akademischer Gelassenheit darüber und fängt an, sich auf eine «Theologie nach dem Tode Gottes» einzurichten, sieht sich um, wie es weitergehen mag und ermutigt den Menschen, sich darauf vorzubereiten, als Stellvertreter Gottes einzuspringen. Das erschreckende Geheimnis des Karsamstags, sein Abgrund an Schweigen, hat damit eine bedrängende Wirklichkeit in unserer Gegenwart erhalten. Denn dies ist Karsamstag: Tag der Verborgenheit Gottes, Tag jener ungeheuren Paradoxie, die wir im Glaubensbekenntnis aussprechen mit den Worten «abgestiegen zu der Hölle», abgestiegen ins Mysterium des Todes hinein. Am Karfreitag konnten wir noch auf den Durchbohrten hinblicken – der Karsamstag ist leer, der schwere Stein des frischen Grabes deckt den Verstorbenen, alles ist vorüber, der Glaube scheint definitiv als Schwärmerei enthüllt. Kein Gott hat diesen Jesus gerettet, der sich Sohn Gottes nannte. Man kann beruhigt sein – die Nüchternen, die vorher im geheimen doch ein wenig geschwankt hatten, ob vielleicht etwas anderes sei, sie haben recht behalten.
Karsamstag, Tag des Begräbnisses Gottes – ist das nicht auf eine unheimliche Weise unser Tag? Fängt unser Jahrhundert nicht an, zu einem großen Karsamstag zu werden, einem Tag der Abwesenheit Gottes, an dem auch den Jüngern eine eisige Leere ins Herz steigt, so daß sie beschämt und verängstigt sich zum Heimweg rüsten und auf ihrem Emmaus-Gang dumpf und verstört sich in ihre Hoffnungslosigkeit hineinbohren, gar nicht bemerkend, daß der Totgeglaubte in ihrer Mitte ist? Gott ist tot, und wir haben ihn getötet: Haben wir eigentlich bemerkt, daß dieser Satz fast wörtlich der Sprache der christlichen Überlieferung entnommen ist, daß wir oft genug in unseren Kreuzweggebeten schon Ähnliches gelallt haben, ohne den erschreckenden Ernst, die unheimliche Wirklichkeit des Gesagten zu gewahren? Wir haben ihn getötet, indem wir ihn ins Gehäuse veralteter Denkgewohnheiten einschlossen, indem wir ihn in eine Frömmigkeit verbannten, die wirklichkeitslos war und immer mehr zur devotionellen Phrase oder zur archäologischen Kostbarkeit wurde; wir haben ihn getötet durch die Zweideutigkeit unseres Lebens, die ihn selbst verdunkelte, denn was könnte Gott fragwürdiger machen in dieser Welt als die Fragwürdigkeit des Glaubens und der Liebe seiner Gläubigen?
Die Gottesfinsternis dieses Tages, dieses Jahrhunderts, das mehr und und mehr zum Karsamstag wird, redet uns ins Gewissen. Sie hat auch mit uns zu tun. Aber sie hat trotz allem etwas Tröstendes an sich. Denn Gottes Sterben in Jesus Christus ist zugleich Ausdruck seiner radikalen Solidarität mit uns. Das dunkelste Geheimnis des Glaubens ist zugleich das hellste Zeichen einer Hoffnung, die ohne Grenzen ist. Und noch eins: Erst durch das Scheitern des Karfreitags, erst durch die Todesstille des Karsamstags hindurch konnten die Jünger zum Begreifen dessen geführt werden, wer Jesus wirklich war, was seine Botschaft in Wahrheit meinte. Gott mußte sterben für sie, damit er wahrhaft leben konnte in ihnen. Ihr Bild, das sie von Gott geformt hatten, in das sie ihn einzuzwängen versuchten, mußte zerstört werden, damit sie über den Trümmern des zerstörten Hauses den Himmel sehen konnten, ihn selbst, der immer der unendlich Größere bleibt.
Wir brauchen die Gottesfinsternis, wir brauchen das Schweigen Gottes, um wieder den Abgrund seiner Größe zu erfahren, den Abgrund unserer Nichtigkeit, der sich auftun würde, wenn er nicht wäre.
Es gibt im Evangelium eine Szene, die auf erregende Art das Schweigen des Karsamstags vorwegnimmt und so zugleich noch einmal wie ein Portrait unserer geschichtlichen Stunde erscheint. Christus schläft in einem Boot, das vom Sturm gepeitscht am Versinken ist. Der Prophet Elias hatte einst die Baalspriester, die vergebens lautstark zu ihrem Gott um Feuer für das Opfer schrien, verhöhnt, ihr Gott schlafe wohl, und man müsse vielleicht noch lauter rufen, um ihn aufzuwecken. Aber schläft Gott nicht wirklich? Trifft der Hohn des Propheten nicht zuletzt die Gläubigen des Gottes Israels, die mit ihm in einem versinkenden Boot fahren? Gott schläft, während seine Sache am Versinken ist – ist das nicht die Erfahrung unseres eigenen Lebens? Scheint die Kirche, scheint der Glaube nicht wie ein versinkendes kleines Schiff, das vergebens gegen Wind und Wellen kämpft, während Gott abwesend ist? Die Jünger rütteln und schreien in äußerster Verzweiflung den Herrn wach – er aber scheint erstaunt und schilt sie kleingläubig. Nun, geht es uns anders? Wenn der Sturm vorüber sein wird, werden wir erkennen, wie töricht unser Kleinglaube war. Und dennoch, Herr, wir können nicht anders, als dich, den schweigenden, schlafenden Gott rütteln, zu dir schreien: Wach auf – siehst du denn nicht, daß wir versinken? Wach auf, laß die Dunkelheit des Karsamstags nicht endlos sein, laß einen Strahl von Ostern auch in unsere Tage fallen, geh mit uns, wenn wir hoffnungslos nach Emmaus wandern, daß unser Herz uns brennend werde von deiner Nähe. Der du Israels Wege verborgen geleitet hast, um endlich Mensch mit uns Menschen zu sein: Laß uns nicht im Dunkel, laß dein Wort in der Geschwätzigkeit dieser Tage nicht untergehen, Herr, hilf uns, denn ohne dich müßten wir zugrunde gehen. Amen.

Josef Kardinal Ratzinger. Meditation zum Karsamstag

Bild: Hans Holbein d. J.  Der Leichnam Christi im Grabe. 1521

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Gott am Kreuz

Gott ist dem Menschen nachgegangen, wie es im Gleichnis vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Drachme geschrieben steht (Lk 15), in das Reich des Verlorenseins, in das böse Nichts, das unter der Tat des Menschen aufgeklafft war. Gott hat nicht nur liebend hinabgeschaut, den Menschen gerufen und gezogen, sondern ist selbst hineingegangen, wie es Johannes im ersten Kapitel seines Evangeliums so gewaltig ausspricht. Nun stand in der Menschengeschichte Einer da, der Gott war und Mensch. Rein wie Gott; verantwortungsbeladen wie der Mensch.

Dieser hat das Schuldigsein durch- und zu Ende gelebt. Der bloße Mensch kann das nicht. Er ist kleiner als die Schuld, die er begeht, denn sie richtet sich gegen Gott. Er kann sie begehen; was sie aber bedeutet, kann er sich nicht mit einer ihrer furchtbaren Bedeutung ebenbürtigen Wachheit gegenwärtig bringen. Er kann sie nicht ermessen. Er kann sie nicht ausleiden. Er kann sie, die er doch begangen hat, nicht in sein Dasein hereinnehmen und lebend erschöpfen. Er verwirrt sich an ihr, verstört, verzweifelt, bleibt aber ihr gegenüber ohnmächtig. Der Sünde ist nur Gott gewachsen. Er allein vermag sie zu durchblicken, zu ermessen, zu beurteilen. Ihr geschähe damit ihr Recht; der Mensch aber, der sie begangen, würde zerbrechen. „Gnade“ bedeutet, dass Gott hat Gerechtigkeit schaffen, aber den Menschen retten, dass er hat lieben wollen. Er ist Mensch geworden, und so ist ein Wesen erstanden, das Gottes Ebenbürtigkeit der Sünde gegenüber in einem menschlichen dasein verwirklichte. In einem Menschengeiste und Herzen und Leibe vollzog sich de Abrechnung Gottes mit der Sünde. Das war das Dasein Jesu.

Jenen Sturz des Menschen in das Nichts, der sich in der Empörung gegen Gott vollzog, und worin das Geschöpf nur zerbrechen und verzweifeln konnte, hat Er in der Liebe, wissenden Geistes, freien Willens, fühlenden Herzens durchgelebt. Um so größer die Vernichtung, je größer Dr ist, den sie trifft. Niemand ist s o gestorben, wie Christus starb, weil er das Leben selbst war. Niemand ist für die Sünde gestraft worden, weil er der Reine war. Niemand hat den Absturz in das böse Nichts so erfahren wie er – bis zu jener furchtbaren Wirklichkeit, die hinter dem Worte steht „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – weil er der Sohn Gottes war. (Mt. 27, 46) Er ist wirklich „vernichtigt“ worden. Er musste sterben, da er doch noch jung war. Sein Werk wurde ihm erstickt, als es hätte aufblühen können. Seine Freunde wurden ihm genommen, seine Ehre zerstört. Nichts hatte er mehr und nichts war er mehr: „Ein Wurm und nicht ein Mensch“. So ist er in einem unausdenklichen Sinne „hinabgestiegen in die Hölle“, welche das Reich ist, wo das böse Nichts regiert. Nicht nur als Zerbrecher der Fesseln – das auch; aber erst, nachdem er es in einer andern, furchtbaren, nur zu ahnenden Weise getan.

Da hat er, der unendlich geliebte Sohn des ewigen Vaters, die absolute Tiefe, den Grund des Bösen erreicht. Er ist bis zu jenem Nichts vorgedrungen, aus dem die Neue Schöpfung geschehen sollte: die re-creatio, wie die Alten sagen, die Wieder-Schöpfung des bereits seienden, aber zum Nichts abstürzenden Geschaffenen in neues Sein: in den Neuen Menschen, den Neuen Himmel und die Neue Erde.

Als Christus am Kreuz hing – niemand wird ausdenken, wie das war. Im Maße er Christ wird und den Herrn lieben lernt, beginnt er etwas zu ahnen. Wie da alles Tun aufhörte, alles Arbeiten, alles Kämpfen. Wie da kein Ausweichen war, kein Vorbehalt, sondern alles, Leib und Herz und Geist, hineingegeben in eine Flamme unendlichen, alles ausfüllenden Leidens; in ein Gericht über die zu eigen genommene Schuld, das ohne Lösung fortging, bis zum Tode. Da erreichte er jene Tiefe, aus welcher die Allmacht der Liebe die Neue Schöpfung heraufruft.

Aus: Romano Guardini: Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi. Werkbund-Verlag, 1938

Bild: Lovis Corinth. Das große Martyrium

 

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Vernichtigung

In dem Bericht über das letzte Zusammensein Jesu mit seinen Jüngern wird von einem eigentümlichen Vorgang erzählt, der auf das christliche Empfinden immer großen Eindruck gemacht hat. Es heißt da:

Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Was bedeutet dieses Begebnis? … Im zweiten Kapitel des Philipperbriefes spricht Paulus über das, was in der Ewigkeit hinter der Menschwerdung steht. Da sagt er vom Sohne Gottes: “ Da er in Sein und Gestalt Gottes war, sah er es nicht für Anmaßung an, sich Gott gleich zu achten“ – denn er war es  – sondern seine Gesinnung war anders: „er vernichtigte sich selbst und nahm die Gestalt eines Knechtes an und ward in menschlicher Daseinsform erfunden.“ (Phil.2, 6-7) Hier wird vom ewigen Sohn Gottes gesprochen, der Gott war, dem Vater gleich, und dieser göttlichen Ebenbürtigkeit voll bewußt. in Ihm, in einer jeder Psychologie und Metaphysik unzugänglichen Tiefe, ist der Wille erwacht, sich selbst zu „vernichtigen“; sich dieses Seins in Glorie, dieser herrschenden Allfülle um unseres Willen zu entäußern. So ist er hinabgestiegen. Nicht nur auf der Erde, sondern auf eine Tiefe zu, die wir nicht ermessen können; eine furchtbare Tiefe und Leere, von der wir erst dann ein Empfinden bekommen, wenn einmal wirklich, innerlich an uns herantritt, was Sünde ist. Es ist die Vernichtigung des Opfers, das sühnt, erlöst und neu beginnt. …

Es gibt verschiedenerlei Nichts. Vor allem das einfache, klare, das gemeint ist, wenn man sagt, Gott habe die Welt aus Nichts erschaffen. Das bedeutet, dass Gott Alles war in Allem, und außer Gott eben nichts. Das blanke Nicht-Vorhandensein von irgendetwas. Dann kam der Mensch in die Prüfung und sündigte. Die Sünde bedeutete mehr, als dass er nur bloß „schuldig“ war. Der Mensch existiert nicht aus einfachem Vorhandensein wie der Stein oder das Tier., sondern auf das Gute hin. Im freien Gehorsam gegen Gottes Willen soll er sich verwirklichen. Als der Mensch gesündigt hatte, war er nicht das gleiche Wesen wie vorher, nur „schuldig“, sondern bis auf den Grund des Seins in Frage gestellt. Er hätte auf Gott hin leben sollen; statt dessen fiel er von Gott ab. Nun existierte er im Wegsturz von Gott auf das Nichts hin. Aber nicht auf das blanke, gute Nichts des Noch-nicht-da-seins, sondern auf die Zerstörung durch das Böse. Diese Zerstörung wird nie ganz erreicht, denn der Mensch, der sich nicht selbst geschaffen, kann sich auch nicht durch die Sünde aufheben; aber die Vernichtung wird zum Ziel, auf das die Seinsbewegung immerfort zustürzt. Diesen unendlich fernen, furchtbaren Punkt nun … musste Gottes Erlösung einholen. Natürlich nicht, indem er selbst sündigte, sondern indem er, wie Paulus sagt, sich selbst „entleerte“, „vernichtigte“. Die Hingabe seiner selbst in die Leere, in die Vernichtigung; nicht dem Sein, sondern der Gesinnung nach; auf der Linie, die das Wort „wer seine Seele festhält, wird sie verlieren; wer sie aber hergibt um meinetwillen, wird sie gewinnen“ (Mt. 10, 39) meint, ist das Opfer. Dass Gott in das Opfer eingetreten ist; nicht bloß der Mensch Jesus, sondern der menschgewordene Sohn Gottes; und zwar in das Opfer, wie es nach der Sünde möglich und notwendig wurde – das drückt sich in dem Begebnis aus, von dem wir sprechen: dass Jesus, der sich  Meister und Herr weiß, den Dienst des Knechtes tut. Hier wird jenes Nichts deutlich, in dem sich die Vernichtungsbewegung des Wegsturzes von Gott eingeholt und aufgehoben wird. Es ist jenes Nichts aus welchem die zweite Schöpfung hervorgeht: die Schöpfung des Gott zugewendeten, in der Gnade aufs neue heilig-wirklichen Menschen. …

Wenn die Jünger ratlos sind, so haben sie recht. Hier wird wahrlich alles umgestürzt. Vor dieser Tat sind die menschlichen „Umwertungen der Werte“ nur Kindereien. Wie ernst es aber Jesus meint, zeigt sein Wort an Petrus: „Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht … Wenn ich dich nicht wasche, hast du keine Gemeinschaft zu mir“. In dieses Geheimnis der göttlichen Selbsthingabe muss Petrus eintreten, wenn er Anteil an Christus haben will. Es steht im Herzpunkt des Christentums. Darum sagt auch der Herr: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tuet, wie ich an euch getan habe.“ Sie sollen nicht nur Bescheidenheit lernen und zum Dienst brüderlicher Liebe bereit sein, sondern in den Mitvollzug des Geheimnisses eintreten.

Jeder christlich Lebende kommt an den Punkt, wo ihn diese Forderung trifft, und er bereit sein muss, in die Vernichtigung mitzugehen: in das, was vor der Welt töricht, für das Gefühl unerträglich, dem Verstand sinnlos ist. Was es auch sei: Leid, Unehre, dass geliebte Menschen weggehen oder das Werk zerbricht. Dann entscheidet sich sein christliches Dasein: ob er in jene Tiefe mitgeht und so an Christus Anteil gewinnt. Und was ist das Anderes, wovor wir am Christentum zurückschrecken? Darum versuchen wir ja doch aus dem Christentum „Ethik“ zu machen, oder „Weltanschauung“, oder was sonst. Christsein ist aber der Mitvollzug des Daseins Christi. Daraus kommt allein der Friede. Der Herr sagt einmal: „Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.“ (Joh. 14, 27) Friede kommt daraus, das der Sinn zu Ende gelebt wird. Die halben Dinge machen Unfrieden. Jene Bewegung auf das böse Nichts hin, die aus der Sünde kam, muss zu Ende gebracht werden. In irgendeiner Weise müssen wir jene Tiefe der Vernichtigung berühren, die Christus göttlich durchlebt und ausgeschöpft hat, wie es sich in den letzten Worten ausdrückt, die sagen, dass „es vollbracht ist.“ (Joh. 19, 30) Jenes Zu-Ende-Geführt-sein des Werkes, jene restlose Verwirklichung des Vaterwillens – daraus kommt der unendliche Friede, der in Christus ist. Auch uns kommt er nur daher, aus dem Mitvollzug des Geheimnisses.

Aus: Romano Guardini: Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi. Werkbund-Verlag, 1938

Bild: Ford Madox Brown. Die Fußwaschung von Petrus

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Wahlen, Versprechen und Aufnahme in Freiburg

Am 1. April hat die Generalversammlung der Fraternität „ Jordan von Sachsen“ einen neuen Gruppenrat gewählt:

Melanie Delpech wurde als Gruppenleiterin bestätigt. Neue Stellvertreterin ist Alexandra Parusel. Zusätzlich wurden drei weitere Ämter im Gruppenrat besetzt: das des Schriftführers, des Beisitzers für die Öffentlichkeitsarbeit und des Beisitzers für die Ausbildung. Wir danken allen für ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Zukunft der Fraternität zu übernehmen.

Der neue Gruppenrat

Nach der Versammlung legte Christoph Trinn im Rahmen einer Eucharistiefeier mit dem Freiburger Dominikanerkonvent das Versprechen ab, drei Jahre nach der Regel der Dominikanischen Laiengemeinschaft zu leben.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen durften wir einen neuen Novizen in die Fraternität aufnehmen. Wir gratulieren Christoph zu seinem Versprechen und heißen Horst herzlich willkommen ins Noviziat der Dominikanischen Laiengemeinschaft.

 

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Wie ein einstmals dominikanischer Altar nach Irrungen und Wirrungen wieder dominikanisch wurde

Es war einmal ein Dominikanerinnenkloster im Städtchen Löwental, heute ein Stadtteil von Friedrichshafen am Bodensee. Johannes von Ravensburg-Löwental stiftete 1250 seine Burg den Dominikanerinnen von Konstanz  und trat gleichzeitig in das Konstanzer Dominkanerkloster ein – übrigens als verheirateter Mann. Das Kloster, das fortan den Namen von Ort und Stifter trug, wurde in den folgenden Jahrhunderten durch  Brände und den Dreißigjährigen Krieg mehrfach zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. Im Jahr 1687 wurde die barocke Kirche geweiht. Bis zur Säkularisation wuchs das Kloster beständig, besonders durch seine Apotheke, und besaß im Jahr 1695 64 Lehnshöfe. Kloster Löwental galt lange Zeit als eines der bedeutendsten Dominikanerinnenklöster des Bodenseeraums.

Altarbild des Löwentaler Hochaltars, heute in der Pfarrkirche St. Petrus Canisius in Friedrichshafen. Es zeigt die Übergabe des Rosenkranzs an den hl. Dominikus und die hl. Katarina von Siena

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1806 aufgelöst und der gesamte Besitz fiel an das Haus Württemberg. Die Nonnen mussten trotz der ursprünglichen Zusage bleiben zu dürfen, einige Jahre später Kloster Löwental verlassen, weil König Friedrich von Württemberg, nach dem Friedrichshafen benannt wurde, es in eine Kaserne verwandeln wollte. Die Einrichtung des Klosters wurde versteigert, in die umliegenden Gemeinden verteilt oder in einer Scheune zwischengelagert. 1816, nach Ende des Krieges gegen Frankreich, wurden die Gebäude einzeln verkauft oder abgerissen. Heute existieren nur noch die Klostermühle und ein Teil der Mauer, der allerdings zuletzt ein trauriges Schicksal zuteil wurde.

So geschah es, dass der Pfarrer von Ettenkirch (das heute ebenfalls zu Friedrichshafen gehört), einen Rosenkranzaltar aus Kloster Löwental erwarb, ihn 1818  in die Kirche von Brochenzell einfügte und ihn somit vermutlich vor der Zerstörung durch Feuer oder Bildersturm rettete.

Das geostete Kirchlein St. Jakobus d. Ä. zu Brochenzell stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde 1734 barockisiert. Die Kirche ist eine Station auf dem Jakobsweg. Der Rosenkranzaltar, 1683/84 von Hans Georg Winkel in Bregenz geschaffen, ist mit seinem Altarbild von J. Feuchtmayr  (um 1730) noch heute das bedeutendste Kunstwerk der Kirche. Auch dieses Bild stellt die Übergabe des Rosenkranzes an den hl. Dominikus dar. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts diente er in Brochenzell als Hochaltar. Durch den großen Bevölkerungszuwachs wurde eine Erweiterung des Kirchbaus nötig, der im eigenartigen Geschmack der Zeit erfolgte.

Dadurch wurde der alte Chorraum der Kirche mit dem Rosenkranzaltar zur Taufkapelle und der Altar geriet aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit. Selbst zu Gottesdienstzeiten ist er nicht frei zugänglich und durch eine Alarmanlage gesichert.

So hätte es für immer bleiben können mit dem Schattendasein des Altars. Doch der liebe Gott tut nichts als fügen, und so kam es, dass es Teresa, ein Einzelmitglied der Provinz Teutonia, nach Brochenzell verschlug. Dort, weitab von der dominikanischen Heimat und ohne Verbindung zu süddeutschen Fraternitäten oder Klöstern, entdeckte sie zu ihrer Freude in ihrer Pfarrkirche einen Seitenaltar mit einem bekannten dominikanischen Motiv – der Übergabe des Rosenkranzes an den hl. Dominikus durch die Gottesmutter. Als die Gemeinde eine neue Gemeindereferentin bekam, deren Interesse für die dominikanische Spriritualität  im Gespräch mit Teresa geweckt wurde, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Die beiden beschlossen, einmal im Monat in der Taufkapelle vor dem dominikanischen Altar eine Vesper mit dominikanischen Elementen anzubieten.  Jedes Mal soll es um einen dominikanischen Heiligen gehen, zu dem dann ein Text vorgelesen oder Texte und Hymnen aus dem Proprium des Dominikanerordens gewählt werden. Beim ersten Termin im März war das Jordan von Sachsen, am 2. April wird Heinrich Seuse im Mittelpunkt stehen und am 14. Mai der hl. Papst Paul V, jeweils um 17 Uhr. Die Vesper endet  mit dem Salve Regina und dem O Lumen nach dominikanischer Tradition.

Zum ersten Termin waren bereits 40 Teilnehmer da, von denen viele sich anschließend noch zu einem kleinen Imbiss trafen und einige auch reges Interesse an den Dominikanern zeigten.  Wir freuen uns sehr über diese Initiative. Wer weiß? Vielleicht erwächst daraus ja eine neue Dominikanische Laiengemeinschaft … Der liebe Gott tut ja bekanntlich nichts als fügen.

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