Psalmen singen

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Ein Wallfahrtspsalm

Als der HERR das Los der Gefangenschaft Zions wendete, *
da waren wir wie Träumende.
Da war unser Mund voll Lachen *
und unsere Zunge voll Jauchzen.
Da sagte man unter den Völkern: *
„Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!“
Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. *
Da waren wir fröhlich.
Wende doch, unser Geschick, *
wie du die Trockentäler füllst im Südland!
Die mit Tränen säen, *
sie werden ernten mit Jauchzen.
Sie gehen, sie gehen und weinen *
und tragen den Samen zur Aussaat.
Sie kommen, ja kommen mit Jauchzen *
und tragen ihre Garben.

Dies ist der 126. Psalm, der 126. von 150 lyrischen Texten, die uns die Bibel überliefert und die geschrieben wurden, um gesungen zu werden. Das Wort „Psalm“ stammt aus dem Griechischen und bedeuet „Saitenspiel“, der Apostel Paulus fordert uns auf: „Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen“ (Eph 5,19; Kol 3,16). Und die Vertonungen der Psalmen reichen von der Gregorianik über Schütz und Brahms bis zu „Rivers of Babylon“, mit dem Boney M. 1978 an die Spitze der Pop-Charts gelangte.
Das gemeinschaftliche Singen der Psalmen ist wesentliches Element des Stundengebets, das von Mönchen und Nonnen gepflegt wird. Und auch für uns Dominikanische Laien, so steht es in unserer Regel, ist es „eine der wichtigsten Quellen, aus denen wir die Kraft schöpfen, unserer eigenen Berufung gerecht zu werden – einer Berufung, in der Kontemplation und Apostolat unlösbar ineinander verschränkt sind“.
Aber wie singt man gemeinschaftlich einen Psalm? Schon beim oberflächlichen Schauen auf die „Lieder des Volkes Israel“ wird deutlich, dass wir keine Melodie haben, auf die wir sie singen könnten: Der Text ist zwar in Verse gegliedert, aber die sind alle unterschiedlich lang! Die einfachste Methode ist, alles auf einem einzigen Ton zu singen, quasi zu rezitieren.
In der Mitte jedes Verses, die alle aus zwei Halbversen bestehen, macht man eine Pause. Ist der Psalm zum Singen eingerichtet, findet sich an dieser Stelle ein *. In dieser Pause ist Zeit, sich mit dem Text des Psalms auseinanderzusetzen und nachzudenken, was der eben gesungene Halbvers für das eigene Leben bedeuten könnte. Die Pause ist allerdings nicht sehr lang: Sie ist so lang, dass die Sänger ihre restliche Luft ausatmen können, die Atemmuskulatur entspannen und in Ruhe wieder einatmen können. Das entspricht unserem normalen Atemrhythmus, und die Pause zwischen Aus- und Einatmen brauchen wir, weil nur während der Pause sich unsere Atemmuskulatur erholen und mit Nährstoffen versorgt werden kann. Die Konzentration auf den eigenen Atem kann helfen, vom Denken zum Spüren zu kommen und uns so eine tiefe Dimension unseres Seins zu erschließen.
Was wir heute vor allem als Zen-Meditation kennenlernen, wird von Benediktiner, Zisterziensern, Dominikanern und anderen klösterlichen Gemeinschaften seit Jahrhunderten praktiziert. „Stundengebet“ wird diese Gottesdienstform genannt, weil es das Gerüst für die Stunden des Tages bildet; dazu gehören unter anderen die Laudes bei Sonnenaufgang, die Vesper am Abend und die Komplet zur Nacht.
Psalmensingen ist Meditieren über einen Text. In den Psalmen finden sich die unterschiedlichsten Texte und Emotionen: Bitten und Klagen, Lob und Dank, Texte für die Wallfahrt, für den Kult am Tempel, für den König. Bei vielen Psalmen wird König David als ihr Autor genannt, der ungefähr 1.000 Jahre vor Christus gelebt hat. Somit haben die Texte ein beträchtliches Alter. Trotzdem sind sie in ihren Aussagen immer noch aktuell, denn in ihren Formulierungen sind sie wenig konkret und dadurch offen für verschiedene Interpretationen.
Manchmal schenkt Gott einem einen Psalmvers, der etwas tief in mir zum Schwingen bringt. Ein anderes Mal schickt derselbe Psalm meine Seele auf eine ganz andere Reise. Und man muss nicht alles auf sich beziehen: Ich liebe Psalm 51 wegen seines tiefen Vertrauens auf das Verzeihen Gottes und muss mich nicht schuldig fühlen, nur weil der Psalm das thematisiert:

Sei mir gnädig, o Gott, nach deiner Güte, *
in der Fülle deines Erbarmens tilge meine Frevel.
Wasche die Schuld ganz von mir ab, *
und reinige mich von meiner Sünde.
[…]
Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein, *
wasche mich, so werde ich weißer als Schnee.
Lass mich Jubel und Freude erfahren! *
Frohlocken sollen die Glieder, die du zerschlagen hast. (Ps 51,3.4.9.10)

Im Stundengebet werden die Psalmen in zwei Gruppen gesungen, die sich nach jedem Vers abwechseln. Dadurch entsteht ein wohltuender Wechsel zwischen Spannung und Entspannung. Der Moment der höchsten Spannung ist dabei der Beginn des zweiten Halbverses: der Versuch, nach der Atem- und Meditationspause gemeinsam weiter zu singen. Würde ein Dirigent oder ein Instrument den Einsatz geben, wäre es zwar leichter, aber aus den Sängern, die gemeinschaftlich und demokratisch den Wiedereinsatz suchen, würden Signalempfänger, die nur reagieren.
Dieser Moment ist für die andere Gruppe die Mitte ihrer Pause, der Moment der tiefsten Entspannung, bevor sich ihr Einsatz wieder nähert. Dieser Wiedereinsatz erfolgt im direkten Anschluss, was es einfacher macht. Und es ist auch nicht nötig, sich mit dem zweiten Halbvers so intensiv zu beschäftigen wie mit dem ersten, weil der zweite Halbvers wiederholt, was im ersten gesagt wurde, sei es einfach mit anderen Worten oder durch die Verneinung des Gegenteils oder eine Ergänzung.
Es gibt in der Bibel noch mehr Texte, die diese Struktur aus Versen und Halbversen aufweisen und die deshalb wie Psalmen gesungen werden können. Zur Unterscheidung von den Texten im Buch der Psalmen werden sie Cantica genannt, das bekannteste unter ihnen ist das Magnificat, der Lobgesang Mariens (Lk 1,46-55), das in jeder Vesper gesungen wird.
Das funktioniert alles auf einem Ton, aber ich persönlich finde es doch etwas langweilig, eben eintönig. Musikalischer wird es, wenn man den Psalm auf einen Psalmton singt: Ein Psalmton ist ein Melodiemodell zum Singen der Psalmen. Auch hierbei wird der meiste Text auf nur einem Ton gesungen, eine kleine Melodie gibt es nur am Ende der beiden Halbverse. Ist der Psalm zum Singen eingerichtet, ist die Silbe, die den Rezitationston verlässt, unterstrichen. Ob es da nach oben oben oder unten geht, hängt vom Psalmton ab. Welchen Psalmton man nimmt, hängt von der Tonalität des Kehrverses ab, der vor und nach dem Psalm gesungen wird. Der Kehrvers fasst den Psalm zusammen, indem er einen Aspekt bzw. wichtigen Vers herausgreift, oder er stellt einen neuen Zusammenhang her, z.B. zu einer Aussagen des Neuen Testaments oder zum Leben eines Heiligen.
Nach frühmittelalterlicher Musiktheorie reichen acht verschiedene Psalmtöne aus, um zu allen Kehrversen einen passenden Psalmton zu haben. In Wirklichkeit sind es ein paar mehr. Diese acht mittelalterlichen Psalmtöne sind die Vorlage für die Psalmtöne im Gotteslob und im Antiphonale zum Stundenbuch. Das ist möglich, weil die Betonungen in deutschen Wörtern ähnlich verteilt sind wie in lateinischen. Die Franzosen mussten sich neue Psalmtöne ausdenken. Und das ist nicht so einfach, denn wenn sie zu einfach sind, wird man ihrer schnell überdrüssig, und erst recht, wenn sie zu kompliziert sind. Auch die Psalmtöne für Latein musste man für Deutsch etwas vereinfachen, weil man im Deutschen nicht so gerne und so flüssig mehrere Töne auf einer Silbe singt.
Trotzdem sind die acht Psalmtöne erstmal eine Hürde, wenn man Psalmen singen will. Doch der Gewinn ist nicht nur etwas musikalische Schönheit: Das Markieren des Endes des ersten Halbverses mit einer kleinen Melodie macht für alle hörbar, dass jetzt die wichtige Pause kommt, und verhindert, dass die da reinsingen, die schon über den Text meditieren. Und die Melodie am Ende des Verses weckt die andere Häfte des Chores aus ihrer Entspannung und gibt das Zeichen für ihren Wiedereinsatz. So kann aus dem gemeinsamen Singen ein Meditieren und eine Quelle geistlicher Nahrung und Kraft für unsere Berufung werden.

Volker Nebel

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Hl. Vater Dominikus

Predigt 2016-7Am 8. August feierte der Predigerorden das Hochfest des Hl. Vaters Dominikus im Gedenken an seinen Todestag am 6. August 1221 zu Bologna.

Die äußere Feier des Hochfestes beging die dominikanische Familie in Freiburg mit einer  Festmesse. Die Festpredigt hielt P. Martin Grandinger, Prior des Konvents in Wien. Mitglieder der Dominikanischen Laiengemeinschaft  übernahmen liturgische Dienste als Diakon und Lektorin.

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Anschließend wurde im Pfarrgarten das Fest auf weltliche Weise gefeiert.

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450. Todestag Bartolomé de las Casas

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Wahrscheinlich am 31. Juli 1566 starb der Dominikaner und „Apostel der Indios“ Bartolomé de las Casas, einer der Begründer des modernen Völkerrechts und der Menschenrechte. Im Deutschlandfunk wurde ein interessanter Beitrag über ihn veröffentlicht.

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Der Weltjugendtag hat begonnen

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Heute wurde in Krakau der XXXI Weltjugendtag eröffnet. Auch die Dominikaner sind dabei und laden zu sich ein. Über ihre Angebote im Dominikanerkloster und anderswo kann man sich auf der Seite „WJT bei den Dominikanern“ informieren.

Ein wichtiger Programmpunkt ist die Begegnung mit Pier Giorgio Frassati, „dem Mann der acht Seligpreisungen“ und Schutzheiligen der Jugendlichen und Studenten.  Seine Reliquien befinden sich nach einer Reise über mehre Stationen, die auch unser Kloster in Wien einschloss, jetzt in der Dreifaltigkeitskirche der Krakauer Dominikaner.

Zu seinen Ehren geben wir hier einen Text von einem unserer Mitglieder wieder, der schon vor einigen Wochen im Konradsblatt erscheinen ist:

Nicht nur durchschlagen – Pier Giorgio Frassati (Todestag: 4. Juli 1925)

Von Norbert Schmeiser

Beim Weltjugendtag Ende Juli in Krakau werden die Reliquien des seligen Laiendominikaners Pier Giorgio Frassati (1901-1925) aufgebahrt. Warum wird er, Sohn eines italienischen Botschafters und schon Schutzpatron der vergangenen Weltjugendtage, von jungen Leuten verehrt? Benedikt XVI. drückte es in einer Begegnung mit Jugendlichen so aus: „(Weil er) wie ihr war, mit großem Eifer ein einfaches und überzeugendes Glaubenszeugnis gab“.

Von seiner Familie zunächst unbemerkt, kümmerte sich Frassati schon während seiner Schul- und Studienzeit um die Armen in den Elendsvierteln seiner Heimatstadt Turin: Er gab ihnen sein Busgeld – und musste anschließend selbst zu Fuß nach Hause rennen, um pünktlich zu Mittag daheim zu sein. Gefragt, warum er auf seine Ferien im Sommerhaus der Familie verzichtet, fragte Giorgio zurück: „Wer wird sich um die Armen kümmern, wenn alle Turin verlassen?“ Und einem Freund, der wissen wollte, wie er es über sich bringe, die schmutzigen und übel riechenden Häuser der Armen zu betreten, entgegnete er: „Denk immer daran, dass es Jesus ist, zu dem du gehst: Ich sehe ein besonderes Licht, das wir nicht haben, das die Kranken, die Armen, die Unglücklichen umgibt.“

Als ihn sein Vater tadelte, weil er eines Nachts in Berlin einem armen Alten, bei Temperaturen von minus 12 Grad, seinen Mantel schenkte, entgegnete Giorgio: „Aber du siehst doch, es war kalt.“ Sich aus dem Glauben heraus mit anderen sozial zu engagieren, das verstand er als sinnvolles Leben.

Pier Giorgio Frassati schloss sich der Gemeinschaft dominikanischer Laien an. Sein Lebensmotto: „Wahrhaft leben und sich nicht nur recht und schlecht durchschlagen.“

In: Konradsblatt. Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg vom 3.7.2016 (100. Jahgrang) Nr. 27, S. 17.

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Geh zu meinen Brüdern

largeAm 22. Juli feiert der Orden und feiert die Kirche das Fest der hl. Maria Magdalena, Patronin des Ordens und Apostelin der Apostel, wie zuerst der Hl. Thomas von Aquin sie nannte. Denn sie folgte nicht nur Jesus bis unters Kreuz, sondern war auch eine der ersten Zeuginnen seiner Auferstehung und wurde zu den Aposteln gesandt, ihnen die frohe Botschaft zu überbringen.  Am 3. Juni wurde ihr Gedenktag per Dekret der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ihren Gedenktag zum Fest erhoben und sie den Apostel gleichgestellt . Deshalb erhält dieses Fest fortan auch eine eigene Präfation. Wie bei jedem Fest wird das Gloria auch an einem Werktag gesungen, und die Lesungen des Festes sind fortan verbindlich.  Kardinal Sarah, Präfekt der Kongregation, nannte Maria Magdalena das „Paradigma für das ministerium der Frauen in der Kirche“ .

In der Tradition verschmelzen in ihr mehrere tragende Frauengestalten des Evangeliums, die sich alle durch eine besondere Freundschaft und Liebe zum Herrn auszeichnen. Im Louvre findet sich die nebenstehende besonders schöne Darstellung von Maria Magdalena als Büßerin, die vermutlich ursprünglich für den Dominikanerkonvent in Augsburg geschaffen wurde.

Die neue Präfation lautet im offiziell bisher nur in Latein vorliegenden Originaltext (mit einer Arbeitsübersetzung des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz wie folgt:

Præfatio: de apostolorum apostola

Vere dignum et iustum est,
æquum et salutáre,
nos te, Pater omnípotens,
cuius non minor est misericórdia quam potéstas,
in ómnibus prædicáre per Christum Dóminum nostrum.

Qui in hortu maniféstus appáruit Maríæ Magdalénæ,

quippe quae eum diléxerat vivéntem,
in cruce víderat moriéntem,
quæsíerat in sepúlcro iacéntem,
ac prima adoráverat a mórtuis resurgéntem,
et eam apostolátus offício coram apóstolis honorávit
ut bonum novæ vitæ núntium
ad mundi fines perveníret.

Unde et nos, Dómine, cum Angelis et Sanctis univérsis

tibi confitémur, in exsultatióne dicéntes:
Sanctus, Sanctus, Sanctus Dóminus Deus Sábaoth…

 

Präfation: von der Apostolin der Apostel

In Wahrheit ist es würdig und recht,
angemessen und heilsam für uns,
dich, allmächtiger Vater,
dessen Barmherzigkeit nicht geringer ist als die Macht,
in allem zu preisen durch Christus, unseren Herrn.
Er erschien offenkundig im Garten Maria Magdalena,
die ihn ja liebte, als er lebte,
am Kreuz sah, als er starb,
ihn suchte, als er ins Grab gelegt war
und ihn als erste anbetete, als er von den Toten erstand.
Er ehrte sie mit dem apostolischen Amt/Dienst vor den Aposteln,
damit die gute Botschaft des neuen Lebens
bis an die Enden der Erde gelange.

Daher preisen auch wir dich, Herr, mit allen Engeln und Heiligen
und singen frohlockend:

Heilig, heilig, heilig, Gott Herr aller Mächte und Gewalten…

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91. Todestag des seligen Pier Giorgio Frassati

 

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Pier Giorgio Frassati ist einer der Heiligen, von denen es Fotoaufnahmen gibt. Ein dynamischer junger Mann. 1901 in Turin geboren und 1925 dort gestorben. Ein kurzes, intensives Leben, ohne Halbherzigkeiten, jedoch auch mit vielen Kämpfen.

Es war nicht gerade ein sehr christliches Umfeld, in dem Pier Giorgio aufwuchs; sein Vater war erklärter Atheist und dazu auch ein angesehener Mann, Gründer und Direktor der liberalen italienischen Tageszeitung „La Stampa“ und zeitweise italienischer Botschafter in Berlin, seine Mutter Künstlerin, gläubig, jedoch nicht vertieft. Und doch erreichte ihn die Botschaft Chrsti teils in der Jesuiten-Schule, teils bei der Lektüre von Dantes „Göttliche Komödie“, den Schriften von Katharina von Siena und Girolamo Savonarola, teils in den Begegnungen mit anderen Menschen und er ließ sich darauf ein.

Schon als Kind zeigte sich bei ihm eine bemerkenswerte Liebe zu den Armen, die nicht selten eine heftige Reaktion des Vaters hervorrief. Pier Giorgio ließ sich davon nicht beirren. Er folgte seiner Liebe. Und das verstärkte sich mit zunehmendem Alter. Er hätte sich ein leichtes Leben machen können, gut situiert, von kräftiger Gesundheit, attraktiv und beliebt, alle Wege standen ihm offen. Aber er traf keine leichtfertigen Entscheidungen; nicht verbissen sondern aufrecht und mit Freude am Leben.

frassati_02Als junger Mensch ging er häufig mit seinen Freunden in die Berge wandern, nicht ohne frühmorgens einer Messe beizuwohnen. Großherzig trug er ganze Anbetungsnächte durch, obwohl er viel mit sich ringen musste. Auch hielt er buchstäblich die christliche Fahne hoch, als an seiner Hochschule alles Christliche ins Lächerliche gezogen oder abgeschafft wurde. So gehörte zu seinen Aktivitäten auch die Beteiligung an den Vinzenzkonferenzen, die sich für Arme und Kranke einsetzte. Vor allem aber war er sich nicht zu fein, jede Woche selbst in die Armenviertel zu gehen und „seine“ Armen zu besuchen; sie mit dem zu versorgen, was sie nötig hatten, und sollte es auch tatsächlich sein eigener Wintermantel sein.

Bewusst entschied sich Pier Giorgio Frassati für den Laienstand; er wollte nicht als Priester oder Ordensmann, sondern als Christ in der Welt Zeugnis für das Evangelium ablegen. So trat er mit 21 Jahren in den Laienzweig des Dominikanerordens ein und nahm den Patron-Namen Girolamo Savonarola an, weil ihn die feurigen Predigten dieses Dominikaners so ansprachen.

Pier Giorgios Leben nahm mit 24 Jahren, kurz vor seinem Abschluss zum Bergwerksingenieur, ein abruptes Ende, als er nach nur 4 Tagen schwerer Krämpfe an Kinderlähmung starb. Seine letzten geschriebenen Worte galten der Sorge um die Armen. Keine Klage um sein kurzes, gerade vor Energie sprudelndes Leben. Die eigene Familie erkannte erst bei der Beerdigung, in welchem Ausmaß er sich in den Dienst an den Bedürftigen gestellt hatte.

Vielleicht kann man seine Lebensdevise an diesem Satz erkennen, den seine Freunde so wiedergeben: “Ohne Glauben, ohne ein Erbe, das es zu verteidigen gilt, ohne beständigen Kampf für die Wahrheit zu leben, das heißt nicht leben, das ist bloß ‚zurecht kommen‘. Wir dürfen nie einfach nur ‚zurecht kommen‘.“

Alexandra Parusel, Mitglied der Fraternität Jordan von Sachsen in Freiburg

 

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Seliger Pietro Giorgio Frassati in Wien

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In wenigen Wochen findet vom 26. – 31. Juli 2016 der Weltjugendtag in Krakau statt. Ein Patron des Weltjugendtags ist der SELIGE PIETRO GIORGIO FRASSATI, dessen Reliquien sich gerade quer durch Europa auf dem Weg nach Krakau befinden. 

Am Samstag, dem 09. Juli 2016, wird es eine RELIQUIENSTATIO dieses Seligen in der Dominikanerpfarrei St. Maria Rotunda zu Wien (Dominikanerkloster, U3-Station „Stubentor“) geben. Gefeiert wird dieses Ereignis unter anderem mit einer Eucharistiefeier, einer Vorstellung des WJT-Heiligen und einer gestalteten Anbetung.

Dazu ergeht herzliche Einladung

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Mehr als Schwarz & Weiß

mehralsschwarzundweißAm 1o. Mai wurde in Regensburg die durch den Kulturfonds Bayern in Kooperation mit der Diözese Regensburg, der Stadt Regensburg und den beiden Ordensprovinzen Deutschlands und Österreichs geförderte Ausstellung „Mehr als Schwarz & Weiß“ zum Ordensjubiläum eröffnet. Sie dauert noch bis zum 15. August und bietet ein reichhaltiges Begleitprogramm. Schirmherren sind  Dominik Kardinal Duka OP, Prag; Bischof Charles Morerod OP, Fribourg; Christoph Kardinal Schönborn OP, Wien und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Die Bischöfe Morerod und Vorderholzer waren bei der Eröffnung anwesend.

Regensburg ist die einzige deutsche Stadt, in der der Predigerorden seit 1229 – und somit fast von den Anfängen des Ordens an -ununterbrochen präsent ist, heute in Gestalt des Dominikanerinnenklosters Hl. Kreuz und des Dominikanischen Zentrums.

In  der ehemaligen Dominikanerkirche St. Blasius, einer der größten und bedeutendsten Bettelordenskirchen Deutschlands, einem Meisterwerk der Gotik, im Kreuzgang, der angrenzenden Albertus-Magnus-Kapelle und im Refektorium des ehemaligen Klosters zeigen Exponate vom 13. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Kunst die Geschichte und Gegenwart der Dominikanerinnen und Dominikaner im deutschen Sprachraum.

In der Basilika, die ab ca. 1240 mit einer Bauzeit von nahezu 150 Jahren errichtet wurde, und in den angrenzenden Räumlichkeiten führen Film- und Hörstationen sowie wertvolle Ausstellungsstücke wie mittelalterliche Handschriften, Goldschmiedearbeiten, Skulpturen und Gemälde die Besucherinnen und Besucher durch die Jahrhunderte: vom Aufblühen der Gemeinschaft über die Rolle der Predigerbrüder als Inquisitoren bis zu den Visionen der großen Mystiker wie Meister Eckhart und dem Wirken der Ordensschwestern und Ordensbrüder im 21. Jahrhundert*.

Viele Bilder und Informationen zur Ausstellungseröffnung gibt es hier, hier, hier und vor allem im begeleitenden Buch.

Das Forum Mittelalter der Universität Regensburg veranstaltet eine Ringvorlesung, die das Jubiläumsjahr mit 12 interdisziplinären Vorträgen zu den mittelalterlichen Bettelorden flankiert. Dabei werden Referenten der mediävistischen Fächer und internationale Gastreferenten ein facettenreiches Bild der Entstehungsbedingungen, der rasanten Ausbreitung und des religiösen, literarischen und kulturellen Wirkens der Dominikaner und Franziskaner in der mittelalterlichen Welt entwerfen.

Besonders hingewiesen sei auf einen Vortrag von Dr. Christoph Trinn, Konfliktforscher  am Institut fürPolitische Wissenschaft der Universität Heidelberg und Mitglied der Freiburger Fraternität, zu dem Thema: „Krieg gegen die Bevölkerung“. Der Vortrag schlägt eine Brücke von dem Dominikaner Bartolomé de las Casas, der im 16. Jahrhundert  für die Rechte der Ureinwohner in Mittelamerika kämpfte, zur aktuellen Kriegssituation in Syrien und im Irak.

Die Dominikanische Laiengemeinschaft Regensburg steht den Besuchern jeden Samstagnachmittag für Informationen und Gespräche zur Verfügung.

* Text teilweise von hier

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Ein Studientag im Kloster Wettenhausen

Am 16. April fand sich die Laiendominikanergruppe Landsberg zu einem Studientag im Kloster Wettenhausen unter der Leitung von Sr. Dr. Theresia Mende OP ein.

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Als Augustiner-Chorherren-Stift 982 gegründet, gestiftet durch die Gräfin von Roggenstein und ihre Söhne, erstmals 1130 urkundlich erwähnt, wuchs es durch Schenkungen und Stiftungen stetig zu einer beachtlichen Größe heran. Mit der Säkularisation brach das Ende der Augustiner Chorherren an. 1865 besiedelten Dominikanerinnen aus St. Ursula in Augsburg das freistehende Klostergebäude und errichteten nach und nach ein schulisches Zentrum. Besonders mittellosen und begabten Schülerinnen wurde zusätzliche Unterstützung angeboten. Auch ein Waisenhaus für 12 Kinder wurde eingerichtet, später aber nach Lohhof bei Mindelheim verlegt.

WP_20160416_13_48_04_RichWir begannen unseren Tag mit einer Hl. Messe, zusammen mit dem gesamten Konvent. Insgesamt sind dies elf Schwestern zwischen 30 und 86 Jahren.

WP_20160416_14_00_09_RichIm Anschluss trafen wir uns in der Bibliothek des Klosters, um uns unserem Thema zu widmen, dem Anfang des Glaubensbekenntnisses: Ich glaube. Wer daran gezweifelt hatte, dass dieser kurze Satz den Inhalt eines ganzen Tages füllen könne, wurde eines Besseren belehrt. Anhand biblischer Gestalten (wie z. B. Abraham) und Texte (z. B. die Psalmen) erfuhren wir, was Glaube für die Menschen damals bedeutete. In kleinen Arbeitsgruppen stellten wir einen Bezug zu unserem eigenen Leben her.

WP_20160416_13_59_55_RichGestärkt durch das Mittagessen bot uns Sr. Amanda, die Priorin des Klosters, eine Hausführung durch das Kloster an. Begeistert besichtigten wir die Studierstube mit dem frühesten Stuck, in der die Augustiner Chorherren an Einzelpulten studiert hatten. Wir hörten die Geschichte der Gräfin von Roggenstein, die dem Kloster das Grundstück vermacht hatte, wie sie durch eine List die Grundstücksgröße um ein Wesentliches vergrößert hat, wir bestaunten den Kaisersaal mit dem berühmten Arkantusstuck an der blauen Decke, in dem heute noch Konzerte stattfinden.

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Auch das hausinterne Museum des Klosters, die frühere Paramentestickerei und der berühmten Palmesel wurden uns gezeigt und ausführlich erläutert.

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Nach diesen kulturellen Schätzen wandten wir uns wieder unserem Studium zu und entdeckten die geistigen Schätze unseres Glaubens weiter. In Sr. Theresia hatten wir eine hervorragende Lehrerin, die uns Hintergründe und Inhalte vortrefflich vermitteln konnte.

Mit Kaffee und hausgemachtem Kuchen sowie der anschließenden Vesper, wieder im Schwesternchor des Klosters – zusammen mit dem Konvent – beendeten wir einen inhaltsreichen, interessanten und unseren Glauben bereichernden Tag. Gerne kommen wir wieder dorthin.

Lucia Waibel für die Landsberger Dominikanische Laiengemeinschaft

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Veni sancte spiritus

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende deines Lichtes Strahl!

Vater aller Armen du,
Aller Herzen Licht und Ruh’,
Komm mit deiner Gaben Zahl!

Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, du süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh’,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der trostlos weint.

O du Licht der Seligkeit,
Mach dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!

Ohne Dein lebendig Wehn
Nichts im Menschen kann bestehn,
Nichts ohn’ Fehl und Makel sein.

Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht.

Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irregeht.

Heil’ger Geist, wir bitten dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.

Spende uns der Tugend Lohn,
Lass uns stehn an deinem Thron,
Uns erfreun im Himmelssaal.*

(Übersetzung Heinrich Bone 1847)

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