Die großen O-Antiphonen

Die folgenden Texte , auch der nächsten Tage, zu den großen O-Antiphonen stammen von der Seite der Benediktinerinnen der Abtei St- Hildegard in Eibingen. Herzlichen Dank an die Schwestern für de Erlaubnis, sie hier wiederzugeben.

Die Tage vom 17.–23. Dezember sind durch die sieben O-Antiphonen in der Vesper besonders herausgehoben. In ihnen wird Jesus Christus unter Bildworten und Titeln angerufen, die im Alten Testament dem erwarteten Messias zugesprochen werden. Die O-Antiphonen haben alle denselben Aufbau. Sie beginnen mit dem „O“, dem bewundernden Ausruf des Staunens über Gottes Heilstaten, die sich in besonderer Weise in Christus, unserem Erlöser, offenbart haben. Dann schließt sich ein messianischer Hoheitstitel aus dem Alten Testament an, der jeweils auf Jesus Christus hin gedeutet wird. Auf diese Hoheitstitel folgt eine Aussage über das, was der Herr tut oder wie er seine Herrschaft ausübt. In dem eindringlichen Ruf »Veni« – Komm! – drückt sich die Heilssehnsucht des Gottesvolkes bis heute aus. Es sind wunderbare Bilder, zum Teil Erinnerungen an das Wirken Gottes an seinem Volk Israel. Text und Melodie sind zu einer Einheit verschmolzen. Wer sich von dieser innigen Einheit erfassen lässt, wird etwas erfahren von der Sehnsucht, mit der diese Tage zum Weihnachtsfest hindrängen. Es geht um das Hören, Singen und Beten dessen, was Ziel unserer Sehnsucht ist.

Alle sieben Hoheitstitel umkreisen das Mysterium Gottes: O Weisheit, O Adonai, O Wurzel Jesse, O Schlüssel Davids, O Morgenstern, O König der Könige, O Emmanuel! Gott kann man keinen gültigen Namen geben, sondern Gott ist der Name über alle Namen (Phil 2,9). Wir können ihn nicht benennen, uns seiner nicht bemächtigen, sondern ihn nur mit vielen Bildern umschreiben. Gott lässt sich nicht erkennen, sondern nur erahnen. Er ist das „mysterium tremendum“, das „mysterium fascinosum“ unseres Lebens. Nur manchmal dürfen wir etwas von ihm erahnen. Gott ist nicht Statik, sondern unerhörte Dynamik. Er kommt in vielen Erscheinungsformen auf uns zu. Er ist immer der ganz andere. Wir können uns nur stammelnd und bewundernd diesem Mysterium nähern. Nur in dieser Haltung beginnen wir zu ahnen, was es heißen mag: Gott wird Mensch – et incarnatus est. Dieser Gott will mich, dieser Gott liebt mich – welch unbegreifliche Wahrheit.

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ECLDF-Adventskranz: 3. Kerze

Dieser Beitrag kommt aus der irischen Provinz und wird vorgestellt vom ECLDF-Präsidenten Damian McDonnell

Grüße an alle von Irland! Mein Name ist Damien McDonnell und meine Gebete begleiten euch und eure Familien in dieser Adventszeit, in der wir uns vorbereiten, unseren Herren und Retter Jesus Christus in unseren Häusern und Familien willkommen zu heißen. Die Hintergrundsmusik, die ihr hören könnte, ist ein Stück namens „Maria, wusstest du“ von einer Gruppe, die sich  Pentatonics nennt. Die Bilder sind von der „Beweglichen Krippe“. Diese „Bewegliche Krippe“ ist eine Initiative, die 1956 von dem Dominikaner Fr. Louis Coffey begonnen wurde und die inzwischen praktisch für jedermann in Dublin zu einer festen Größe geworden ist. Familien besuchen jedes Jahr mindestens einmal in der Advent- und Weihnachtszeit. Mehr ist über die Bewegliche Krippe ist auf der Internetseite des Apostolats St. Martin von Porres zu erfahren, bei dem es sich um ein Dominikanisches Apostolat am Parnell Square in Dublin handelt.

In dieser Zeit, der Zeit unserer Vorbereitung auf das Kommen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, möchte ich einige Gedanken teilen, die mich besonders am Weihnachtstag selbst beschäftigen. Aber lasst mich zunächst den Hl. Augustinus zitieren, der sagt:

„Indem er uns in Ähnlichkeit mit Seiner Menschheit verband, nahm Er die Unähnlichkeit unserer Ungerechtigkeit hinweg. Indem Er sich unserer Sterblichkeit teilhaftig gemacht hat, sind wir seiner Göttlichkeit teilhaftig geworden.“

Eingedenk dieses Gebets denken wir auch an unser Ja. Jesus sagte ja, als er Mensch wurde – wann sagen wir ja ? Haben wir ja gesagt? Werden wir ja sagen? Maria sagte: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut! Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“

Noch einmal und im Namen der irischen Provinz wünsche ich eu allen die Freude und den Frieden unseres Herrn und Retters Jesus Christus in dieser Weihnachtszeit.

O’Connell Street in Dublin zur Weihnachtszeit

Bild von hier

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Hl. Johannes vom Kreuz

Mitten im Advent feiert die Kirche das Fest des Mystikers und Kirchenlehrers Johannes vom Kreuz. Johannes , 1542 zu Fontiveros in Spanien geboren, trat 1563 in den Karmelitenorden ein, um dessen Reform  er sich mit Theresa von Avila bemühte. Verfolgung und unwürdige Behandlung, auch durch die eigenen Ordensbrüder, ertrug er mit Geduld. Er starb am 14. Dezember 1591 zu Ubeda. 1726 erfolgte die Heiligsprechung. 1926 wurde er zum Kirchenlehrer ernannt. In seinen Schriften zeigte er sich als begnadeter Mystiker. Die bräutliche Liebe und die völlige Hingabe der Seele an ihren Herrn war sein besonderes Thema.

Mein sind die Himmel und mein ist die Erde;
mein sind die Völker, die Gerechten sind mein,
und mein sind die Sünder;
die Engel sind mein
und die Mutter Gottes ist mein
und alle Dinge sind mein,
und Gott selbst ist mein und für mich,
denn Christus ist mein und mein Einundalles für mich.
Was ersehnst und suchst du also noch, meine Seele?
Dein ist all dies, und alles ist für dich.
(Gebet einer verliebten Seele)

Bild von hier

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„Der Advent wurde in Spanien geboren“ – 2. Kerze des ECLDF-Adventskranzes

Der folgende Beitrag über den Advent stammt diesmal aus der spanischen Provinz mit einem Text von Jesús Bastante

Der Advent als solcher wurde im 4. Jahrhundert in Spanien erfunden. Im Jahr 380 trafen sich alle Bischöfe von Hispania in Zaragoza und sprachen über die Vorbereitungen aif Jesu Geburt, die in den ersten Jahrhunderten am 6. Januar gefeiert wurde, unserem jetzigen Dreikönigstag. Zu dieser Zeit wurden die Christen aufgerufen, sich vom 17. Dezember an in den Kirchen zu versammeln, um sich auf das Kommen des Messias vorzubereiten. Als das Weihnachtsfest auf den 25. Dezember verlegt wurde, wurden die vier vorausgehenden Sonntage eingeführt, jeder mit seinen Lesungen, seiner Bedeutung und seiner Eigentümlichkeit.

*Erste Woche: Wir müssen wachsam sein, um Jesus in unserem Leben zu entdecken. Deshalb werden wir sehr darauf achten, Gutes zu tun.

*Zweite Woche: Um Jesus den Weg zu bereiten, werden wir diese Woche (und für den Rest des Advents) etwas mehr beten und darum bitten, dass ER immer das Wichtigste für uns sein möge.

*Dritte Woche: Wie Johannes der Täufer müssen wir Propheten Jesu sein, indem wir mit anderen sprechen und ihnen die wahre Bedeutung von Weihnachten und den Grund unseres Glücklichseins erklären.

*Vierte Woche: Die Jungfrau und der hl. Joseph gingen mit fast nichts nach Bethlehem und niemand half ihnen als sie ankamen und Jesus geboren wurde. Wir machen das wieder gut, indem wir denen helfen, die uns brauchen.

In Spanien haben wir viele Adventslieder, z.B. „Bereitet dem Herrn den Weg“. Das werden wir jetzt singen.

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Lichtworte – abends im Advent

Schon seit Jahren finden zum Freiburger Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz während der Adventszeit täglich um 17.30  ökumenische Adventsimpulse in der Dominikanerkirche  St. Martin statt, die unter dem Thema „Lichtworte – abends im Advent“ stehen.

Dieses Jahr werden sie von der City Pastoral der Dominikaner und der Evangelischen Stadtkirchenarbeit gemeinsam verantwortet.  An den Wochenenden bieten außerdem die Dominikanischen Laien einen Präsenzdienst in der Kirche an. Die  „ Lichtworte“ finden große Resonanz unter den Besuchern des Weihnachtsmarkts.

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ECLDF- Adventskranz: 1. Kerze

Der Europäische Rat der Dominikanischen Laiengemeinschaften (ECLDF) hat in diesem Jahr zu einer besonderen Adventsaktion aufgerufen, die sich „Courronne d’Avent“ – Adventskranz – nennt.  Dominikanische Laien aus ganz Europa haben Texte oder Videos zur Verfügung gestellt, die die adventliche Erwartung und das Weihnachtsfest zum Thema haben. Heute beginnen wir mit einem Beitrag aus Belgien.

Übersetzung:

PP: Die Geburt Jesu Christi ist etwas noch nie Dagewesenes – in einem Stall in eine Krippe gelegt. Wer hätte gedacht, dass der Retter der Welt in solcher Armut geboren werden würde? Eine vornehmere Umgebung wäre passender gewesen. Und der Ausgang war völlig unsicher: Maria war fast verstoßen worden. Sie ging für eine Weile zu ihrer Cousine Elisabeth – hat sie dort Zuflucht gesucht?

DO: Ich finde diese Geschichte ganz besonders bewegend -eine sehr junge Frau, zum ersten Mal schwanger, die die tiefgreifende Umwälzung in ihrem Körper und ihrer Seele durchmacht, verursacht durch eine Geburt, die sich in ihr vorbereitet. Und das unter schwierigen Umständen: Ablehnung, Verständnislosigkeit. Es ist schön, sich vorzustellen, das die Worte des Erzengels Gabriel beiden Frauen geholfen haben. Maria wird immer dargestellt als diejenige, die ihrer Cousine zu Hilfe eilte, um ihr zu Diensten zu sein. Aber wer war wem zu Diensten? Was kann schöner sein als diese beiden Frauen, die sich gegenseitig helfen, die Jüngere bestimmt flinker, währen die Ältere weisen Rat gibt. Die beiden Frauen ganz allein angesichts dieses wachsenden Lebens – Maria beginnt ihre Schwangerschaft ohne die Unterstützung eines Vaters und Elisabeth durchlebt ihre ohne die verbale Unterstützung ihre Mannes, der durch die unglaubliche Situation mit Stummheit geschlagen wurde.

PP: Und dann, schon ziemlich nahe an der Geburt, macht sich das Paar auf den Weg nach Bethlehem. Keine gute Idee, wenn man sich eine einfache Geburt einer ausgeruhten Mutter unter günstigen Umständen wünscht. Obendrein, erzählt uns Lukas, dass die Geburt unter prekären Umständen stattfindet, ohne angemessenen Unterkunft und ohne Annehmlichkeit. Alles scheint sic gegen diese Geburt zu wenden. Aber das Leben gewinnt die Oberhand über alles! Das Kind ist geboren und lebt! Das Leben siegt! In unseren Pfarreien in Belgien wurde die Armut der Geburt Christi lange Zeit mit der extremen Armut in unseren Regionen assoziiert worden. Die Vorschläge der Kirche für den Advent wurzeln in der Solidarität mit den Armen als Vorbereitung für uns, Christus Willkommen zu heißen. Deshalb werden Spendenaufrufe organisiert für Organisationen, dei den Bedürftigen helfen.

DO: Ich finde diese bevorzugte Option für die Armen so schwierig. Wir vermeiden oft die Konfrontation zwischen unserem Wohlstand und den Armen, die uns von Christus als unsere Brüder und Schwestern gegeben sind. Der Weg durch den Advent könnte vor allem eine Bekehrung des Herzens sein.

PP: In der tat! Für mich bedeutet der Advent vor allem, Solidarität mit den Armen zu zeigen, indem wir selbst arm werden, so dass wir wirklich auf das Kommen Christi warten, darauf dass Christus einen Platz in uns selbst hat. Advent bedeutet, uns zu reinigen, um Ihn willkommen zu heißen, unsere weißen Kleider anzuziehen, um an dem Fest teilzunehmen, das seine Ankunft unter uns feiert. Advent bedeutet, uns Gott zuzuwenden, unsere alten Kleider auszuziehen, um das Leben in Fülle zu leben. Das klingt ähnlich wie der Weg auf Ostern zu, wo auch auch alles gegen Christi Überleben verschworen scheint. Aber das Leben siegt!

Nativity icon by Jacques Noé, from the St Dominic and St John fraternity (Liège). Website: http://www.iconoe.be/

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Versprechensfeier und Aufnahme in Freiburg

Am  vergangenen Samstag, dem 17. November, konnte sich die Dominikanische Laiengemeinschaft Jordan von Sachsen in Freiburg über die erste zeitliche Profess ihres Novizen Markus Maria Mössner freuen.

Das Ereignis wurde mit dem Konvent mit einem gemeinsamen Mittagessen gefeiert.

Anschließend wurde im Rahmen der Non Michael Benedictus Keilbach ins Noviziat aufgenommen.

Gemeinsam mit der DLG in Freiburg gratulieren wir beiden sehr herzlich dazu!

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Ein mobiler Mann

Am 15. November feiert der Predigerorden das Fest des Hl. Albert des Großen, Bischof, Kirchenlehrer, Patron der Naturwissenschaftler, Patron der süddeutsch-österreichischen Ordensprovinz

Albert, schon von seinen Zeitgenossen „der Große“ genannt, wurde um 1200 in Lauingen ander Donau geboren. Er studierte in Padua, wo er einen Onkel hatte und trat dort 1223 in den Dominikanerorden ein. Die Predigten des sel. Jordan von Sachsen hatten ihn dazu bewogen. Wenig später kam er nach Köln , um seine Studien abzuschließen.

Nach seiner Priesterweihe war Albert Lektor in Hildesheim, Freiberg in Sachsen, Regensburg und Straßburg. Schließlich erhielt er 1243 einen der beiden Lehrstühle des Ordens an der Pariser Universität. Anfang 1245 wurde er zum Magister der Theologie promoviert und 1248 zum ersten Regens des neu errichteten Studium generale in Köln ernannt. Sein berühmtester Schüler war Thomas von Aquin, dessen große Begabung er als erster erkannte und förderte.

Von 1254 – 1257 war er Provinzial der Ordensprovinz Teutonia. Wegen seiner Klugheit und Gerechtigkeit wurde Albert oftmals zum Schiedsrichter in öffentlichen und privaten Streitfragen bestellt, so im Streit zwischen der Stadt Köln und dem Erzbischof von Köln. 1260 kam er dem Wunsch des Papstes nach, die Leitung des Bistums Regensburg zu übernehmen. 1262 legte er das Amt nieder, um als einfacher Ordensmann ins Kloster zurückzukehren.

Albert nahm seine Studien wieder auf und lebte in den folgenden Jahren in Würzburg, Straßburg und Köln. In Köln lehrte und schrieb er noch bis zwei Jahre vor seinem Tod. Er starb in Köln am 15. November 1280.

Albert, „Doctor Universalis“ genannt, beherrschte das ganze philosophische und naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit. Er erschloss dem christlichen Abendland die Welt der aristotelischen Philosophie. Den Zeitgenossen muss er, der Mann, der alles wusste, geradezu unheimlich vorgekommen sein. Erst am 16. Dezember 1931 wurde Albert der Große heilig gesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben.

Das Grab des heiligen Albert befindet sich in der Krypta der St. Andreas-Kirche in Köln. Seit 1947 betreuen Dominikaner aus der Ordensprovinz Teutonia diese Kirche. Anlässlich des 700. Todestages am 15.November 1280 besuchte Papst Johannes Paul II. das Grab des hl. Albertus Magnus, um dort zu beten und seine Verehrung für den Heiligen zu bekunden.

Eine umfassende Reportage über den hl. Albert und seine verschiedenen Lebensstationen ist hier zu finden.

Aus dem Proprium des Predigerordens

Bild: Albertus magus vor dem Lauinger Rathaus

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Dritter Weltkongress der Dominikanischen Laiengemeinschaften in Fatima: ein Bericht

Vom 4. bis 10. Oktober fand die dritte Internationale Versammlung der Dominikanischen Laiengemeinschaften statt. Diese Versammlung trifft sich nur etwa alle 10 Jahre und ist für die Dominikanischen Laien von großer Bedeutung. Hier berichtet Volker Nebel,  einer der Delegierten unserer Provinz, über die Tage in Fatima:

Eine Wegbeschreibung hatte ich vorab bekommen und einen Zeitplan für jeden Tag, sonst nichts. Im Bus von Lissabon nach Fátima traf ich Margret Burkart, Präsidentin der Norddeutschen Provinz, und sie wusste auch nicht mehr. Der ECLDF, der Europäische Rat der Laien-Dominikaner, hatte sich vor einem Jahr im Gästehaus der Dominikanerinnen in Fátima getroffen, wir waren in einem Hotel untergebracht.

Dort wurde ich als erstes auf Deutsch begrüßt, von Konrad, der 1962 nach Kanada ausgewandert war und jetzt als Mitglied der kanadischen Delegation hier war. Beim Abendessen saß ich neben María, die von sich behaupten konnte, gleich dreimal dominikanisch zu sein: dem Herrn gehörend, Mitglied einer Dominikanischen Laien-Fraternität und in der Dominikanischen Republik lebend. Die weiteste Anreise hatten die beiden Australier, aber nicht die längste: Eine Frau aus Kamerun berichtete, dass sie eine Woche gebraucht hatte, um nach Fátima zu kommen. In Kamerun herrscht Bürgerkrieg.

„Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ war das Motto dieser dritten internationalen Versammlung der Dominikanischen Laien-Fraternitäten und auch das Thema einer der Kommissionen. Die Berichte aus Kamerun, wo die Regierung Krieg gegen die englischsprachige Minderheit führt, und aus Venezuela, das von seinen Bürgern verlassen wird, weil es nichts mehr zu kaufen gibt, machten deutlich, dass diese Themen von fundamentaler Bedeutung sind, auch wenn sie in Europa und Nordamerika inzwischen als altmodisch gelten.

Jeder Delegierte arbeitete in einer der Kommissionen, die es zu den folgenden Themen gab: „Regeln und Statuten“, „Predigt und Gebet“, „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, „Ausbildung“, „Kommunikation und Finanzen“, „Promotoren und Assistenten“ und „Die Dominikanische Familie“. Einer aus jeder Kommission musste die Arbeit des Sekretärs übernehmen und die Ergebnisse der Kommission dem Plenum vorstellen. Dort wurde darüber nochmals beraten, Änderungsvorschläge gemacht und schließlich abgestimmt. Die meisten Vorschläge fanden schließlich die Zustimmung des Plenums und werden hoffentlich bald in den Akten der Versammlung veröffentlicht werden.

Im Plenum gesprochen wurde in den drei Sprachen des Ordens: Englisch, Spanisch und Französisch. Damit jeder alles verstehen konnte, hatten wir drei Dolmetscher, zwei Schwestern und ein Pater, und jeder bekam Kopfhörer und einen Empfänger, auf dem er zwischen den drei Sprachen wählen konnte. Das funktionierte, war aber nicht immer einfach. So konnten die Übersetzer keine Zwischenrufe hören, die nicht ins Mikrophon gesprochen wurden, und manches Detail ging verloren. Die Kommission über die Ausbildung war so groß, dass sie sich in eine englisch- und eine spanisch-sprechende Gruppe geteilt hatten, um anschließend zu vergleichen und zusammenzusetzen, was sie erarbeitet hatten.

Ein normaler Arbeitstag begann um 9 Uhr mit Laudes und Messe. Um 10 Uhr folgte ein Vortrag, danach ging jeder in seine Kommission, die bis zum Mittagessen und dann ab 15 Uhr wieder arbeiteten. Um 17 Uhr versammelte sich das Plenum, um die Vorschläge aus den Kommissionen zu hören und abzustimmen.

Um 19 Uhr war Vesper und um 20 Uhr endete der offizielle Teil mit dem Abendessen. Da wir im Lauf der Tage mit der Arbeit in Verzug kamen, wurden Messe und Vortrag 30 Minuten früher gehalten, und die Vesper fiel mehrfach aus.

P. Bruno Cadoré, unser Ordensmeister, wollte eigentlich die ganze Zeit dabei sein, wurde aber vom Papst zu einer Synode verpflichtet. Er kam in der Nacht von Freitag auf Samstag und blieb bis Sonntag Nachmittag. Er sprach zu uns vom „Tisch des Ordens“ als einem Symbol unserer Gemeinschaft, dass Dominikus „Bruder“ genannt werden wollte und dass diese Brüderlichkeit der Weg sei, miteinander vertraut zu sein. Dafür sei es wichtig, von einander zu wissen: Was du machst, betrifft uns! (An dieser Stelle sei angemerkt, dass aus der Ordenskurie mehrere Brüder und eine Schwester teilnahmen.) Außerdem erzählte er von einem Bruder, der aus dem kommunistischen Ungarn nach Frankreich geflohen war und durch seinen Akzent ein Außenseiter im Konvent blieb. Als einmal der Novizenmeister zu den Novizen über das Predigen sprach, schaltete er sich ein und meinte, so zu predigen, das sei Propaganda. Was unterscheidet unsere Predigt von der Propaganda? Nach den Worten von Bruno ist es das Mitgefühl, das wir für unsere Mitmenschen haben.

P. Vivian Boland sprach über die verschiedenen Aspekte der Ausbildung im Dominikaner-Orden, genauer über die neue Ratio Formationis Generalis der Brüder, die stärkeren Wert auf die Ausbildung durch die Gemeinschaft und auf die lebenslange Weiterbildung legt. Die Ausbildung nimmt vier Aspekte in Blick: die menschliche Ausbildung, die religiöse oder spirituelle, die intellektuelle und die apostolische.

S. Lissie Aviles und P. Aristide Basse sprachen über „Ökologie und die Sorge für die Schöpfung“, ihre Präsentation und ihre Texte finden sich, wenn man ihre Namen und das Wort Präsentation anklickt.

Duncan MacLaren, Laiendominikaner aus Glasgow und Mitglied der Internationalen Dominikanischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, sprach über eine Dominikanische Sicht auf gesamtheitliche menschliche Entwicklung. Seine Beobachtung ist, dass in unseren Pfarreien die einen beten und andere sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, und schlug vor, die beiden Gruppen zusammenzubringen. Unser Tun richte sich nach dem Muster „Sehen, Beurteilen, Handeln“ oder auch „Beobachten, Analysieren, theologisch Reflektieren, Entscheiden, Handeln, Auswerten“. Dabei sei es wichtig, die Auswertung den Betroffenen zu überlassen, denn die Armen sind nicht die Objekte unserer Ideen, sie entscheiden selber über ihre Entwicklung. Die Armen lehren uns das Evangelium, nicht anders herum.

P. Gerald Stookey sprach unter dem Titel „Christus ist unser Friede (Eph 2,17)“ über Jesus Christus, sein Mitgefühl für uns Menschen und warum wir uns für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

Das eigentliche Ergebnis der Versammlung, also die Vorschläge aus den Kommissionen, denen das Plenum zugestimmt hat, werden derzeit von P. Rui und den Mitgliedern des ICLDF zusammengestellt, übersetzt und dann veröffentlicht. Ich möchte diesen Männern und Frauen, deren Weisheit, Offenheit und Freundlichkeit ich zu schätzen gelernt habe, und unseren portugiesischen Gastgebern danken für ihre viele Arbeit, die sie für die Laiendominikaner getan haben und tun. Anstrengend waren die Tage gewesen. Trotzdem hielten die Südamerikaner am letzten Abend noch eine kleine Konferenz in der Bar ab, während P. Gerald Stookey auf dem Flügel alte deutsche Volkslieder spielte, die er von seiner Mutter kannte. Als wir am Mittwoch Morgen von Fátima aufbrachen, da regnete es zum ersten Mal, wie wenn der Himmel die Saat begießen wollte, die wir gesät hatten, damit sie aufgeht und in den Fraternitäten Früchte bringen wird.

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Kolloquium „Sacra Praedicatio“ – Our Challenge in a fragile Europe

Vom 1. bis zum 4. Oktober fand in Köln das Kolloquium “Sacra Praedicatio“ statt. 45 Teilnehmer aus Europa, den USA und von den Philippinen kamen zusammen um sich über die Frage der Predigt auszutauschen. Am ersten vollständigen Tagungstag gab es Impulsvorträge mit anschließender Frage- und Diskussionsrunde von Frau DR. Anette Schavan und fr. Timothy Radcliffe OP.

Frau Dr. Schavan legte den Schwerpunkt auf die Notwenigkeit eines Perspektivwechsels in Europa, hin zu weniger Angst, mehr Menschenwürde und mehr Toleranz. Der frühere Ordensmeister fr. Timothy Radcliffe OP wählte als Thema „Sacra Praedicatio sein. Was bedeutet das für die dominikanische Familie“. Fr. Timothy analysierte die Trends in den europäischen Gesellschaften hin zu Misstrauen, Angst und verschwindender Dialogfähigkeit. Gegenpol könnte seiner Auffassung nach die geschwisterliche Verbundenheit im Orden der Predigerbrüder sein.

Am zweiten vollen Tagungstag standen sieben Workshops im Mittelpunkt. Fünf Schwestern, ein Frater und ein dominikanischer Laie haben aus ihren je eigenen Perspektiven von eigenen Verkündigungserfahrungen berichtet. Anschließend wurden die Ergebnisse des Kolloquiums gesammelt und wichtige Punkte festgehalten.

Das Kolloquium war eine bereichernde Zeit, die von guten und beeindruckenden Impulsen, freundschaftlichem Miteinander und großem Interesse aneinander geprägt war. Egal ob in den Vorträgen, den Workshops, den Gebetszeiten oder dem abendlichen Miteinander.

Weitere Informationen können hier gefunden werden:

http://www.dpnop.org/europe-2018/

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