Dominikanische Laiengemeinschaften

Der Predigerorden kennt mehrere Formen der Zugehörigkeit von Laien. Wenn nicht anders erwähnt, ist auf dieser Internetseite immer von den sogenannten inkorporierten Laien die Rede, die früher der Dritte Orden von der Buße des hl. Dominikus genannt wurden und heute Dominikanische Laiengemeinschaft (DLG) heißen. Sie bilden zusammen mit den Brüdern und den Moniales den inneren Kern des Dominikanerordens. Ihre Mitglieder sind in Gruppen (weniger als sechs Mitglieder) oder Fraternitäten (mehr als sechs Mitglieder) organisiert, die wie alle Zweige des Ordens eine demokratische Struktur haben. In Ausnahmefällen ist auch die Einzelmitgliedschaft möglich. Die Mitglieder der Dominikanischen Laiengemeinschaft heißen Dominikanische Laien oder Laiendominikaner. Sie durchlaufen einen mehrjährigen Eingliederungsprozess in den Orden und legen Versprechen ab, zunächst auf Zeit und schließlich lebenslang nach der Regel der Dominikanischen Laiengemeinschaften zu leben. Sie erklären damit ausdrücklich, dass sie im Geist des hl. Dominikus und nach der Lebensweise, wie sie die Regel vorschreibt, leben wollen.

Bei der Ablegung des Versprechens soll diese oder eine inhaltlich gleiche For­mulierung verwendet werden:

„Zur Ehre Gottes, der alles trägt und erhält, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, zur Ehre der seligen Jungfrau Maria und des hl. Dominikus verspreche ich, N.N., vor Ihnen, N.N., dem/der Verantwortlichen dieser Ge­meinschaft, und N.N., dem Geistlichen Be­gleiter/der Geistlichen Begleiterin, anstelle des Ordensmeisters des Predigerordens, dass ich nach der Regel der Do­minikanischen Gemeinschaften im Orden des hl. Dominikus (für ein Jahr/ für drei Jahre / das ganze Leben hindurch) leben will.“

Obwohl innerhalb der Familia dominicana am wenigsten klar definiert und bisher kaum erforscht, gehören die  Laien  zu den ältesten Zweigen des Ordens. Aus den großen geistlichen Aufbrüchen oder als Wiederbekehrte aus den Häresiebewegungen des 13. Jahrhunderts stammend, schlossen sich von Anfang an Laien dem hl. Dominikus an, die innerhalb der Kirche evangeliumsgemäß leben wollten. 1285, nur wenige Jahrzehnte nach der Gründung des Ordens, institutionalisierte der Orden unter dem 7. Generalmeister Munio von Zamora seine Verpflichtung gegenüber diesen Gruppen und gab ihnen eine Regel, die nicht nur die Bindung an den Orden stärkte, sondern ausdrücklich die Partizipation am apostolischen Auftrag des Ordens einschloss. Dieser Regel folgten die sogenannten „Brüder und Schwestern des Ordens von der Buße des Hl. Dominikus“, die ab dem 15. Jh. „Dritter Orden von der Buße des hl. Dominikus“ genannt wurden, dem auch Katharina von Siena angehörte.

Die dem Orden verbundenen Laien schenkten ihm nicht wenige Heilige und Selige. Zu ihnen zählen Katharina von Siena, Rosa von Lima, Zdislava von Lemberk, Albert von Bergamo, Bartholomäus Longo, Laurentius Ruiz von Manila, der erste Heilige der philippinischen Kirche, Dominikus Pham Trong Kham und zahlreiche andere Terziaren, die in Japan, China und Vietnam das Martyrium erlitten, sowie mit dem ersten seliggesprochenen Roma Zephyrinus Giménez Malla, den Märtyrern des spanischen Bürgerkriegs Antero Mateo García und Miguel Peiró Victori und mit Pietro Giorgio Frassati, dem Schutzpatron des Weltjugendtags 2008 in Sidney und „Mann der Seligpreisungen“, etliche Selige des 20. Jahrhunderts. Aber auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gehörten als Laien dem Orden des hl. Dominikus an, schöpften aus ihrer Ordenszugehörigkeit Kraft und Orientierung und schenkten dem Orden ihr Leben und Werk. Unter ihnen sind zu nennen die norwegische Literaturnobelpreisträgerin Sigrid Unseld; der 1978 von den Roten Brigaden ermordete ehemalige italienische Ministerpräsident Aldo Moro; die 2012 verstorbene Mitbegründerin der Freien Universität Berlin, langjährige rheinland-pfälzische Kultusministerin, Berliner Schulsenatorin und Bundestagsabgeordnete Hanna-Renate Laurien; der Florenzer Bürgermeister und unermüdliche „Friedensarbeiter“ Giorgio La Pira; und nicht zuletzt und natürlich von besonderer Bedeutung für die süddeutsch-österreichische Provinz: Kaiserin Claudia Felicitas, die zweite Gemahlin von Kaiser Leopold I., die in der Dominikanergruft unter der Kirche Maria Rotunda zu Wien bestattet liegt.

Die inkorporierten Laien stellen den zahlenmäßig größten Zweig des Dominikanerordens dar. Ihre Zahl wird weltweit auf mehr als 150 000 geschätzt. Allein 100 000 davon leben in Vietnam

Was sind und tun Laiendominikaner? 

Die Regel formuliert es so:

„Männer und Frauen, die mitten in der Welt die Nachfolge Christi leben, haben kraft Taufe und Firmung Anteil am dreifachen Amt Jesu Christi, der Prophet, Priester und Hirte ist. Sie sind dazu berufen, die Gegenwart Christi in den Völkern lebendig zu erhalten und dazu beizutragen, dass „die Menschen überall auf der Erde die Heilsbotschaft Gottes erkennen  und annehmen können“ (Apostolorum actuosum, Dekret des II. Vaticanums, Nr. 3).

Einige von ihnen lassen sich vom Geist Gottes zu einem Leben in Geist und Nachfolge des hl. Dominikus bewegen. Mit einem besonderen Versprechen, das ihren eigenen Statuten entspricht, gliedern sie sich dem Orden ein. Sie schließen sich zu Gemeinschaften zusammen und bilden mit den anderen Zweigen des Ordens eine Familie. Dies prägt sowohl ihr persönliches geistliches Leben wie auch ihren Dienst vor Gott und an den Menschen in der Kirche.

Als Mitglieder des Ordens sind sie auf ihre Weise Träger seiner apostolischen Sendung in Gebet, Studium und Predigt. Wie Dominikus, Katharina von Siena und viele andere Brüder und Schwestern, die das Leben des Ordens und der Kirche beispielhaft geprägt haben, finden sie Kraft in der geschwisterlichen Gemeinschaft, die sie vor allem darin bestärkt, ihren eigenen Glauben zu bezeugen, die Probleme und Bedürfnisse der Menschen von heute wahrzunehmen und die Wahrheit sichtbar werden zu lassen.

Mit den heute drängenden Aufgaben des Apostolats der Kirche setzen sie sich engagiert auseinander. Besonders fühlen sie sich gedrängt, den Menschen in ihren Ängsten in entgegenkommender Geschwisterlichkeit zu begegnen, sich für die Sache der Freiheit einzusetzen und Gerechtigkeit und Frieden zu fördern.

Vom Charisma des Ordens geprägt, wissen sie,  dass ihre apostolische Tätigkeit aus der Tiefe geistlicher Erfahrung enstpringen muss.“

….

„Jedes Mitglied des Dominikanerordens muss fähig sein, das Wort Gottes zu verkünden. In der Verkündigung nehmen Christen das prophetische Amt wahr, zu dem sie durch Taufe und Firmung bevollmächtigt sind.

In der Welt von heute muss die Predigt des Wortes Gottes vor allem auch darin bestehen, die Würde der menschlichen Person sowie das Leben und die Familie zu verteidigen. Es gehört auch zur dominikanischen Berufung, die Einheit der Christen, sowie den Dialog mit den Nichtchristen und den Nichtglaubenden voran zu bringen.“

Die Dominikanischen Laien der süddeutsch-österreichischen Provinz haben aufbauend auf der Regel ein Leitbild formuliert:

Leitbild der Dominikanischen Laien

Ein Laiendominikaner weiß sich von Gott berufen, den Menschen die Liebe Gottes zu predigen mit dem Ziel, das Heil der Seelen zu fördern.

Daher pflegt er ein intensives Gebetsleben, orientiert sich an einer konkreten dominikanischen Gemeinschaft und beschäftigt sich intensiv mit theologischen Fragen und den heutigen Lebensumständen.

Dadurch und daraus entwickelt er ein Gespür für die Menschen um sich herum, die oft fern von der Kirche nach Gott suchen. Mit seiner Verkündigung geht er auf verschiedenste Art und Weise auf die Bedürfnisse und Fragen dieser Menschen ein, um sie zu Jesus Christus und einem sakramentalen Verständnis von seiner Kirche (zurück) zu führen.

In der Provinz des hl. Albert von Süddeutschland und Österreich gibt es Gruppen bzw Fraternitäten der DLG in Bamberg, Blitzenreute, Bronnbach, Freiburg, Graz, München, Landsberg am Lech und Regensburg. In Preying und Wien sind Gemeinschaften im Aufbau. Einzelmitglieder leben ihn Wien, Heidelberg und Innsbruck.

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