Wie ein einstmals dominikanischer Altar nach Irrungen und Wirrungen wieder dominikanisch wurde

Es war einmal ein Dominikanerinnenkloster im Städtchen Löwental, heute ein Stadtteil von Friedrichshafen am Bodensee. Johannes von Ravensburg-Löwental stiftete 1250 seine Burg den Dominikanerinnen von Konstanz  und trat gleichzeitig in das Konstanzer Dominkanerkloster ein – übrigens als verheirateter Mann. Das Kloster, das fortan den Namen von Ort und Stifter trug, wurde in den folgenden Jahrhunderten durch  Brände und den Dreißigjährigen Krieg mehrfach zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. Im Jahr 1687 wurde die barocke Kirche geweiht. Bis zur Säkularisation wuchs das Kloster beständig, besonders durch seine Apotheke, und besaß im Jahr 1695 64 Lehnshöfe. Kloster Löwental galt lange Zeit als eines der bedeutendsten Dominikanerinnenklöster des Bodenseeraums.

Altarbild des Löwentaler Hochaltars, heute in der Pfarrkirche St. Petrus Canisius in Friedrichshafen. Es zeigt die Übergabe des Rosenkranzs an den hl. Dominikus und die hl. Katarina von Siena

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1806 aufgelöst und der gesamte Besitz fiel an das Haus Württemberg. Die Nonnen mussten trotz der ursprünglichen Zusage bleiben zu dürfen, einige Jahre später Kloster Löwental verlassen, weil König Friedrich von Württemberg, nach dem Friedrichshafen benannt wurde, es in eine Kaserne verwandeln wollte. Die Einrichtung des Klosters wurde versteigert, in die umliegenden Gemeinden verteilt oder in einer Scheune zwischengelagert. 1816, nach Ende des Krieges gegen Frankreich, wurden die Gebäude einzeln verkauft oder abgerissen. Heute existieren nur noch die Klostermühle und ein Teil der Mauer, der allerdings zuletzt ein trauriges Schicksal zuteil wurde.

So geschah es, dass der Pfarrer von Ettenkirch (das heute ebenfalls zu Friedrichshafen gehört), einen Rosenkranzaltar aus Kloster Löwental erwarb, ihn 1818  in die Kirche von Brochenzell einfügte und ihn somit vermutlich vor der Zerstörung durch Feuer oder Bildersturm rettete.

Das geostete Kirchlein St. Jakobus d. Ä. zu Brochenzell stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde 1734 barockisiert. Die Kirche ist eine Station auf dem Jakobsweg. Der Rosenkranzaltar, 1683/84 von Hans Georg Winkel in Bregenz geschaffen, ist mit seinem Altarbild von J. Feuchtmayr  (um 1730) noch heute das bedeutendste Kunstwerk der Kirche. Auch dieses Bild stellt die Übergabe des Rosenkranzes an den hl. Dominikus dar. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts diente er in Brochenzell als Hochaltar. Durch den großen Bevölkerungszuwachs wurde eine Erweiterung des Kirchbaus nötig, der im eigenartigen Geschmack der Zeit erfolgte.

Dadurch wurde der alte Chorraum der Kirche mit dem Rosenkranzaltar zur Taufkapelle und der Altar geriet aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit. Selbst zu Gottesdienstzeiten ist er nicht frei zugänglich und durch eine Alarmanlage gesichert.

So hätte es für immer bleiben können mit dem Schattendasein des Altars. Doch der liebe Gott tut nichts als fügen, und so kam es, dass es Teresa, ein Einzelmitglied der Provinz Teutonia, nach Brochenzell verschlug. Dort, weitab von der dominikanischen Heimat und ohne Verbindung zu süddeutschen Fraternitäten oder Klöstern, entdeckte sie zu ihrer Freude in ihrer Pfarrkirche einen Seitenaltar mit einem bekannten dominikanischen Motiv – der Übergabe des Rosenkranzes an den hl. Dominikus durch die Gottesmutter. Als die Gemeinde eine neue Gemeindereferentin bekam, deren Interesse für die dominikanische Spriritualität  im Gespräch mit Teresa geweckt wurde, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Die beiden beschlossen, einmal im Monat in der Taufkapelle vor dem dominikanischen Altar eine Vesper mit dominikanischen Elementen anzubieten.  Jedes Mal soll es um einen dominikanischen Heiligen gehen, zu dem dann ein Text vorgelesen oder Texte und Hymnen aus dem Proprium des Dominikanerordens gewählt werden. Beim ersten Termin im März war das Jordan von Sachsen, am 2. April wird Heinrich Seuse im Mittelpunkt stehen und am 14. Mai der hl. Papst Paul V, jeweils um 17 Uhr. Die Vesper endet  mit dem Salve Regina und dem O Lumen nach dominikanischer Tradition.

Zum ersten Termin waren bereits 40 Teilnehmer da, von denen viele sich anschließend noch zu einem kleinen Imbiss trafen und einige auch reges Interesse an den Dominikanern zeigten.  Wir freuen uns sehr über diese Initiative. Wer weiß? Vielleicht erwächst daraus ja eine neue Dominikanische Laiengemeinschaft … Der liebe Gott tut ja bekanntlich nichts als fügen.

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