Monastische Tradition

Markus Mössner gibt einen kurzen geschichtlichen Einblick in die monastische Tradition des Christentums und zeigt kurz auf, wie diese mit den Dominikanerorden zusammenhängt.

Wüste, www.pixabay.com

Der Dominikanerorden gehört zur monastischen Tradition. Das unterscheidet ihn beispielsweise von einem Ritterorden und verbindet den Predigerorden mit Franziskanern, Zisterziensern und anderen monastischen Orden.

Das Wort monastisch, von dem auch die Bezeichnung Mönch abgeleitet ist, kommt von der Wurzel „Mono“, was einzeln oder allein bedeutet. Gemeint ist damit nicht unbedingt, dass Ordensangehörige Eremiten sein müssen, sondern es weißt auf eine gewisse Distanz zur „Welt“ hin. Diese Distanz bedeutet, dass nicht das „Weltliche“, sondern das Geistliche Leben der Hauptfokus eines Ordensmenschen ist. Dabei gibt es in der Geschichte der Monastischen Tradition ganz unterschiedliche Ausprägungen, wie das Geistliche Leben gelebt werden kann.

In den meisten Religionen gibt es monastisches Leben, uns interessiert hier jedoch nur die jüdisch-christliche Tradition.
Im Israel zur Zeit Jesu gab es eine blühende monastische Landschaft. Dem berühmtesten Beispiel begegnen wir gleich zu Beginn der Neuen Testamentes im dritten Kapitel des Matthäusevangeliums. Es ist Johannes der Täufer, der zurückgezogen von der Welt in der Wüste lebt. Um ihn hat sich ein Jüngerkreis gebildet, der unter seiner Anleitung das monastische Leben praktiziert. Damit stehen Johannes und seine Gemeinschaft in der Tradition der altjüdischen Prophetenschulen. Die Propheten des alten Bundes lebten in der Regel ein monastisches Leben, wobei, wie bei Johannes, auf eine Zeit der eremitischen Zurückgezogenheit, oft eine Zeit des öffentlichen Auftritts und der Unterweisung von Jüngern folgte.
Diese Form des monastischen Lebens ist noch kein Ordensleben. Aber auch zur Zeit Jesu gab es in Israel schon einen monastischen Orden, den Orden der Essener. Flavius Josephus beschreibt diesen im 8. Kapitel des 3. Buches seines Werkes „Der Jüdische Krieg“. Nach Josephus waren die Essener neben Pharisäern und Sadduzäern die dritte religiöse Kraft in Israel. Sie lebten ihr monastisches Leben nicht in der Wüste, sondern hatten Ordenshäuser in allen Städten Israels. Dort lebten sie nach einer gemeinsamen Regel zusammen. Die gemeinsame Regel ist der wesentliche Unterschied, der einen Orden von monastischen Gemeinschaften, wie den Prophetenschulen, abhebt.

Auch wenn es im Christentum von Anfang an Menschen gab, die ein monastisches Leben führten, wurde dieses erst nach dem Ende der Verfolgungen zu einer breiten Bewegung.
Hierauf hatte die Lebensbeschreibung des heiligen Antonius einen großen Einfluss. Dieses, von Athanasius dem Bischof von Alexandrien verfasste Buch, war so etwas wie der erste Bestseller der monastischen Literatur. Antonius war als junger Mensch von der Begegnung Jesu mit dem reichen Jüngling so ergriffen, dass er sein beträchtliches Erbe verschenkte und in die Wüste ging. Dort lernte er nach und nach ein geregeltes und ausgeglichenes monastisches Leben zu führen und gab sein Wissen dann später auch weiter. Damit begann die Zeit der ägyptischen Wüstenväter und -mütter, die einen nachhaltigen Einfluss auf alle späteren monastischen Bewegungen der Christenheit hatte und hat.
Auch aus Europa machten sich Suchende auf, um von den Wüstenvätern zu lernen. Einer von ihnen war der um 360 n. Chr. geborene Johannes Cassian, der mit seinem Gefährten Germanus in die Wüste Ägyptens reiste. Dort besuchten die beiden verschiedene Väter und befragten sie. Diese Gespräche wurden zur Grundlage seines späteren Hauptwerkes, den „Collationes Patrum“, auf deutsch „Unterredungen mit den Vätern“.

Cassian war nach Martin von Tours nicht nur der zweite Klostergründer in Westeuropa, sein Buch wurde auch Inspiration für weitere Ordens- und Klostergründungen über die Jahrhunderte hinweg. Sowohl Benedikt von Nursia (480-547 n. Chr.), als auch Dominikus (1170-1221 . Chr.) studierten die „Collationes Patrum“ intensiv.

Hl. Dominikus, www.pixabay.com

Während des ersten Jahrtausends entstanden zahlreiche Klöster in Europa, in denen Mönche und Nonnen nach einer festen Regel lebten. Nach und nach setzte sich die Regel Benedikts als Standard durch. Im Laufe der Zeit ergab sich immer wieder die Notwendigkeit von Reformen, weil der ursprüngliche Geist des Monastischen Lebens verloren zugehen drohte. Dies war auch im 12. Jahrhundert der Fall. Die Kirche, die Klöster und der Klerus waren reich geworden, während ein Großteil der Bevölkerung arm geblieben war. Dieser schreiende Widerspruch zum Evangelium brachte neue monastische Bewegungen innerhalb wie außerhalb der Kirche hervor. Die bekannteste Gestalt dieser insgesamt „Armutsbewegung“ genannten Reformbemühungen war Franziskus von Assisi, ein weiterer war Dominikus, unser Ordensvater.

Diese monastischen Reformbewegungen brachten die eigentlichen Orden hervor. Nun gehörten Mönch oder Nonne nicht mehr zu einem bestimmten Kloster, an einem festen Ort, sondern zu einer Gemeinschaft, die sich über ganz Europa erstrecken konnte. Eine weitere Entwicklung war, dass diese neuen Orden neben Mönchen und Nonnen auch Laien aufnahmen. So entstanden die sogenannten Drittorden oder Laienzweige, zu denen auch wir, als Dominikanische Laiengemeinschaft im Predigerorden gehören.

Hr. Markus Mössner OP

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