{"id":4928,"date":"2024-03-28T10:22:23","date_gmt":"2024-03-28T09:22:23","guid":{"rendered":"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=4928"},"modified":"2024-03-28T10:22:23","modified_gmt":"2024-03-28T09:22:23","slug":"wer-war-schuld-am-tod-jesu-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=4928","title":{"rendered":"Wer war schuld am Tod Jesu? (IV)"},"content":{"rendered":"\n<p>Um die Frage zu kl\u00e4ren, \u201eob \u00fcberhaupt eine regelrechte Gerichtsverhandlung des Synedrions stattgefunden hat\u201c (S\u00f6ding), sind die Passionserz\u00e4hlungen (vgl. Mk 14,43-16,6, Mt 26,47-28,8, Lk 22,47-24,12 und Joh 18,1-20,18) mit den j\u00fcdischen Rechtsvorgaben jener Zeit abzugleichen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Nach Joh 18,12-13 sei die Verhandlung vor Hannas nicht \u00f6ffentlich gewesen, obwohl dies untersagt war. Gem\u00e4\u00df Mt 26,59 und Mk 14,55 h\u00e4tten \u201edie Hohenpriester und der ganze Hohe Rat\u201c anfangs nach Zeugen gegen ihn gesucht und nach Mt 26,66 h\u00e4tte der Hohe Rat h\u00e4tte einstimmig f\u00fcr schuldig votiert (so auch Mk 14,64 und Lk 22,71), demgegen\u00fcber muss der Angeklagte zun\u00e4chst verteidigt werden und nicht alle d\u00fcrfen f\u00fcr \u201eschuldig\u201c pl\u00e4dieren. Ein einm\u00fctiger Schuldspruch zeigte nach j\u00fcdischem Recht die Unschuld des Angeklagten, weil bei Einstimmigkeit von 23 Personen, die im Hohen Rat mindestens anwesend sein mussten, eine Verschw\u00f6rung vermutet wurde. Danach h\u00e4tten Jeschua \/ Jesus freilassen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schuldspruch verlangt zwei \u00fcbereinstimmende Zeugen, die sich nach Mk 14, 55-59 (par. Mt 26,59-60) nicht fanden \u2013 nach j\u00fcdischem Gesetz h\u00e4tte Jeschua \/ Jesus dann freigesprochen werden m\u00fcssen. Laut Mk 14,60 und Mt 26,62 \u00fcberl\u00e4sst Kaiphas dem Beschuldigten die Gelegenheit, sich selbst zu belasten, was verboten war, um Taten in Suizidabsicht zu verhindern. Laut Mk 14,63 (par. Mt 26,65) zerrei\u00dft Kaiphas dann sein Gewand, obwohl dies nach Leviticus 21,10 untersagt war, er klagt Jeschua \/ Jesus der Gottesl\u00e4sterung an, obwohl Richter keine Anklagen erheben durften, und will ihn aufgrund seiner eigenen Aussage verurteilen, was verboten war. Zudem galt nur das buchst\u00e4bliche Aussprechen des Gottesnamens als todesw\u00fcrdige Gottesl\u00e4sterung (Sanhedrin 7,5), was Jeschua \/ Jesus laut Schilderung der Evangelien nicht getan hatte. Mk 14, 64 (par Mt 26,66) l\u00e4sst den Hohen Rat danach \u2013 n\u00e4chtens \u2013 per gemeinschaftlich durchgef\u00fchrter Akklamation das Todesurteil sprechen, die Schuld durfte erst 24 Stunden nach der Verhandlung in einer individuellen Abstimmung mit dem J\u00fcngsten beginnend zugesprochen und das Todesurteil erste 3 Tage danach verk\u00fcndet werden. Richter musste sich freundlich verhalten und der Verurteilte durfte vor der Hinrichtung weder gewaltsam festgehalten noch ausgepeitscht werden, auf Schl\u00e4ge und Anspucken standen Geldstrafen &#8211; Mk 14,65 und Mt 26,67 stellen diese Misshandlungen Jeschuas \/ Jesu dar (bei Lk vor der Verurteilung 22, 63-65).<\/p>\n\n\n\n<p><br>Weil die R\u00f6mer innertheologische Debatten nicht interessierten, kann die Besatzungsmacht keine Veranlassung gesehen haben, \u201eaufgrund einer Klage der j\u00fcdischen Priesterschaft wegen Missachtung j\u00fcdischer Religionsgesetze gegen Jesus vorzugehen, wie die Passionsgeschichten der Bibel unterstellen\u201c (Kopp). Deswegen hat die Auslieferung an Pilatus (vgl. Mk 15,1, par Mt 27,2, Lk 23,1-2) allenfalls einen Wert als literarischer \u00dcbergang ohne geschichtliche Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die F\u00fclle an Widerspr\u00fcchen zu Regelungen des Prozessrechtes zeigt: so wie die Evangelien die Befragungen durch Hohepriester und die Gerichtsverhandlungen vor dem Hohen Rat schildern k\u00f6nnen diese \u201enach allem Wissen \u00fcber die Verfahrensvorschiften \u2026 nicht stattgefunden haben\u201c (https:\/\/lehrerfortbildung-bw.de\/u_gewi\/religion-rk\/gym\/bp2016\/fb7\/2_anti\/1_mat\/05_m4\/). Der Professor f\u00fcr Geschichte und Literatur des fr\u00fchen Christentums, Gerd L\u00fcdemann schlussfolgert: \u201edie Verhandlung vor dem Hohen Rat hat ja nicht stattgefunden\u201c. In jedem Fall ist \u201edie Vorstellung, die j\u00fcdischen Beh\u00f6rden \u2026 h\u00e4tten eine \u2026Mitverantwortung f\u00fcr die Verurteilung Jesu ist historisch und rechtlich nicht haltbar\u201c (Kopp).<br>Verwendete Literatur: Cohn, Chaim, Der Prozess und Tod Jesu aus j\u00fcdischer Sicht, Berlin 2017; Holger Fr\u00f6hlich im Interview mit Christian Wiese, Von der Schuld am Tode Jesu: Eine Spurensuche, in: https:\/\/brefmagazin.ch\/artikel\/von-der-schuld-am-tode-jesu-eine-spurensuche\/; Fruchtenbaum, Arnold G., Das Leben des Messias. Zentrale Ereignisse aus j\u00fcdischer Perspektive, H\u00fcnfeld (8. Aufl.) 2015, 83-102; Gnilka, Joachim, Das Evangelium nach Markus, Z\u00fcrich u.a. (3. Aufl.) 1979, S. 284-289, 284-285; Kopp, Eduard, Wer ist schuld am Tod Jesu? in: https:\/\/chrismon.de\/artikel\/872\/wieso-die-behauptung-juden-seien-schuld-am-tod-jesu-historisch-nicht-haltbar-ist vom 7.10.2010; https:\/\/lehrerfortbildung-bw.de\/u_gewi\/religion-rk\/gym\/bp2016\/fb7\/2_anti\/1_mat\/05_m4\/; L\u00fcdemann, Gerd, Wer war schuld am Tode Jesu? in: https:\/\/www.welt.de\/welt_print\/article3529990\/Wer-war-schuld-am-Tode-Jesu.html vom 09.04.2009); S\u00f6ding, Thomas, Der Proze\u00df Jesu, in: Herder Korrespondenz, 41. Jahrgang, Heft 5, Mai 1987, S. 236-240, 238.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Hr. Norbert C. Schmeiser OP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Frage zu kl\u00e4ren, \u201eob \u00fcberhaupt eine regelrechte Gerichtsverhandlung des Synedrions stattgefunden hat\u201c (S\u00f6ding), sind die Passionserz\u00e4hlungen (vgl. Mk 14,43-16,6, Mt 26,47-28,8, Lk 22,47-24,12 und Joh 18,1-20,18) mit den j\u00fcdischen Rechtsvorgaben jener Zeit abzugleichen. 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