{"id":3534,"date":"2018-03-29T14:45:42","date_gmt":"2018-03-29T13:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=3534"},"modified":"2018-03-29T22:35:32","modified_gmt":"2018-03-29T21:35:32","slug":"die-wehrlose-liebe-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=3534","title":{"rendered":"Die wehrlose Liebe Gottes"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/agnus-dei-1640.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3536 aligncenter\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/agnus-dei-1640-1024x612.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/agnus-dei-1640-1024x612.jpg 1024w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/agnus-dei-1640-300x179.jpg 300w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/agnus-dei-1640-768x459.jpg 768w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/agnus-dei-1640.jpg 1339w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Johannes Bours (+1988); aus dem Buch: Nehmt Gottes Melodie in euch auf<\/em><\/p>\n<p>Es gibt eine Erfahrung, die manchen Christen schwer zu schaffen machen kann: dass Gott verschwindet. Offenbar geht in unserer wissenschaftlich-technischen Welt eine tiefe Ver\u00e4nderung des religi\u00f6sen Bewusstseins vor sich. Gott verschwindet im Bewusstsein sehr vieler Menschen. Er verschwindet unter einer Woge von Gottvergessenheit und unter einer Woge von Agnostizismus.<\/p>\n<p>Nun kann man aber den Glauben an Gott, das absolute Geheimnis, nur durchhalten, wenn man etwas von ihm erf\u00e4hrt. Man erf\u00e4hrt aber nur etwas von Gott &#8211; aus Gnade &#8211; wenn man sich existentiell auf ihn einl\u00e4sst. Und nun m\u00f6chte ich es wagen zu sagen: Wir werden am ehesten etwas von Gott erfahren, wenn wir uns auf einen &#8222;Zug&#8220; im Wesen Gottes einlassen, der &#8211; so meine ich &#8211; heute deutlicher als zu anderen Zeiten hervortritt: die Wehrlosigkeit seiner Liebe.<\/p>\n<p>Gott ist so unaufdringlich, so wehrlos in unserer Zeit, dass er verschwindet. Er kommt sozusagen nicht mehr vor. Man bemerkt ihn kaum noch. Die meisten Menschen unserer westlichen Welt leben so, als w\u00e4re er nicht da. Ein franz\u00f6sischer Theologe hat j\u00fcngst gemeint, wir m\u00fcssten uns mit einem gewissen Nutzlosigkeits-Status Gottes in unserer Zeit abfinden.<\/p>\n<p>Erfahren wir Gott so, wie wir im Psalm 29 beten: &#8222;Der Herr zerschmettert die Zedern des Libanon, die Stimme des Herrn wirbelt Eichen empor&#8220;? Erfahren wir Gott so, wie wir im Mose-Lied (Ex 15) beten:&#8220; Der Herr ist ein Krieger, Rosse und Wagen warf er ins Meer. Deine Rechte, Herr, zerschmettert den Feind; du strecktest deine Hand aus, da verschlang sie die Erde &#8230;&#8220;? Diese Worte sind &#8211; in einem tieferen Verst\u00e4ndnis &#8211; nicht ung\u00fcltig geworden. Sie sind ein urspr\u00fcnglicher, bildhafter Ausdruck f\u00fcr eine Wirklichkeit in Gott, n\u00e4mlich dass er der absolute Herr, der Allm\u00e4chtige ist, Herr des Himmels und der Erde.<\/p>\n<p>Und doch: mir will scheinen, als gebe es so eine Art &#8222;Evolution&#8220; in der Gottesoffenbarung. Dieser Gott, der in den \u00e4ltesten Psalmen noch beschrieben wird mit Bildern der Gottk\u00f6nige von \u00c4gypten und Babylon, dieser Gott, der Rosse und Wagen ins Meer schleudert, ist auch bei Jesus von Nazareth der Herr des Himmels und der Erde, der allm\u00e4chtige Gott. Aber &#8211; und ich finde dies ist das Bewegendste in de Religionsgeschichte \u00fcberhaupt &#8211; dieser Gott ist bei Jesus Christus der, der seine Allmacht zur wehrlosen Liebe werden l\u00e4sst. Dieser Gott Jesu Christi zeigt seine Macht darin, dass er als wehrlose Liebe der Rettende wird. Dieser Gott wird anschaubar in dem hilflosen Kind, das in der Krippe liegt. Dieser Gott wird anschaubar in dem Lamm, das zur Schlachtbank gef\u00fchrt wird und seinen Mund nicht auftut. Diese Ohnmacht der wehrlosen Liebe Gottes besiegt alles, besiegt den Tod. Es ist das abgr\u00fcndige Geheimnis Gottes, dass er, der Allm\u00e4chtige, der absolute Herr, als Liebe retten will &#8211; und wahre Liebe ist wehrlos; aber ihre Wehrlosigkeit ist st\u00e4rker als der Tod. (&#8230;)<\/p>\n<p>Der Deus semper major, der je gr\u00f6\u00dfere Gott, wird in seiner Kenosis, seiner Ent\u00e4u\u00dferung, zum Deus semper minor, zum je Geringeren. Er wird zum Kind. Er wird zu dem Gott, der heute gleichsam verschwindet, der wie unauffindbar wird, mit dem die Menschen machen, was sie wollen, die Theologen und die Atheisten, der Mann auf der Stra\u00dfe und die Medien auf allen Kan\u00e4len; zu dem Gott, der ohnm\u00e4chtig in der Welt ist, der nicht mit seiner Allmacht von au\u00dfen eingreift. Er wird zur wehrlosen Liebe, und sie ist st\u00e4rker als alles, st\u00e4rker als der Tod.<\/p>\n<p>Woher wei\u00df ich das? Ich sehe es am Mysterium des Kindes. Ich sehe es an Jesus Christus, dem Gekreuzigten, dem wehrlos-ohnm\u00e4chtigen, welcher der Auferstandene ist, der Lebendige. Der Sieger \u00fcber den Tod!<\/p>\n<p>Man darf diese wehrlose Liebe nicht missverstehen. Sie ist nichts Schw\u00e4chliches, Weichliches, Kernloses. Was sie in Wahrheit ist, kann man allein an Jesus lernen, der mit gro\u00dfer Entschiedenheit auftritt, kompromisslos. Der das Schwert-Wort gesprochen hat: &#8222;Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert!&#8220;. Der den Knecht des Hohenpriesters zur Rechenschaft zieht: &#8222;Warum schl\u00e4gst du mich!&#8220; Der aber dann in Freiheit zul\u00e4sst, dass die Menschen mit ihm machen was sie wollen. Gott ist der Allm\u00e4chtige, aber seine Allmacht l\u00e4uft gleichsam wie aus einem Gef\u00e4\u00df aus, sich verstr\u00f6mend in der Gestalt der wehrlosen Liebe.<\/p>\n<p>Sieht es auf der Welt und in der Geschichte so aus, als gelange die wehrlose Liebe Gottes an ihr Ziel? Als k\u00e4me sie durch? Es ist, als w\u00fcrde sie geradezu versch\u00fcttet und zum Verschwinden gebracht unter einer Lawine von Vergesslichkeit und Gewalt.<\/p>\n<p>Und doch wartet sie darauf, in der Weise der wehrlosen Liebe, erkannt, aufgenommen zu werden. Sie sucht mit den Augen der Sehnsucht die Landschaft der Menschengeschichte ab, wo sich eine T\u00fcr, ein Herz auftut, damit sie eintreten kann, und damit an dieser Stelle die Verwandlung beginnen kann. Was Jesus von sich selber sagt, das sagt die wehrlose Liebe Gottes: &#8222;Die F\u00fcchse haben ihre H\u00f6hlen, die V\u00f6gel ihre Nester, der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen kann!&#8220; (Lk 9, 58). Wo ist Raum f\u00fcr die wehrlose Liebe? Ist alles vollgestellt mit Haben, Macht, Angst, Enge?<\/p>\n<p>Die wehrlose Liebe sucht den Ort, sucht das Herz, wo sie ankommen kann. &#8222;Ich sagte zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief: Hier bin ich, hier bin ich! Den ganzen Tag streckte ich meine H\u00e4nde aus &#8230; Ich w\u00e4re zu finden gewesen f\u00fcr die, die nicht nach mir suchten&#8220; (Jes. 65).<\/p>\n<p>Aber er ruft mit leiser, wehrloser Stimme &#8211; &#8222;Du bist der Leiseste von allen&#8220; (Rilke) -, so dass nur einer es wahrnehmen kann, der selber still geworden ist, &#8222;arm&#8220; geworden ist, ein stilles Herz hat. Gott in unserer Zeit: Dem wird etwas von Gott \u00a0aufgehen, der wei\u00df, dass ER die wehrlose Liebe ist.<\/p>\n<h4>Bild: Francisco de Zurbar\u00e1n: Lamm Gottes<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Bours (+1988); aus dem Buch: Nehmt Gottes Melodie in euch auf Es gibt eine Erfahrung, die manchen Christen schwer zu schaffen machen kann: dass Gott verschwindet. Offenbar geht in unserer wissenschaftlich-technischen Welt eine tiefe Ver\u00e4nderung des religi\u00f6sen Bewusstseins vor &hellip; <a href=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=3534\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3534"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3534"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3540,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3534\/revisions\/3540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}