{"id":2580,"date":"2016-03-26T09:45:22","date_gmt":"2016-03-26T08:45:22","guid":{"rendered":"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2580"},"modified":"2016-03-26T09:45:22","modified_gmt":"2016-03-26T08:45:22","slug":"verborgenheit-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2580","title":{"rendered":"Verborgenheit Gottes"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/turiner-grabtuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2581 aligncenter\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/turiner-grabtuch.jpg\" alt=\"turiner grabtuch\" width=\"520\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/turiner-grabtuch.jpg 320w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/turiner-grabtuch-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<p>Denn dies ist Karsamstag: Tag der Verborgenheit Gottes, Tag jener ungeheuren Paradoxie, die wir im Glaubensbekenntnis aussprechen mit den Worten &#8222;abgestiegen zu der H\u00f6lle&#8220;, abgestiegen ins Mysterium des Todes hinein. Am Karfreitag konnten wir noch auf den Durchbohrten hinblicken &#8211; der Karsamstag ist leer, der schwere Stein des frischen Grabes deckt den Verstorbenen, alles ist vor\u00fcber, der Glaube scheint definitiv als Schw\u00e4rmerei enth\u00fcllt. Kein Gott hat diesen Jesus gerettet, der sich Sohn Gottes nannte.<\/p>\n<p>F\u00e4ngt unser Jahrhundert nicht an, zu einem gro\u00dfen Karsamstag zu werden, einem Tag der Abwesenheit Gottes, an dem auch den J\u00fcngern eine eisige Leere ins Herz steigt, so dass sie besch\u00e4mt und ver\u00e4ngstigt sich zum Heimweg r\u00fcsten und auf ihrem Emmausgang dumpf und verst\u00f6rt sich in ihre Hoffnungslosigkeit hineinbohren, gar nicht bemerkend, dass der Totgeglaubte in ihrer Mitte ist? Gott ist tot, und wir haben ihn get\u00f6tet<\/p>\n<p>Wir haben ihn get\u00f6tet, indem wir ihn ins Geh\u00e4use veralteter Denkgewohnheiten sperrten, indem wir ihn in eine Fr\u00f6mmigkeit verbannten, die wirklichkeitslos war und immer mehr zur devotionellen Phrase und arch\u00e4ologischen Kostbarkeit wurde. Wir haben ihn get\u00f6tet durch die Zweideutigkeit unseres Lebens, die ihn selbst verdunkelte. Denn was k\u00f6nnte Gott fragw\u00fcrdiger machen in dieser Welt als die Fragw\u00fcrdigkeit des Glaubens und der Liebe seiner Gl\u00e4ubigen?<\/p>\n<div>\n<p>Gottes Sterben in Jesus Christus ist zugleich Ausdruck seiner radikalen Solidarit\u00e4t mit uns. Das dunkelste Geheimnis des Glaubens ist zugleich das hellste Zeichen einer Hoffnung, die ohne Grenzen ist. Und noch eins: Erst durch das Scheitern des Karfreitags, erst durch die Todesstille des Karsamstags hindurch konnten die J\u00fcnger zum Begreifen dessen gef\u00fchrt werden, wer Jesus wirklich war, was seine Botschaft in Wahrheit meinte.<\/p>\n<p>Herr, &#8230; wach auf, lass die Dunkelheit des Karsamstags nicht endlos sein, lass einen Strahl von Ostern auch in unsere Tage fallen, geh mit uns, wenn wir hoffnungslos nach Emmaus wandern, dass unser Herz uns brennend werde von deiner N\u00e4he. Der du Israels Wege verborgen geleitet hast, um endlich Mensch mit uns Menschen zu sein: Lass uns nicht im Dunkel, lass dein Wort in der Geschw\u00e4tzigkeit dieser Tage nicht untergehen.<\/p>\n<\/div>\n<div><i>Josef Kardinal Ratzinger bei Radio Vatikan, Karwoche 1996<\/i><\/div>\n<div><i>aus: Jesus folgen. Meditationen zur Fasten- und Osterzeit<\/i><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denn dies ist Karsamstag: Tag der Verborgenheit Gottes, Tag jener ungeheuren Paradoxie, die wir im Glaubensbekenntnis aussprechen mit den Worten &#8222;abgestiegen zu der H\u00f6lle&#8220;, abgestiegen ins Mysterium des Todes hinein. 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