{"id":2275,"date":"2015-11-22T13:31:10","date_gmt":"2015-11-22T12:31:10","guid":{"rendered":"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2275"},"modified":"2016-01-04T23:42:12","modified_gmt":"2016-01-04T22:42:12","slug":"gotteserfahrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2275","title":{"rendered":"Gotteserfahrung?"},"content":{"rendered":"<p>So lautete der <a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2100\">Titel<\/a>\u00a0 spannender Einkehrtage der Dominikanischen Laien am Wochenende vom 13.-15. November im Dominikanerinnenkloster zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Landsberg am Lech, an\u00a0dem auch die Postulanten des Br\u00fcderzweiges des Ordens teilnahmen. Die Tage in Landsberg waren eine\u00a0intellektuelle\u00a0Herausforderung, bei der die heute gel\u00e4ufige\u00a0Bedeutung\u00a0allt\u00e4glicher Begriffe wie &#8222;Theorie&#8220;, &#8222;Wirklichkeit&#8220;, &#8222;Vernunft&#8220;, &#8222;Betrachtung&#8220;, &#8222;Erfahrung&#8220; \u00a0und &#8222;Liebe&#8220;\u00a0auf den Pr\u00fcfstand gestellt wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114301.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2278\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114301-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114301-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114301-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/hoye.de\">Prof. Hoye<\/a> aus M\u00fcnster f\u00fchrte am <strong>ersten Abend<\/strong> in das Thema ein und konfrontierte die Teilnehmer zun\u00e4chst mit der erstaunlichen Tatsache, dass der Begriff Gottesfahrung, \u00a0weder in der Lehre der Kirche noch in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils vorkommt, also\u00a0in der Kirche fast 2000 Jahre lang keine Rolle spielte. Heute scheint die M\u00f6glichkeit, \u00a0Gott (direkt) zu erfahren sowohl von Laien als auch von den meisten Theologen unhinterfragt voraus gesetzt zu werden &#8211; ein Vor-Urteil. Die Kirche verurteilte einige Lehren \u00fcber die unmittelbare Erkennbarkeit \u00a0bzw die subjektive Erfahrbarkeit Gottes im irdischen Leben als H\u00e4resien und verteidigte die Notwendigkeit der Leitung der\u00a0Sinne und der Erfahrung durch die Vernunft.<\/p>\n<div id=\"attachment_2288\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011429.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2288\" class=\"wp-image-2288\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011429-1024x553.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"440\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011429-1024x553.jpg 1024w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011429-300x162.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2288\" class=\"wp-caption-text\">Pius X, in der Enzyklika &#8222;Pascendi&#8220;<\/p><\/div>\n<p>Thomas von Aquin legte die Berichte der hl. Schrift \u00fcber Gotteserscheinungen dahingehend aus, dass nicht das Wesen Gottes selbst geschaut, sondern Theophanien erlebt wurden &#8211; &#8222;gewisse Gestalten, die zur Gotteserkenntnis f\u00fchren, seien sie k\u00f6rperlich oder imagin\u00e4r&#8220;. Verurteilt wurde jedoch auch die Lehre, die auch von einigen namhaften Theologen vertreten wurde, Gott\u00a0sei auch im ewigen Leben nicht direkt erfahrbar.\u00a0Albertus magnus fand eine Vers\u00f6hnung\u00a0der ehemals gegens\u00e4tzlichen Positionen,\u00a0Gott sei &#8211; oder eben nicht &#8211; im ewigen Leben direkt erfahrbar,\u00a0\u00a0durch\u00a0\u00a0die Umdeutung der Theophanie in das\u00a0\u00a0&#8222;Licht der Herrlichkeit&#8220; (lumen gloriae), das Licht, in dem wir das Licht sehen werden &#8211; das Gott selbst ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12274735_1200277716653164_6735987334894628282_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2292\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12274735_1200277716653164_6735987334894628282_n.jpg\" alt=\"12274735_1200277716653164_6735987334894628282_n\" width=\"520\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12274735_1200277716653164_6735987334894628282_n.jpg 720w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12274735_1200277716653164_6735987334894628282_n-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am <strong>Samstagvormittag<\/strong>\u00a0besch\u00e4ftigte uns weiter das\u00a0Thema der Gotteserfahrung im ewigen Leben &#8212; der <em>Visio beatifica<\/em> &#8211; die nach der hl. Schrift (Joh, 17,3; 1 Joh. 3,3; 1 Kor. 13,12; 1 Tim 2,4)\u00a0aus reiner (betrachtender) Erkenntnis, also der Anschauung Gottes besteht. Diese Anschauung oder Betrachtung Gottes, die in der antiken Denkwelt &#8222;Theorie&#8220; genannt wurde und absoluten Vorrang vor der Praxis hatte, ist nicht etwa passiv, sondern die h\u00f6chste Form der Erfahrung der Wirklichkeit als Ganzes und der Erkenntnis der Ur-Wahrheit, die Gott ist.\u00a0Karl Rahner formuliert es so:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114281.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2295\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114281-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114281-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P10114281-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>und nach Thomas von Aquin\u00a0ist der Mensch bestrebt, durch alle ihm eigenen geordneten und recht gerichteten T\u00e4tigkeiten zur Schau der Wahrheit zu gelangen.\u00a0Diesem Zweck dient auch die Einheit von K\u00f6rper und Seele, die dabei hilft, Wissen zu erwerben und diesem letzten Ziel n\u00e4her zu kommen.<\/p>\n<p>Der Gedanke, dass die Wirklichkeit in ihrer F\u00fclle und somit der eigentliche Sinn des Lebens, erst im ewigen Leben erkannt werden wird, ist heute kaum mehr vermittelbar und erscheint vielen Zeitgenossen als unzul\u00e4ssige Vertr\u00f6stung auf das Jenseits und eine Flucht vor der Welt. Prof Hoye stellte die These auf, dass unsere zeitgen\u00f6ssische Hervorhebung der Gesellschaft eine S\u00e4kularisierung des christlichen Glaubens an ein Leben nach dem Tode sei, da zB nach Max Horkheimer, &#8222;der Sinn, den \u00a0jede Handlung durch den Gedanken an die Ewigkeit gewann, durch die Verabsolutierung des Kollektivs ersetzt wird, in das die Individuen sich einbezogen f\u00fchlen&#8220; und da heute im Gegensatz zum \u00fcberwiegenden Teil der bisherigen Geschichte, die &#8222;Wirklichkeit&#8220; in der subjektiven\u00a0und gegenw\u00e4rtigen Erfahrung verortet wird, nicht in der zuk\u00fcnftigen des ewigen Lebens.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1358.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2296\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1358.jpg\" alt=\"IMG_1358\" width=\"405\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1358.jpg 480w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1358-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was aber ist mit der Liebe im ewigen Leben? Nach Robert Spaemann ist &#8222;das, was das sittliche\u00a0Handeln motiviert &#8211; n\u00e4mlich die Liebe zugleich das, dessen Erf\u00fcllung als Seligkeit gedacht wird&#8220;. Und C.S. Lewis f\u00fcgt hinzu, dass wir im Himmel diejenigen, die wir im irdischen Leben geliebt haben, auch dort lieben werden, weil wir alle in Gott wiederfinden und sie in ihrer Wahrheit und Eigentlichkeit erleben werden. &#8222;Wenn wir ihn mehr lieben als sie, werden wir sie mehr lieben als jetzt&#8220; (C.S. Lewis in &#8222;Was man Liebe nennt&#8220;). Die Liebe findet also auch ihre Erf\u00fcllung und somit ihre Wirklichkeit in Gott, ohne dass die &#8222;pers\u00f6nliche Liebe&#8220;\u00a0verloren geht.<\/p>\n<p>Wie kann man in diesem Sinn &#8222;Wirklichkeit&#8220; definieren? Es gibt Wirklichkeit<em>en <\/em>und<em> die <\/em>Wirklichkeit. Unser Bewusstsein wird von Wirklichkeit gepr\u00e4gt, wenn man z.B einen Gegenstand anfasst und sich diesen Vorgang (anfassen, Art des Gegenstands) im Bewusstsein einpr\u00e4gt. Zwischen\u00a0Erkennbarkeit einer Wirklichkeit und dieser Wirklichkeit selbst besteht im Menschen jedoch eine Distanz, wir k\u00f6nnen Wirklichkeiten nur durch Bewusstmachen erkennen. Das erm\u00f6glicht es uns jedoch auch, zwischen einer (wirklichen) M\u00f6glichkeit und einer Wirklichkeit zu unterscheiden. Bei Gott ist das anders: er hat nicht eine Wirklichkeit sondern ist <em>die<\/em> Wirklichkeit selbst. W\u00e4hrend Menschen im jetzigen Zustand Wirklichkeiten bewusst begegnen (d.h. erkennen, erfahren, begreifen etc) und in diesen bzw durch diese gewisserma\u00dfen der Wirklichkeit selbst, verh\u00e4lt es sich bei Gott genau umgekehrt: Er erkennt sein Wesen und darin die Einzelwirklichkeiten. Nach Thomas kommt so auch das ewige Leben zustande:\u00a0&#8222;Am Tische Gottes also essen und trinken jene, die dieselbe Gl\u00fcckseligkeit genie\u00dfen, in der Gott gl\u00fcckselig ist, da sie ihn auf jene Weise schauen, auf die er sich selbst schaut.&#8220; Da aber alles in Gott enthalten ist, lenkt die auf Gott gerichtete Aufmerksamkeit auch nicht ab von der Aufmerksamkeit auf anderes. Dabei wird die Gottesschau aus Staunen bestehen, die gewisserma\u00dfen ein Ausdruck der Unwissenheit ist, die zur menschlichen Natur geh\u00f6rt. Nach Thomas wird die Herrlichkeit die \u00a0Natur zwar vollenden aber nicht zerst\u00f6ren. Weder die Gnade noch die Herrlichkeit verletzen die Natur des Menschen. &#8222;Daher wird eine Unvollkommenheit, die zur Natur geh\u00f6rt, durch das Glorienlicht nicht behoben.&#8220; Dem geschaffenen Intellekt fehlt die M\u00f6glichkeit des umfassenden Begriffs (Begreifens) &#8211; eine\u00a0Eigenschaft, die auch nicht durch das Herrlichkeitslicht aufgehoben wird. Dieses Defizit jedoch sorgt daf\u00fcr, dass das ewige Leben nicht langweilig sein wird &#8211; denn &#8222;nichts, was mit Bewunderung betrachtet wird, kann \u00fcberdr\u00fcssig werden&#8220; und alles was Bewunderung erregt, bewegt das Verlangen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1363.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2299\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1363.jpg\" alt=\"IMG_1363\" width=\"375\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1363.jpg 480w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1363-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1359.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2302\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1359.jpg\" alt=\"IMG_1359\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1359.jpg 640w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1359-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1364.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2305\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1364.jpg\" alt=\"IMG_1364\" width=\"375\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1364.jpg 480w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1364-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die\u00a0Ausf\u00fchrungen\u00a0des hl. Thomas und anderer Denker l\u00f6sten immer wieder lebhafte Diskussionen aus, die auch in den Pausen weiter gef\u00fchrt wurden<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1361.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2298\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1361.jpg\" alt=\"IMG_1361\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1361.jpg 640w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_1361-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am <strong>Samstagnachmittag<\/strong> wurde das Thema &#8222;Gotteserfahrung&#8220; durch P. Thomas Gabriel Brogl aus zwei\u00a0anderen Perspektiven beleuchtet, n\u00e4mlich die des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hesychasmus\">Hesychasmus<\/a>, einer ostkirchlichen Str\u00f6mung und die von Meister Eckart.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011427.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2311\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011427-768x1024.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"540\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011427-768x1024.jpg 768w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/P1011427-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Westkirche h\u00e4lt die Ostkirche\u00a0eine Gottesschau schon im jetzigen Leben f\u00fcr m\u00f6glich. Die Betrachtung einer Verkl\u00e4rungsikone verdeutlicht, in welcher Weise das gemeint ist. Die Verkl\u00e4rung ist gleichzeitig Weg und Ziel des Menschen. Die beiden Gestalten neben Christus sind Mose und Elia, Symbole des Todes, die die Auferstehung schauen. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mandorla\">Mandorla<\/a>\u00a0um Christus besteht aus konzentrischen Kreisen, von denen der innerste dunkel ist. Er steht f\u00fcr die Unerkennbarkeit Gottes. Christus, in dem sich Gott zu erkennen gibt, steht vor diesem dunklen Kreis. Von Christus gehen in Form eines F\u00fcnfecks Strahlen aus, die als erfahrbare Wirkkr\u00e4fte oder &#8222;Energien&#8220; \u00a0gedeutet werden, da sie auf die der Verkl\u00e4rung beiwohnenden Apostel gerichtet sind. Nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gregorios_Palamas\">Gregorius Palamos<\/a>, dessen Lehre in der Ostkirche als verbindlich gilt,\u00a0\u00a0ist das Wesen Gottes zwar unzug\u00e4nglich, die von ihm ausgehenden Energien jedoch z.B. in der Kontemplation erfahrbar. Sie sind wie Gottes Wesen selbst ungeschaffen.\u00a0Diese Energien sind eine Schau im jetzigen Leben \u00a0durch den hl. Geist. Der K\u00f6rper als Tempel des hl. Geistes vermittelt der Seele diese g\u00f6ttlichen Gnaden. Er muss daf\u00fcr disponiert werden, was in der im Hesychasmus durch die Gebetspraxis des Herzensgebetes geschieht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/MeisterEckert_Au1-200x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2338\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/MeisterEckert_Au1-200x300.jpg\" alt=\"MeisterEckert_Au1-200x300\" width=\"300\" height=\"450\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Dominikaner Meister Eckhart (1260-1328) ,\u00a0f\u00fchrt auf einen wiederum anderen Weg. Er spricht von einer Erfahrung der Einheit im innersten &#8222;Grund&#8220;, in der Gottes Grund und der Grund des Menschen ein und dasselbe gebiert. Auf diese Weise gebiert der Vater den Sohn nicht nur in sich selbst (also in der Trinit\u00e4t), sondern auch &#8222;im Innersten des Geistes und das ist die innere Welt&#8220;. Bei Meister Eckhart ist die Erfahrung jedoch nicht ein Erkenntnisvorgang, ein Willensakt oder ein erlebnism\u00e4\u00dfiges Versp\u00fcren. Das Verstehen vollzieht sich als ein unverf\u00fcgbares Empfangen, auf das man sich auch nicht pr\u00e4disponieren kann. Die Grund-Erfahrung ist weiselos &#8211; also nicht auf eine bestimmte Weise herstellbar. Sie ist unableitbar unmittelbar, nicht sachhaft beschreibbar, und durchbricht alles Seiende, also auch die allt\u00e4gliche Erfahrung. Eckhart beschreibt sie als die Geburt des Sohnes aus dem Vater im Grund der Seele. Dabei ist\u00a0dies ein dynamisches und relationales Geschehen, das in jedem Moment neu geschieht als Vollzug einer Einheit als Beziehung. Dennoch gibt es f\u00fcr Eckhart keine Vereinigung mit Gott, sondern eine schon immer bestehende Einheit in Nicht-Identit\u00e4t. Die Gottesgeburt ereignet sich st\u00e4ndig im Menschen, ob er will oder nicht. Um sie zu empfinden, muss man alles &#8222;lassen&#8220; (nichts wissen und nichts haben wollen) im Schweigen des Verborgensten der Seele, das keine Vorstellungen mehr kennt. Dort in der &#8222;Finsternis&#8220; vollzieht sich die Empf\u00e4nglichkeit. Diese Finsternis ist aber nicht d\u00fcster: ihr mangelt und fehlt nichts, sondern sie ist der Ort der &#8222;m\u00f6glichen Empf\u00e4nglichkeit, in der du vollendet wirst&#8220;. In ihr kann es auch eine Lichterfahrung geben, an der man jedoch nicht h\u00e4ngenbleiben, sondern im Unwissen verharren soll, denn dann wird das Unwissen mit dem \u00fcbernat\u00fcrlichen Wissen geadelt.<\/p>\n<p>Am <strong>Sonntag<\/strong> schlie\u00dflich wurde der Ausflug in die westliche Denkweise und Lehre des Thomas von Aquin durch Prof. Hoye fortgesetzt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mussten wieder Begriffe gekl\u00e4rt werden. Die uns bekannten Realit\u00e4ten\u00a0<em>haben<\/em> Sein. Wir erkennen oder erfahren sie, indem wir sie mit Hilfe des Bewusstseins &#8222;beleuchten&#8220;, erfassen dadurch jedoch nur ihre &#8222;Form&#8220;, nicht aber ihr Sein selbst.\u00a0Gott hat nicht Sein, sondern <em>ist<\/em>\u00a0reines Sein. Er vereinigt sich mit dem Bewusstsein als &#8222;das Verwirklichende&#8220; (als Licht) &#8211; er ist somit die Erkennbarkeit aller Dinge.<\/p>\n<p>Die jenseitige Gottesschau zeigt uns also, worauf es in diesem Leben ankommt. Nicht die Praxis ist wichtig, sondern die &#8222;Theorie&#8220; (in dem Sinn wie der Begriff urspr\u00fcnglich angewendet wurde): das Bewusstwerden von Wirklichkeit und das Wandeln im erhellenden Licht der Wahrheit. Das zunehmende Erwachen zu dieser Wirklichkeit geschieht\u00a0im einzelnen Leben, aber auch die Freiheitsgeschichte besteht darin. Der Sinn der Moral ist das Wachstum der Wirklichkeitsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Auch wenn die direkte Gotteserfahrung dem ewigen Leben vorbehalten bleibt, gibt es im jetzigen nach Thomas doch die implizite Gotteserfahrung, da &#8222;nichts erkennbar ist, wenn nicht durch eine \u00c4hnlichkeit der Urwahrheit&#8220;- die Gott ist.<\/p>\n<p>Daher ist auch jede Liebe zu einer Wirklichkeit implizit Liebe zu Gott. Jedes Streben entsteht aus Liebe und zielt auf etwas Gutes. Das trifft auch auf die Selbstliebe zu, denn nach Thomas ist das Streben nach Gott identisch mit dem Streben nach Selbstverwirklichung. Im Streben und Sehnen nach Gott, lieben wir gleichzeitig uns selbst, indem wir f\u00fcr uns das h\u00f6chste Gut wollen. Denn jedes Ding, das nach seiner Vollkommenheit strebt, strebt nach \u00c4hnlichkeit mit Gott. Daher hat jede Neigung des Willens, auch des sinnlichen Begehrens ihren Ursprung aus der Liebe und das Ziel aller menschlichen Handlungen und allen Verlangens, der Ursprung des aktiven Lebens \u00a0ist die Gottesliebe.<\/p>\n<p>Jedoch\u00a0hinterl\u00e4sst\u00a0die menschliche Liebe, auch die erotische,\u00a0den Schmerz des letztlichen Unerf\u00fclltbleibens &#8211; und begr\u00fcndet so die Vision der Seligkeit.<\/p>\n<p>Dennoch reicht die Liebe weiter als Erfahrung oder Erkenntnis. Erfahrung reduziert den Gegenstand auf das Bewusstsein w\u00e4hrend Liebe auf den Gegenstand selbst gerichtet ist und \u00fcberErkenntnis hinaus gelangt. So kann man also Gott selbst lieben, obwohl man ihn nicht erkennen kann.\u00a0Die menschliche Erkenntnis bleibt im Diesseits unf\u00e4hig, Gott unmittelbar zu erkennen, die Liebe jedoch ist in der Lage, Gott unmittelbar zu erreichen.\u00a0\u00a0Somit reicht die\u00a0Gottesliebe weiter als die Gotteserfahrung,\u00a0denn sie ist es, die die Geschichte in die Ewigkeit \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mit diesen Gedanken ging ein\u00a0Einkehrwochenende zu Ende, das den Teilnehmern nach guter dominikanischer Tradition noch lange Anregung zur Kontemplation und hoffentlich auch zum Weitergeben im Sinne des hl.Thomas und dem daraus abgeleiteten Motto des Ordens sein wird. Bleibt noch zu erw\u00e4hnen, dass der inhaltliche Teil, der ja selbst auch eine geistig-geistliche \u00dcbung darstellte, in einen geistlichen\u00a0Rahmen von Stundengebet und Eucharistiefeier eingebettet war, die wir zum gro\u00dfen Teil mit unseren Gastgeberinnen, den <a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2210\">Landsberger Dominikanerinnen<\/a> feierten.\u00a0Auch die informellen Gespr\u00e4che an den Abenden beim Wein \u00fcber Gott und die Welt\u00a0kamen nicht zu kurz. Unser besonderer Dank gilt den Schwestern, vertreten durch Sr. Antonia, die uns schon zum dritten Mal in Landsberg beherbergten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautete der Titel\u00a0 spannender Einkehrtage der Dominikanischen Laien am Wochenende vom 13.-15. November im Dominikanerinnenkloster zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Landsberg am Lech, an\u00a0dem auch die Postulanten des Br\u00fcderzweiges des Ordens teilnahmen. Die Tage in Landsberg waren eine\u00a0intellektuelle\u00a0Herausforderung, bei der &hellip; <a href=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=2275\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[1],"tags":[140,7,204,203,30],"class_list":["post-2275","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-dominikanerinnenkloster-zur-heiligsten-dreifaltigkeit","tag-dominikanische-laien","tag-einkehrtag","tag-gotteserfahrung","tag-laiendominikaner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2275"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2431,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275\/revisions\/2431"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}