{"id":1022,"date":"2014-02-16T15:37:11","date_gmt":"2014-02-16T14:37:11","guid":{"rendered":"http:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=1022"},"modified":"2014-04-05T12:10:27","modified_gmt":"2014-04-05T11:10:27","slug":"ein-brief-vom-ordensmeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dominikanische-laien.de\/?p=1022","title":{"rendered":"Ein Brief vom Ordensmeister"},"content":{"rendered":"<p>In Vorbereitung auf das gro\u00dfe Ordensjubil\u00e4um 2016 ist 2014 das Jahr der Dominikanischen Laien. Dies hat der Ordensmeister Bruno Cador\u00e9 zum Anlass genommen, uns einen Brief zu schreiben, den wir hier in der englischen \u00dcbersetzung ver\u00f6ffentlichen. Der Brief ist au\u00dferdem als PDF im internen Bereich hinterlegt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/ordensmeister_475.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1023\" alt=\"ordensmeister_475\" src=\"http:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/ordensmeister_475.jpg\" width=\"475\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/ordensmeister_475.jpg 475w, https:\/\/dominikanische-laien.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/ordensmeister_475-300x213.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 475px) 100vw, 475px\" \/><\/a><\/p>\n<p>FRATRES ORDINIS PRAEDICATORUM CURIA GENERALITIA<\/p>\n<p>Rom, 22. Dezember 2013<\/p>\n<p>Novene des Ordensjubil\u00e4ums (2014).\u00a0DieDominikanischen Laien und die Verk\u00fcndigung<\/p>\n<p><i>\u00a0&#8222;Danach aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgie\u00dfe \u00fcber alles Fleisch: Eure S\u00f6hne und T\u00f6chter werden Propheten sein, eure Alten werden Tr\u00e4ume haben und eure jungen M\u00e4nner haben Visionen .&#8220;\u00a0<i>(Jo\u00ebl 3,1)<\/i><\/i><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>mit gro\u00dfer Freude schreibe ich diesen Brief \u2013 am Jahrestag der Best\u00e4tigung des Ordens \u2013 um das Jahr der Jubil\u00e4umsnovene zum Thema \u201eDie dominikanischen Laien und die Verk\u00fcndigung\u201c zu er\u00f6ffnen. Dieses Jahr folgt auf das Jahr des Glaubens, das von Papst Benedikt XVI. er\u00f6ffnet wurde, der der Synode zum Thema Neuevangelisierung und Weitergabe des christlichen Glaubens vorstand, in deren Verlauf das Andenken der Er\u00f6ffnung des II. Vatikanischen Konzils geehrt wurde. Dieses Jahr des Glaubens fand seinen Abschluss in der Ver\u00f6ffentlichung des Apostolischen Schreibens <i>Evangelii Gaudium <\/i>von Papst Franziskus.<\/p>\n<p>Wir wollen also unsere Aufmerksamkeit auf die dominikanischen Laien richten, zu einer Zeit, in der der Predigerorden besonders aufgerufen ist, sich diesen vielf\u00e4ltigen Appell zu erneuertem Eifer f\u00fcr die Neuevangelisierung zu Herzen zu nehmen. So hat das j\u00fcngste Generalkapitel der Br\u00fcder f\u00fcr die Feier des Jubil\u00e4ums dieses einfache und radikale Motto als Thema gew\u00e4hlt: <b><i>\u201eGesandt, um das Evangelium zu verk\u00fcndigen\u201c<\/i><\/b>. Dies ist ein Echo der Aussendung der ersten Br\u00fcder als Prediger im Dienst der Kirche, die vollkommen f\u00fcr die Verk\u00fcndigung des Wort Gottes lebten. Das Motto ist einfach, denn es richtet unsere Aufmerksamkeit darauf, was im Zentrum des Dienstes steht, den die Kirche vom Orden erwartet: das Evangelium verk\u00fcnden. Es ist radikal, denn es erinnert uns daran, dass wir \u2013 trotz aller Schwierigkeiten, denen wir begegnen m\u00f6gen, und trotz unserer eigenen inneren Ungewissheit dar\u00fcber, was wir sein und tun sollen \u2013 zu allererst dieser \u201eAussendung\u201c zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen, aus der wir unsere Identit\u00e4t sch\u00f6pfen. Vielleicht heute mehr denn je soll das Thema der dominikanischen Laien uns helfen, immer besser zu erkennen, dass wir alle, als Mitglieder der Dominikanischen Familie, <i>gemeinsam gesandt <\/i>sind, um <i>durch die Verk\u00fcndigung des Evangeliums des Friedens, dem Gespr\u00e4ch Gottes mit der Welt zu dienen<\/i>.<!--more--><\/p>\n<p><b>Eine \u201edominikanische Gemeinschaft\u201c, gesandt, um das Evangelium zu verk\u00fcndigen <\/b><\/p>\n<p>Seit den Anfangszeiten des Ordens haben sich die Dinge selbstverst\u00e4ndlich ver\u00e4ndert. Zum Beispiel hat die Kirche ihre \u00dcberlegungen zur Predigt weitergef\u00fchrt. Sie hat auch ihre \u00dcberlegungen\u00a0zu den Laien und deren wesentliche Rolle im Zeugnis und in der Verk\u00fcndigung des Evangeliums weiterentwickelt. In dieser Hinsicht war das II. Vatikanische Konzil ein wichtiges Ereignis. In gleicher\u00a0Weise wird \u2013 anhand konkreter Erfahrungen \u2013 weiter dar\u00fcber nachgedacht, auf welche Art und Weise die Laien integraler Bestandteil von Orden und Kongregationen, von neuen Gemeinschaften und Traditionen des geistlichen Lebens sein k\u00f6nnen. Das Gemeinsame bei all diesen \u00dcberlegungen liegt in einer starken \u00dcberzeugung, die Paul VI. w\u00e4hrend des Konzils besonders betonte: Die Kirche wird zu dem, was sie wirklich ist, in dem Ausma\u00df, wie sie in der Welt zum Gespr\u00e4ch wird; das hei\u00dft, in jenem Ausma\u00df, in dem sie bei der Verk\u00fcndigung des Evangeliums in der Welt danach strebt zu bezeugen, dass der Gott der biblischen Offenbarung durch Jesus der Menschheit begegnet, um mit ihr ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p>Vor vielen Jahren hatte ich das Gl\u00fcck, am Leben einer Pfarrei in Haiti teilzunehmen, als kleine kirchliche Gemeinschaften entstanden, die man \u201eBruderschaften\u201c (\u201efraternities\u201c) nannte. In einigen anderen Pfarreien wandelte sich dann der Name zu \u201eTi Legliz\u201c (kleine Kirchen). Die beiden Bezeichnungen erinnern uns daran, dass \u201eBruderschaft\u201c [Gemeinschaft] in den ersten Jahrhunderten jener Name war, mit dem die Versammlungen der Kirche bezeichnet wurden. Die Bruderschaft, in der das Teilen des Glaubens und die menschliche Entwicklung eines jeden miteinander verwoben sind, war auch der Schmelztiegel von Zeugnis und Sendung. So wurde sie wie ein Siegel auf die Geburtsurkunde der Kirche gesetzt.<\/p>\n<p>Obwohl ganz klar ist, dass sich die Dinge seit den Anfangszeiten des Ordens entwickelt haben, sind wir doch oft gepr\u00e4gt von bestimmten Analogien, die uns daran erinnern m\u00fcssen, was das Feuer der Verk\u00fcndigung in Diego und Dominikus entz\u00fcndete: die Umw\u00e4lzung der Lebensart der Kirche durch die Ver\u00e4nderungen der feudalen Gesellschaft; das Heraufkommen neuer Wissensgebiete und der Zugang dazu; tiefgreifende Ver\u00e4nderungen der Organisation der Gesellschaften und der St\u00e4dte. Inmitten dieser Ver\u00e4nderungen entstanden Laiengruppen, die die Kirche dazu aufforderten, sich zu bewegen, sich herauszuwagen aus den zu fest gegr\u00fcndeten und zu starren Strukturen, die den ausgegossenen Geist zu ersticken drohten. Diese \u201eArmen\u201c und \u201eNiedrigen\u201c w\u00e4hlten ein Leben, das unterschiedliche Aspekte miteinander verkn\u00fcpfte: eine dem\u00fctige Pr\u00e4senz in der Welt; ein authentisches und lebendiges Wort, das als frohe Botschaft verk\u00fcndigt wurde; und eine gewisse Radikalit\u00e4t der Lebensweise. Sie waren beseelt von der Intuition, dass jene Radikalit\u00e4t, die in der vollen menschlichen Verfasstheit um des Evangeliums willen gelebt wird, der beste Weg sei, um das Wort Gottes zu \u201einterpretieren\u201c und die Gegenwart desjenigen zu bezeugen, der kommt, um die Welt zu erl\u00f6sen. Einige dieser Laiengruppen erhielten au\u00dferdem von Papst Innozenz III. die M\u00f6glichkeit, wandernd und bettelnd Verk\u00fcndigung zu betreiben [ein Leben als bettelnde Wanderprediger zu f\u00fchren]. Die \u201eDritten Orden\u201c der Mendikanten waren auf die eine oder andere Weise Erben dieser Bewegungen, die wir eindeutig von den Intuitionen [Vorahnungen] des Ordenslebens unterscheiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aus eben diesem G\u00e4rungsprozess einer Kirche, die die Kraft ihrer Authentizit\u00e4t zu erneuern sucht, wurde die \u201eHeilige Predigt von Prouilhe\u201c (\u201esacra praedicatio\u201c) geboren, als sich Laien dem Abenteuer des Dominikus anschlossen, das in seinen allerersten Anf\u00e4ngen steckte. Wenn ich diese Zeiten der Anf\u00e4nge heute erneut lese, werde ich unausweichlich daran erinnert, dass Dominikus, als er zun\u00e4chst die ersten konvertierten Schwestern aufnahm, die sich unter seinen Schutz stellen wollten, dann Ermengarde Godoline und ihren Mann Sanche Gasc (8. August 1207), sich dieses Abenteuer vorzustellen begann nach dem Vorbild jener Gruppe im Evangelium des hl. Lukas, die Jesus begleitete, \u201eder von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf wanderte und das Evangelium vom Reich Gottes verk\u00fcndete.\u201c (Lk 8, 1-3) Diese kurze Passage des Lukasevangeliums, die Jesus als Prediger darstellt, bildet den Kern des Berichts in den Kapiteln 7 bis 10. In deren Licht d\u00fcrfen wir uns freuen, dass wir unsererseits\u00a0nach dem Modell einer Bruderschaft \u201egesandt sind, um das Evangelium zu verk\u00fcndigen\u201c. In Weiterf\u00fchrung der \u201eHeiligen Predigt\u201c <i>werden wir als eine Familie gesandt<\/i>, um das Evangelium zu verk\u00fcndigen. So ist der Begriff der \u201eDominikanischen Familie\u201c nicht nur eine Weise, die Konvergenz zwischen mehreren Gruppen mit der gleichen Absicht zu benennen. Er dr\u00fcckt auch eine Modalit\u00e4t der Evangelisierung aus. Unter diesem Gesichtspunkt sind die dominikanischen Laien eine Erinnerung an diesen im Evangelium wurzelnden Anspruch.<\/p>\n<p>Die Einheit unseres Ordens stammt in der Tat aus seinem Auftrag zur Evangelisierung: die Laien, die Schwestern und die Br\u00fcder des Ordens sind Mitglieder derselben Familie, die ihre Identit\u00e4t dadurch erh\u00e4lt, gesandt zu werden, um das Evangelium zu predigen, indem sie Zeugnis ablegt von einem Gott, der kommt, um mit der Welt zu sprechen. Oder wir k\u00f6nnten eher sagen, die \u201edominikanische\u201c Identit\u00e4t ist genau die einer Familie \u2013 einer \u201e<i>Gemeinschaft\u201c <\/i>(<i>\u201ecommunio\u201c<\/i>) \u2013 die aus dieser organischen Verbindung zwischen Evangelisierung und Kontemplation der Wahrheit gebildet wird, die das lebendige Wort ist, das in die Welt kam. Dies bem\u00fchen wir uns in drei Formen zu gestalten, n\u00e4mlich in Gebet, Studium und Gemeinschaft, und zwar auf die unserem jeweiligen Lebensstand entsprechende Art und Weise. Im oben zitierten Lukasevangelium sind die Aussendung der Zw\u00f6lf und sp\u00e4ter die Aussendung der Zweiundsiebzig in Zusammenhang mit der Dynamik zu sehen, in der Jesus sich als das Wort offenbart, das die Verhei\u00dfung erf\u00fcllt und das Leben schenkt. Dieses Wort, das die Br\u00fcder vereint, muss man h\u00f6ren und in die Tat umsetzen. Als Papst Honorius III. die Prediger empfahl, pr\u00e4sentierte er sie als v\u00f6llig der Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes gewidmet. Aus dieser Weihe an das Wort Gottes durch Predigt und Kontemplation (\u201eHeilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.\u201c Joh 17,17) stammt unsere Einheit. In dieser Hinsicht ist die Dimension der Einheit der Dominikanischen Familie wesentlich, weil sie an die Sendung der Verk\u00fcndigung des Reiches Gottes gebunden ist (die Fortf\u00fchrung des Gebetes des Sohnes an den Vater im Johannesevangelium nennt explizit die Aussendung in die Welt und bittet um die Einheit: Joh 17,18-23).<\/p>\n<p>Der Predigerorden hat selbstverst\u00e4ndlich in der Kirche weder ein Monopol auf die Predigt noch auf die Evangelisierung. Mir scheint aber, dass seine \u201eBest\u00e4tigung\u201c vor fast acht Jahrhunderten ihn als \u201eHeilige Predigt\u201c dazu bestimmt, dem Charisma der Predigt in der Kirche zu dienen, mit anderen Worten, dieser wesentlichen Dimension der Kirche zu dienen, durch die sie selbst [die Kirche] begr\u00fcndet ist, wird verwirklicht durch die Gnade des Geistes Christi. Dieser Dienst nimmt nicht nur die Form eines Akts der Predigt oder der Evangelisierung an, sondern noch mehr, durch die Tatsache, dass eine Familie in ihrer Einheit durch die Predigt begr\u00fcndet wird, ist sie mitten in der Kirche Tr\u00e4gerin der Erinnerung, dass die Evangelisierung dazu beitr\u00e4gt, die Kirche als Bruderschaft und Gemeinschaft zu etablieren.<\/p>\n<p><b>Gespr\u00e4ch und Communio<\/b><\/p>\n<p>Im Lichte dieser drei Erinnerungen \u2013 die Kirche als Bruderschaft, die Anfangszeiten der heiligen Predigt des Ordens und die Einheit der Dominikanischen Familie \u2013 schlage ich euch vor, das Thema dieses Jahres aufzunehmen: \u201eDie dominikanischen Laien und die Verk\u00fcndigung\u201c und unsere \u00dcberlegungen davon inspirieren zu lassen. Die vorangehenden Gedanken lassen uns sp\u00fcren, dass die Formulierung dieses Themas uns recht weite Horizonte er\u00f6ffnet, damit wir besser begreifen, wie entscheidend das Engagement der Laien in der Dominikanischen Familie f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsauftrag des Ordens ist.<\/p>\n<p>\u201eSache der Laien ist es, kraft der ihnen eigenen Berufung in der Verwaltung und gottgem\u00e4\u00dfen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen. Sie leben in der Welt, das hei\u00dft in all den einzelnen irdischen Aufgaben und Werken und den normalen Verh\u00e4ltnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist. Dort sind sie von Gott gerufen, ihre eigent\u00fcmliche Aufgabe, vom Geist des Evangeliums geleitet, auszu\u00fcben und so wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt gewisserma\u00dfen von innen her beizutragen und vor allem durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen\u201c (<i>Lumen Gentium<\/i> 31).<\/p>\n<p>In dieser allgemeinen Perspektive k\u00f6nnen wir im Ausdruck \u201edominikanische Laien\u201c eine gewisse Vielfalt unter den M\u00e4nnern und Frauen erkennen, die heute aufgrund ihrer eigenen Taufgnade am Auftrag Christi \u2013 \u201edie Gegenwart Christi inmitten des Volkes lebendig werden zu lassen\u201c (<i>Prolog der Regel der Dominikanischen Gemeinschaften im Orden des Hl. Dominikus, 1968) \u2013 <\/i>teilhaben wollen, indem sie in die Schule des heiligen Dominikus gehen. Alle von ihnen sind als Laien berufen, \u201cmitten in der Menschheit die Gegenwart Christi auszubreiten, damit die g\u00f6ttliche Heilsbotschaft \u00fcberall auf Erden von allen Menschen erkannt und angenommen wird.\u201c (<i>Apostolorum actuositatem, Dekret \u00fcber das Laienapostolat des II. Vatikanums, Nr. 3<\/i>). Und alle sind eingeladen, dies zu tun, indem sie zum Aufbau dieser dominikanischen \u201eFamilie\u201c beitragen, die gesandt ist, das Evangelium zu predigen.<\/p>\n<p>Als dominikanische Laien, \u201everpflichten sie sich in enger und treuer Verbindung mit ihrer Berufung, sich vom Geist des heiligen Dominikus durchdringen zu lassen. In best\u00e4ndiger Kontemplation Gottes und in Verbindung mit dem Gebet und dem Studium werden sie festen Glauben finden. Je nach ihrer eigenen Stellung und nach dem Ma\u00df der empfangenen Gnade werden sie ihn kraftvoll verk\u00fcndigen, damit die Gl\u00e4ubigen, die ihren Glauben teilen, und diejenigen, die das Licht Christi nicht kennen, erleuchten werden k\u00f6nnen. So hat dank ihnen der Orden die M\u00f6glichkeit, sein Ziel in vollerem Umfang zu erreichen. Besonders f\u00fchlen sie sich gedr\u00e4ngt, die Probleme, die \u00c4ngste und die Bestrebungen der Menschen von heute wahrzunehmen und zu verstehen. Weil sie durch das Licht des Evangeliums im Geist der Kirche geleitet werden, werden sie in Verbindung mit allen Menschen guten Willens durch die Verk\u00fcndigung der Wahrheit alles fordern, was immer wahrhaft, recht und heilig ist. Sie werden so weit als m\u00f6glich danach streben, allen Menschen in einem Geist der Freude und der ehrlichen Freiheit zu helfen.\u201c (<i>Prolog der Regel der Dominikanischen Gemeinschaften im Orden des Hl. Dominikus, 1968<\/i>).<\/p>\n<p>Unter den dominikanischen Laien haben offensichtlich die Mitglieder der dominikanischen Laien-Fraternit\u00e4ten einen hervorragenden Platz, indem sie die Wahl treffen, sich f\u00fcr ihr ganzes Leben durch ein Versprechen zu binden, so dass sie an der Sendung Christi spezifisch als Mitglied des Ordens teilhaben. So zeichnen sie f\u00fcr das Engagement f\u00fcr das lebendige Wort nicht nur mit der zeitlichen Dauer ihrer Existenz als Getaufte, sondern auch mit dem Gleichgewicht all ihrer Verpflichtungen und ihres ganzen Lebens, &#8211; das alles soll \u201eVerk\u00fcndigung\u201c, Dienst am Gespr\u00e4ch Gottes mit der Welt sein. Zugleich zeichnen sie dem Orden in seiner ganzen Lebensdauer die Verpflichtung ein, das Wort zu predigen, indem sie diese Verk\u00fcndigung immer auf die Verfassung der Kirche Christi beziehen, und zwar durch ihre Suche nach Gemeinschaft und Einheit. Wir sind uns der Tatsache wohl bewusst, dass wir heute \u00fcber die Frage der Vielfalt innerhalb dieser Bruderschaften nachdenken m\u00fcssen. Gemeinsam m\u00fcssen wir nach einem Weg suchen, wie wir diese Vielfalt immer besser akzeptieren, f\u00f6rdern und kombinieren k\u00f6nnen, vereint im selben konkreten Zeugnis eines Lebens als Laien, das danach strebt, Verk\u00fcndigung zu sein.<\/p>\n<p>Es gibt auch andere M\u00f6glichkeiten, wie Laien sich dazu entscheiden, an dieser Sendung teilzuhaben und zur \u201eDominikanischen Familie\u201c zu geh\u00f6ren, ohne sich jedoch in dieser Form zu binden: Laien, die mit zahlreichen Schwesternkongregationen, einem bestimmten Konvent oder mit einem spezifischen dominikanischen Werk verbunden sind; Erben der mittelalterlichen \u201eMilizen\u201c; Mitglieder der Internationalen Dominikanischen Jugendbewegung; dominikanische Freiwillige; Mitglieder der Pater-Lataste-Gemeinschaften und der Bewegungen, die von seiner Bethanien-Vision inspiriert sind. Jede dieser Gruppen hat ihre eigene Art der Verbindung mit der Dominikanischen Familie.<\/p>\n<p>Und wie bei jeder Familie gibt es auch noch Freunde, die, obwohl sie sich nicht explizit dazu entschlossen haben, Mitglieder der Familie zu werden, doch Teil ihrer Sendung sind; und zwar entweder durch ihre Zusammenarbeit auf beruflicher Ebene, die sie im Geist des heiligen Dominikus fest verankern wollen (zum Beispiel Fachleute f\u00fcr Bildung, im Verlagswesen oder in den Medien), oder durch die Wahl besonderer Formen der Evangelisierung (wie es bei zahlreichen Laien der Fall ist, die sich f\u00fcr die Verk\u00fcndigung des Rosenkranzes gem\u00e4\u00df der dominikanischen Tradition engagieren). Der Begriff der Dominikanischen Familie bzw. der dominikanischen Gemeinschaft erlaubt es uns, alle diese Dimensionen [von Formen des Apostolats] mit den Nonnen, den Br\u00fcdern, den apostolischen Schwestern, den Mitgliedern der S\u00e4kularinstitute und der Priesterbruderschaften im Namen der Verk\u00fcndigung, der gemeinsamen Sendung f\u00fcr das Reich Gottes, in Respekt und Autonomie der je eigenen Berufung jedes und jeder einzelnen zusammen zu bringen (vgl. Bologna-Dokument).<\/p>\n<p>Diese Vielfalt ist wichtig, um den Sinn der Verbindung zwischen dominikanischen Laien und Verk\u00fcndigung zu erl\u00e4utern. Hier muss man sofort unterstreichen, dass die Bezeichnung \u201eVerk\u00fcndigung\u201c umfassend zu verstehen ist; nat\u00fcrlich unter Ber\u00fccksichtigung der Besonderheit der Verk\u00fcndigung in der Homilie w\u00e4hrend der Liturgie, wie sie in der Kirchenordnung festgelegt ist. \u201eEure S\u00f6hne und T\u00f6chter werden Propheten sein!\u201c Das Wort Gottes verk\u00fcndigen; das Reich Gottes ausrufen; das Evangelium des Friedens ank\u00fcndigen und predigen; die Gegenwart Christi verbreiten\u2026 Alle diese Ausdr\u00fccke sind ein Echo der Prophezeiung Jo\u00ebls: Alle werden Propheten sein; sie werden \u201eim Namen Gottes\u201c reden. Die Begriffe des II. Vatikanischen Konzils bringen die Eigenart der Laienberufung zur Verk\u00fcndigung klar zum Ausdruck. Und auf dieser Linie muss man die Verbindung der dominikanischen Laien mit der Sendung des Ordens zum Dienst an der Verk\u00fcndigung sehen. Diese Eigenart ist eine doppelte. Sie wird durch die spezifischen Bereiche der Gesellschaft bedingt, in denen die dominikanischen Laien leben und wo sie Christus bezeugen. In diesen Bereichen erm\u00f6glichen sie dem Orden durch ihren Dienst der Verk\u00fcndigung, seine Aufgabe zu erf\u00fcllen und \u201esein Ziel in vollerem Umfang zu erreichen\u201c. Die Eigenart liegt aber auch im entsprechenden Beitrag zum Orden und der dominikanischen Gemeinschaft. Das ist eine andere, komplement\u00e4re Weise, zur Erf\u00fcllung des Ordensauftrags beizutragen. Die bekehrten Frauen selbst machten Dominikus die Notwendigkeit bewusst, sie zu besch\u00fctzen. Und die ersten armen Waldenser machten deutlich, dass das Zeugnis f\u00fcr Radikalit\u00e4t auch das Zeugnis f\u00fcr das Evangelium tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Mir scheint, die dominikanischen Laien k\u00f6nnen der Verk\u00fcndigung des Ordens schon allein durch die Realit\u00e4t des Lebens als Laien erm\u00f6glichen, ihr Ziel in vollerem Umfang zu erreichen, und zwar in mehrerer Hinsicht. Wie f\u00fcr die Br\u00fcder und Schwestern des Ordens, ist die Verk\u00fcndigung der dominikanischen Laien in der eigenen Lebenserfahrung tief verwurzelt. Deswegen kommt der Reichtum ihres spezifischen Beitrags zur Verk\u00fcndigung des Ordens aus ihrer Erfahrung des Familien- und Berufslebens, aus ihrer Erfahrung der Elternschaft, aus ihrer Erfahrung des Lebens innerhalb der Kirche. Dieser Reichtum kommt auch aus ihrer Erfahrung jung zu sein in den heutigen Gesellschaften, sowie aus der ganz besonderen Erfahrung von Getauften, die von ihrem Glauben Zeugnis ablegen m\u00fcssen innerhalb einer Familie oder einer Gruppe von Freunden, mit denen sie t\u00e4glich und emotional verbunden sind, die aber den gleichen Glauben nicht teilen und die oft \u00fcberhaupt kein Verlangen danach haben\u2026 Au\u00dferdem erleben sie auf besondere Weise die Schwierigkeit des Glaubenszeugnisses: an vielen Orten der heutigen Welt konfrontiert die gew\u00f6hnliche Lebenssituation eines Laien ihn mit Gleichg\u00fcltigkeit, Skepsis und Unglauben, und zwar in ganz anderer Weise als die Ordensleute, und dies muss die Verk\u00fcndigung des ganzen Ordens bereichern. Ebenfalls erlebt ein Laie durch seine T\u00e4tigkeiten im beruflichen, famili\u00e4ren oder politischen Leben, wie sehr die christlichen Anforderungen der Br\u00fcderlichkeit und Wahrheit, nach denen er an der Verwandlung der Welt mitzu-wirken versucht, eine Form der Verk\u00fcndigung sind, die ganz grunds\u00e4tzlich mit seinem Lebensstand verbunden ist \u2013 und die sich mit der Verk\u00fcndigung der ganzen \u201eFamilie von Predigern\u201c verbindet.<\/p>\n<p>Durch alle diese Erfahrungen erf\u00e4hrt man Gott, seine Gegenwart, sein Wort und seine Vorsehung \u2026 Von Gott zu reden, bedeutet, zuzulassen, dass unsere menschlichen Worte vom Atem Gottes inspiriert werden, so dass sie die Gegenwart und das &#8222;Zusammenleben mit uns&#8220; von etwas, das gr\u00f6\u00dfer ist als wir alle, bezeugen. Das hei\u00dft aber auch, sich in den Tiefen unserer eigenen Erfahrungen von einer geheimnisvollen Resonanz der Erfahrung durchdringen zu lassen, die Gott selbst durch seinen Sohn von der menschlichen Verfasstheit machen wollte. Hierbei versteht sich von selbst, dass die Komplementarit\u00e4t der Verk\u00fcndigung der Laien und der Verk\u00fcndigung der Br\u00fcder oder der Schwestern, die in der Form des geweihten Lebens Mitglied der Dominikanischen Familie sind, sich aus der Komplementarit\u00e4t der Erfahrungen des menschlichen Lebens ergibt. Unter diesem Gesichtspunkt muss betont werden, dass es eine der Aufgaben der Dominikanischen Familie ist, sich so zu organisieren, dass diese vielf\u00e4ltigen Erfahrungen \u2013 und nicht nur die konkreten Akte der Evangelisierung \u2013 ins Gespr\u00e4ch kommen und einander die Gegenwart und Vorsehung Gottes lehren. Mir scheint, wir gehen allzu oft einfach davon aus, dass wir ohnehin gegenseitig darauf achten, was die Eigenart der Erfahrung bedeutet, heute in den verschiedenen Lebensst\u00e4nden Dominikaner oder Dominikanerin zu sein; dass wir w\u00fcssten, wie die anderen Mitglieder der Familie leben\u2026 Im Grunde glauben wir vielleicht zu oft, es sei m\u00f6glich, unsere \u201eFamilie\u201c aufzubauen, w\u00e4hrend die eigentliche Grundlage der Verk\u00fcndigung mit Schweigen \u00fcbergangen wird, die doch der fundamentale Ort des Wirkens der Gnade Gottes in jedem und jeder von uns ist. Um dem Gespr\u00e4ch Gottes mit der Welt zu dienen, muss man sich viel Zeit nehmen und \u00fcber die Mittel verf\u00fcgen, so dass man die Echos der zahlreichen Gespr\u00e4che auffangen kann, die Er in dieser Welt f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nach diesen Bemerkungen k\u00f6nnen wir sagen, dass die dominikanischen Laien die Art und Weise bereichern, wie der Orden Tag f\u00fcr Tag lernen muss, \u201edie Welt zu lieben\u201c, der zu predigen er gesandt wurde. Dies sollte nicht nur mittels gr\u00fcndlicher und zweckdienlicher Untersuchung geschehen, sondern auch dadurch, dass der Orden sich \u201everletzlich\u201c macht f\u00fcr die unterschiedlichen Welt-Erfahrungen der Mitglieder der Dominikanischen Familie. Dabei wird \u00fcbrigens der Orden in seiner Vielfalt lernen, es zuzulassen, dass die verschiedenen Auslegungen des Wortes, die mitten in diesen Erfahrungen entstehen, bei ihnen Spuren hinterlassen. Die Bibel in der einen Hand, eine Zeitung in der anderen, sagten einige unserer \u00c4lteren gern. Diese Einstellung wird noch durch den Austausch der Erfahrung vervollst\u00e4ndigt. Ausgehend davon, dass er sich dessen bewusst wird, wird der ganze Orden seine \u00dcberzeugung immer weiter best\u00e4rken k\u00f6nnen, dass eine der ersten Aufgaben der Verk\u00fcndigung des Evangeliums darin besteht, es jedem Gespr\u00e4chspartner zu erlauben, seinen eigenen Platz im kommenden Reich Gottes wahrzunehmen und seine eigene Verantwortlichkeit zu entdecken, die er \u00fcbernehmen kann, indem er akzeptiert, seinerseits gesandt zu werden. Innerhalb des Ordens obliegt den dominikanischen Laien die Aufgabe, die anderen Mitglieder an diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu erinnern: Die Laien in der Kirche sind nicht blo\u00dfe Empf\u00e4nger der Verk\u00fcndigung, der Evangelisierung und der Pastoral, sondern sie sind genauso aufgerufen, darin eine aktive Rolle zu spielen.<\/p>\n<p><b>Den Eifer f\u00fcr die Evangelisierung in der Gemeinschaft erneuern<\/b><\/p>\n<p>Vor recht kurzer Zeit hat die Kirche den Begriff der \u201egeistlichen Familie\u201c eingef\u00fchrt. Dieser Begriff entspricht insbesondere den sogenannten \u201eneuen Gemeinschaften\u201c. Wenn man nicht einen Anachronismus bef\u00fcrchtete, k\u00f6nnte man wagen zu sagen, in gewisser Weise h\u00e4tte die \u201eHeilige Predigt\u201c in ihren ersten Anf\u00e4ngen dieser Definition entsprochen, und die \u201eDominikanische Familie\u201c von heute sei deren Verwirklichung. Es besteht heute f\u00fcr die Kirche dringender Bedarf, ihren Eifer f\u00fcr die Evangelisierung zu erneuern; man \u00fcbertrifft sich dabei, diese Botschaft zu wiederholen. Das bedeutet zugleich f\u00fcr sie [die Kirche] selbst, durch die Macht und die Gnade der Verk\u00fcndigung zu erstarken und sich auszubreiten. Deshalb ist es dringlich, die Initiative der Verk\u00fcndigung nicht so zu betrachten, als w\u00e4re sie allein im in den klerikalen Gremien entstanden, sondern vielmehr als das Ergebnis einer gemeinsamen Initiative, durch welche die Kirche insgesamt sich selbst wesentlich ins Spiel bringt, indem sie ihren Zeitgenossen offensiv begegnet. Deshalb braucht die Kirche den Einsatz aller, um der Welt das Evangelium anzubieten und so das zu werden, was sie wesentlich ist. Wie k\u00f6nnten wir \u00fcbersehen, dass unser Orden von dieser Dringlichkeit betroffen ist? Als \u201eDiener des Charismas der Predigt\u201c ist der Prediger-orden dazu verpflichtet, das Charisma der Laien f\u00fcr die Evangelisierung zu f\u00f6rdern. Er hat die Pflicht, deutlich zu machen, dass es durch die Eingliederung der dominikanischen Laien in einer einzigartigen dominikanischen Gemeinschaft um den Aufbau der Kirche selbst geht. Von daher ist es doch f\u00fcr den Orden wie m\u00f6glicherweise f\u00fcr die Kirche so dringend notwendig zu erw\u00e4gen, dass der Horizont der Evangelisierung nicht mehr ohne ein tragf\u00e4higes Gespr\u00e4ch mit allen definiert werden kann: den Laien, den Geistlichen und den geweihten Personen, und dabei besonders auf die Erfahrung und den missionarischen Eifer der Laien zu achten.<\/p>\n<p>Mehrere Elemente halte ich f\u00fcr entscheidend, wenn es um den spezifischen Beitrag der dominikanischen Laien zur Erneuerung des Eifers f\u00fcr die Evangelisierung der gesamten Dominikanischen Familie geht. Zuerst, obwohl es eine banale Feststellung sein mag, erinnern die Laien alle daran, dass eine evangelische Vision wie diejenige des Dominikus sich nicht auf eine Umsetzung im geweihten Leben reduzieren l\u00e4sst. Bei geistlichen Familien besteht immer das Risiko, dass man Unterschiede sich festsetzen l\u00e4sst, aus denen implizit falsche Hierarchien entwickelt werden k\u00f6nnen: geweiht oder nicht; Priester oder nicht; Mann oder Frau; jung oder alt. Wir m\u00fcssen untereinander die Einfachheit und zweifellos auch den Mut haben, dieser Versuchung entgegenzutreten und Abhilfe zu schaffen. Nur so werden wir das Charisma der Predigt am besten in den Dienst einer geschwisterlichen Kirche stellen. Und auch, indem wir den dominikanischen Laien zuh\u00f6ren, wenn sie von den Freuden, aber auch von den Schwierigkeiten erz\u00e4hlen, die bei ihrem kirchlichen Engagement auftreten. Zu oft sehen sie, dass \u2013 obwohl die Unterst\u00fctzung der Laien im Allgemeinen lebhaft begr\u00fc\u00dft wird \u2013 ihre Initiativen, ihre theologische Ausbildung, ihr theoretisches und praktisches Wissen und ihre menschliche Erfahrung nicht so aufgenommen werden, wie es w\u00fcnschenswert w\u00e4re; es ist, als ob der Stellenwert der \u00c4u\u00dferungen eines jeden im kirchlichen Gespr\u00e4ch mit zweierlei Ma\u00df gemessen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Beteiligung von dominikanischen Laien an der Verk\u00fcndigung zu betonen, bedeutet gem\u00e4\u00df der Tradition des Ordens, auf der Forderung des Studiums zu bestehen. Die Predigt muss, wie bereits anfangs erkl\u00e4rt, im Gleichgewicht der drei Formen der Kontemplation, n\u00e4mlich des Gebetes, des Studiums und der Gemeinschaft, gegr\u00fcndet sein. Die Askese des Studiums ist erforderlich, um das Wort zu verk\u00fcndigen, um das Streben der heutigen Welt nach der Wahrheit zu h\u00f6ren, um zu versuchen, die bestm\u00f6glichen Bedingungen f\u00fcr den Dialog mit den Kulturen und den neuen Wissensgebieten zu schaffen. Der Orden darf nie aufh\u00f6ren, \u201eStudent\u201c zu sein, damit das Zeugnis und die Worte des Glaubens im Studium die Kenntnis der kirchlichen Tradition, die Konsequenz und die Objektivit\u00e4t finden, um f\u00fcr die Gespr\u00e4chspartner wirkliche Wege der Freiheit zu \u00f6ffnen, damit sie ihr eigenes Glaubensverst\u00e4ndnis in der Kirche entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Vielfalt der konkreten Situationen, in denen die Laien leben, ist auch eine hervorragende Bereicherung f\u00fcr die gesamte Dominikanische Familie. Diese Vielfalt erlaubt uns, nicht der simplen Vorstellung zu erliegen, die menschlichen, pers\u00f6nlichen, famili\u00e4ren oder sozialen Realit\u00e4ten k\u00f6nnten eindeutig oder mit einem \u201etheoretischen\u201c Konzept dargestellt werden, das sehr leicht normativ oder verk\u00fcrzt wird. Gerade in der konkreten Erfahrung stellen sich die Fragen nach dem Leben als Ehepartner, nach der Kindererziehung, der Verantwortung im Beruf, der Unsicherheit des Arbeitsplatzes, nach dem Lebensstandard, den politischen oder sozialen Engagements. In der konkre-ten Erfahrung werden auch solche Situationen wie die Trauer um den Ehepartner oder um ein Kind erlebt, die manchmal schwierigen Zeiten w\u00e4hrend einer beruflichen Neuorientierung, die Phasen des \u00dcbergangs zum Ruhestand, die Behinderungen des hohen Alters. Im konkreten Leben der dominikanischen Laien stehen all diese Erfahrungen im st\u00e4ndigen Dialog mit ihrem Engagement zur Verk\u00fcndigung des Evangeliums. Deswegen leisten sie innerhalb der Dominikanischen Familie einen unvergleichlichen Beitrag zum Verst\u00e4ndnis des Wortes Gottes.<\/p>\n<p>Wenn die Kirche heute die Notwendigkeit einer Erneuerung der Evangelisierung unterstreicht, stellt sie oft fest, dass die S\u00e4kularisierung eine zentrale Herausforderung f\u00fcr die Verk\u00fcndigung des Reiches Gottes darstellt. Auch hier muss der spezifische Charakter der Erfahrungen betont werden, die die Laien in ihrem beruflichen, freundschaftlichen und famili\u00e4ren Umfeld mit dieser S\u00e4kularisierung machen. Wie oft h\u00f6rt man unsere Br\u00fcder und Schwestern der Laiengemeinschaften von ihrer Trauer dar\u00fcber reden, dass ihre Familie sich in einer gewissen Gleichg\u00fcltigkeit immer mehr vom Glauben entfernt. Oder sie bringen ihr Gef\u00fchl von Einsamkeit zum Ausdruck, wenn es ihnen fast unm\u00f6glich erscheint, ihren Glauben in dem Umfeld, in dem sie leben und arbeiten, \u00f6ffentlich zu bekennen. Oder sie erz\u00e4hlen, dass sie mit Unverst\u00e4ndnis konfrontiert werden, wenn sie versuchen zu zeigen, dass das von Wissenschaft und Technik gepr\u00e4gte moderne Denken und die Glaubens\u00fcberzeugungen und ihre Werte nicht unbedingt in Widerspruch zu einander stehen! Sehr oft erkl\u00e4ren einige von ihnen auch, wie schwierig es angesichts sehr verschiedenartiger kultureller Kontexte ist, die rechte Haltung im jeweils aktuellen Kontext des religi\u00f6sen Pluralismus zu finden. Hier k\u00f6nnen die dominikanischen Laien der gesamten Dominikanischen Familie helfen, in kreativer Weise eine Verk\u00fcndigung zu entfalten, die verst\u00e4ndliches Zeugnis und klare Sprache miteinander verbindet.<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Komplementarit\u00e4t k\u00f6nnte das Engagement der Dominikanischen Familie in der gemeinsamen Sendung der Evangelisierung sich heute eine Reihe von vorrangigen Zielen setzen. Selbstverst\u00e4ndlich ist es in erster Linie Sache jeder lokalen \u201eHeiligen Predigt\u201c unter Ber\u00fccksichtigung der konkreten Wirklichkeit, der eigenen Kultur des Landes und seiner spezifischen Kirchengeschichte diese Priorit\u00e4ten auszuw\u00e4hlen. Mir scheint aber, dass eine gemeinsame \u00dcberlegung der anderen Mitglieder der Dominikanischen Familie mit den Laien heute besonders n\u00f6tig ist, wenn man die Erneuerung der Evangelisierung mit den Familien, in der Welt von Schule und Erzie-hung und mit Ausrichtung auf Jugendliche ins Auge fasst. Ihre Erfahrung mit den zeitgen\u00f6ssischen praktischen Wissensgebieten sollte zur Unterst\u00fctzung herangezogen werden, um die Herausforderungen bei der Begegnung der Evangelisierung mit der wissenschaftlichen und technischen Kultur sowie mit den neuen sozialen Netzwerken besser bestimmern zu k\u00f6nnen. Nur mit ihnen gemeinsam, und wahrscheinlich, indem wir vor allem auf ihre Erfahrungen achten, k\u00f6nnen wir die S\u00e4kularisierung z\u00e4hmen, nicht nur hinsichtlich dessen, wo sie die gewohnte Wahrnehmung der Kirche durcheinander bringt, sondern auch insoweit sie neue Wege der Freiheit f\u00fcr die Evangelisierung er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>In dieser Zeit, in der wir zur Erneuerung der Evangelisierung aufgerufen sind, scheint es mir, dass der Predigerorden ganz besonders angesprochen ist, ein vorrangiges Augenmerk auf die F\u00f6rderung der Laienberufung innerhalb der Dynamik seiner Sendung zu richten, um das Evangeliums in die Welt zu tragen. Das w\u00e4re eine wunderbare Weise, der Kirche heute zu dienen. Zu diesem Zweck m\u00f6chte ich gewisse Mittel besonders hervorheben, die wir entwickeln k\u00f6nnten. Der Geist, in dem die unterschiedlichen Gruppen von dominikanischen Laien zu leben angesprochen wurden, muss von Freude, Freiheit und Einfachheit gepr\u00e4gt sein und bleiben. Auf diese Perspektive richten uns die neu redigierten Satzungen f\u00fcr die dominikanischen Laien seit dem Konzil aus. Die dominikanischen Laien-Fraternit\u00e4ten tragen eine herausragende Verantwortung in der gesamten Konstellation der unterschiedlichen Laiengruppen, weil sie sich verpflichten, in einem Leben ganz und gar als Laien das Gleichgewicht zwischen allen Dimensionen der Tradition des heiligen Dominikus zu verwirklichen. Wir m\u00fcssen dar\u00fcber wachen, dass die Laien-Fraternit\u00e4ten diese M\u00f6glichkeit zu einem Leben in der Schule des heiligen Dominikus anbieten, indem sie sich ganz bewusst absetzen von aller \u201eVermischung mit dem [regulierten] Ordensleben\u201c. Das sollen sie auch dadurch tun, dass sie Formalismen vermeiden, die zur Sklerose f\u00fchren w\u00fcrden. Es ist angezeigt, dass wir auch f\u00fcr das Entstehen anderer Formen des Lebens als Laien in der Familie offen bleiben, und dies genau auf Grund der oben erw\u00e4hnten Vielfalt der Erfahrungen. Die Herausforderung der Evangelisierung von Jugendlichen ruft uns zweifellos an, jene Gruppen, so gut wir es verm\u00f6gen, zu f\u00f6rdern, die an der Koordination der Internationalen Dominikanischen Jugendbewegung teilnehmen k\u00f6nnen. Diese Gruppen sollen nicht Gruppen f\u00fcr die \u201ePastoral\u201c f\u00fcr Jugendgruppen sein, sondern Gruppen, die sich bilden und ausbilden, damit sie Gruppen junger Missionare f\u00fcr die Jugendlichen selbst sein k\u00f6nnen (mit besonderer Sorge um jene Jugendlichen, die den Glauben nicht empfangen haben, und die nicht in Umst\u00e4nden leben, in denen man \u00fcberhaupt geistliche Traditionen findet). Im Laufe dieses Jahres erscheint es mir wichtig, dass die anderen Mitglieder der Dominikanischen Familie sich die Zeit nehmen zuzuh\u00f6ren, um die Laienberufung in der gesamten Sendung des Ordens zu kennen und besser zu verstehen, damit sie noch mehr an der F\u00f6rderung dieser Berufung teilnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn wir diese Dynamik des Lebens als dominikanische Laien weiterentwickeln, wird es uns dazu f\u00fchren, innerhalb der Kirche ein Nachdenken \u00fcber die Aktualit\u00e4t der Laienberufung f\u00fcr die Evangelisierung zu f\u00f6rdern, die alle Getauften etwas angeht. Wir werden auch dazu gef\u00fchrt, den Beitrag jener \u201eLaiengemeinschaften\u201c zum Aufbau lokaler kirchlicher Gemeinschaften zu reflektieren, die sich besonderen geistlichen Traditionen verschreiben. Ich lade die Theologinnen und Theologen der Dominikanischen Familie ein, uns bei dieser Reflexion zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>\u201eEure S\u00f6hne und T\u00f6chter werden Propheten sein&#8230;\u201c Dieses Jahr der Novene zur Vorbereitung auf das Ordensjubil\u00e4um dem Thema \u201eDie dominikanischen Laien und die Verk\u00fcndigung\u201c zu widmen, kann uns helfen besser zu verstehen, was das \u201eGesandtsein um das Evangelium zu verk\u00fcndigen\u201c, f\u00fcr uns als Dominikanische Familie bedeutet. Im Grunde werden wir alle dazu aufgerufen, unser Verlangen nach der Verk\u00fcndigung immer tiefer im Geheimnis unserer Taufe zu verwurzeln, die uns auf den Aufbau der Kirche in der Welt als Sakrament des Heils hinordnet. Ich lade alle Gemeinschaften des Ordens und alle Gemeinschaften und Gruppen der Dominikanischen Familie ein, sich im Laufe des Jahres Zeit zu nehmen, um dies zu vertiefen. Damit das geschieht, lade ich sie ein, die Fastenzeit zu nutzen, jede Woche eine Zeit der gemeinschaftlichen \u201e<i>Lectio divina<\/i>\u201c \u00fcber die Texte der f\u00fcnf Sonntage dieses liturgischen Jahres zu widmen \u2013 so k\u00f6nnen sie ihre Gemeinschaft neu gr\u00fcnden, indem sie den Weg durchlaufen, auf den die Kirche die Katechumenen einl\u00e4dt, von neuem geboren zu werden durch die Freude, das Evangelium zu verk\u00fcnden.<\/p>\n<p>fr. Bruno Cador\u00e9 OP<\/p>\n<p>Ordensmeister<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Vorbereitung auf das gro\u00dfe Ordensjubil\u00e4um 2016 ist 2014 das Jahr der Dominikanischen Laien. Dies hat der Ordensmeister Bruno Cador\u00e9 zum Anlass genommen, uns einen Brief zu schreiben, den wir hier in der englischen \u00dcbersetzung ver\u00f6ffentlichen. 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