Rose Elizabeth Thering OP – Todestag am 6. Mai 2006 – Stimme des jüdisch-katholischen Dialogs

Wenn Gläubige am Karfreitag in der Leidensgeschichte hören, Juden seien für den Tod Jesu verantwortlich, wundert es nicht, wenn Schüler für diese Schuldzuweisung im Religionsunterricht eine gute Note erwarten. Bereits vor 60 Jahren hatte Rose Thering (1920-2006) antisemtische Gerüchte in Religionsbüchern angeprangert, vor allem das vom angeblichen Gottesmord der Juden. 

Im Norden der USA aufgewachsen, störten Rose offene und verschlüsselte Intoleranz in religiösen Texten. Mit 16 wurde sie Dominikanerin, studierte und unterrichtete. Die Lehrerin war über die respektlose Darstellung von Juden in Lehrbüchern so schockiert, dass sie diese systematisch untersuchte. Ihre Ergebnisse veröffentlichte sie 1961 in ihrer Doktorarbeit. 

Vermittels eines Kardinals floss Therings Studie in ein Konzilsdokument ein, in dem gemäß Juden nicht als von Gott verworfen dargestellt werden dürfen, „als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern“. Schwester Rose wurde 1968 Professorin für jüdisch-christliche Studien und widmete sich dem Dialog zwischen Katholiken und Juden. Sie richtete Workshops zum Judentum für Schüler, Lehrer und Geistliche ein, organisierte 54 Exkursionen nach Israel und engagierte sich weltweit für Holocaust-Überlebende sowie unterdrückte Juden.

Therings bleibendes Erbe für die verlagsbranche und schulbuchzulassende Behörden: Keine antisemitische Einlassungen ins Religionsbuch! Finden Schüler darin vermeintliche Gründe für den Wunsch „der“ Pharisäer, Jesus müsse „endgültig verschwinden“, hören Sie dann noch im Karfreitagsevangelium die Aufforderung an Pilatus „Kreuzige ihn“, werden sie „die“ Juden allgemein für den Tod Jesu verantwortlich machen. Die Lüge vom Gottesmord wird weiter verbreitet, der Vorwurf im Bewusstsein gehalten. Dem entsprechend beginnt der Kampf gegen Judenhass damit, das Kriterium „frei von ausdrücklichem und verdecktem Antisemitismus“ in die Schulbuchzulassungsverordnung aufzunehmen.

Hr. Norbert Chabakuk Schmeiser OP

veröffentlicht in: Konradsblatt Ausgabe Nr. 18  Mai  2021, S. 13

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