Mariä Lichtmess

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Mariä Lichtmess, zwischen der Wintersonnwende und der Frühlingstagundnachtgleiche gelegen, hat nicht nur eine religiöse Bedeutung. Es markiert auch das Ende der dunkelsten Zeit des Jahres. In früheren Jahrhunderten war dies der Zeitpunkt, an dem in den Werkstätten wieder ohne zusätzliches Licht gearbeitet wurde.

Das Fest bezieht sich auf den im 2. Kapitel des Lukasevangeliums beschriebenen Besuch der Heiligen Familie im Tempel zu Jerusalem. Vierzig Tage waren seit der Geburt Jesu vergangen. Damit endete der mosaische „Mutterschutz“ und Maria konnte wieder den Tempel besuchen. Dies war auch die Gelegenheit ihren Sohn Gott darzustellen.

Der traditionelle Name des Festes, Mariä Lichtmess ist offiziell durch die Bezeichnung „Darstellung des Herrn“ ersetzt worden. Dennoch ist der alte Name der populärere geblieben. Ein Anlass einmal über den Ursprung und Sinn der Marienverehrung in den christlichen Traditionen zu reflektieren. Christliche Traditionen in Mehrzahl, denn die Marienverehrung findet sich in allen alten Kirchen. Bei den Katholischen und den Orthodoxen ebenso wie bei Kopten, Armeniern oder Thomaschristen. Selbst bei den Nestorianern gibt es Marienverehrung und hier wird es interessant, denn diese Kirche lehnt die Titel Gottesgebärerin oder Muttergottes für Maria ab. Die Marienverehrung der Kirche des Ostens, wie sich die Nestorianer selbst bezeichnen, bezieht sich also auf etwas anderes.

Tatsächlich zielen die ältesten Dokumente zur Marienverehrung nicht auf ihre Mutterschaft, sondern auf ihre Partnerschaft mit Jesus. So wie Christus der neue Adam ist, so ist Maria die neue Eva. Obschon Paulus nur vom neuen Adam schrieb, wussten die frühen Christen, dass auch die neue Eva mitgemeint war. Dieses Mitgemeint sein kennen wir ja auch aus der deutschen Grammatik. Justin der Märtyrer (ca. AD 100-165) von dem wir die ausführlichsten Berichte über das frühe Christentum besitzen, schenkte uns auch die älteste erhaltene Bezeichnung Marias als neue Eva, in schriftlicher Form. Irenäus von Lyon (ca. AD 135-200) der erstmals die vier kanonischen Evangelien als verbindlich benannte, hat Marias Rolle als neue Eva ausführlicher beschrieben: die alte Eva sagte Ja zur Schlange, die neue Eva sprach ihr Ja zum Engel etc.

Jesus und Maria als neuer Adam und neue Eva sind auch ganz eng mit der Schöpfung verbunden. Den frühen Christen war es wichtig, dass die Erlösung der ganzen Schöpfung gilt. Irenäus hatte dafür das Bild der Knoten benutzt. Er beschreibt einen graduellen Abstieg, ausgehend vom Sündenfall, den er durch Knoten, die auf das Verhältnis zwischen Gott, Mensch und Schöpfung geknüpft werden symbolisiert. Mit jedem Knoten werden diese Beziehungen schwieriger und verheddern sich mehr und mehr. Mit dem Erscheinen des neuen Adam und der neuen Eva beginnt die Erlösung und die Knoten können gelöst werden.

Viele Christen haben diese Erlösung bereits in ihrem irdischen Leben erfahren. Wenn wir aber auf die Schöpfung als Ganzes blicken, scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Die Schöpfung seufzt mehr denn je.

Betrachten wir im irenäischen Sinne die Erlösung als das Lösen der Knoten, dann ist dies ein allmählicher Prozess. Eine Aufgabe die uns gegeben ist, als Menschen der neuen Schöpfung und als mystischer Leib Christi, um das Erlösungswerk fortzuführen und uns am Lösen der Knoten zu beteiligen.

Ein offensichtliches Beispiel sind die von Menschen verschuldeten ökologischen Katastrophen, die ihren Ursprung darin haben, dass wir die Knoten, die unser Verhältnis zur Schöpfung und zu den Mitgeschöpfen verunstalten, nicht gelöst haben. Wir haben vergessen, dass die Erlösung der ganzen Schöpfung gilt.

Maria ist, als neue Eva, auch Miterlöserin. Dies kommt besonders schön im Bild der Knotenlöserin zum Ausdruck. Lassen wir uns von ihr inspirieren und machen wir uns daran die Knoten in unserem Leben und in unseren Beziehungen (auch zu den Mitgeschöpfen) zu lösen.

Hr. Markus Maria Mössner OP

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