Walter Homolka: „Der Jude Jesus – eine Heimholung“

Im Anschluss an das Buch „Der Jude Jesus – eine Heimholung“ von Rabbiner Walter Homolka zeigt der Religionspädagoge Bernd Feininger Möglichkeiten auf, wie die Rezeption der jüdischen Herkunft und Identität Jesu durch jüdische Wissenschaftler für Liturgie, Dogmatik und Verkündigung fruchtbar gemacht werden kann (vgl. Bernd Feininger über das Buch „Der Jude Jesus – Eine Heimholung“ von Rabbiner Walter Homolka, in: Konradsblatt Ausgabe 42/2020, Seiten 22-23). So wäre etwa Jesus den Pharisäern zuzuordnen, zu denen er in Predigt- und Unterrichtsmaterialien häufig in Gegensatz gestellt wird. DerJournalist und Jurist Ronen Steinke weist auf weiteren Verbesserungsbedarf in der Eindeutschung und Übersetzung hebräischer Begriffe aus dem Judentum hin (vgl. Ronen Steinke, Die feinen Unterschiede. Was die Wahl der Worte über die Haltung gegenüber Juden verrät. Ein Essay von Ronen Steinke, in: Jüdische Allgemeine vom 14.09.2020). Zum Bespiel wird auch in der Einheitsübersetzung z.B. in Lk 6,1 fälschlicherweise das Wort „Sabbat“ als Bezeichnung für den Ruhetag verwendet, obwohl dessen erster hebräischer Buchstabe ein Schin (שׁ) für den Sch-Laut und kein „Sin“ für das stimmlose S ist. Richtig ist es hingegen, von „Schabbat“ zu reden. Die Eindeutschung als Sabbat bewirkt keine Sprecherleichterung gegenüber „Schabbat“, sie ist nicht notwendig. Ähnliches gilt für die Selbstbezeichnung des jüdischen Gedenkens an den Auszug aus Ägypten, nämlich „Pessach“ und nicht „Passah“ oder „Pascha“, was auch in der Einheitsübersetzung etwa in Mt 26,2 zu finden ist. In der Mitte des Wortes steht ein Samech (ס), das in der Aussprache mit dem stimmlosen „Sinidentisch ist; am Wortende steht ein Chet (ח) ähnlich dem „ch“-Laut und kein He (ה), das am Wortende fast stumm bleibt. Koscher (kaschir) wird immer wieder falsch mit „rein“ übersetzt, es bedeutet allerdings „tauglich“ und „geeignet“ – Nichtkoscheres verliert dann den vermeintlich „unreinen“ Beigeschmack. Diese sprachlichen Angewohnheiten werden von Jüdinnen und und Juden als Missachtung ihrer Religion verstanden. Aus Respekt gegenüber dem Judentum im Geiste eines ernstgemeinten Dialogs auf Augenhöhe ist die genannte Literatur dahingehend zu verbessern und Homolkas, Steinkes und Feiningers Ansatz weiter zu denken.

Norbert Habakuk, Waldshut

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