Ein Einblick in das Wiener Laiendominikanerleben

Bericht einer Wiener Postulantin

Was machen wir, die dominikanische Laiengemeinschaft in Wien, so und welche Themen sind bei uns gerade aktuell?

Mein Name ist Bianca und seit nunmehr einem Jahr habe ich die Laiengemeinschaft in Wien als Postulantin kennenlernen aber auch mitgestalten dürfen. So moderierte ich eines der Treffen Ende August 2020, wo wir zum gemeinsamen Austausch Bezug nehmend auf Fragen zu katholischen Orden und brisanten Themen der momentanen Zeit zusammenkamen. Dies war der Gruppe, aufgrund der vielen Geschehnisse und Veränderungen zu dieser Zeit, ein besonderes Anliegen und gerade für Arthur, der zur selben Zeit wie ich den Weg des Postulats beschritt, und mich war dies sehr wichtig! Praktischerweise ergab es sich davor, dass ich bei der „Marcia Francescana“ mitpilgern und dadurch mit Brüdern des Franziskanerordens Bekanntschaft schließen konnte. So konnte ich einige unserer Fragen direkt stellen, was die Recherche erheblich vereinfachte. Ich fand die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede der Orden sehr interessant, ebenso wie die unterschiedlichen Beweggründe der „Marciatori“ und ihren individuellen Wegen zum Glauben!

In der Laiengruppe wollten wir zum einen Raum finden, die persönlichen Gefühle in diesem Zusammenhang gegebenenfalls gemeinsam verarbeiten zu können und andererseits drängte es in uns, der eigenen Zugehörigkeit zur dominikanischen Familie und unserem Wissensschatz zu katholischen Orden generell nachzuspüren. 

Unser Ziel war es, zusammen zu Erkenntnissen zu gelangen, wie jeder von uns sich für die Themen der Gesellschaft einbringen und diese bereichern kann.

Einleitend beteten wir gemeinsam, was uns bereits positiv auf die kommenden Inhalte einstimmte und näher zusammenbrachte.

Beginnend mit Fragen wie „Welche Ordensgemeinschaften der katholischen Kirche sind mir bekannt?“, „Was weiß ich über diese?“,
„Welche Ansätze/ Aspekte an diesen Ordensgemeinschaften finde ich wichtig, interessant oder bereichernd?“ und „Wieso fühle ich mich im Prediger Orden beheimatet?“ sammelten wir Basisinformationen und ergänzten ein Plakat mit einem Überblick der katholischen Orden. Das Betrachten dieser Fragen brachte uns schnell auf die Spur, welche unterschiedlichen Aufgaben die Orden aktuell in der Gesellschaft übernehmen. Jeder konnte etwas beitragen, was spannend und gewinnbringend für die ganze Gruppe war. Bald gestalteten wir ein weiteres Plakat über den Predigerorden.

Die Frage „Warum bereichert der Dominikanerorden mein Leben?“ beschäftigte uns auch in einer kurzen Pause, in der wir uns mit mitgebrachten Köstlichkeiten stärkten. Diese Frage war immerhin sehr persönlich und gleichzeitig interessant, wie unterschiedlich der Orden in unseren Leben wirkt. Gleichzeitig sollte diese Frage auf die folgende gemeinsame Reflexion vorbereiten und überleiten.

Durch Fragen wie „Was sind meiner Meinung nach die brisanten Themen unserer momentanen Zeit?“, „Fällt mir etwas ein, wie der Dominikanerorden (oder ein anderer) in diesen Themen eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellt?“ und „Gibt es etwas, wo ich durch meine Verbundenheit zum Dominikanerorden die Themen der Gesellschaft bereichern kann?“ konnten wir einander aufmerksam zuhören, gegenseitig unterstützen und helfen, mit Herausforderungen (seien sie alltäglich oder besonders) gut umgehen zu können. Dies war insofern besonders schön, da jeder dort abgeholt werden konnte, wo er stand. Wo der ein oder andere gerade nicht weiterwusste, konnte jemand Anderes Erfahrungen einbringen. 

Abschließend gestalteten wir zusammen Vesper und Gebet und ließen die Themen des Tages gemeinsam ausklingen.

Im Oktober, wo Karin und Veronika ihre Versprechen erneuern und Ulrike ihr erstes Versprechen ablegen sollte, war auch die Zeit des Postulats vorbei und Arthur und ich sollten ins Noviziat aufgenommen werden – ein ganz besonderer Anlass also, zu dem diese Anschauung außerordentlich gewinnbringend war.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich das Postulat vor allem als gegenseitiges Kennenlernen gestaltet hat. Ein Vertrautwerden mit einer sehr familiären Gruppe, die einander durch persönliche Ideen, Erfahrungen und Stärken bereichert.

Ebenso hat sich die gemeinsame, durch die herrschenden Umstände sehr kleine Vesper zur feierlichen Aufnahme und Versprechensabgabe gestaltet. Die Atmosphäre war dabei besonders schön für mich: Gottes Liebe war im gesamten Gottesdienst spürbar, besonders durch die Freude, die man füreinander empfand. Diese Freude war sogar durch die Masken deutlich zu sehen und klang noch lange beim gemeinsamen Kaffee nach. Auch die Art der Gestaltung war herzlich – jeder packte mit an, sodass niemand die Vorbereitung oder das Wegräumen als Last empfinden musste. Wobei hier natürlich die gegenseitige Wertschätzung und Dankbarkeit füreinander betont werden muss, die einander entgegengebracht wurde. So hat Gabriele mit Pater Markus, unserem geistlichen Begleiter, immerhin alles organisiert und Veronika für gute Verköstigung trotz Covid-Maßnahmen gesorgt! Aufgrund derselben Umstände konnte vielleicht nicht jeder persönlich dabei sein, aber im Gebet waren wir trotzdem verbunden! Auch Irenäus, mit dem wir unseren ersten Fürsprecher im Himmel haben, wurde in die Feier eingebunden. 

Während des Gottesdienstes kam mir ein konkretes Bild in den Sinn, das vielleicht das Leben in der Gruppe ganz gut beschreibt: eine Familie. Da sind Vater und Mutter (Gott und die Kirche), die über alles einen liebevollen Blick haben und ein gutes Wachstum unterstützen. Gabriele und Pater Markus sind die ältesten Geschwister, die uns anderen helfen und in denen wir Vorbilder sehen. Arthur und ich sind gerade noch die Nesthäkchen gewesen, während auch Veronika, Karin und Ulrike bereits unterschiedliche Aufgaben zum guten Gelingen der Gemeinschaft übernehmen. Da dürfen Arthur und ich noch hineinwachsen. Dabei ist das Zusammentun keinesfalls hierarchisch. Jede Rolle bringt eigenen „Wind“ ins Zusammenleben.

Für Arthur und mich hat nun also ganz offiziell die Noviziatszeit begonnen, in der wir noch mehr über den Orden der Prediger und unsere eigene Berufung dorthin lernen und entdecken werden. Gestärkt durch den gemeinsamen Gottesdienst, der diesen neuen Abschnitt einleitete und dem Wissen, dass die Gruppe trotz Corona sichere und für alle angenehme Wege des Zusammenseins findet, freue ich mich schon auf das nächste interessante Treffen – vielleicht zum Thema Geschichte der katholischen Orden, was Arthurs Steckenpferd ist.

Frau Bianca Rosner

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