Herz Jesu-Fest – einfach nur Kitsch?

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Das Herz-Jesu-Fest und damit grundsätzlich die Herz-Jesu-Verehrung scheint zuweilen eine kitschig-lieblich bis magisch-sentimentale Frömmigkeitsform eines bestimmten Katholikenkreises zu sein – wohl aber nicht die der Mehrzahl der Gläubigen. Warum aber gibt es dann ein offizielles kirchliches Hochfest zu Ehren dieses Aspektes im Leben Jesu Christi?

Das Hochfest des heiligsten Herzen Jesu ist, wie auch Fronleichnam, ein Ideenfest, welches eine Glaubenswahrheit oder einen besonderen Gesichtspunkt christlicher Frömmigkeit in den Blick nimmt statt eines Heilsereignisses. Das Fest wurde 1856 von Papst Pius IX eingeführt, nachdem die Herz-Jesu Frömmigkeit bereits im Hoch- und Spätmittelalter ausgeprägt war. Hierbei seien nur einige Heilige zu nennen, von denen dies bekannt ist: Bernhard von Clairvaux, Albertus Magnus, Bonaventura, aber auch die deutsche Mystikerschule mit Meister Eckart, Johannes Tauler oder Heinrich Seuse. Später nahm sich der Jesuitenorden der besonderen Verbreitung dieser Andachtsform an, welche aber vor allem durch die Visionen der französischen Ordensfrau Maria Margarete Alacoque im 17. Jahrhundert enormen Aufschwung gewann. Die Ordensfrau überlieferte diverse Verheißungen und Botschaften im Zusammenhang mit der Herz-Jesu Verehrung. 

Jenseits der Privatoffenbarung der Ordensfrau ist das wichtigste und wesentliche am Fest, dass das Christentum einen Gott verehrt, der ein Herz hat. Gott hat in Christus offenbart, dass er ein Herz für die Menschen hat, dass sein Herz für das Heil der Seelen schlägt, dass er Mitleid hat, also nicht „herzlos“ ist, sondern barm-herz-ig (misericoridas). Schon die Bibel berichtet, dass das Herz des Gottessohnes am Kreuz durchstochen wurde (Joh 19,34) und damit wortwörtlich ein offenes Herz für Gott und Mensch war. Papst Pius XII. beschrieb in seiner Enzyklika Haurietatis aquas, anlässlich des 100. Jahrestages der Einführung des Festes, dass der Sinn der Verehrung darin liegt „daß sein Herz, mehr als alle übrigen Glieder seines Leibes, ein natürliches Zeichen oder Sinnbild seiner unermeßlichen Liebe zum Menschengeschlecht ist“ (HA I). Dieses, sein Herz, war bereit sich verwunden zu lassen und trotzdem nicht zu lieben aufzuhören. So wird im Betrachten und Verweilen an der Brust Jesu, sein Herz (Joh 13,23) auch für uns ein Lernort Gott und den Nächsten zu lieben. 

Pius XII fasst das so zusammen, dass „die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu dem Wesen der Sache nach der Kult der Liebe ist, mit der Gott uns durch Jesus geliebt hat, und zugleich die Übung unserer Liebe zu Gott und den übrigen Menschen“ (HA IV).

Frau Clara Born OP

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