Fronleichnam – Ursprung und Bedeutung eines Festes

Bild: Eucharistiefeier, Quelle: www.pixabay.com

Schon der Name dieses Festes scheint zu irritieren. Die deutsche Sprache unterscheidet sehr explizit zwischen Körper und Leib. Da im deutschen Sprachgebrauch das Wort Leichnam einen toten, gegenständlichen Körper ausmacht, wohingegen der beseelte, lebendige Körper als Leib bezeichnet wird, verwundert diese Bezeichnung. Schließlich feiern wir in der Eucharistie den lebendig-gegenwärtigen Herrn. Das ist auch der Grund, warum es im deutschen etwa „Leib Christi“ und nicht „Körper Christi“ heißt.

In vielen Ländern ist das Fest unter dem lat. Namen „Corpus Domini“ bekannt, welches so viel wie „Leib des Herrn“ heißt. Das mittelhochdeutsche Wort fron/vron bedeutet „Herr“und Leichnam darf in diesem Kontext getrost als Leib verstanden werden. Die Entstehung des Festes ist im Zusammenhang mit der ausgeprägten Schaufrömmigkeit des Mittelalters zu sehen, welche besonderen Wert auf Anschauen der Hostie legte (z.B. bei der Elevation). Auch der religiöse Kreis um die Mystikerin Juliana von Lüttich trug zum Entstehen des Festes bei. In diesem Kontext ist auch die Mondvision Julianas verortet, bei der sie auf einem Vollmond eine dunkle Stelle sah, als Zeichen für das Fehlen eines eigenen Festes zur Verehrung der Eucharistie. 1229 erzählte sie ihrem Beichtvater davon, der 1264 als Papst Urban IV das Fest für die Gesamtkirche vorschrieb. Dabei hatte er den bis heute geltenden Termin, den Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, festgelegt. Die Rolle des Thomas von Aquin bei der Entstehung des Messformulars ist umstritten, dennoch sind die Orationen „mindestens inspiriert durch die Summa Theologica (III q.73, c.4).“ (Hansjörg Auf der Maur, Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft. (Teil 5, Feiern im Rhythmus der Zeit I. Herrenfeste in Woche und Jahr), Regensburg 1983, 202). Die heute gängigen Prozessionen sind noch nicht in der Bulle von Papst Urban erwähnt und entwickelten sich wohl unabhängig an verschiedenen Orten im 14. Jhd. Im 17. Jhd. wurden die Prozessionen dann in die offiziell-liturgischenBücher integriert. Dabei prägten vor allem um die Zeit der Reformation auch demonstrative und polemische Beweggründe die prächtigen, teils triumphalen Prozessionen mit. Spätestens seit dem 2.Weltkrieg ist die Verzweckung des Festes zugunsten eines konfessionalistischen-katholischenTriumphalismus weitestgehend verschwunden.

Theologisch lässt sich das Fest zu den sogenannten „Ideenfesten“ rechnen, die eine erkannte Wahrheit feiern. Somit knüpft Fronleichnam an den vorangegangenen Dreifaltigkeitssonntag an. Im Grunde ist das Fronleichnamsfest eine erneute Feier des Gründonnerstages, allerdings nicht unter dem Aspekt der Passion, sondern mit starkem Fokus auf das Geschenk des Herrn in der Eucharistie.In der mittelalterlichen Eucharistiefrömmigkeit fand die Verehrung der Eucharistie zunächst und bevorzugt unabhängig von der Messfeier statt und so ersetze vielfach das Schauen und Anbeten der Hostie den eucharistischen Kommunionempfang.

Da das Fest aus dieser Tradition hervorgegangen ist, muss es heute immer in Verbindung mit der Messfeier und nicht als von ihr isoliertes Geschehen verstanden werden.

Frau Clara Born OP

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