Der Preis der Courage – Igino Giordani

von Norbert Schmeiser

Photo: Alberto Lo Presti, von: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giordani_con_i_giovani.jpg?uselang=de, abgerufen am: 16.04.2020

„Ich wollte studieren und suchte nach einem engagierten Leben, nach einem religiösen Leben mit verantwortlichen Aufgaben“. Diese Aufgabe stellte sich Igino Giordani (1894-1980) 16jährig. Wie setzte der aus armen Verhältnissen stammende Italiener sein Lebensziel um? Nach seiner Verwundung im 1. Weltkrieg studierte er Literatur und unterrichtete dieses Fach. Während dessen engagierte er sich als Pazifist und Mitglied der Volkspartei. Er stellt sich gegen die seit 1922 regierenden Faschisten. Seine Zivilcourage bezahlte der junge Vater mit der Arbeitslosigkeit und hielt seine Familie mit journalistischen Tätigkeiten über Wasser.

Seine Kontakte zum Vatikan ermöglichten Giordani ein Studium der Bibliothekswissenschaften in den USA. Dort trat er 1928 – fasziniert von Katharina von Siena und ihrem politischen Engagement – dem Laienzweig des Dominikanerordens bei. Während seiner Tätigkeit in der Vatikanischen Bibliothek vertiefte er sich in die Theologie und schrieb über die soziale Botschaft der Evangelien, um so die menschenverachtende Ideologie der Faschisten anzuprangern. Er verfolgte die Idee der Kirchenväter, die Grenzen zwischen Laien und Ordensleben aufzuheben, kritisierte den Klerikalismus und trat er für die Anerkennung des Laienstandes in der Kirche ein.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm Giordani seine politische Tätigkeit bei den Christdemokraten auf. Im Parlament setzte er sich gegen die Wiederbewaffnung und für die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ein. Dieses Engagement kostete ihm sein Mandat. Danach arbeitete er in der Bibliothek des Abgeordnetenhauses und war journalistisch tätig. Sein Anliegen war ein gesellschaftlich bedeutsames Christentum, er wandte sich gegen die Trennung von privater Frömmigkeit und öffentlichem Leben. Seit 2004 strengt das Bistum Tivoli seine Seligsprechung an.

Norbert Schmeiser, Der Preis der Courage – Igino Giordani. Todestag am 18.4.1890, in: Konradsblatt 104. Jhg, 12.4.-18.4.2020, Heft Nr. 15, S. 23.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.