Dritter Weltkongress der Dominikanischen Laiengemeinschaften in Fatima: ein Bericht

Vom 4. bis 10. Oktober fand die dritte Internationale Versammlung der Dominikanischen Laiengemeinschaften statt. Diese Versammlung trifft sich nur etwa alle 10 Jahre und ist für die Dominikanischen Laien von großer Bedeutung. Hier berichtet Volker Nebel,  einer der Delegierten unserer Provinz, über die Tage in Fatima:

Eine Wegbeschreibung hatte ich vorab bekommen und einen Zeitplan für jeden Tag, sonst nichts. Im Bus von Lissabon nach Fátima traf ich Margret Burkart, Präsidentin der Norddeutschen Provinz, und sie wusste auch nicht mehr. Der ECLDF, der Europäische Rat der Laien-Dominikaner, hatte sich vor einem Jahr im Gästehaus der Dominikanerinnen in Fátima getroffen, wir waren in einem Hotel untergebracht.

Dort wurde ich als erstes auf Deutsch begrüßt, von Konrad, der 1962 nach Kanada ausgewandert war und jetzt als Mitglied der kanadischen Delegation hier war. Beim Abendessen saß ich neben María, die von sich behaupten konnte, gleich dreimal dominikanisch zu sein: dem Herrn gehörend, Mitglied einer Dominikanischen Laien-Fraternität und in der Dominikanischen Republik lebend. Die weiteste Anreise hatten die beiden Australier, aber nicht die längste: Eine Frau aus Kamerun berichtete, dass sie eine Woche gebraucht hatte, um nach Fátima zu kommen. In Kamerun herrscht Bürgerkrieg.

„Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ war das Motto dieser dritten internationalen Versammlung der Dominikanischen Laien-Fraternitäten und auch das Thema einer der Kommissionen. Die Berichte aus Kamerun, wo die Regierung Krieg gegen die englischsprachige Minderheit führt, und aus Venezuela, das von seinen Bürgern verlassen wird, weil es nichts mehr zu kaufen gibt, machten deutlich, dass diese Themen von fundamentaler Bedeutung sind, auch wenn sie in Europa und Nordamerika inzwischen als altmodisch gelten.

Jeder Delegierte arbeitete in einer der Kommissionen, die es zu den folgenden Themen gab: „Regeln und Statuten“, „Predigt und Gebet“, „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, „Ausbildung“, „Kommunikation und Finanzen“, „Promotoren und Assistenten“ und „Die Dominikanische Familie“. Einer aus jeder Kommission musste die Arbeit des Sekretärs übernehmen und die Ergebnisse der Kommission dem Plenum vorstellen. Dort wurde darüber nochmals beraten, Änderungsvorschläge gemacht und schließlich abgestimmt. Die meisten Vorschläge fanden schließlich die Zustimmung des Plenums und werden hoffentlich bald in den Akten der Versammlung veröffentlicht werden.

Im Plenum gesprochen wurde in den drei Sprachen des Ordens: Englisch, Spanisch und Französisch. Damit jeder alles verstehen konnte, hatten wir drei Dolmetscher, zwei Schwestern und ein Pater, und jeder bekam Kopfhörer und einen Empfänger, auf dem er zwischen den drei Sprachen wählen konnte. Das funktionierte, war aber nicht immer einfach. So konnten die Übersetzer keine Zwischenrufe hören, die nicht ins Mikrophon gesprochen wurden, und manches Detail ging verloren. Die Kommission über die Ausbildung war so groß, dass sie sich in eine englisch- und eine spanisch-sprechende Gruppe geteilt hatten, um anschließend zu vergleichen und zusammenzusetzen, was sie erarbeitet hatten.

Ein normaler Arbeitstag begann um 9 Uhr mit Laudes und Messe. Um 10 Uhr folgte ein Vortrag, danach ging jeder in seine Kommission, die bis zum Mittagessen und dann ab 15 Uhr wieder arbeiteten. Um 17 Uhr versammelte sich das Plenum, um die Vorschläge aus den Kommissionen zu hören und abzustimmen.

Um 19 Uhr war Vesper und um 20 Uhr endete der offizielle Teil mit dem Abendessen. Da wir im Lauf der Tage mit der Arbeit in Verzug kamen, wurden Messe und Vortrag 30 Minuten früher gehalten, und die Vesper fiel mehrfach aus.

P. Bruno Cadoré, unser Ordensmeister, wollte eigentlich die ganze Zeit dabei sein, wurde aber vom Papst zu einer Synode verpflichtet. Er kam in der Nacht von Freitag auf Samstag und blieb bis Sonntag Nachmittag. Er sprach zu uns vom „Tisch des Ordens“ als einem Symbol unserer Gemeinschaft, dass Dominikus „Bruder“ genannt werden wollte und dass diese Brüderlichkeit der Weg sei, miteinander vertraut zu sein. Dafür sei es wichtig, von einander zu wissen: Was du machst, betrifft uns! (An dieser Stelle sei angemerkt, dass aus der Ordenskurie mehrere Brüder und eine Schwester teilnahmen.) Außerdem erzählte er von einem Bruder, der aus dem kommunistischen Ungarn nach Frankreich geflohen war und durch seinen Akzent ein Außenseiter im Konvent blieb. Als einmal der Novizenmeister zu den Novizen über das Predigen sprach, schaltete er sich ein und meinte, so zu predigen, das sei Propaganda. Was unterscheidet unsere Predigt von der Propaganda? Nach den Worten von Bruno ist es das Mitgefühl, das wir für unsere Mitmenschen haben.

P. Vivian Boland sprach über die verschiedenen Aspekte der Ausbildung im Dominikaner-Orden, genauer über die neue Ratio Formationis Generalis der Brüder, die stärkeren Wert auf die Ausbildung durch die Gemeinschaft und auf die lebenslange Weiterbildung legt. Die Ausbildung nimmt vier Aspekte in Blick: die menschliche Ausbildung, die religiöse oder spirituelle, die intellektuelle und die apostolische.

S. Lissie Aviles und P. Aristide Basse sprachen über „Ökologie und die Sorge für die Schöpfung“, ihre Präsentation und ihre Texte finden sich, wenn man ihre Namen und das Wort Präsentation anklickt.

Duncan MacLaren, Laiendominikaner aus Glasgow und Mitglied der Internationalen Dominikanischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, sprach über eine Dominikanische Sicht auf gesamtheitliche menschliche Entwicklung. Seine Beobachtung ist, dass in unseren Pfarreien die einen beten und andere sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, und schlug vor, die beiden Gruppen zusammenzubringen. Unser Tun richte sich nach dem Muster „Sehen, Beurteilen, Handeln“ oder auch „Beobachten, Analysieren, theologisch Reflektieren, Entscheiden, Handeln, Auswerten“. Dabei sei es wichtig, die Auswertung den Betroffenen zu überlassen, denn die Armen sind nicht die Objekte unserer Ideen, sie entscheiden selber über ihre Entwicklung. Die Armen lehren uns das Evangelium, nicht anders herum.

P. Gerald Stookey sprach unter dem Titel „Christus ist unser Friede (Eph 2,17)“ über Jesus Christus, sein Mitgefühl für uns Menschen und warum wir uns für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

Das eigentliche Ergebnis der Versammlung, also die Vorschläge aus den Kommissionen, denen das Plenum zugestimmt hat, werden derzeit von P. Rui und den Mitgliedern des ICLDF zusammengestellt, übersetzt und dann veröffentlicht. Ich möchte diesen Männern und Frauen, deren Weisheit, Offenheit und Freundlichkeit ich zu schätzen gelernt habe, und unseren portugiesischen Gastgebern danken für ihre viele Arbeit, die sie für die Laiendominikaner getan haben und tun. Anstrengend waren die Tage gewesen. Trotzdem hielten die Südamerikaner am letzten Abend noch eine kleine Konferenz in der Bar ab, während P. Gerald Stookey auf dem Flügel alte deutsche Volkslieder spielte, die er von seiner Mutter kannte. Als wir am Mittwoch Morgen von Fátima aufbrachen, da regnete es zum ersten Mal, wie wenn der Himmel die Saat begießen wollte, die wir gesät hatten, damit sie aufgeht und in den Fraternitäten Früchte bringen wird.

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