Er entäußerte sich und wurde den Menschen gleich. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz

„Als sie zum Ort kamen, der Schädelstätte heißt, kreuzigten sie ihn“ (Lk 23,33) – zwischen zwei Verbrechern, und selbst dann hörten sie nicht auf, ihn zu verspotten und zu verhöhnen, sondern sie alle, Hoherpriester und Volk, gafften ihn an und hießen ihn, herabzusteigen vom Kreuze.

Nun bitte ich euch zu erwägen, dass dieses Gesicht, so erbarmungslos geschlagen, das Gesicht Gottes selber war; die Schläfen blutig von den Dornen, der heilige Leib ausgesetzt den Zuschauern und zerfleischt von den Geißeln, die Hände genagelt an das Kreuz und später die Seite durchbohrt vom Speer: es waren der Leib und das heilige Fleisch und die Hände und die Schläfen und die Seite und die Füße Gottes selber, auf die die wutentfesselte Menge blickte. Das ist ein so furchtbarer Gedanke, dass, wenn der Geist ihn zum ersten Mal fasst, es  sicherlich schwierig sein wird, an etwas anderes zu denken; so dass, wenn wir daran denken, wir Gott bitten müssen, uns zu mäßigen und uns Kraft zu geben, richtig darüber zu denken, damit es nicht zu viel für uns werde.

Wenn wir also bedenken, dass der allmächtige Gott selber, Gott der Sohn, der Dulder war, werden wir besser als bislang die Beschreibung verstehen, die die Evangelisten von ihm gegeben haben; wir werden den Sinn seines Benehmens verstehen, sein Schweigen und die Worte, die er gebrauchte, wenn er sprach, und des Pilatus Schauern vor ihm …

Erwäget die Worte des geliebten Jüngers in der Vorwegnahme seiner Wiederkunft am Ende der Welt: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, Amen“ (Offb. 1, 7).

Ja, wir alle zu Wohl oder Weh werden eines Tages sehen jenes heilige Antlitz, welches Menschen geschlagen und entehrt haben; wir werden sehen jene Hände, die an das Kreuz genagelt wurden; jene Seite, die durchbohrt wurde. Wir werden all dieses sehen; und es wird der Anblick des lebendigen Gottes sein.

John Henry Kardinal Newman (+ 1890); aus dem Buch:“Mysterium der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes“.

Fotos: http://www.walberberg.info/html/kreuzweg.html

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