O Adonai

18.12. Herr / Adonai

O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel, im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

O Adonai, et dux domus Israël, qui Moyse in igne flammae rubi apparuisti, et ei in Sina legem dedisti: veni ad redimendum nos in brachio extento.

SEIN Bote ließ sich von ihm sehen in der Lohe eines Feuers mitten aus dem Dornbusch.

So übersetzt Martin Buber Exodus 3,2. Gottes Bote lässt sich sehen – denn Gottes Angesicht selbst kann keiner schauen und am Leben bleiben (vgl. Ex 33,20).
Er erscheint im Feuer, das im Dornbusch brennt, aber nicht verbrennt. Lebendiges Feuer, das sich nie verzehrt. Normalerweise brennt das Feuer nur solange, wie etwas zum Verbrennen da ist, dann erlischt es und es bleibt Asche zurück. Gottes Feuer brennt, ohne den Brennstoff zu verbrauchen, es speist sich aus sich selbst, es hinterlässt keine Asche.
Unversiegbare Energie, wie sehr würden wir Menschen uns so einen Energielieferanten wünschen. Doch Gott ist mehr als Energie, mehr als eine kosmische Kraft, mit der manche Menschen durch bestimmte Meditationstechniken in Verbindung treten möchten.
Gott hat ein Antlitz, Gott ist Person. Gottes Antlitz, das Mose verborgen im Feuer des Dornbusches sah, ist uns in Jesus Christus auf menschliche Weise erschienen. Adonai, der Herr, wie ihn das Volk Israel nennt, weil es sich aus Ehrfurcht scheut, den Gottesnamen auszusprechen, der dem Mose aus dem Dornbusch offenbart wurde, ist uns Menschen als Mensch nahe gekommen und zeigt uns, was sein Name bedeutet – „ICH BIN DA“.

Sie, die saßen in Dunkel und Finsternis, gefangen in Elend und Eisen, sie schrien in ihrer Bedrängnis zum Herrn und er entriss sie ihren Ängsten. (Ps 107,10.13)

Wir sehnen uns nach der Wärme und dem Licht des Feuers, wir sehnen uns nach Nähe, nach einem Antlitz, das sich uns zuneigt. Wir sehnen uns nach Freiheit. Herr Jesus, wenn du uns befreist, sind wir wirklich frei (Joh 8,36). Komm Herr und mach uns frei!

Gott ist wie ein nie verlöschendes Feuer – und wir sollen uns von diesem Feuer entfachen lassen. Gottes Feuerflamme, sie zeigt sich uns im Heiligen Geist. Wir wissen, dass er am ersten Pfingstfest in Feuerzungen auf die Jünger herabkam und ihnen die Kraft gab, von Jesus Christus Zeugnis zu geben.
Das war kein einmaliges Ereignis. Pfingsten ereignet sich immer neu. In Taufe und Firmung wird jeder Mensch hinein genommen in die Gemeinschaft der Geisterfüllten. Doch leicht wird der Glaube zur Routine, der Funken springt nicht über.
Habe ich die Sehnsucht, dass Gottes Feuer in mir zu brennen beginnt? Wir müssen darum beten, wir können es nicht selbst machen, aber wenn wir bereit sind, zu empfangen, dann wird Gott sein Feuer auch in uns entzünden.
Momente göttlichen Feuers. Wir wissen vielleicht um solche Ereignisse in unserem Leben, wo wir Gottes Gegenwart auf besondere Weise gespürt haben. Halten wir stets die Erinnerung daran wach, lassen wir das Feuer in uns nicht ausgehen.
In einer Erzählung der Chassidim, die Martin Buber uns überliefert hat, heißt es:

Als Levi Jizchak von seiner ersten Fahrt zu Rabbi Schmelke von Nikolsburg, die er gegen den Willen seines Schwiegervaters unternommen hatte, zu diesem heimkehrte, herrschte er ihn an: Nun, was hast du schon bei ihm erlernt?! – Ich habe erlernt, antwortete Levi Jizchak, dass es einen Schöpfer der Welt gibt. – Der Alte rief einen Diener herbei und fragte den: Ist es dir bekannt, dass es einen Schöpfer der Welt gibt? – Ja, sagte der Diener. – Freilich, rief Levi Jizchak, alle sagen es, aber erlernen sie es auch?

Die diesjährigen Texte zu den O-Antiphonen sind der Seite praedica.de entnommen.
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