Die 10. Versammlung der europäischen dominikanischen Laiengemeinschaften in Fatima

Wie berichtet fand vom 4.-8. Oktober in Fatima die 10. Versammlung der Dominikanischen Laiengemeinschaften von Europa statt. Zahlreiche Provinzen, Vizeprovinzen und Vikariate hatten Delegierte mit Stimmrecht entsandt, dazu kamen einige Delegierte ohne Stimmrecht, einige Promotoren, der scheidende Europäische Rat der Dominikanischen Laiengemeinschaften (ECLDF), der Vertreter Europas im International Council of Lay Dominican Fraternities (ICLDF) und eine Vertreterin des International Dominican Youth Movement (IDYM), so dass die Versammlung aus insgesamt 53 Personen bestand. Aus unserer Provinz waren durch das Präsidium bzw den Provinzrat Gabriele Neu-Yilik als stimmberechtigtes Mitglied und zusätzlich Felix Hoffmann ohne Stimmrecht als ein Vertreter der jüngeren Generation delegiert worden.

Die Versammlung wohnte, betete und tagte in der „Casa das Irmas Dominicanas„, einem von Dominikanischen Schwestern geführten Pilgerhotel  ganz in der Nähe des Heiligtums von Fatima.

Zwischen Laudes am Morgen, Rosenkranz und Vesper am Abend und der Feier der hl. Messe um die Mittagszeit hatten die Teilnehmer ein sehr dichtes und anspruchsvolles Programm zu absolvieren, das sich, inspiriert durch drei Vorträge, aus verschiedenen Gesichtspunkten mit dem Thema der letzten Jahre „Preachers of Hope“ befasste.  Am 1. Tag sprach der Ordensmeister Bruno Cadoré über Themen, die er auch schon in seinem Brief an die Dominikanischen Laien in Vorbereitung des Jubiläumsjahrs entfaltet hatte: die Fraternität als Ort der Hoffnung, der Kommunion und der Predigt, in der der Einzelne mehr er selbst wird, als er das auf sich gestellt könnte. Er wies darauf hin, dass wir als Prediger nicht nur Gebende sondern genauso Empfangende sind, symbolisiert durch die ausgestreckte Hand, eine Geste, die sowohl für Geben als auch für Nehmen steht.

Der ehemalige Ordensmeister Timothy Radcliffe sprach am folgenden Tag darüber, wie unsere Brüder und Schwestern in arabischen Ländern (Irak, Syrien) im Angesicht von Verfolgung und Krieg uns Hoffnung lehren können.

Hoffnung müsse der wichtigste Gegenstand der Predigt sein, denn wir müssen uns täglich klar machen, dass das Reich Gottes nah ist.  Wenn man lernen wolle, was Hoffnung ist, müsse man in die Wüste oder die Wildnis gehen und dort bleiben, wie zB die Laiendominikaner, die er in Bagdad getroffen hat und die sich weigern wegzugehen. Als er 1988 den Irak besuchte und von bevorstehenden Bombenangriffen hörte, fragte er Erzbischof Mirkis, einen Dominikaner, ob er keine Angst habe. Der Bischof antwortete, wenn man so lange mit dem Tod gelebt habe, wie die Bewohner seiner Stadt, würde man sich nicht mehr darum sorgen, ob man sterben könne, sondern darum, ob man auferstehen wird. Im Arabischen gibt es zwei Vokabeln für Hoffnung, eine die für Optimismus steht und eine für die Hoffnung auf den Herrn. In diesen Ländern sei die Feier der Eucharistie der größte Ausdruck der Hoffnung. Ein anderer Ausdruck sei die Musik, das Singen. Beides wird in besonders eindringlicher Weise in dem Film über die Mönche von Tiberine  (Von Menschen und Göttern) verdeutlicht.  Beten, singen, bleiben und morgens aufstehen und die guten Dinge tun, die Gott für uns vorbereitet hat, das sei die beste Art zu predigen. Das vollständige Manuskript der Ansprache in Englisch ist auf der ECLDF-Homepage einsehbar.

Sr. Yosé Höhne-Sparborth berichtete am 3. Tag sehr eindrucksvoll von ihren Erfahrungen als Friedensarbeiterin, die sie nach mehr als 20 Jahren in Lateinamerika jetzt in Syrien und im Irak sammelt.

Dort hilft sie u.a. den Erzbischof von Kirkuk Yousif Thomas Mirkis OP bei seinen vielfältigen Projekten zur Unterstützung und Ausbildung von verfolgten Christen, aber auch Muslimen, die ebenfalls unter dem Bürgerkrieg und dem IS leiden.

Nach den Vorträgen von Timothy Radcliffe und Sr. Yosé fanden jeweils Gesprächskreise in Englisch, Deutsch und Französisch statt, bei denen sich die Teilnehmer über das Gehörte austauschen konnten und darüber wie unsere  Gemeinschaften Zeichen der Hoffnung in unseren jeweiligen Kontexten sein können.

Ein anderer wesentlicher Teil der Assembly waren die Berichte des noch amtierenden ECLDF über seine Aktivitäten in den letzten dreieinhalb Jahre.

 

 

Dazu gehörten u.a. die Einrichtung der neuen Internetseite und einer Facebook-Seite, die Etablierung eines regelmäßig versandten Newsletters, die Aktion „Chain of Preachers of Hope“, mit der Provinzen und Vikariate in ganz Europa verbunden wurden, die vollständige Digitalisierung und Archivierung aller vorhandenen Dokumente, Besuche von Provinzen  auf deren Einladung hin (beispielsweise war Arnaud Kientz eingeladener Gast bei unserer Provinzratswahl 2015) und der ständige Kontakt mit der Generalkurie über den Generalpromotor P. Rui.

Klaus Bornewasser gab einen kurzen Überblick über die Aktivitäten des ICLDF, dem er als Vertreter Europas bis Ende nächsten Jahres angehört. Auch die Delegierten stellten in kurzen Zusammenfassungen ihre Provinzen vor.

Am Nachmittag des 7. Oktober fanden dann der Traktatus und die anschließende Wahl des neuen ECLDF statt. Im Traktatus stellen sich die Kandidaten zunächst selbst vor, werden dann befragt, und anschließend findet ein freier Austausch über ihre Eignung in ihrer Abwesenheit statt. Insgesamt  neun Kandidaten stellten sich zur Wahl. Jeder Kandidat musste von einem Mitglied der Versammlung vorgeschlagen und der Vorschlag von einem weiteren Mitglied unterstützt werden. Die Kandidaten mussten ihrer Nominierung zustimmen. Sie konnten, mussten aber nicht Teilnehmer der Versammlung sein. Maro Botica  – ein Kandidat, der dann auch gewählt wurde – war beispielsweise nicht anwesend. Er wurde von den Delegierten seiner Provinz (Spanien) vorgestellt und beantwortete einige Fragen am Telefon.  Alle Kandidaten waren sehr gut geeignet. Sie brachten vielfältige Erfahrungen aus Beruf, Familie, pastoraler Arbeit und aus verschiedenen Ämtern in ihren Provinzen mit. Erfreulicherweise gab es auch drei Kandidaten aus der jüngeren Generation, von denen mit Felix aus unserer Provinz und Maro zwei gewählt wurden. Entsprechend der ECLDF-Statuten werden 5 Personen in den ECLDF gewählt, die die verschiedenen Ämter dann je nach Eignung und Interesse unter sch verteilen. Gewählt wurde auch der zukünftige Vertreter Europas im ICLDF. Auch für dieses Amt stellten sich drei Kandidaten zur Wahl.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Tage war das endgültige Versprechen eines jungen portugiesischen Laiendominikaners bei der hl. Messe am ersten Tag der Versammlung mit dem Ordensmeister als Hauptzelebranten.

Am 7. Oktober, dem Fest unserer lieben Frau vom Rosenkranz, feierten P. Rui und die anwesenden Provinzpromotoren eine Messe im Heiligtum für uns und alle anwesenden Pilger.

Neben dem anstrengenden Tagungsprogramm gab es einen viel zu kurzen Ausflug zum grandiosen ehemaligen Dominikanerkloster Batalha, das etwa 15 km von Fatima entfernt gelegen ist.

Ein kurzer Überblick über Architektur und Geschichte ist auf der ECLDF-Seite (in Englisch) einsehbar. An den Abenden trafen sich alle, die noch nicht zu müde waren, zum „Networking“ und zum informellem Austausch an der Bar des Hotels, manchmal so lange, bis der Barkeeper am frühen Morgen das Licht ausmachte.

Der letzte Abend wurde von der portugiesischen dominikanischen Familie gestaltet, die auch Mitglieder der Dominican Volunteers International (DVI) mitbrachte.

Nach der Vorstellung der DLG von Fatima und des DVI kam auch die IDYM-Delegierte zu Wort, die als Beobachterin an der Versammlung teilgenommen hatte. Seit seiner Gründung durch Timothy Radcliffe im Jahr 2002 ist die Mitgliederzahl des IDYM bereits auf 2200 angewachsen. Leider ist IDYM in Europa nur in zwei Ländern vertreten.

Zu Recht bezeichnete die IDYM-Vertreterin diese Jugendgemeinschaften als natürliche Vorstufen oder Keimzellen für inkorporierte dominikanische Laienfraternitäten. Wir sollten Möglichkeiten finden, wie die IDYM-Bewegung auch in Europa verbreitet werden kann und wie diese Gruppen dann, wenn sie die Altersgrenze für IDYM erreichen, in DLGs überführt werden können. Die Vorstellung dieser  unterschiedlichen Zweige der dominikanischen Familie ging in eine fröhliche Tanzdarbietung der DVI-Gruppe über und anschließend bewirtete die Fraternität von Fatima alle mit portugiesischen Spezialitäten.

Die Versammlung endete mit der Verabschiedung des alten ECLDF und dem Segen für die Neugewählten, bei dem auch alle eine Kerze auf den Weg erhielten.

Da Maro nicht anwesend und Damian schon abgereist war, mussten die übrigen drei neuen Ratsmitglieder ihre Kerzen in Empfang nehmen. Wir danken von Herzen dem alten Rat für seinen langjährigen Einsatz und wünschen dem neuen Gottes Segen für die vor ihm liegenden vier Jahre.

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