Im Geist des Dominikus: Else Budnowski

Von Norbert Schmeiser

Nur von wenigen Menschen lässt sich sagen, ein Jahrhundert ganz erlebt zu haben. Bei Else Budnowski (1900-2002) ist dies der Fall. Beeindruckend ist, wie sie ihr Leben in dieser Zeit verstand. Sie wollte „stets mitten in der Welt, voller Hingabe an den Menschen im Geist des heiligen Dominikus … leben“, schreibt sie in ihren Lebenserinnerungen.

Schreiben – das war ihr Faible, wie sich schon in ihrer Jugend zeigte: mit 13 schrieb sie ihre erste Geschichte, sie war 17, als ihr erstes Gedicht veröffentlicht wurde. Ihr Leben war von schriftstellerischer Tätigkeit geprägt: Else Budnowski veröffentlichte Literatur über Laien, die sich den Dominikanern angeschlossen hatten, etwa Martin Porres, Rose Hawthorne und Bartolo Longo, auch Romane sowie religiöse, im Briefstil gehaltene Schriften für junge Frauen, die zum Teil ins Englische und Niederländische übersetzt wurden.

Nicht nur wegen ihrer publizistischen Fähigkeiten fühlte Else Budnowski sich von der dominikanischen Spiritualität angesprochen, sondern auch aufgrund ihrer pädagogischen Begabung. Sie unterrichtete zunächst in der Eifel; nach 1945 fand sie in Berlin eine Anstellung als Lehrerin für Englisch und Deutsch, was ihr zuvor wegen ihres katholischen Bekenntnisses verwehrt wurde. Deshalb kümmerte sie sich nach ihrem Studium zunächst als Leiterin der „Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen“ um Fabrikarbeiterinnen und Jugendliche, die bei bürgerlichen Familien angestellt waren.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte Budnowski – unterstützt von amerikanischen Mitgliedern der dominikanischen Laiengemeinschaft – Lebensmittel- und Kleiderhilfe für das isolierte Berlin. Danach engagierte sie sich politisch, caritativ und in der St. Paulus-Gemeinde in Moabit, deren dominikanische Laiengruppe ihr ein Leben lang Rückhalt bot.*

Else Budnowski als Rednerin bei einer Festveranstaltung katholischer Verbände in Berlin 1933. „Am Tage des katholischen Festes Christi Himmelfahrt am Donnerstag, den 25. Mai 1933, fand ein festlicher Umzug verschiedenster religiöser Gruppierungen hin zur Wilmersdorfer Tennishalle, einer 1930 in der Brandenburgischen Straßen erbauten Mehrzweckhalle, die rund 2000 Besucher fasste. Hier fand eine Kundgebung und Festveranstaltung der Marianischen Jugend statt, selbige Teil der Marianischen Kongregation, einer bereits im 16. Jahrhundert gegründeten – zunächst nur für Männer, seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch für Frauen geöffneten – kirchlichen Vereinigung mit dem Ziel der Einheit von Leben und Glauben. Zusammengekommen waren einige Vertreter (Priester, Pfarrer) und zahlreiche Vertreterinnen – Mädchen und junge Frauen – aus Berliner Gemeinden, darunter der Gemeinden St. Clemens und St. Josef (vermutlich Berlin-Weißensee), Liebfrauen St. Marien (Berlin-Kreuzberg), der Katholische Kirchengemeinde Heilige Familie (Berlin-Pankow), der Gemeinden St. Ludgerus, St. Bonifacius und St. Elisabeth (Berlin-Mitte), der Congregation St. Johannis und der Congregation Lichtenberg (Berlin-Marienfelde), dem Heliandbund bzw. Heliand-Mädchenkreis, Gruppen aus Oberschöneweide, Henningsdorf oder Lichterfelde. Zu unterscheiden sind die Gruppen anhand der Fahnen und Flaggen sowie der je gruppenspezifischen Kleidung (meist langer Rock und Bluse in einheitlichen Farben). Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen versammelten sich nach dem Zug durch die Stadt in den Tennishallen. An einem feierlich geschmückten Altar bzw. Pult mit Kerzen und einer Marienstatue, seitlich gesäumt von Fahnenträgerinnen, sprachen verschiedene Personen, unter ihnen Else Budnowski (u.a. Mitte der 1920er Jahre Leiterin der Katholischen Verbandsgruppe berufstätiger Frauen, später Lehrerin). Rechts und links auf der Bühne wurde sie umringt von Mädchen der katholischen Singschar bzw. eines Sprechchors. Der Blick ins Publikum zeigt zugleich die zahlreich erschienenen Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Saal, auf den Tribünen und Rängen der Tennishalle sowie die im vorderen Bereich platzierten Ehrengäste der Veranstaltung“.**

*Dieser Text von Norbert Schmeiser von der Freiburger Fraternität erschein zuerst am 14. Mai 2017 im Konradsblatt, der Bistumszeitung der Erzdiözese Freiburg in der Rubrik „Person der Woche“.

** Originale Bildunterschrift in einem zeitgenössischen Bericht

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