Hl. Martin de Porres – Terziar und nicht Laienbruder des Predigerordens?

san_martin_de_porres_huaycanAm 3. November feiert der Predigerorden das Fest des hl. Martin de Porres (1579 – 1639).

„Martin wurde 1579 als nichtehelicher Sohn des spanischen Edelmanns Juan von Porres und der Mulattin Anna Velasquez, einer Nachfahrin afrikanischer Sklaven,  in Lima geboren. Seine Mutter erzog ihn im christlichen Glauben. Mit zwölf Jahren war er Gehilfe eines Arztes; bei Tag pflegte er die Kranken, in der Nacht betete er vor dem Bild des Gekreuzigten.

Als Laien-Terziar trat er 1594 im Konvent Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Lima in den Orden ein. 1603 wurde er Bruder und zur Profess zugelassen. In seinem Kloster übte er nunmehr den Beruf des Pflegers an seinen Mitbrüdern aus….“

So steht es im Proprium des Predigerordens. Der Historiker P. Augustine Thompson OP, Professor an der Dominican School of Theology & Philosophy in Berkeley (Kalifornien) hat im August diesen Jahres mit überraschenden Neuigkeiten aufgewartet. P. Augustine arbeitet gegenwärtig an einem Buch über die Geschichte der nicht-ordinierten Brüder im männlichen Zweig des Dominikanerordens, die heute fratres cooperatores genannt werden, ursprünglich aber Laienbrüder oder conversi hießen. Gleichzeitig beschäftigt sich P. Augustine mit der Geschichte der dominikanischen Laien, über die er hoffentlich auch irgendwann ein Buch schreiben wird.

Im Zuge seiner Forschungen fiel P. Augustine auf, dass eine zeitgenössische Darstellung Martin de Porres, der mit 24 Jahren seine Profess als Laienbruder abgelegt haben soll, als älteren Mann in einem Habit zeigt, wie ihn dominikanische „Donaten“ bzw Terziaren vor 1700 trugen. Zu diesem Laienhabit gehörte eine weiße Tunika und ein schwarzer Mantel, aber kein Skapulier, wie das auch die ältesten Darstellungen von Katherina von Siena bezeugen. Irritiert durch diesen Befund forschte P. Augustine weiter und fand, dass es keine Zeugnisse aus seiner Lebenszeit oder danach dafür gibt, dass Martin de Porres ein Laienbruder (frater cooperator) gewesen ist. Vielmehr wurde er in seinem Nachruf beim Generalkapitel von 1642 als „Donatus“ und nicht als „Conversus“ bezeichnet und auch in einer 1675 für einen ersten Versuch seiner Heiligsprechung vorbereiteten Lebensbeschreibung, wurde er als Mitglied des „Dritten Ordens unseres heiligen Vaters Dominikus“ bezeichnet. Selbst die für seine 1837 erfolgte Seligsprechung vorbereitete Vita spricht von ihm als Terziar und nicht als Laienbruder.

Woher kommt nun das Missverständnis? Einerseits nimmt P. Augustine an, dass nach der Seligsprechung im 19. Jahrhundert niemand mehr etwas vom traditionellen Habit der Dominikanerterziaren wusste und deshalb ab dann Statuen und Bilder angefertigt wurden, die Martin im Habit eines Laienbruders zeigten, wie er zu seinen Lebzeiten nicht existierte: mit schwarzem statt mit grauem Skapulier. Außerdem erhielt Martin 1603 das außergewöhnliche und seltene Privileg, als Laie die drei feierlichen Gelübde auf die evangelischen Räte (Keuschheit, Armut und Gehorsam) abzulegen, was damals Klerikern, Laienbrüdern (fratres cooperatores bzw conversi) und klausurierten Nonnen vorbehalten war. Er tat dies jedoch, ohne seinen Status als „Donatus“ oder Terziar zu ändern.

Von jetzt an haben wir als dominikanische Laien also wohl einen besonderen Grund das Fest des hl. Martin von Porres als einen der größten Heiligen unseres Ordenszweiges zu feiern.

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