Die Freundschaft im Orden

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Jordan von Sachsen, den ersten Nachfolger des hl. Dominikus als Ordensmeister und die Dominikanerin Diana von Andalò verband eine enge geistliche Freundschaft, die durch etwa 50 Briefe Jordans an Diana und das Kloster St. Agnes belegt ist. Der folgende Brief mit seinem vertrauten und streckenweise scherzenden Ton ist ein schönes Beispiel dafür:

Bruder Jordanus aus dem Predigerorden, ein unnützer Knecht, wünscht der in Christus teuren Schwester Diana, dass sie sich allezeit der Wonnen des Paradieses erfreuen möge.

Siehe, Teure, nun bin ich durch Gottes zuvorkommende Gnade und begleitet, ja sozusagen verfolgt von deinen und deiner Schwestern Gebete, glücklich nach Paris gekommen, gesund und ziemlich wohlbehalten; und jetzt habe ich den gegenwärtigen Brief an dich richten lassen, dass dir wenigstens aus dem brieflichen Gruß ein wenig Trost werde, da dir z.Zt. die körperliche Gegenwart und persönliche Unterhaltung und jeglicher Trost aus beidem versagt ist.

Du aber, meine Tochter, befleißige dich zusammen mit deinen und meinen Töchtern im Herrn mit allen Kräften des geistlichen Lebens nicht nur durch körperliche Anstrengungen, bei denen das Maß der Vernunft und der Vorsicht leicht überschritten wird, sondern lege noch mehr Wert auf die Tugend, welche nach dem Apostel „zu allem nütze ist“, und pflege die Frömmigkeit. Immerfort sei in eurem Herzen die Sehnsucht nach dem seligen Land der Himmelsbürger, jener herrlichen Schatzkammer der Freude und allen Jubels, die wahrhaft vom Licht aller Schönheit erfüllte Stätte, die allen menschlichen Verstand übersteigt; das wahrhaft göttliche Land, das würdig ist, von dem bewohnt zu werden, der „nach Gottes Ebenbild erschaffen ist“.

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Oft steige in den Herzen der Bräute die andächtige Erinnerung des Bräutigams auf, bei dessen Anschauen was unschön oder befleckt ist, durch die Liebe zur Schönheit wiederhergestellt werden kann, damit nicht, was fern von euch sei, auch nur im geringsten das heilige Auge des Bräutigams verletzt werde. Finden möge sich Reinheit des Herzens, Unschuld der Lebensführung, Einhelligkeit in den Sitten, Friede und Eintracht, unerschütterliche Liebe und die milde Demut, die Bewahrerin alles Guten, damit, während die Seele stets in den Wonnen der Tugenden schwelgt, in der Seele seine Wonnen auch bereite der Sohn Gottes, hochgelobt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lebt wohl!

Bete für mich. Grüße die Schwestern, die im Herrn geliebten Töchter, und halte sie an zu beten für die Studenten in Paris, auf dass der Herr ihre Herzen öffne, dass sie zur Bekehrung geneigt werden und dass diejenigen, welche einen guten Vorsatz gefasst haben, sich zur Ausführung bereit finden und standhaft zum ewigen Leben voranschreiten. Lebt wohl!

Es grüßen dich Bruder Archangelus und Bruder Johannes. Grüße auch die Konversen von St. Agnes, ich meine jene euch vertrauten Frauen und Freundinnen. Lebe wohl!

Aus dem Proprium des Predigerordens

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